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Bauuntersuchung und kulturhistorische Einordnung des Theaters
Zeichnerische Aufnahme und baugeschichtliche Erforschung sollen eine Rekonstruktion sowie Erkenntnisse zu funktionalen Aspekten des Theaters von Teano liefern. Darüber hinaus soll die Bedeutung der Theaterbauten im Süden Italiens kulturhistorisch behandelt werden.
Lage
Teano, das antike Teanum Sidicinum, liegt ca. 180 km südlich von Rom und ca. 40 km nördlich von Neapel im nördlichen Kampanien. Die antike Via Latina verläuft etwa 3 km östlich der Stadt.
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Geschichte
Teanum Sidicinum entstand im 6. Jh. v. Chr. als Streusiedlung mit Heiligtümern und Nekropolen der oskischen Sidicini. Durch Synoikismos wurde diese im späten 4. Jh. v. Chr. zur Stadt mit Mauerring und regelmäßigem Straßensystem. In republikanischer Zeit stand das Municipium sowohl während des 2. Punischen Krieges (218-201 v. Chr.) als auch im Bundesgenossenkrieg (90-89 v. Chr.) auf Seiten Roms. Unter Augustus erhielt es den Status einer Colonia. Strabo (5, 87, 248) nennt Teanum die bedeutendste Stadt an der Via Latina. Die weite Ausdehnung des Stadtareals am Fuß einer Akropolis von etwa 90 ha läßt auf kontinuierlichen Wohlstand schließen. 330 n. Chr. wurde Teanum Bischofssitz. Ab dem 11. Jh. n. Chr. reduzierte sich die bewohnte Stadtfläche auf die alte Akropolis und heutige Altstadt, die von einer Stadtmauer umgeben und mit einer Burg besetzt wurde.
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Ziele
Ziel der Arbeit vor Ort ist die weitere Freilegung, Sicherung und Teilrekonstruktion der Anlage sowie die Datierung aller Phasen des Theaters. Der erste Bau entstand vermutlich im späten 2. Jh. v. Chr. in engem architektonischen Zusammenhang mit einem Heiligtum oberhalb der Cavea. Ungeklärt ist das Ausmaß von Umbauten in augusteischer Zeit, denen etliche Bauglieder und Skulpuren aus späterer Verwendung wohl zuzuweisen sind. Aufgrund einer Bauinschrift und stilistischer Einordnung ist ein weitreichender Umbau, der eigentlich einem Neubau gleichkommt, in severische Zeit zu datieren. Die in Sturzlage erhaltenen Bauteile der Bühne erlauben eine Rekonstruktion, die das Theater von Teano zu einem wichtigen Monument der Gattung dieser Zeit machen. Aufgrund der Wiederverwendung vieler Teile lassen sich auch die früheren Phasen zumindest teilweise rekonstruieren, so daß die Entwicklung des römischen Theaters von den republikanisch-italischen Beispielen bis in das 4. Jh. n. Chr. verfolgt werden kann. Die Untersuchung kann insbesondere an der am besten dokumentierten severischen Phase auch Fragen der Baudekoration, der Bauhütten und des Gesamtentwurfes klären. Die detaillierte Aufnahme der Bauglieder des Bühnengebäudes soll Grundlage für eine von der Soprintendenz geplante Anastylose bilden.
Nach den in augusteischer Zeit zahlreichen Neubauten oder Umbauten sind in Italien meist nur mehr geringe Eingriffe oder Restaurierungen an Theatern festzustellen. Umso erstaunlicher ist in dem Landstädtchen Teanum der teure und aufwendige Neubau in severischer Zeit, der sogar eine Vergößerung des Theaters bedeutete. Es stellt sich die Frage, welche politischen, sozialen und kulturellen Impulse dazu führten. Dazu sind auch die an die Neuerrichtung anschließenden und sich über längere Zeit erstreckenden weiteren Eingriffe in die Ausstattung heranzuziehen. Es wird deshalb die kontinuierliche Nutzung und Benutzung des Theaters unter allen greifbaren Aspekten angesprochen werden. Das zunächst lokale Phänomen wird schließlich in die Theaterlandschaft der Region Kampanien eingebunden werden.
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Forschungsgeschichte
Das Theater war nie vollständig unter der Erde und wurde daher seit dem frühen 18. Jh. öfters erwähnt und abgebildet. Eine erste archäologische Untersuchung erfolgte um 1960 durch Werner Johannowsky und wurde als Aufsatz 1963 publiziert. Kleinere unpublizierte Arbeiten wurden 1985/86 und 1998/99 durchgeführt. 2002 begann das aktuelle Projekt.
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Bisherige Arbeiten
Bisherige Kampagnen: April - September 2002, 2003 und 2004. Dabei wurden von insgesamt 120 großvolumigen, aussagekräftigen Baugliedern der Bühnenwand bislang 85 Stücke im Maßstab 1:10 oder 1:5 gezeichnet und in einen Bauteilkatalog eingetragen. Ferner wurden Gipsabgüsse oder Drahtmodelle von den Bruchflächen der Bauglieder angefertigt, um die fehlenden Gegenstücke leichter bestimmen zu können. Zur Erarbeitung der Rekonstruktion wurde ein dreidimensionales digitales Modell in CAD geschaffen. Zur Vorbereitung der archäologischen Studien zum Theaterwesen wurde eine systematische Bibliographie erstellt. Vorberichte über den Stand der Arbeiten erschienen 2002 und 2003, ein weiterer ist im Druck.
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Aktuelle Arbeiten
Fortführung der Rekonstruktion und Vorbereitung des 1. Berichtes für RM 113, 2006.
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Methoden
Wegen der dichten Lagerung der Bauglieder sind der Einsatz eines Laserscanners und eine Vermessung mittels digitaler Photogrammetrie nur bedingt möglich. Die Bauglieder wurden daher durch eine konventionelle Handaufnahme vermessen.
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Ergebnisse
Der Stand der Grabung im Juli 2004 erlaubt die Aussage, daß es sich bei der Scaenae frons um eine geradlinige, ca. 44 m lange Konstruktion mit drei Durchgängen handelt. Die Parascaenia schließen ca. 4,1 m hinter den Parodoi an und besitzen einen ca. 3 m breiten Durchgang sowie eine eigene Architekturgliederung. Für die Parodoi lassen sich je zwei übereinander angeordnete Tribünen nachweisen. Die bisherige zeichnerische Rekonstruktion der Scaenae frons, die sich aus den Beobachtungen an ihrem Grundriß sowie aus den bisher gefundenen Baugliedern ergibt, zeigt vor der Porta regia eine zweigeschossige sog. Kolossalordnung. Rechts und links von ihr stand auf ca. 1 m hohen gemauerten Podesten je eine aus vier Säulen zusammengesetzte dreigeschossige sog. Normalordnung, zwischen der die Zugänge zur rechten bzw. linken Porta hospitalis lagen.
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Kooperationen
Die Bauaufnahme und Auswertung (Heinz Beste) sowie die begleitende archäologische Untersuchung (Richard Neudecker) geschehen in Zusammenarbeit mit der Soprintendenza per i beni archeologici delle province di Napoli e Caserta, von der die Freilegung des Theaters durchgeführt wird. Beteiligt sind Studenten der Technischen Universität, der Fachhochschule und der Ludwig-Maxilimilans-Universität in München.
Das Unternehmen "Teano" steht im Rahmen eines von der Europäischen Union geförderten Projektes "Grandi teatri della Campania" der Soprintendenz.
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Ansprechpartner
Dr.-Ing. Heinz-Jürgen Beste
Bauforschung
Telefon: + 39-06-488814-1
Telefax: + 39-06-4884973
Email: beste@rom.dainst.org
PD Dr. Richard Neudecker
Klassische Archäologie
Telefon: + 39-06-48881457
Telefax: + 39-06-4884973
Email: neudecker@rom.dainst.org
weitere E-Mail Adresse: henkelprojekt@rom.dainst.org
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Literatur
W. Johannowsky, Relazione preliminare sugli scavi di Teano, BdA 48, 1963, 131-165
F. Sirano, A. Balasco, H.-J. Beste, V. D'Avino, R. Neudecker, Il teatro di Teanum Sidicinum. Attraverso un progetto di rivalutazione, RM 19, 2002, 317-336
H.-J. Beste, AA 2003, H. 2, 165-166
F. Zevi, in: Alessandro il Molosso e i condottieri in Magna Grecia. Atti del Quarantatreesimo convegno di studi sulla Magna Grecia, Taranto 2003 (2004) 881-883
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