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Afghanistan: Kabul, Bagh-e Babur

Bagh-e Babur, Kabul: Grabungs- und Trainingsprogramm

Ausgrabung der mogulzeitlichen Gartenanlage Bagh-e Babur und Lehrgrabung für afghanische Archäologen (2005 abgeschlossen)

Lage

Kabul, Afghanistan

Abteilungen:
Eurasien-Abteilung

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

 

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Geschichte

    
  Übersicht über den Garten von Norden, 2003  

Der 11 ha große Baġ-e Babur wurde zwischen 1504 und 1525 von Babur, dem Begründer der Moguldynastie, als einer von 10 Gärten in und um Kabul angelegt. Als letzte Ruhestätte des Herrschers erlangte er eine besondere Bedeutung für seine Nachfahren. Sie haben ihre Baumaßnahmen in ihren Memoiren beschrieben. Mit dem Niedergang des Mogulreichs in Afghanistan im späten 17. Jh. geriet der Garten in Vergessenheit. Das jetzige Erscheinungsbild wird durch Bauten aus der jüngeren Zeit geprägt, von der alten Konzeption ist aufgrund der seit dem späten 19. Jh. durchgeführten Umgestaltungen nur der annähernd geometrische Grundriss mit einer zentralen Achse in der Mitte des Gartens erhalten. Im Bürgerkrieg wurde der Garten stark zerstört und vermint. 

Ziele

Das DAI hat im Rahmen eines vom Aga Khan Trust for Culture (AKTC) geleiteten Restaurierungsprojekts die archäologischen Arbeiten durchgeführt. Diese bilden die Grundlage für die Neugestaltung des Garten nach seinen historischen Vorbildern. Mit den Grabungen ist ein Trainingsprogramm für afghanische Archäologen verbunden. 

Forschungsgeschichte

    
  Ansicht der Grabterasse, Atkinson, c. 1838  

Der Garten wurde im 19. Jh. wiederholt von europäischen Reisenden erwähnt. Erste Photographien stammen aus dem Jahr 1879. Im 20. Jh. begannen erste Restaurierungen, die mit wissenschaftlichen Recherchen zur Geschichte des Gartens verbunden waren (Parpagliolo 1975/76). 

Aktuelle Arbeiten

Von August 2002 bis Juni 2005 fanden acht Grabungs- und Trainingskampagnen statt. Die Ausgrabungen konzentrierten sich auf die Mittelachse, in den Seitenflächen erfolgten kleinere Untersuchungen. Auf jeder der 15 Terrassen wurden mindestens drei Schnitte angelegt, um Breite, Gefälle und Gestaltung festzustellen. Einige Bereiche, so z. B. die Flächen um das Grab Baburs, die Moschee, unterhalb des Pavillons, im Aufgangsbereich im Westen und der Karavanserai wurden großflächig untersucht. 

Methoden

Die Schwerpunkte des Projekts liegen bei der Gartenarchäologie und der 3D-Dokumentation und Rekonstruktion der Befunde, in Absprache mit den anderen Arbeitsbereichen innerhalb des Projekts. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die praxisnahe Fortbildung der afghanischen Mitarbeiter. 

Ergebnisse

    
  Kushanzeitliches Gebäude (1.-4. Jh.)  
    
  Indo-griechische Münze  
    
  Grab Baburs, mit älteren Gräbern  
    
  Oktogon, gestört durch Wasserbecken des 19. Jhs.  
    
  Karavanserei mit rekonstruiertem Torsockel  

Die Grabungen haben, unter Einbeziehung historischer Texte und Photographien, wichtige Aufschlüsse über die Landschaftsgestaltung und Bewässerungstechniken sowie die Architektur und ihre Veränderung durch die fast 500 Jahre des Bestehens des Gartens zutage gebracht. Sie haben auch gezeigt, dass der Garten des ersten Mogulherrschers keine Neugründung war, sondern eine sehr viel längere Tradition hat: 2005 wurden nicht nur Strukturen aus dem 12.-14. Jh. entdeckt, sondern auch ein großes Gebäude aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten. Ingesamt wurden sieben Bauperioden festgestellt, es ist jedoch davon auszugehen, dass beständig Änderungen und Erhaltungsmaßnahmen stattfanden.

1. Ein fast 60 m langes Gebäude mit Nischen und vorgelagerten Räumen auf Terasse L wird aufgrund der Funde in die Zeit von der Jahrtausendwende (Indo-Griechen) bis ca. 400 n. Chr. (Kushano-Sassaniden) datiert. Es gehört wahrscheinlich zu einem Stupa-Komplex.

2. Aus der Zeit der Ghoriden (12. Jh. n. Chr.) stammen kleinere Strukturen, Verhüttungsöfen und Keramik.

3. Eine Grabgruft auf Terrasse E dürfte in die Timuridenzeit (14. Jh.) gehören. Wenn hier bereits ein timuridischer Friedhof bestand, so wäre dies eine Erklärung für Baburs expliziten Wunsch, im Bagh-e Babur bestattet zu werden.

4. Mogulzeit: Das Areal wird spätestens bis 1525 zu einem Garten umgestaltet, dessen Kernpunkt die in Ost-West-Richtung ausgerichtete Mittelachse ist. In die frühe Phase der Mogulzeit (Babur, Jahangir) gehören das Grab Baburs mit Gebetsplattform (chabutra), Marmoreinfassung (jali) und Kopfstein sowie erste Bewässerungskanäle und eine Karavanserai im Westen.
Unter Shah Jahan, dem Erbauer des Taj Mahal in Agra, wird 1638 die Moschee errichtet und der Garten umgestaltet. Auf der 9. Terrasse wurde ein prominent gelegenes, 6 m x 6 m großes oktogonales Wasserbecken freigelegt. Von hier führte ein zunächst 1,5 m, weiter westlich noch 0,7 m breiter Kanal das Wasser in Kaskaden über die Terrassen nach Westen. Auf jedem Absatz liegen Becken mit Fontänen, die durch ein unterirdisches Tonröhrensystem und tönerne Druckgefäße gespeist werden. Der Kanal lenkte den Blick des Besuchers in die Höhe zu der Moschee und dem Grab Baburs. Bei dem 2004/05 ganz im Westen freigelegten Gebäudegrundriss mit ¾-Türmen und hexagonalem Innenraum dürfte es sich um die von Shah Jahan erbaute Toranlage handeln, von dem aufgehenden Mauerwerk und der in seinen Memoiren erwähnten goldenen Kuppel ist jedoch nichts erhalten.

5. Im 18/19. Jh. beschreiben Reisende den Garten als verwahrlost, jedoch wird die Mosche nach einem Erdbeben 1842 restauriert und das Kanalsystem instand gehalten. Auf den Fundamenten der Toranlage entsteht eine Karavanserai.

6. Amir Abdur Rahman (1880-1901) verändert den Garten und sein visuelles Konzept grundlegend. Er erbaut einen Palast, in der Mittelachse, auf dem alten Oktogon, einen Pavillon mit Wasserbecken und einen Springbrunnen (Terrasse H). Der Pavillon und eine neue Umfassungsmauer verstellen nun den Blick auf das Grab.

7. Unter König Nadir Shah (1929-1933) wird der Garten erneut umgestaltet. Er reißt die älteren Bauten weitgehend nieder, errichtet ein Schwimmbad, Fontänen, planiert die Terrassen im Osten und Westen und macht aus dem "tomb garden" Baburs einen öffentlichen Park mit Freibad und Restaurant im Pavillon.


Die seit 1900 durchgeführten Baumaßnahmen und Veränderungen haben die älteren Anlagen stark beschädigt, der Garten verlor optisch wie konzeptionell und funktional seinen ehemaligen Charakter. Die bei den Ausgrabungen gewonnenen Informationen bilden die Grundlage für die Neuanlage der Terrassenlandschaft und ihre Bebauung nach den historischen Vorbildern unter Einbeziehung der Bauten aus der Zeit Amir Abdur Rahmans. Die Anlage wird im Frühjahr 2007 wiedereröffnet.  

Kooperationen

Aga Khan Trust for Culture, Ministry of Information and Culture, Kabul, National Institute of Archaeology in Afghanistan, Kabul. 

Ansprechpartner

PD Dr. Ute Franke

Telefon: 03018-7711-325
Telefax: 03018-7711-313
Email: utefranke@t-online.de

Förderung

Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland
Aga Khan Trust for Culture  

Literatur

U. Franke-Vogt, Kabul, Bagh-e Babur (Afghanistan). Jahresbericht des DAI 2002, Ausgrabungen und Forschungen. Archäologischer Anzeiger, 2. Halbband 2003, 304-305

U. Franke-Vogt/K. Bartl/Th. Urban, Bagh-e Babur, Kabul: Excavations in a Mughal Garden. In: U. Franke-Vogt/J. Weisshaar (Hrsg.), South Asian Archaeology 2003 (Bonn 2005) 539-555

M. T. Sh. Parpagliolo, The Bagh-i Babur, Afghanistan 28.3.1975, 57-93; 28.4.1976, 1-28.  

 


 
 

Aktualisiert: 24.02.2009

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