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Uruk (Warka)

Uruk (Warka): Struktur einer altorientalischen Großstadt

Stadtforschung in der Metropole des legendären König Gilgamesch (5. Jt. v. Chr. - 4. Jh. n. Chr.)

Lage

Uruk liegt ca. 300 km südlich von Baghdad, ca. 15 km östlich von Samawa im antiken Siedlungsbereich zwischen Euphrat und Tigris.

Abteilungen:
Außenstelle Baghdad der Orient-Abteilung

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

Die antike Stadt Uruk (das biblische Erech) entwickelte sich aus kleinen Ansiedlungen des ausgehenden 5. Jt. v. Chr., die beiderseits des damaligen Euphratlaufes lagen, zu einer Großstadt, die schon zum Ende des 4. Jt. v. Chr. eine Fläche von ca. 2,5 km2 erreichte. Langjährige Forschungen zur Architektur und Kultur dieser "Uruk-Zeit" zeichnen ein Bild einer gut organisierten Gesellschaft mit komplexer politischer Ordnung und straffer Verwaltung. Repräsentationsarchitektur sakraler und öffentlicher Funktion, hoch entwickelte Kunst (Steinskulptur), die erste Schrift, ein durchdachtes Beurkundungssystem auf Basis von Rollsiegeln sowie eine erste Massenfabrikation von Keramikgefäßen und Gegenständen des alltäglichen Lebens sind die auffälligsten erhaltenen Charakteristika. Besondere politische Rolle besaß die Stadt offenbar nur am Ende des 4. und in der 1. Hälfte des 3. Jt. v. Chr. Sie erreichte Anfang des 3. Jt. ihre größte Ausdehnung von 5,5 km2 innerhalb einer Stadtmauer, die nach dem Bericht des Gilgamesch-Epos von dem legendären König Gilgamesch errichtet worden sein soll. Zwei bedeutende Kultzentren bestimmten den Ruhm der Stadt auch in jüngerer Zeit: das Heiligtum des Himmelsgottes Anu und das der Liebes- und Kriegsgöttin Inanna/Ischtar. Intensive archäologische Untersuchungen insbesondere im Bereich dieser Heiligtümer zeigen, daß die Stadt nun vor allem religiöse und wirtschaftliche Bedeutung hatte. Tontafeln aus der Spätzeit der Stadt (6.-2. Jh. v. Chr.) verweisen darüber hinaus auf ihre herausragende Rolle als Wissenschaftszentrum (u.a. Literatur, Omenliteratur, Astronomie). Die Besiedlung endet mit der beginnenden sasanidischen Zeit (3./4. Jh. n. Chr.). 

Forschungsgeschichte

Wiederentdeckung durch William Kenneth Loftus 1849, erste kurze Untersuchung 1854. Nach einer Begehungen 1902 werden archäologische Forschungen durch deutsche Institutionen in Uruk seit 1912 durchgeführt. Sie lagen zunächst in der Hand der Deutschen Orient-Gesellschaft (1912), der Deutschen Orient-Gesellschaft und der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft (1928-1941), seit 1954 sind sie dem Deutschen Archäologischen Institut angegliedert. Bis 1989 fanden 39 Forschungskampagnen statt, die mit wenigen Ausnahmen alljährlich durchgeführt wurden. Mit der 40. Forschungskampagne im Jahr 2001 konnten die Arbeiten wieder aufgenommen werden. 

Bisherige Arbeiten

Die Ausgrabungen der Jahre 1912 - 1989 (1.-39. Forschungskampagne) konzentrierten sich überwiegend auf die Erforschung des religiösen Zentrums der Stadt: das Eanna-Heiligtum der Liebes- und Kriegsgöttin Inanna/Ischtar, das Heiligtum des Himmelsgottes Anu mit "archaischer" Zikkurrat und der seleukidischen Tempelanlage "Bit Resch", die seleukidische Tempelanlage für Ischtar "Irigal" sowie kleinere Kultanlagen wie den "Karaindasch-Tempel" (14. Jh. v. Chr.) und Gareustempel (2./3. Jh. n. Chr.). Ein Königspalast (Sinkaschid-Palast, 20.-18. Jh. v. Chr.) am Westrand der Stadt sowie kleinere Grabungen in Wohnsiedlungen innerhalb und außerhalb der Stadt erlauben Aussagen zum politischen und Alltagsleben. Eine Oberflächenbegehung der gesamten Stadt Uruk in den Jahren 1982-1984 lieferte eine Fülle archäologischer Daten, auf deren Grundlage die Siedlungsgeschichte der Stadt nachgezeichnet werden konnte. 

Aktuelle Arbeiten

    
  Magnetogramm  

Seit dem Jahr 2001 werden, anknüpfend an den Oberflächensurvey der Jahre 1982-84 Daten zur städtebaulichen Struktur der Großstadt gesammelt. Eine Auswertung von Luftbildern und ein geophysikalischer Survey, ergänzt durch eine geomorphologische Analyse von Bohrkernen, zeigen, in welcher Form die Stadt in Viertel gegliedert war, wie Verkehrswege verlaufen sind und die verschiedenen Bereiche funktional gegliedert waren. Neu ist der Nachweis, daß ein System von Kanälen die Stadt durchzogen hat. 

Methoden

Methoden der älteren Forschungen:
Die Architektur Uruks war in der Regel aus Lehmziegeln hergestellt. Sie ist selten gut erhalten und oftmals nur noch in den Fundamenten eines Bauwerks erkennbar. Diese Baureste liegen in vielen Schichten übereinander. Das detaillierte Präparieren von Bauresten und die Analyse der einzelnen Bauschichten entwickelte sich daher zu einem methodischen Schwerpunkt der Ausgrabungen in Uruk.  

Ergebnisse

    
  Der erhaltene Kern der Eanna-Zikkurrat (21. Jh. v. Chr.)  

Ergebnisse der älteren Forschungen:
Schwerpunkt der Ausgrabungen in Uruk war über Jahrzehnte die Baugeschichte. Erst in jüngerer Zeit, mit der Aufarbeitung der archäologischen Befunde und Funde - aber vor allem auch durch Forschungen in anderen Städten und Regionen Mesopotamiens, kamen kulturelle und historische Gesamtbetrachtungen stärker ins Blickfeld. Methodisch bedingt, steht in Uruk nach wie vor die Architektur im Mittelpunkt: Das Eanna-Heiligtum der Liebes- und Kriegsgöttin Inanna/Ischtar ist in seiner Schichtenabfolge von der jüngsten Nutzung (seleukidische Zikkurrat des 3. Jh. v. Chr.) bis zu Bauwerken der Uruk-Zeit (Ende 4. Jt. v. Chr.) zurückzuverfolgen, die nach Zerstörung des jeweils Älteren übereinander gebaut waren. Das Heiligtum wurde dabei mehrere Male völlig neu angelegt. Die wichtigsten Baumaßnahmen des 1. und 2./ausgehenden 3. Jt. v. Chr. sind der neubabylonische Neubau des Heiligtums (8./7. Jh. v. Chr.) und der Neubau unter den Herrschern der III. Dynastie von Ur (21. Jh. v. Chr.). Es stand jeweils eine Zikkurrat (Hochterrasse mit Tempel) im Zentrum der Bauanlage, die von verschiedenen Höfen umgeben war. Funktionale Bereiche sowie weitere kleine Tempel waren als schmale Räume in die Hofmauern eingebaut (sog. Zingelanlagen). Tontafeln aus der neubabylonischen/achämenidischen Anlage sowie benachbarten Wohnhäusern erlauben einen tiefen Einblick in die Wirtschaft eines Heiligtums. Auch die Tempelterrassen und Kultanlagen der 1. Hälfte des 3. Jt. v. Chr. (Schichten der "Archaisch I-Periode) sind im wesentlichen nach diesem Schema gebaut, doch können aus dieser Zeit keine Zikkurratbauten nachgewiesen werden. Die "Tempel" bzw. profanen Repräsentationsbauten des ausgehenden 4. Jt. v. Chr. (Schichten der "Späten Uruk-Zeit") waren nach völlig anderen Gestaltungskriterien errichtet. Im Zusammenhang mit diesen Bauten und ihren Zerstörungsschichten fanden sich die ersten Schriftzeugnisse, frühe Rollsiegel und Steinskulptur. Die Architektur und Kultur der "späten Uruk-Zeit" wurde erstmals in Uruk bekannt. Die Forschungen hierzu bleiben, der großflächigen Freilegung dieser Schichten wegen, nach wie vor einzigartig.
Im Bereich der "Anu-Zikkurrat" wurden durch Tiefgrabungen Schichten des ausgehenden 5. Jt. v. Chr. erreicht ("Späte Ubaid-Zeit"). Erste kleine Tempel deuten die lange Kulttradition dieser Stelle an. Aus dem ausgehenden 4. Jt. v. Chr. stammt die sog. "Anu-Zikkurrat", auf der - als einziger Zikkurrat im Vorderen Orient - die Reste eines Tempels erhalten waren ("Weißer Tempel"). Die Anu-Zikkurrat wurde später überbaut und in der seleukidischen Zeit in einen monumentalen Tempelkomplex für den Himmelsgott Anu einbezogen. Zahlreiche Tontafelfunde dieser Zeit geben einen Einblick in das religiöse und wirtschaftliche Leben der Stadt.
Die ca. 9 km lange Stadtmauer von Uruk ist bisher nur punktuell untersucht. Sie entstand in der ersten Hälfte des 3. Jt. v. Chr. und wurde immer wieder ausgebessert. Die letzte nachgewiesene Reparatur stammt aus dem 18. Jh. v. Chr. Die Mauer besteht aus mindestens zwei Mauerringen, dessen innerer mit Halbkreistürmen verstärkt ist.  

Kooperationen

Alle Arbeiten finden mit Erlaubnis der iraqischen Antikenverwaltung (State Board of Antiquities and Heritage) statt. Die Bearbeitung der frühen Tontafel-Funde liegt bei einer Forschergruppe um Prof. Dr. Hans J. Nissen, Freie Universität Berlin; die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg beherbergt die Warka-Sammlung (www.uni-heidelberg.de/institute/fak8/ufg/uruk-warka/uruk-warka-sammlung.htm) des Deutschen Archäologischen Instituts.

Aktuelle Arbeiten:
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Archäologische Prospektion und Luftbildarchäologie (Dr. Helmut Becker, Dr. Jörg Faßbinder); Philipps-Universität Marburg, Institut für Geographie (Prof. Dr. Helmut Brückner)  

Ansprechpartner

Dr. phil. Margarete van Ess

Vorderasiatische Altertumskunde
Telefon: 01888-7711-0
Telefax: 01888-7711-189
Email: orient@dainst.de

Literatur

Zu den Forschungskampagnen 1 - 39: Vorläufige Berichte über die von dem Deutschen Archäologischen Institut aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft unternommenen Ausgrabungen in Uruk-Warka; Ausgrabungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Uruk Band 1 - 17 ff.; Ausgrabungen in Uruk-Warka. Endberichte Band 1 - 24 ff; Baghdader Mitteilungen. Eine Bibliographie der Publikationen bis 1993 findet sich bei U. Finkbeiner, Uruk - Analytisches Register zu den Grabungsberichten (1993).

Zu den neueren Forschungen:
Helmut Becker - Jörg Fassbinder, Uruk - City of Gilgamesh (Iraq). First tests in 2001 for magnetic prospecting, in: Helmut Becker - Jörg W.E. Fassbinder, Magnetic Prospecting in Archaeological Sites. International Council on Monuments and Sites Vol. VI (2001) 93-97; Jörg Fassbinder - Helmut Becker - Margarete van Ess, Magnetometry at Uruk (Iraq): The city of King Gilgamesh, Geophysical Research Abstracts Vol. 5, 2003 www.copernicus.org/EGS; Helmut Brückner, Uruk - A Geographic and Palaeo-Ecologic Perspective on a Famous Ancient City in Mesopotamia (im Druck)  

 


 
 

Aktualisiert: 20.03.2008

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