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Sippar (Tell Abu Habbah)

Kooperation bei archäologischen Feldforschungen der Universität Baghdad in Sippar (Abu Habbah)

Die Orient-Abteilung ergänzt die langjährigen archäologischen Forschungen der Universität Baghdad im antiken Sippar durch gezielte Ausbildungsprojekte.

Lage

Sippar liegt ca. 35 km südwestlich von Baghdad nahe der modernen Stadt Yussufiyeh.

Abteilungen:
Außenstelle Baghdad der Orient-Abteilung

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

    
  Reste der Zikkurrat des Sonnengottes Schamasch  

Sippar, der babylonische Hauptkultort des Sonnengottes Schamasch, gehört zu den ältesten und wichtigsten mesopotamischen Kultzentren. Schamasch ist als Schutzgottheit gegen die Finsternis und das Böse, als Gott der Gerechtigkeit, als oberster Richter und damit auch als Schutzgott des Königtums eine der wichtigsten Gottheiten der mesopotamischen Reiche. Sippar wurde offenbar Ende des 4./Anf. des 3. Jt. v. Chr. erstmals besiedelt. Aus dem 23. Jh. v. Chr. stammt die erste schriftliche Erwähnung. Etwa 35000 Textfunde aus dem 19.-16. Jh. v. Chr. ("altbabylonische Zeit") sowie vor allem aus dem 8.-6. Jh. v. Chr. ("neubabylonische Zeit") informieren über die Wirtschaft und Verwaltung der Stadt, aber auch über religiöse Vorstellungen und Literatur. Das Hauptheiligtum "E-babbar" des Sonnengottes Schamasch war rund 2000 Jahre in Funktion. Hier waren ursprünglich so bedeutsame Monumente wie (wahrscheinlich) die Siegesstele des akkadzeitlichen Königs Naram-Suen oder die Gesetzesstele Hammurabis aufgestellt. Die Blütezeit der Stadt endet offenbar mit der neubabylonischen Zeit. Archäologisch sind aber auch Spuren jüngerer, der achämenidischen, seleukidischen und parthischen Perioden (6. Jh. v. - 2./3. Jh. n. Chr.) nachzuweisen. 

Ziele

Die Forschungen und Ausgrabungen der Universität Baghdad in Sippar dienen insbesondere der Ausbildung des akademischen Nachwuchses. Die Außenstelle Baghdad des Deutschen Archäologischen Instituts beteiligt sich hieran mit gezielten Projekten, anhand derer die Entwicklung neuer Fragestellungen und der Einsatz innovativer Technik vermittelt werden sollen. Wissenschaftliches Ziel sind die Bestimmung verschiedener Funktionsbereiche der Stadt sowie eine detailliertere Kenntnis diachroner Geschichtsabläufe der Stadt Sippar. 

Forschungsgeschichte

    
  Die Siedlungshügel von Sippar liegen heute in landwirtschaftlich genutztem Gebiet  

Seit 1881 finden in Sippar, mit langen Unterbrechungen, archäologische Untersuchungen statt. Sie wurden zunächst 1881/82 durch Hormuzd Rassam im Auftrage des British Museum, 1894 durch Vincent Scheil, im Jahr 1972/73 durch ein belgisches Forscherteam durchgeführt. Seit 1977 leitet die Universität Baghdad die Ausgrabungen. Feldforschungen im Rahmen der Kooperationsvereinbarung mit der Außenstelle Baghdad des Deutschen Archäologischen Instituts fanden erstmals im Herbst 2000 statt. 

Bisherige Arbeiten

Etwa ein Drittel der ca. 1,2 qkm großen Stadt kann in ihren oberen Schichten als archäologisch untersucht gelten. Es ist dies insbesondere der Bereich des E-babbar, des Tempelareals für den Sonnengott. der in seinen neubabylonischen Schichten freigelegt wurde. Große Teile des Komplexes wurden bereits Ende des 19. Jh. ausgegraben, doch hat eine Erweiterung der Grabungsareale durch Forscher der Universität Baghdad wesentliche neue Erkenntnisse zum Grundriß gebracht. Ausgedehnte Hofanlagen umgeben hier eine Zikkurrat (Hochterrassen mit Tempel), die weitere Tempel sowie die Wirtschaftseinheiten des Heiligtums beherbergen. Der Fund einer Bibliothek, in der Tontafeln noch in regalartigen Ausfachungen, an ihrem ursprünglichen Aufbewahrungsort, aufgefunden wurden, gehört zu den wichtigsten Entdeckungen der Ausgrabungen bis 1999. In dieser Zeit erfolgten auch Grabungen in einem ausgedehnten Wohnbezirk aus der altbabylonischen Zeit sowie in einem Tiefschnitt durch die Siedlungschichten des 3. Jt. v. Chr. 

Aktuelle Arbeiten

    
  Einmessen von Keramikfunden.  

Im Herbst 2000 wurde eine systematische Begehung der gesamten Oberfläche innerhalb der Stadtmauern von Sippar unternommen. Damit konnte ein topographischer Plan auf digitalen Standard übertragen werden. Systematische Beobachtung aller an der Oberfläche sichtbaren Befunde und Funde erlauben Kartierungen, anhand derer sich Funktionsbereiche sowie die Besiedlungsdauer in den einzelnen Teilen der Stadt bestimmen lassen. Die Siedlungsschwerpunkte verschiedener Epochen werden erkennbar, Hypothesen zur Lage von religiösen, Repräsentations- und Wirtschaftseinrichtungen bzw. privaten Wohnquartieren werden möglich. Die Daten der Oberflächenbegehung sind Grundlage zur Entwicklung neuer Forschungsstrategien und zur Wahl weiterer Ausgrabungsflächen. Erstes wichtigstes Ergebnis war der Nachweis einer fast flächendeckenden Besiedlung der Stadt in der bisher in Sippar nur partiell nachgewiesenen "frühdynastischen Zeit" (ca. 3000 - 2250 v. Chr.) Einige Keramikscherben aus der "Späten Uruk-Zeit" (Ende 4. Jt. v. Chr.) sind Beleg dafür, daß es auch in dieser frühen Zeit schon eine Ansiedlung gab. 

Kooperationen

Universität Baghdad, College of Arts - Department of Archaeology 

Ansprechpartner

Dr. phil. Margarete van Ess

Vorderasiatische Altertumskunde
Telefon: 01888-7711-0
Telefax: 01888-7711-189
Email: orient@dainst.de


 
 

Aktualisiert: 20.03.2008

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