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x. abgeschlossene Projekte: Karasis (türkçe)

Karasis

Erforschung einer hellenistischen Burganlage

Lage

Diese ausgedehnte Burganlage liegt auf einem bis zu 1000 m aufsteigenden isolierten Höhenrücken in den Ausläufern des östlichen Taurus, am nördlichen Rand der Çukurova nahe bei Kozan in der Provinz Adana.

Abteilungen:
Abteilung Istanbul

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

    
  Blick auf den Karasis von Südwesten  

Das Ebene Kilikien hatte als Durchgangsland zwischen Syrien und Anatolien eine höchst wechselvolle Geschichte. Nachdem es lange Teil des assyrischen und persischen Reiches gewesen war, gehörte es nach Alexanders Eroberung in hellenistischer Zeit zum Herrschaftsbereich der Seleukiden, deren Hauptstadt Antiochia nicht allzu weit entfernt lag. Mit dem Niedergang der seleukidischen Macht etablierte sich hier nach der Eroberung durch die Armenier im 1. Jh. v. Chr. vorübergehend das lokale Fürstentum der Tarkondimotiden, bevor Rom nach einem ersten Versuch schon 102 v. Chr. und unterschiedlicher Zugehörigkeit im 1. Jh. n.Chr. im Jahr 72 endgültig die Provinz Cilikia einrichtete. Der hellenistischen Epoche ist die Burganlage auf dem Karasis am Nordrand des Ebenen Kilikien zuzurechnen. 

Ziele

Die bauhistorische Untersuchung der Anlage, verbunden mit einem siedlungsgeographischen Umgebungssurvey, ist das Ziel eines neuen internationalen und interdisziplinären Forschungsvorhabens, an dem das DAI Istanbul maßgeblich beteiligt ist. Auf der Grundlage einer umfassenden Dokumentation soll die Typologie der zur Burg gehörenden, eindeutig hierarchisch geordneten Einzelbauten erforscht und interpretiert werden, um ihre Funktion zu klären und Aussagen zu Aufgabe und Bedeutung der Burg machen zu können. Der siedlungsgeographische Survey soll Fragen der Infrastruktur und Logistik zur Erbauungs- und Nutzungszeit der Burg erbringen. Woher stammte das Baumaterial, wie war die Versorgung der Burg gesichert, sind u.a. Fragen, die zu beantworten sind. Von botanischen Untersuchungen werden Aufschlüsse zur ehemaligen Vegetation des Karasis und damit zur Einbettung der Burg in den naturräumlichen Zusammenhang erhofft. 

Forschungsgeschichte

    
  Turm und Kasemattenmauer der Unterburg  

Erst 1996 wurde in dieser abgelegenen Position durch den in der antiken Landschaft Kilikien tätigen Epigraphiker Mustafa H. Sayar die Burganlage entdeckt, die auf Grund ihrer Mauerwerkscharakteristika in hellenistische Zeit datiert worden ist. Ihre Mauern aus lokalem, hellgrauem Kalkstein stehen noch bis zu 15 m hoch aufrecht, und dennoch ist dieser eindrucksvolle Ort zuvor von keinem der zahlreichen Reisenden und Altertumsforscher des 19. und 20. Jahrhunderts gesehen und beschrieben worden. 

Bisherige Arbeiten

Mit einem Expertentreffen auf dem Karasis wurden im September 2002 die Ziele und Vorgehensweisen zur Erforschung der Burg und ihres Umlandes diskutiert und und ein entsprechendes Programm festgelegt. 

Methoden

Grundlage aller Arbeiten wird eine von Geodäten durchgeführte Vermessung und Darstellung des Geländes sein. Parallel dazu sollen durch Bauforscher und Architekten die Baureste in Grundrissen, Schnitten und Ansichten erfaßt werden. Die zugehörigen bauhistorischen Analysen werden Aufschlüsse zu Fragen der Bautechnik und Funktion der Bauten sowie zu den historischen Rahmenbedingungen bringen. Archäologen, Geologen und Botaniker werden mit ihren jeweils spezifischen Methoden die oben formulierten Aufgaben verfolgen.  

Ergebnisse

    
  Speicherbau der Oberburg  

Die Anlage über dem westlichen Steilhang des Karasis gliedert sich nach ersten Beobachtungen in eine schmale, in N-S-Richtung langgestreckte und relativ einfach gestaltete Unterburg mit Kasemattenmauern an der flacheren Ostseite und eine wesentlich differenziertere, ebenfalls in N-S-Richtung langgestreckte Oberburg, in der innerhalb der Mauern liegend neben Wohntürmen(?), Kasernen(?) und großen Zisternen vor allem ein bis zum Dachrand des zweiten Geschosses perfekt erhaltener, ca. 60 m langer Speicherbau ins Auge fällt. Möglicherweise läßt sich mit dieser abgelegenen und schwer erreichbaren Burg der von Strabon überlieferte Ort Kydnia identifizieren, an dem die Staatsreserven der Seleukiden aufbewahrt wurden. 

Kooperationen

PD. Dr. Mustafa H. Sayar (Wien/Istanbul, epigraphisch-historischer Survey)
Prof. Dr. Mariette De Vos (Universität Trient, siedlungsgeographischer Survey)
Prof. Dr.-Ing. Günter Hell (FH Karlsruhe, Geodäsie)
Dr. Harald Kürschner, Dr. Gerald Parolly (FU Berlin, Botanik)
Prof. Dr. Cengiz Yetiş (Universität Adana, Geologie)
Kazım Tosun (Museum Adana, Archäologie) 

Externe Ansprechpartner

Prof. Dr.-Ing. Adolf Hoffmann über DAI Istanbul

Förderung

Das Projekt wird mit Miteln aus dem Max Planck Forschungspreis für internationale Kooperation finanziert. Den siedlungsgeographischen Survey bestreitet die Universität Trient.  

Literatur

M. H. Sayar, Eine neuentdeckte seleukidische Bergfestung im ostkilikischen Taurus, AW 26, 1995, 279-282  

 

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Aktualisiert: 24.02.2009

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