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Rom, Basilika Aemilia (italiano)

Rom, Basilika Aemilia

Archäologische und baugeschichtliche Untersuchung des Bauwerks

Lage

Das Bauwerk liegt auf der Nordostseite des Forum Romanum zwischen der Curia Iulia im Westen und des Tempels des Antoninus Pius und der Faustina im Osten. An die Nordseite, der Rückseite, schließen das Templum Pacis und das Forum Transitorium an. Die Südseite, die Front, blickt zum Forumsplatz.

Abteilungen:
Abteilung Rom

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Geschichte

    
  Basilika Aemilia, Ehreninschrift des Lucius Caesar  

Baugeschichte:
Die Basilica Aemilia wurde an der Stelle ihres Vorgängerbaus, der Basilica Fulvia, von M. Fulvius Nobilior 179 v. Chr. errichtet. L. Aemilius Paullus ließ den Bau im Jahr 55 v. Chr. wiederherstellen. Sein gleichnamiger Sohn L. Aemilius Paullus weihte den erneuerten Bau im Jahr 34 v. Chr. ein. Nach einem Brand im Jahr 14 v. Chr. wurde die Basilica abermals erneuert im Namen eines Aemilius, eines Nachkommens des Paullus, in Wirklichkeit aber von Augustus und den Freunden des Paullus (Cass. Dio 54.24). Im Jahr 22 n. Chr. fragte C. M. Aemilius Lepidus den Senat um die Erlaubnis, ut basilicam Pauli firmaret ornaretque (Tacitus, Annales 3.72). Aus der Angabe des Tacitus geht hervor, daß dieser Bau ursprünglich basilica Paul(l)i hieß. Als Monument der gens Aemilia wird sie auch als basilica Aemilia bezeichnet. Ein großer Brand während der Herrschaft des Kaisers Carinus im Jahr 283 n. Chr. verursachte schwere Schäden an der Basilica. Große Partien der Mauer zwischen der Aula und den Tabernen wurden wie die Curia mit Ziegelmauern restauriert. Bei der Einnahme Roms durch Alarich wurde das Gebäude gänzlich zerstört, wofür die in der Brandschicht gefundenen Münzen als Zeugnisse dienen.  

Ziele

    
  Basilika Aemilia, Erste dorische Ordnung, Fries  

Die Aufarbeitung und historische Auswertung der Aufzeichnungen und der Pläne der Bauaufnahme der Basilica Aemilia von H. Bauer bieten die Möglichkeit, das gesamte Bauwerk in seinem Befund zu dokumentieren und in seinem historischen Stellenwert hinreichend zu würdigen. Mit dieser Arbeit wäre einem dringenden Forschungsdesiderat der Klassischen Archäologie und der antiken Baugeschichte Genüge geleistet, zumal bis heute eine umfassende wissenschaftliche Veröffentlichung dieses bedeutenden stadtrömischen Monuments fehlt. Die Erforschung des Bauwerks ist mit folgenden Zielen verbunden: 1. Rekonstruktion des Grund- und Aufrisses; 2. Chronologie und Bauphasen; 3. Funktion und Genese. Alle Architekturfragmente des Bauwerks in situ und die im Antiquario Forense aufbewahrten Bauglieder sind auf der Basis der Aufzeichnungen und Pläne von H. Bauer zu vermessen und auf ihren architektonischen Befund zu überprüfen. Gegebenenfalls sind Modifikationen, Ergänzungen und Korrekturen vorzunehmen, ehe eine möglichst fundierte Rekonstruktion des Monuments vorgenommen werden kann. Die formanalytische Untersuchung und die chronologische Auswertung aller dekorierten Bauglieder gehören zu den wichtigsten Aufgaben der Chronologie und der damit verbundenen Phasen des Bauwerks. Weitere Zeugnisse für die Baugeschichte des Monuments liefern die ausgegrabenen Kleinfunde wie die aretinische Keramik und die Münzen. Die von antiken Autoren überlieferten Nachrichten sowie die aus dem Bauwerk stammenden Weih- und Ehreninschriften sollen neu gelesen und kommentiert werden. Die Ergebnisse der historischen Auswertung sind mit den Resultaten aus dem archäologischen Befund zu vernetzen. Die aus den schriftlichen und archäologischen Zeugnissen gewonnenen chronologischen Indizien liefern die Grundlage für die Rekonstruktion der Bauphasen der Basilica Aemilia, die in Phasenplänen zu veranschaulichen sind. Schließlich soll eine Funktionsanalyse der Bauformen dem Ziel dienen, die verschiedenen Funktionen des Gebäudes zu präzisieren.  

Ergebnisse

Rom, Forum Romanum, Basilica Aemilia, Sacella

Vor der Portikenfront auf der Südseite der Basilica Aemilia kamen bei Säuberungsarbeiten sechs kleine Bezirke von 2 x 3 m Größe zutage, die ursprünglich mit einer Brüstung umfriedet waren. Am Eingang auf der Schmalseite führten Stufen in den tiefer gelegen Bezirk hinab, an dessen rückwärtiger Schmalseite sich das Sacellum befand. Zahlreiche Heiligtümer dieser Formgebung und Größe säumten den Forumsplatz und dessen Umfeld, wobei die Venus Cloacina, der Lapis Niger und der Lacus Curtius zu den bekanntesten Kultbauten dieser Art zählen. Nach der prominenten Lage entlang dem Nordrand der Via sacra und der langen Nutzung zu schließen, hatten diese Monumente über einen langen Zeitraum einen hohen Stellen- und Erinnerungswert inne.

Rom, Forum Romanum, Basilica Aemilia, "Fries"

Das in Wort und Bild viel propagierte Thema der glanzvollen Geschichte Roms von der mythischen Vorzeit bis zur Gegenwart des "Goldenen Zeitalters" blieb auch in den Bildwerken der Basilica Aemilia nicht ausgespart, wofür der "Fries" im Innern ein anschauliches Zeugnis liefert. Nach den Ergebnissen jüngster Untersuchungen handelte es sich nicht um einen fortlaufenden Fries, sondern um einzelne Schmuckreliefs, die in signifikanten Einzelszenen die Geschichte Roms von der mythischen Vergangenheit bis zum "Goldenen Zeitalter" verklären. Vermutlich wurden die Reliefs aus pentelischem Marmor eigens für den augusteischen Neubau von Steinmetzen aus Griechenland oder Kleinasien hergestellt, wodurch sich die in hellenistischer Tradition stehende Formgebung erklären läßt. Das Bildkonzept findet sein sprachliches Aequivalent in den Fasti consulares und triumphales am Bogen nördlich des Tempels des Divus Iulius, deren Namen die Geschichte Roms von dem Stadtgründer Romulus, als dem ersten Triumphator, bis in das Zeitalter des Augustus umspannen.

Rom, Forum Romanum, Basilica Aemilia, spätantike Phase

Eine Revision der Grabungsdokumentation von Boni führte zu dem Ergebnis, daß das gesamte Bauwerk nach der Brandschatzung durch die Westgoten im Jahr 410 n. Chr. restauriert und weiterhin genutzt wurde. Lediglich die Stände der Wechsler im Inneren wurden durch Feuer beschädigt, wofür die Brandspuren auf dem Fußboden aus Marmor als Zeugnisse dienen. Die Portiken vor den Läden waren entweder zerstört oder durch Feuerspuren unansehnlich geworden. Eine Ehreninschrift für die Kaiser Honorius und Arkadius aus den Jahren 418-420 erinnert an die Wiederherstellung der Portiken durch den Stadtpräfekten Aurelius Anicius Symmachus. Verwendete man für die Säulenordnung ältere korinthische Kapitelle und Säulen aus rotem Granit aus der Kaiserzeit, so wurden die roh belassenen Säulenpostamente und der Architrav vermutlich aus den alten Baugliedern der augusteischen Portiken aus lunensischem Marmor hergestellt. Es hat den Anschein, daß originale Partien der augusteischen Portiken, die nicht beschädigt waren, stehen gelassen und damit in den Neubau der Säulenhalle integriert wurden. Belege dafür liefern Blöcke einer dorisierenden Säulenordnung auf der Südseite der Basilika und Veduten aus der Renaissance. Vermutlich fungierte die Basilika in ihrer ursprünglichen Funktion als Bank- und Gerichtsgebäude bis in das 7. Jh. n. Chr. Neue Böden aus Opus sectile, die vor dem Osteingang und in zwei Läden in der zweiten Hälfte des 6. Jhs. verlegt wurden, belegen die noch immer luxuriöse Ausstattung des monumentalen Bauwerks. Die während der Grabungen vorgefundene Sturzlage von Baugliedern der zweiten Säulenordnung auf den Trümmern der Südmauer der Basilika beweist, daß beide Säulenordnungen bis zuletzt aufrecht standen. Erst in der Renaissance wurde das Bauwerk gänzlich zerstört. Die Existenz einer in der Basilika eingebauten Kirche ist nicht nachweisbar. Im Bereich der Portiken auf der Südseite der Basilika befinden sich flüchtig gebaute Mauern aus Tuffquadern und wiederverwendeten Baugliedern aus Marmor, die vermutlich im Mittelalter für landwirtschaftliche Nutzbauten (Ställe und Hütten) errichtet wurden.

Rom, Forum Romanum, "Partherbogen" ("Arco di Giano")

Zwischen dem Ehrenbogen für Gaius und Lucius Caesar, der an der Südostecke der Basilica Aemilia aufragte, und dem Tempel des Divus Iulius auf der Ostseite des zentralen Forumsplatz stand über dem tieferen Niveau der Via sacra ein weiterer Bogen, der als "Arco di Giano" bezeichnet wird. Nach den Zeichnungen von P. Ligorio waren im Durchgang an den Innenseiten der Pylone die Fasti consulares und triumphales angebracht. Zudem trug das Monument Reliefs und Statuen zur Schau, die das Friedensabkommen des Princeps mit den Parthern verherrlichten. Es ist geplant, alle bekannten Bauglieder dieses Torbogens und des "Augustusbogens" auf der Südseite des Tempel des Divus Iulius in Zeichnungen und Fotografien aufzunehmen, um eine möglichst fundierte Rekonstruktion beider Bögen zu gewinnen.

Rom, Forum Romanum, Basilica Iulia

Die aus den Untersuchungen abgeleiteten Ergebnisse über die Basilica Aemilia werfen die Frage nach der Rolle der Basilica Iulia auf dem Forum Romanum in Rom auf. Aus diesem Grund wurde ein weiteres Projekt zur Basilica Iulia konzipiert. In einem ersten Schritt werden alle vorhandenen Bausubstanzen und Fragmente des Gebäudes in maßstäblichen Zeichnungen aufgenommen, um einen Grundriß und Aufriß sowie die Bauphasen von republikanischer bis spätantiker Zeit zu gewinnen. Begonnen wurde mit der Freilegung des marmornen Fußbodens und der Aufnahme und Kartierung der auf den Platten vorhandenen Spuren, wobei Dübel- und Klammerlöcher, Einlassungen für Schranken und Zeichnungen von Spielfeldern feststellbar sind. Die geplante Studie gilt aber nicht nur dem Ziel, den architektonischen Befund des Bauwerks zu studieren, sondern auch dessen Bestimmung und funktionale Verknüpfung mit den angrenzenden Bauten auf dem Forumsplatz, insbesondere mit der Basilica Aemilia, zu klären. Dabei geht es schließlich um die Beantwortung der Frage, in welcher Weise die politischen Institutionen und Räume im Bereich des zentralen Forumsplatzes in der Republik und der Kaiserzeit definiert und genutzt wurden. 

Kooperationen

Soprintendenza Autonoma per i Beni Archeologici di Roma (A. Bottini - I. Iacopi); Comune di Roma (E. La Rocca - C. Parisi-Presicce); Forschungsarchiv für Antike Plastik der Universität zu Köln (R. Förtsch); Archäologisches Institut der LMU-München (R. Schneider); Institut für Geodäsie der TU-München (K. Schnädelbach, Th. Wunderlich); Institut für Historisch-Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung an der Universität zu Köln (M. Thaller) 

Ansprechpartner

Prof. Dr. Klaus Stefan Freyberger

Klassische Archäologie
Telefon: + 39-06-488814-1
Telefax: + 39-06-4884973
Email: freyberger@rom.dainst.org

Förderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft; Cluster 3; DAI-Rom  

Literatur

E. Nash, Bildlexikon zur Topographie des antiken Rom I (1961) 174-179 s. v. Basilica Aemilia; H. Bauer, Basilica Aemilia, in: Kaiser Augustus und die verlorene Republik. Ausstellungskatalog Berlin 1988 (1988) 200-211; Lexicon Topographicum Urbis Romae I A-C (1993) 167f. s. v. Basilica Aemilia (E. M. Steinby); Lexicon Topographicum Urbis Romae I A-C (1993) 167f. s. v. Basilica Paul(l)i 183-187 (H. Bauer); Torsten Mattern, Die Bauphasen der frühkaiserzeitlichen Basilica Aemilia, Boreas 20, 1997, 33-41; P. Kränzle, Fries der Basilica Aemilia (1997); K. S. Freyberger - C. Ertel - J. Lipps - T. Bitterer, Zur Baugeschichte, Rekonstruktion und Funktion der Basilica Aemilia auf dem Forum Romanum in Rom (im Druck: RM 113, 2007); C. Ertel - K. S. Freyberger - J. Lipps - T. Bitterer, Nuove indagine sulla Basilica Aemilia nel Foro Romano: storia architettonica, funzione e significato (im Druck: Archeologia Classica 58, 2007). .  

 


 
 

Aktualisiert: 20.03.2008

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