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Türkei: Oylum Höyük

Ausgrabungen auf dem Oylum Höyük, Prov. Kilis: Oylum Höyük ist einer der größten Siedlungshügel in der Südosttürkei und war vom 4. vorchristlichen Jahrtausend bis in die Perserzeit ein wichtiges regionales Zentrum im Spannungsfeld zwischen Syrien und Anatolien.

Ein Siedlungshügel in der Provinz Kilis - 4.-1. Jt. v. Chr.

Lage

    
  Luftbild (Stand: 1991)  

Die Ebene von Kilis liegt vor den südlichsten Taurusvorbergen am Nordrand der syrischen Ebene, auf halber Strecke zwischen Gaziantep und Aleppo. Das Gebiet bildet die Wasserscheide zwischen dem Orontes der ins Mittelmeer fließt, und dem Euphrat, und wird durch einen Binnenfluß, den Qoueiq, nach Süden entwässert. Oylum Höyük (Abb.: Oylum Höyük, Luftbild (Stand: 1991)). liegt am Akpınar, einem der Qoueiq-Quellflüsse, und bildet das alte Zentrum dieser Ebene.

Abteilungen:
Eurasien-Abteilung
Außenstelle Teheran der Eurasien-Abteilung

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

Karte

 

druckerfreundliche Version
 

Geschichte

    
  Coba-Schalen (5.-4. Jt. v. Chr.)  

Oylum Höyük war seit dem Neolithikum kontinuierlich bis in die hellenistische Zeit hinein besiedelt und bildete das regionale Zentrum. Erst in der römischen Zeit verlor der Ort an Bedeutung und verlagerte sich auf das gegenüberliegende Ufer des Akpınar, wo eine Fortsetzung der Besiedlung bis in die byzantinische Zeit belegt ist. In dieser Zeit übernahm Cyrrhus, heute auf der syrischen Seite gelegen, die Rolle eines Zentralortes. 

Ziele

    
  Typisches Keramikinventar aus einem FB III-Grab  

Erstes Ziel war die Erarbeitung einer Leitstratigraphie für das westliche Euphratvorland, da die Geschichte dieser Region im Gegensatz zum benachbarten Kilikien und dem inzwischen intensiv erforschten Euphrattal fast völlig unbekannt war. In einem zweiten Schritt sollen flächigen Untersuchungen insbesondere die mittelbronzezeitlichen Schichten aufdecken. In dieser Zeit war Oylum Höyük Zentrum eines Kleinstaates in direkter Nachbarschaft zur Hegemonialmacht Yamhad (Aleppo), dessen Name noch unbekannt ist.  

Forschungsgeschichte

    
  Blick über die Bebauung der MB II-Zeit  

Oberflächenbegehungen durch U. B. Alkım (1968) und durch eine italienische Mission (1971) hoben erstmals die zentrale Position und strategische Bedeutung von Oylum Höyük an einer Verzweigung der von Aleppo nach Norden verlaufenden Handelsrouten hervor. Systematische Begehungen wurden 1984/85 durch E. Özgen durchgeführt. Seit 1987 finden regelmäßig jährliche Grabungskampagnen statt. Das Deutsche Archäologische Institut beteiligt sich seit 1995 im Rahmen einer deutsch-türkischen Kooperation an diesen Arbeiten. 

Bisherige Arbeiten

    
  Stele, Kalkstein, mit Darstellung einer kriegerischen Gottheit. MB II-Zeit, ca. 1550 v. Chr.  

1. Anlage eines Stufenschnittes am Osthang (3 Flächen à 9 x 15 m; 17 m tief) und anschließende Erweiterungsschnitte in mittelbronzezeitlichen Schichten.
2. Flächige Untersuchung von hellenistischen - eisenzeitlichen Siedlungsschichten auf der Nordkuppe.
3. Freilegung eines massiven Lehmziegelgebäudes der späten Eisenzeit auf der Westkuppe.
4. Untersuchung spätchalkolithischer Befunde in mehreren Sondagen auf der Westterrasse.
5. Beginn flächiger Untersuchungen in spätbronzezeitlichen Siedlungsschichten am Südhang.
6. Rettungsgrabung in einer frühbyzantinischen Kirche auf einem Feld am gegenüberliegenden Flußufer. 

Aktuelle Arbeiten

1. Aufarbeitung des Stufenschnittes am Osthang und Vorbereitung zur Publikation.
2. Fortsetzung des Stufenschnittes in den chalkolithischen Schichten.
3. Fortsetzung der Flächengrabung in spätbronzezeitlichen Schichten am Südhang.
4. Detailuntersuchungen zur Bauabfolge des späteisenzeitlichen Monumentalgebäudes auf der Westkuppe (Universität Liverpool). 

Ergebnisse

    
  Frühbyzantinische Kirche mit Mosaikfußboden, 5.-6. Jh.  
    
  Massives Gebäude auf der Westkuppe, 2. Hälfte 1. Jt. v. Chr.  

Die älteste ergrabene Besiedlung von Oylum Höyük datiert in das Mittelchalkolithikum. Schichten mit Amuq E Material sind in einem Schnitt unterhalb des Osthanges erfaßt worden. 300 m davon entfernt wurde am südwestlichen Hügelfuss eine massive Terrassierungsmauer aus dem frühen 4. Jt. aufgedeckt. Nach einem Hiatus folgt hier eine spätchalkolithische Dorfbebauung (Abb. oben: Coba-Schalen aus den Siedlungsschichten auf der Westterrasse, 5.-4. Jt. v. Chr.). Zeitgleiches Material ist am Osthang als Oberflächenmaterial belegt, ob jedoch beide Fundstellen zu derselben Siedlung gehören oder benachbarte Orte repräsentieren, ist nicht bekannt. Die letzte Stufe des Spätchalkolithikums ist wiederum am Osthang belegt, wo drei späturukzeitliche Bauschichten freigelegt wurden.
Mit der Frühbronzezeit III setzt eine intensive Besiedlung ein, die durch Architekturbefunde vom Osthang bekannt ist. Die Bedeutung der frühbronzezeitlichen Besiedlung wird durch umfangreiche Grabinventare aus Pithos-, Steinkisten- und Kammergräbern am Osthang deutlich (Abb.: Typisches Keramikinventar aus einem FB III-Grab). Weitere Gräber finden sich am Südhang unterhalb des modernen Dorfes.
Zu Beginn der Mittelbronzezeit scheint Oylum zumindest in den ergrabenen Bereichen nicht besiedelt zu sein. Erst in MB II setzt erneut eine massive Hangterrassenbebauung am Osthang ein (Abb.: Blick über die Bebauung der MB II-Zeit). Ein aufwendig mit Basaltblöcken gestalteter Eingang und ein reiches Inventar, darunter eine Stele mit der Darstellung einer kriegerischen Gottheit (Abb. oben: Stele, Kalkstein, mit Darstellung einer kriegerischen Gottheit. MB II-Zeit, ca. 1550 v. Chr.), betonen die soziale Stellung der Bewohner dieser Gebäude.
In der Spätbronzezeit verändert sich am Osthang der Charakter der Siedlung, die nunmehr durch dörfliche Wohn- und Arbeitseinheiten geprägt ist. Der Übergang zur Eisenzeit scheint sich ohne eine archäologisch faßbare Siedlungsunterbrechung zu vollziehen. Am Osthang bleibt der Charakter der dörflichen Siedlung bestehen. Die spätere Eisenzeit ist vor allem von der Westkuppe bekannt, wo ein massives Lehmziegelgebäude aus der 2. Hälfte des 1. Jts. den Hügel dominierte (Abb. oben: Massives Gebäude auf der Westkuppe, 2. Hälfte 1. Jt. v. Chr.).
In der hellenistischen Zeit befand sich eine prosperierende Siedlung auf dem Oylum Höyük. Aus einem hellenistischen Gebäude auf der Westkuppe des Hügels stammt ein Krug mit einem Silbermünzhort, dessen jüngste Münzen in die Regierungszeit von Antiochus III. datieren. Spätrömische Gräber von der Nordkuppe bilden die jüngsten Befunde auf dem Hügel. Offenbar war der Hügel zu dieser Zeit bereits als Siedlungsplatz aufgegeben und eine neue Siedlung auf dem Westufer des Akpınar angelegt worden. Zu dieser neuen Siedlung gehört eine byzantinische Kirche aus dem 5./6. Jh. (Abb.: Frühbyzantinische Kirche mit Mosaikfußboden, 5.-6. Jh.). 

Kooperationen

Die Ausgrabungen in Oylum Höyük fanden von 1995 bis 2002 in Kooperation zwischen der Abteilung Istanbul des DAI und dem Institut für Archäologie der Hacettepe Universität Ankara statt. Seit 2003 betreut die Eurasien-Abteilung die Fortsetzung der Aufarbeitung.
Seit 2002 ist außerdem die Universität Liverpool mit einem eigenen Teilprojekt vertreten. 

Ansprechpartner

Dr. phil. Barbara Helwing

Iranische Altertumskunde
Telefon: 03018-7711-311
Telefax: 03018-7711-313
Email: eurasien@dainst.de
weitere E-Mail Adresse: daiteheran@yahoo.de

externe Ansprechpartner

Prof. Dr. Engin Özgen, Hacettepe Üniversitesi, Edebiyat Fakültesi, Arkeoloji Bölümü, 06532 Beytepe - Ankara, Türkei. email: eiozgen@bilkent.edu.tr
Dr. Atilla Engin, Hacettepe Üniversitesi, Edebiyat Fakültesi, Arkeoloji Bölümü, 06532 Beytepe - Ankara, Türkei. email: enginatilla@hotmail.com
Dr. Alan Greaves, School of Archaeology, Classics and Egyptology, University of Liverpool, L22 5NZ Liverpool, UK. email: greaves@liv.ac.uk

Förderung

1987 - heute: Türkisches Kulturministerium, Generaldirektion für Altertümer und Museen.
1995 -2002: Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Istanbul
1996: Gerda Henkel Stiftung
1997 - 2001: Peter Dornier Stiftung Konstanz  

Literatur

E. Özgen/B. Helwing/H. Tekin, Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen auf dem Oylum Höyük. Istanbuler Mitteilungen 47, 1997, 39-90.

E. Özgen/B. Helwing/A. Engin/O. Nieuwenhuyse/R. Spoor, Oylum Höyük 1997-1998. Die spätchalkolithische Siedlung auf der Westterrasse. Anatolica Antiqua 7, 1999, 19-67.

E. Özgen/B. Helwing, Ausgrabungen auf dem Oylum Höyük, 1997-2000. Zweiter vorläufiger Bericht. Istanbuler Mitteilungen 51, 2001, 51-132.

E. Özgen/B. Helwing, On the shifting border between Mesopotamia and the West: Seven seasons of joint Turkish-German excavations at Oylum Höyük. Anatolica 29, 2003, 61-85.

Sowie seit 1996 jährliche Berichte in: Kazı Sonuçları Toplantısı.  

 


 
 

Aktualisiert: 19.03.2007

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