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Inhaltsverzeichnis und Abstracts
Inhalt
R. Felsch, Drei frühe
Phasen des dorischen Tempels. Delphi - Kalapodi -
Mykene, mit 13 Abb. »
»
M. Pipili, Samos, the Artemis
Sanctuary. The Laconian Pottery, mit 87 Abb. »
»
G. Despinis, Vermutungen zum
Marathon-Weihgeschenk der Athener in Delphi. Mit einem
Beitrag von E. B. Harrison, mit 25 Abb. »
»
St. Ritter, Fremde Götter
und Heroen in attischen Urkundenreliefs, mit 12
Abb. » »
H. Baitinger - B. Eder, Hellenistische
Stimmarken aus Elis und Olympia: Neue Forschungen zu den
Beziehungen zwischen Hauptstadt und Heiligtum. Mit einem Beitrag von K.
Herrmann, mit 93 Abb. »
»
K. Schade, anus ebria, avia educans und pulcherrima femina.
Altersdiskurse im
römischen Frauenporträt, mit 15 Abb.
» »
Ch. Landwehr, König Juba
I. oder Deus maurus?, mit 23 Abb. » »
M. Langner, Szenen aus Handwerk
und Handel auf gallo-römischen
Grabmälern, mit 28 Abb. »
»
B. Wesenberg, Vitruv und Leonardo
in Salamis. 'Vitruvs Proportionsfigur' und die
metrologischen Reliefs, mit 12 Abb.
» »
Abstracts
R. Felsch, Drei frühe Phasen des dorischen
Tempels. Delphi - Kalapodi - Mykene
Die Entstehungsgeschichte des dorischen Tempels wird anhand
literarischer und architektonischer Quellen in drei Phasen von seinen
Anfängen bis hin zur Entwicklung des Steinbaus skizziert. Ein
schon 1876 in Mykene gefundener Quader, welcher zuletzt von N. Klein
als Stylobatblock des 4. Jahrhunderts v. Chr. publiziert wurde, zeigt,
daß auch der frühe Tempel auf der Burg von Mykene in
die Reihe der bisher wenigen dorischen Tempel des späten 7.
Jahrhunderts gehört.
M. Pipili, Samos, the Artemis Sanctuary. The Laconian
Pottery
The Laconian vases published here were found in a deposit of an Artemis
sanctuary discovered in 1979 just outside the western walls of the
ancient city of Samos. The deposit contained votive material (pottery,
terracottas, bronzes) dating from the sixth century B. C., particularly
the third quarter of the century, and was probably formed after a
destruction of the sanctuary in the 520s, i.e. in the turbulent years
that followed the death of the tyrant Polykrates. The Laconian vases
found in the deposit (58 pieces) constitute the second largest body of
Laconian pottery from Samos after that of the Heraion, and many of them
can be attributed to the major black-figure Laconian vase-painters or
their workshops. The most frequent vase-shape represented here is the
cup (21 examples) followed by the chalice (14 examples and at least one
foot) and the two-handled mug (12 examples), and there are also two
lakainai, two phialai and isolated examples of a few other shapes (a
fruit-dish, a volute-krater, a lid and a votive polos). Particularly
important are the many chalices found in the deposit, a hitherto rare
shape which was obviously used in cult and was decorated appropriately
(processions, musicians, komasts, symposion). These interesting vessels
were probably special commissions for the needs of this particular
sanctuary, perhaps made on the spot by itinerant craftsmen. Most of the
chalices from the deposit, as well as some of the best cups, may be
attributed to the Hunt Painter and to a group of artists painting in
his manner. They are decorated in a fine miniature style and should
belong to the years 540-525 B. C., thus testifying that the third
quarter of the sixth century was not necessarily a period of decline
for Laconian black-figure.
G. Despinis - E. B. Harrison, Vermutungen zum
Marathon-Weihgeschenk der Athener in Delphi
Der bärtige Kopf im Akropolis-Museum Inv.-Nr. 2344, der neben
der idealen Zopf-Frisur 'realistische' Züge wie Strinfalten,
die eingeritzte Iris und die gebohrte Pupille besitzt, ist nach der
Vermutung des Verfassers als Kopie eines frühen
Porträts des 5. Jahrhunderts zu deuten. Der Kopf, der mit
einem wahrscheinlich korinthischen Helm zu ergänzen ist,
kopiert dieser Vermutung zufolge das Haupt der Statue des Miltiades aus
dem Marathon-Weihgeschenk der Athener in Delphi (Paus. X 10, 1). Dieses
Weihgeschenk, wahrscheinlich aus dem Jahrzehnt 470-460 v. Chr.,
schreibt Pausanias dem Pheidias zu. Ein Athena-Kopf, ebenfalls im
Akropolis-Museum (Inv.-Nr. 2338), der aufgrund seiner technischen
Charakteristika und seines Stils mit dem Kopf des Bärtigen
(Inv.-Nr. 2344) verbunden wird, läßt sich als Kopie
des Kopfes der Athena-Statue von diesem Weihgeschenk in Delphi
interpretieren. Eine Kopie der Statue will der Verfasser in der
kopflosen Figur der Athena im Prado-Museum erkennen. Die Statue in
Madrid, die attisches Original strengen Stils wiederholt, kann man
schwerlich mit einer Lanze in der erhobenen Rechten ergänzen.
Die Göttin kann die Lanze weder geschwungen noch sich auf sie
gestützt haben. Richtung und Hebung des erhaltenen rechten
Armansatzes kann man besser verstehen, wenn man einen Kranz in der Hand
ergänzt. Daß die Athena des Marathon-Weihgeschenkes
in Delphi den Miltiades bekränzte, ist nicht
überliefert. Doch haben dies schon mehrere Forscher vermutet,
nämlich in Analogie zur Bekränzung des Lysander durch
Poseidon in der Nauarchen-Gruppe, dem Weihgeschenk der Spartaner, das
neben dem Athener Weihgeschenk in Delphi gestanden hat.
St. Ritter, Fremde Götter und Heroen in
attischen Urkundenreliefs
Bei den nicht-athenischen Gottheiten und Heroen in attischen
Urkundenreliefs handelt es sich, entgegen der bislang herrschenden
Ansicht, nur in einigen Fällen um dieselben Figuren, die auch
über Selbstzeugnisse der betreffenden Staaten als deren
Vertreter bekannt sind. Wenn nicht entweder durch die Existenz eines
überregional bekannten Kultes (Argos, Samos, Knidos) oder
durch den theophoren Namen einer Polis (Apollonia, Herakleia) eine
bestimmte Gottheit oder ein Heros nahegelegt wurde, hatte man bei der
motivischen Gestaltung der Reliefs Wahlmöglichkeiten.
Das entscheidende Kriterium bei der Bildgestaltung war, ob man der
Gegenseite im Bild einen Athen ebenbürtigen Status zugestehen
wollte oder nicht. Im letzteren Falle verzichtete man entweder ganz
darauf, den zugrunde liegenden Beschluß in einer
mehrfigurigen Szene und damit als zwischenstaatliche
Übereinkunft darzustellen, oder man entschied sich
für eine lediglich lokale Gottheit oder einen Heros, um die
Gegenseite kleiner als Athena ins Bild setzen zu können.
Innerhalb des Referenzsystems der attischen Urkundenreliefs implizierte
freilich die Einbeziehung überhaupt einer fremden Gottheit
oder eines Heros von vornherein eine gewisse Gleichstellung. Der
Umstand, daß Gottheiten und Heroen nur dann auftreten, wenn
es um die Verbindungsaufnahme Athens mit einer anderen Polis geht,
zeigt, daß das Bewußtsein einer gemeinsamen
griechischen Polis-Identität im 4. Jahrhundert auch dann noch
aufrechtzuerhalten versucht wurde, als es sich politisch zunehmend
überlebte.
Bei der Gestaltung der Reliefs war eine eigene, durch den Urkundentext
nicht vorbestimmte Entscheidung zu treffen: in welcher Weise das
Verhältnis Athens zu einem anderen Staat ins Bild gesetzt und
in dauerhafter Fassung an exponierter Stelle der
Öffentlichkeit präsentiert werden sollte. Die
Reliefbilder geben als eigenständige Zeugnisse
darüber Auskunft, welchen Rang man in Athen dem jeweils
anderen Staat zum Zeitpunkt der Urkundenpublikation beimaß.
H. Baitinger - B. Eder, Hellenistische Stimmarken aus
Elis und Olympia: Neue Forschungen zu den Beziehungen zwischen
Hauptstadt und Heiligtum
Elis und Olympia bilden die Herkunft von 249 Marken aus Bronze, die in
dieser Arbeit erstmalig veröffentlicht und als Stimmarken
für geheime Abstimmungen aus hellenistischer Zeit
identifiziert werden konnten. Die Inschrift auf diesen Marken stellte
einen eindeutigen Bezug zum Demos der Eleier her, der für ihre
Ausgabe verantwortlich kennzeichnete. Die Präsenz
gleichartiger Stücke in Hauptstadt und Heiligtum bezeugt
einerseits die Existenz von Richterkollegien in beiden Orten und
andererseits die tonangebende Rolle der Eleier in Olympia. Ausgehend
von der Materialgruppe der Stimmarken wird unter Einbeziehung von
klassischen Gewichten und Maßbechern aus Olympia die These
vorgetragen, daß das panhellenische Heiligtum im
Süden der Landschaft Elis neben seiner kultischen Bedeutung
und Austragungsort der berühmten Spiele eine bedeutende Rolle
als regionaler und überregionaler Marktplatz wahrnahm und als
politischer und administrativer Knotenpunkt anstelle eines
städtischen Zentrums funktionierte. Im Anhang wird ein
Marmorblock vorgestellt, dessen Inschrift eine merkwürdige
Übereinstimmung mit der Buchstabenfolge auf einer Stimmarke
aufweist. Es wird der Versuch unternommen, diesen Block - ebenso wie
die Reste eines Gefäßes - mit dem
Abstimmungsverfahren im Buleuterion zu verbinden.
K. Schade, anus ebria, avia
educans und pulcherrima femina.
Altersdiskurse im römischen Frauenporträt
Folgte man den Aussagen, die in einigen Studien der Altertums- und
Sozialwissenschaften jüngerer Zeit zu lesen sind, so
könnte man zu zwei Einsichten gelangen: zum einen,
daß Darstellungen alter Frauen in der Antike stets negativ
bewertet worden wären, zum anderen, daß die
natürliche Abfolge der Lebensphasen bei Frauen damals
keinerlei gesellschaftliche Reflexion gefunden hätte. In
diesem Aufsatz wird, unter Einbeziehung von literarischen und
epigraphischen Quellen, solchen pauschalen Ansichten widersprochen.
Insbesondere das römische Frauenporträt, von dem
gemeinhin bekannt ist, daß es die vielfältigsten
Differenzierungen der weiblichen Physiognomie hervorgebracht hat, soll
hier als 'Kronzeuge' des Gegenbeweises dienen. Vor diesem Hintergrund
wird aber zugleich auf das gegenteilige Phänomen -
gewissermaßen die Antithese zu der Vergegenwärtigung
weiblicher Altersstufen - aufmerksam gemacht: die Visualisierung
zeitloser Schönheit durch idealisierende Stilisierungen. Die
Untersuchung basiert auf methodischen Ansätzen der
Diskurstheorie.
Ch. Landwehr, König Juba I. oder Deus maurus?
Der in Cherchel gefundene Kopf eines bärtigen Alten wurde im
Vergleich zu Münzen als König Juba I. interpretiert.
Eine eindeutige Übereinstimmung zwischen Münzen und
Marmor besteht jedoch nicht. Obwohl mehrfach Bedenken
geäußert wurden, hat es eine eingehende Untersuchung
nie gegeben. Eine Einordnung und Datierung des Kopfes auf dem Wege
stilistischer Vergleiche fehlt bis heute. Reiches Material steht in
Cherchel zur Verfügung. Die Untersuchung führt zu dem
Ergebnis, daß wegen gravierender stilistischer Unterschiede
der Kopf von den Objekten aus der Zeit der Könige von
Mauretanien, Juba II. (25 v.-23 n. Chr.) und Ptolemaios (23-40 n. Chr.)
zu trennen ist. Die besten Vergleichsmöglichkeiten bietet eine
Neptunstatue aus den in hadrianischer Zeit gebauten Westthermen. In der
Zeit nach Juba II. und Ptolemaios, als Caesarea römische
Provinzhauptstadt war, fehlt jegliche historische Voraussetzung
für eine postume Ehrung des ostnumidischen
Stammesfürsten, der Numidien an Rom verloren hatte.
Die ikonographischen Vergleiche führen zu dem Ergebnis,
daß eine nordafrikanische Gottheit oder
Persönlichkeit charakterisiert wird.
Eine ungewöhnliche Mischung zeichnet diesen Kopf aus. Sie
besteht aus griechischen, römischen und nordafrikanischen
Elementen, die sowohl der Ideal- als auch der Porträtplastik
entlehnt sind. Dieser aufwendige Einsatz eines recht breit
gefächerten Repertoires läßt sich meines
Erachtens nur erklären, wenn eine spezielle Gottheit
dargestellt werden soll. Die Verehrung einheimischer Gottheiten in
Nordafrika hat in unserer Forschung bislang wenig Beachtung gefunden.
Doch gibt es nicht nur zahlreiche Inschriften, die einheimische
Gottheiten nennen, sondern auch bildliche Darstellungen. Ich weise
darauf hin, daß der Kopf aus Cherchel eine einheimische
Gottheit verkörpern kann.
M. Langner, Szenen aus Handwerk und Handel auf
gallo-römischen Grabmälern
Die Berufsdarstellungen der Nordwestprovinzen sind nicht realistisch,
sondern umschreiben attributiv besonders charakteristische Situationen.
Dabei wird nicht so sehr auf die eindeutige Lokalisierbarkeit der
Szenen als vielmehr auf die Darstellung von Aktionsräumen Wert
gelegt. Innerhalb dieser kommen immer wieder ähnliche Werte
des Handwerker- und Händlerstandes zum Ausdruck, die je nach
Größe des Grabmals unterschiedlich akzentuiert
werden: Stolz auf die handwerklichen Fertigkeiten, die Produkte und den
erwirtschafteten Gewinn einerseits und die soziale Bedeutung, die man
zu Lebzeiten als Familienangehöriger und Mitbürger
hatte, andererseits. Im Gegensatz zu den italischen wenden sich die
gallo-römischen Grabmonumente der mittleren Kaiserzeit
weiterhin an ein größeres Publikum, wobei die
berufliche Situation des Grabmalbesitzers in dem das ganze Grabmal
umspannenden Bildprogramm, das die umfassende Zurschaustellung seines
Lebens zum Ziel hat, die bedeutendste Rolle spielt.
B. Wesenberg, Vitruv und Leonardo in Salamis. 'Vitruvs
Proportionsfigur' und die metrologischen Reliefs
Leonardos und Cesarianos Proportionsfiguren führen drei
verschiedene Theorien, die Vitruv unter dem gemeinsamen Gesichtspunkt
der Naturnachahmung abhandelt, zu einer einheitlichen Bildvorstellung
zusammen, die nicht die des antiken Autors ist. Vitruv teilt 1.) einen
natürliche Proportionen gewährleistenden
Künstlerkanon mit, gibt 2.) eine Ableitung geometrischer
Figuren aus der natürlichen menschlichen Gestalt und behandelt
3.) den natürlichen Ursprung der
Längenmaße. Die Erörterung dient der
Legitimation eines Architekturkonzepts, das mit der Verwendung
numerischer Proportionen ebenfalls an die schöpfende Natur
anknüpft. Das bekannte Relief in Oxford und das neu gefundene
Relief aus Salamis sind metrologische Denkmäler des
praktischen Gebrauchs. Mit Vitruv verbindet sie nicht mehr als die
Anwendung der üblichen Maßeinheiten. Das sogenannte
Lineal des salaminischen Reliefs ist durch die Neuvermessung von M.
Wilson Jones als dorischer (solonischer?) Fuß von ca. 0.327
erwiesen. Daneben bezeugt der Fußabdruck auf demselben Relief
ein weiteres griechisches Fußmaß, das bislang nicht
zugeordnet werden kann. Der Versuch von Wilson Jones, den salaminischen
Neufund mit Hilfe der Leonardo-Zeichnung zum Denkmal einer
internationalen Maßkonvention zu ergänzen, wendet
die Vitruv-Rezeption der Renaissance auf ein antikes Denkmal an, zu
dessen Vervollständigung selbst der unverfälschte
Vitruvtext nicht beitragen könnte.
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