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x. abgeschlossene Projekte: Pergamon Bau Z (türkçe)

Pergamon Bau Z

Das Schutzgebäude über den römischen Mosaiken

Lage

Ausgrabung des antiken Gebäudes 1990-1993 im Rahmen der Stadtgrabung Pergamon. Planung und Errichtung des Schutzgebäudes ab 1995. Am 8.8.2004 wurde das fertiggestellte Gebäude feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Das Projekt ist eingebettet in die Aktivitäten der Ausgrabung Pergamon und von der Abteilung Istanbul betreut.

Abteilungen:
Abteilung Istanbul

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

    
  Lageplan  

Lage und Geschichte

Auf der Akropolis von Pergamon wurde etwa 180-160 v.Chr. unter dem bedeutenden König Eumenes II. eine Stadterweiterung vorgenommen. Die alte Stadtmauer wurde abgerissen und unmittelbar südlich davon am steilen Abhang wurden die bedeutenden Baukomplexe von Gymnasion und Demeterheiligtum angelegt, die heute noch gut erhalten sind (Abb. Lageplan). Diese beiden Komplexe stehen wegen der Geländeform des Stadtberges nicht parallel, sondern im Winkel zueinander. Genau in diesem Winkel wurde zur gleichen Zeit ein großes öffentliches Gebäude vom Peristyl-Typus errichtet. Es handelt sich um ein Bauwerk mit vielen Räumen, Sälen und Hallen, um einen Säulenhof herum angelegt. Die Seitenlänge des Gesamtbaus beträgt 40 m. Da das Bauwerk am steilen Hang lag, mußte es terrassenförmig errichtet werden. Der Niveauunterschied beträgt allein von der untersten Mauerecke am Abhang bis zur Fußbodenhöhe des Erdgeschosses 14 m. Darüber erhoben sich zwei Stockwerke von je rund 5 m Höhe, außerdem noch das Ziegeldach. Das Gebäude hatte also eine gewaltige Baumasse. Wir wissen nicht genau, welchem Zweck es gedient hat. Jedenfalls war es kein Wohnhaus, sondern ein öffentliches Gebäude, vielleicht das Prytaneion, eine Art Staats-Gästehaus von Pergamon.

 

Ziele

    
  Entwicklungsphasen Bau  
    
  Grundriß Bau  
    
  Blick auf Lamellenkonstruktion  

Gesamtanlage Bauphasen/Schutzbaukonzept

Als Ursprung von Bau Z kann ein quadratischer Raum mit einer tiefen Nische angenommen werden (Abb. Phase 1), dessen sorgfältig gearbeitete Quaderwände auf eine Entstehung in hochhellenistischer Zeit schließen lassen (Anfang 2. Jh. v. Chr.). Diese Anlage dürfte kultischen Charakter besessen haben und möglicherweise in Bezug zum gleich ausgerichteten Demeter-Heiligtum gestanden haben. In der Mitte des 2. Jh. v. Chr. erfolgte die Erweiterung zu einem zunächst L-förmigen Peristylhaus mit terrassierten Substruktionen (Abb. Phase 2). In einer weiteren Umbauphase Ende des 2. Jh. v. Chr. wurde das Peristyl geschlossen, indem der Ostflügel und eine Südhalle hinzugefügt wurden. Ferner wurde im Nordosten ein Annex mit einer kleinen Hofanlage angefügt (Abb. Phase 3). Das Gebäude hat damit seine größte Ausdehnung und seine bis weit in die römische Epoche benutzte Gestalt erhalten. Im Inneren erfolgten jedoch verschiedene Veränderungen, so der Einbau einer Badeanlage in dem nordöstlichen Annex im frühen 1. Jh. n. Chr., vor allem aber eine große Neugestaltungsmaßnahme in der 1. Hälfte des 2. Jh. n. Chr., in der auch die Mosaikfußböden eingebracht worden sind (Abb. Phase 4). Schon bald nach diesem Umbau - wahrscheinlich durch das Erdbeben 178 n. Chr. - wurde der Bau zerstört und in weiten Teilen aufgegeben. In die dichte spätbyzantinische Bebauung, die im 12.-14. Jh. über dem verschütteten Bau Z angelegt wurde, wurden nur wenige Mauerstrukturen des antiken Gebäudes integriert (Abb. Phase 5). Diese Bebauung scheint zu einem kleinen Baubereich gehört zu haben, der sich um eine unmittelbar nordöstlich von Bau Z errichtete Kapelle mit Friedhof gruppiert hatte. Nach der Eroberung Pergamons durch die Osmanen 1326 wurde die Besiedlung des Burgbergs aufgegeben und verschwand ihrerseits unter Verschüttungsschichten. Durch die steile Hanglage ergibt sich eine sehr unterschiedliche Erhaltungssituation. Während die nördliche Hälfte des Gebäudes mit Teilen ihrer Ausstattung unter dicken Versturzlagen konserviert blieb, sind vom südlichen, stark erodierten Bereich nur noch Teile der Fundamente und Substruktionen erhalten. Daraus ergab sich das Konzept für den Schutzbau (Abb. Phase 6), der nur die nördliche Hälfte des antiken Gebäudes überdeckt und damit die römischen Mosaiken und die hellenistische Stuckausstattung dauerhaft konserviert. Im südlichen, nicht überdeckten Bereich wurden lediglich die antiken Mauerzüge etwas aufgehöht konserviert und so die ursprüngliche Dimension des Gebäudes anschaulich gemacht (Abb. Grundriß Bau Z). Im Bereich des eigentlichen Schutzgebäudes wurden die Mauerfluchten bis zur rekonstruierten Erdgeschoßhöhe von etwa 4.70m hochgeführt, darüber folgt dann mit einem Meter Abstand das Dach in moderner Form als Stahlkonstruktion. Die talseitige Front und alle übrigen offenen Wandflächen wurden mit einer licht- und luftdurchlässigen, stählernen Lamellenkonstruktion geschlossen (Abb. Blick auf Lamellenkonstruktion).
Bau "Z" war in seinem Inneren reich ausgestattet. Selbst das verhältnismäßig Wenige, was sich von dieser Ausstattung erhalten hat, ist sehr beeindruckend, und diese Tatsache war für die Pergamongrabung des Deutschen Archäologischen Instituts der Anlaß, über den erhaltenen Resten diesen Schutzbau zu errichten.

 

Forschungsgeschichte

    
  Bildfeld Silensmosaik  
    
  Innenansicht Bau Z  
    
  Darstellung eines Tigers  
    
  Blick in das Peristyl  

Die Mosaiken

Es handelt sich bei der erhaltenen Ausstattung um zwei fast unversehrte römische Bodenmosaiken in zwei Sälen des Gebäudes: in der Mitte der nördlichen Raumreihe ein 6 x 8 m großes teppichartig mit Bordüren und Ornamenten ausgestaltetes Mosaik mit einem gerahmten Bildfeld in der Mitte. Dieses Bild zeigt einen bekränzten alten Silen (Papposilenos), der dem als Kind dargestellten Weingott Dionysos aus einer goldenen Schale Wein zu trinken gibt (Abb. Bildfeld Silensmosaik). Wir haben diesem Mosaik den Namen Silensmosaik gegeben. Ebenfalls dionysische Motive zeigt, in einem westlichen Saal des Hauses, das 8 x 8 m große sog. Maskenmosaik (Abb. Blick über Maskenmoasik). Hier findet sich in einer bunt ornamental ausgestalteten Fläche ein 3 x 3 m großes Mittelfeld, das aus 16 Medaillons gebildet wird. Die Darstellungen in diesen Medaillons zeigen Theatermasken aus der antiken Tragödie und Komödie sowie die Köpfe eines Satyrs und einer Mänade. In der Mitte des Feldes befinden sich vier Medaillons, die je zwei einander gegenüberstehende Tiere zeigen: zwei Kampfhähne und zwei Wildkatzen (Abb. Darstellung eines Tigers). Alle diese Motive stammen aus dem Kreis des Wein- und Theatergottes Dionysos. Eine Nische an der Westseite des Maskenmosaikraumes deutet an, daß hier auch ein Kult ausgeübt wurde.
Die Halle, die hinter den dorischen Säulen des Hofes verlief, hatte ebenfalls ein Bodenmosaik, das aber nur aus einfacheren geometrischen Kreis-Mustern bestand (Abb. Blick in das Peristyl). Alle diese Mosaiken wurden in sehr gut erhaltenem Zustand aufgefunden. Sie waren während einer Renovierungsphase des Gebäudes, in römischer Zeit, um 100 n. Chr. eingebracht worden. Bei dieser Gelegenheit hatte man die alten Fußböden aus der hellenistischen Erbauungszeit entfernt. Sie bestanden wohl gleichfalls aus Mosaik, waren damals schon etwa 250 Jahre alt und vermutlich sehr schadhaft.

 

Bisherige Arbeiten

    
  Restaurierte Stuckwand  

Die Stuckdekoration

Es ist deshalb besonders auffällig, daß die ebenfalls aus der hellenistischen Erbauungszeit stammenden Wanddekorationen des Maskenmosaikraumes in der römischen Renovierungsphase, nach rund 250 Jahren ihres Bestehens, nicht erneuert, sondern geradezu museal erhalten wurden. Über dem neuen Mosaikfußboden des Raumes erhoben sich die alten, reich stuckierten bunten Wandverkleidungen im sog. hellenistischen Architekturstil (Abb. Restaurierte Stuckwand): zwischen den fünf weißen Pilastern der wiederaufgebauten Nordwand befinden sich gleichmäßig verteilte Zonen von roten Spiegelquadern und gelben, ornamental gerahmten Platten. Auch die anderen Wände des Raumes waren in gleicher Weise dekoriert. Im Westen, bei der Rahmung der Kultnische, war die Stuckdekoration sogar noch reicher. Allerdings war diese Partie bei der Ausgrabung nur noch so fragmentarisch erhalten, daß sie nicht wieder aufgebaut werden konnte. Die besondere Wertschätzung der alten Stuckdekoration der Wände bereits in römischer Zeit zeigt sich auch darin, daß sie damals restauriert wurde. So hat man z.B. im Zuge der römischen Renovierung ein Kapitell der Pilaster erneuert.

 

Aktuelle Arbeiten

    
  Besuchersteg  
   Kopie der antiken Holztür mit Erläuterung  
  Kopie der antiken Holztür mit Erläuterung  
    
  Ostwand Bau  
    
  Lamellen und Träger  

Der Schutzbau

Die Errichtung des Schutzbaus begann im Jahre 1996 und wurde 2002 abgeschlossen. Danach erfolgten die Inneneinrichtung und die Herrichtung des Außenbereichs mit Treppen, Wegen und Bepflanzung. Zur Inneneinrichtung gehören die Aufrichtung mehrerer Hofsäulen, die Erbauung der Besucherstege (Abb. Besuchersteg im Peristyl), die Wiederanbringung der in jahrelanger Puzzle-Arbeit restaurierten Stuckwand, die Konservierung der Mosaiken, der Einbau der Kopie einer antiken Holztür (Abb. Kopie der antiken Holztür mit Erläuterung) und das Anbringen der mehrsprachigen Informationstafeln (türkisch, deutsch, englisch). Im überdachten Nordbereich wurden alle antiken Mauern mit dem auch in der Antike verwendeten Naturstein bis zur Höhe des ursprünglichen Erdgeschosses (etwa 5 m) aufgehöht. Die erhaltenen antiken Mauern sind von den neu aufgemauerten Teilen im Innern durch eine rote Fuge und außen durch einen Rücksprung deutlich getrennt (Abb. Ostwand Bau Z). Über den Mauern folgt auf Stahlgitterträgern eine moderne Dachkonstruktion, die mit der antiken Dachausrichtung absichtlich nichts zu tun hat (Abb. Lamellen und Träger). Das ursprünglich zweigeschossige Gebäude wurde nur eingeschossig wiederaufgebaut, weil über die Einzelheiten des Obergeschosses zu wenig bekannt ist.
Der Schutzbau wurde vom Deutschen Archäologischen Institut nach den international üblichen Restaurierungskriterien errichtet. Die Planung und Erbauung wurde von der Antiken-Generaldirektion in Ankara und der zuständigen Denkmalschutzbehörde in Izmir genehmigt. Die Arbeiten standen unter der Gesamtleitung von Prof. Dr. Wolfgang Radt. Entwurf, Planung und Bauleitung lagen in den Händen der Architekten Dr.-Ing. Martin Bachmann und Dipl.-Ing. Andreas Schwarting.

 

Methoden

Kooperationen

Deutsches Archäologisches Institut (Leitung und Durchführung); Universität Karlsruhe, Institut für Baugeschichte (Baudokumentation); Fachhochschule für Restaurierung an der Universität Ankara (Restaurierung der Mosaiken); Firma Pracher, Würzburg (Restaurierung der Stuckdekoration); Markus Hauer, Karlsruhe (Tragwerksplanung)

 

Ergebnisse

Förderung

Firma Thyssen-Hünnebek, Düsseldorf (Baugerüste). - Firma Lutz Ankersysteme, Tauberbischofsheim (Spezialdübel zur Errichtung der Stuckwand). - Firma Sika, Stuttgart (Spezialfarbe für die Stahlteile des Gebäudes).

 

Ansprechpartner

Dr.-Ing. Martin Bachmann

Bauforschung
Telefon: + 90-(0)212-393 76 11
Telefax: + 90 - (0)212-393 76 14
Email: bachmann@istanbul.dainst.org

PD Dr. Felix Pirson

Klassische Archäologie
Telefon: + 90-(0)212-393 76 10
Telefax: + 90 - (0)212-393 76 14
Email: pirson@istanbul.dainst.org

Literatur

Archäologischer Anzeiger 1991 ff.

W. Radt: Pergamon. Geschichte und Bauten einer antiken Metropole, Darmstadt 1999.

Martin Bachmann - Andreas Schwarting, Pergamon Bau Z . Schutzbau über römischen Mosaiken, zweisprachige Veröffentlichung deutsch/engl. (2005)

Martin Bachmann - Andreas Schwarting, Der antike Bau Z. Ein Schutzbau für Mosaikfußböden in Pergamon, in: Bauwelt 37(2005) 30-33.  

 


 
 

Aktualisiert: 04.08.2008

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