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Kairo/Luxor - Während der diesjährigen Herbstkampagne des Deutschen
Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo im oberägyptischen Theben wurde am
21.10. in einer Schachtanlage der Nekropole von Dra' Abu el-Naga (Theben-West) (siehe allgemeine DAI Projektseite)
eine kleine Felskammer entdeckt, in der sich noch ein einst dort aufgestellter
hölzerner Sarkophag von enormer Größe befindet, welcher einen kleineren
hölzernen Innensarg birgt. Die Kammer ist nur unwesentlich größer als der
Sarkophag, weshalb ein Versuch von Grabräubern, den Sarkophag aus der Kammer zu
entfernen, scheiterte. Die Diebe schlugen deshalb ein Loch in die Fußplatte des
Sarkophages, entfernten die Fußplatte des inneren Sarges und bargen durch diese
Öffnungen die Mumie und möglicherweise weitere Gegenstände aus dem
Sarginneren.
Der etwa 2,7 m lange, 1 m breite und 1 m hohe, kastenförmige Sarkophag ist
außen mit einer horizontal umlaufenden Inschriftenzeile versehen, die in einer
Opferformel den Titel eines hohen Würdenträgers ('Sab') und den Namen des
Besitzers, Imeny, nennt. Das Besondere an diesem Sarkophag aber ist die
hervorragend erhaltene Dekoration seiner Innenwände, die vollständig mit
religiösen Texten und polychromen Darstellungen einer idealen Grabausstattung
('frise d'objet') verziert sind.
Der noch im Inneren des Sarkophages befindliche, ebenfalls kastenförmige
Innensarg ist ähnlich hervorragend gearbeitet, aber nur an seinen Außenseiten
mit Inschriftenbändern dekoriert. Diese Inschriften nennen nun
bemerkenswerterweise nicht, wie zu erwarten wäre, ebenfalls Titel und Namen des
Imeny, sondern die seiner 'geliebten' Frau, der 'Herrin des Hauses', Geheset
('Gazelle'). Eine zu einem späteren Zeitpunkt auf der Fußplatte des äußeren
Sarkophages angebrachte senkrechte Inschriftenzeile erklärt diesen
ungewöhnlichen Befund: auch hier wird die Frau des Imeny, Geheset, erwähnt.
Eine erste Interpretation dieses Befundes erlaubt eine vorläufige
Rekonstruktion der Vorgänge, die zu der Bestattung führten: Der große
Sarkophag und die für seine Aufnahme vorgesehene Felskammer wurden schon zu
Lebzeiten des hohen Würdenträgers Imeny vorbereitet bzw. angefertigt. Seine
Frau Geheset verstirbt möglicherweise unerwartet früh und wird in einem für
sie angefertigten, kleineren Kastensarg im Inneren des großen Sarkophages ihres
Mannes bestattet. Die ursprünglich für die Bestattung des Imeny angelegte
Schachtgrabanlage wurde so zur Grabstätte seiner Gattin.
Die Besonderheit der Entdeckung des Sargensembles besteht aber nicht nur in
Erhaltungszustand und Dekorationsprogramm, sondern ergibt sich auch auf einer
anderen Ebene: Das Ensemble datiert nach ersten Untersuchungen der zur
Bestattung gehörenden Keramik in die erste Hälfte der 13. Dynastie (ca.
1795-1720 v. Chr.), die in Oberägypten nur sehr spärlich belegt ist.
Sargensembles dieser Art sind, zumal in situ aufgefunden, bis auf eine Ausnahme
aus der Thebanischen Nekropole bislang nicht bekannt.
Das Sargensemble liegt derzeit noch an seinem alten Platz in der Felskammer.
Die geringe Größe der Kammer und die enormen Ausmaße sowie das Gewicht des
Sarkophages erschweren die Bergung, die innerhalb der nächsten Wochen erfolgen
soll.
Ansprechpartner:
Dr. phil. Daniel Polz
Ägyptologie
Telefon: +20-(0)2-735-1460, - 735-2321
Telefax: +20-(0)2-737-0770
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