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Inhaltsverzeichnis und Abstracts
Inhalt
S. Moraw, Schönheit und Sophrosyne.
Zum Verhältnis von weiblicher Nacktheit und
bürgerlichem Status in der attischen Vasenmalerei, mit 17
Abbildungen »
»
B. Schmaltz - M. Salta, Zur Weiter- und Wiederverwendung
attischer Grabreliefs klassischer Zeit, mit 31 Tafeln
» »
G. Platz-Horster, Der Silberfund
von
Paternò in der Antikensammlung Berlin. Mit
Beiträgen von B. Niemeyer, I. Reiche und A. Denker sowie C. de
Simone, mit 41 Tafeln »
»
J. Meischner, Die Skulpturen des
Hatay
Museums von Antakya, mit 44 Tafeln »
»
Abstracts
S. Moraw,
Schönheit und Sophrosyne. Zum Verhältnis von
weiblicher
Nacktheit und bürgerlichem Status in der attischen
Vasenmalerei, mit 17
Abbildungen
Die attische Keramik des 6. bis 4. Jahrhunderts v. Chr. wird in
einzelnen chronologischen Abschnitten unter folgenden Gesichtspunkten
untersucht: Wie sieht die körperlich und moralisch
vorbildhafte bürgerliche Frau aus? Und welche Bedeutung hat
die Darstellung des nackten Frauenkörpers? Zeitgleiche
Zeugnisse aus Großplastik und Literatur werden jeweils
kontrastierend herangezogen.
Weibliche Vorbildhaftigkeit und weibliche Nacktheit schließen
sich zunächst gegenseitig aus. Nacktheit bedeutet
anfänglich für die derart Dargestellte vor allem
etwas Negatives. Erst ab ca. 500 v. Chr. kann damit auch neutral
>Schönheit< ausgedrückt werden. Seit
dem Reichen Stil schließlich wird es zumindest in der
Vasenmalerei möglich, explizit als solche gekennzeichnete
bürgerliche Frauen in jetzt aphrodisisch
überhöhender Nacktheit zu präsentieren.
Dennoch haftet dem Phänomen weiterhin etwas Problematisches
an: In anderen Gattungen bleibt die Darstellung einer nackten
Bürgerin undenkbar. Auf den Vasen muß Nacktheit
durch das Bildthema legitimiert sein, vollständige
Entblößung entgegen der bildinternen
Realität ist nicht möglich. Die Darstellung des
Genitals ist tabu. Die negativen Implikationen, die von Anfang an mit
weiblicher Nacktheit verbunden waren, leben in anderen Gattungen (z. B.
der Komödie) und in anderen Bildthemen fort. Ethische Werte
können anhand des weiblichen Körpers nicht zum
Ausdruck gebracht werden. Das Konzept der >idealen
Nacktheit< ist auf die Darstellungen von Frauen nicht
übertragbar.
B. Schmaltz -
M. Salta, Zur Weiter- und Wiederverwendung attischer Grabreliefs
klassischer Zeit, mit 31 Tafeln
Bei sorgfältiger Betrachtung attischer Naiskosstelen
klassischer Zeit sind immer wieder
Unregelmäßigkeiten in der Bearbeitung der
Oberfläche zu erkennen, sei es an den Figuren selbst, sei es
an ihren Gesichtern, Gewändern oder Attributen wie am
Hintergrund zwischen den Figuren. Im Einzelfall liegt der Gedanke an
handwerkliche Unzulänglichkeiten nahe, doch lassen die
Addition solcher Indizien, die motivischen und/oder
trachtgeschichtlichen Ungereimtheiten (vgl. z. B.
>halbierte< Frisuren), die extreme Flachheit mancher
Hintergrundfiguren sowie die mehrfach zu beobachtenden Korrekturen in
den Inschriften (Ergänzungen und Rasuren) keinen Zweifel
daran, daß es sich um planmäßig
durchgeführte, sekundäre Korrekturen handelt, die
wohl anläßlich einer Weiter- oder Wiederverwendung
der Monumente vorgenommen wurden; mehrfach ist sogar mit wiederholter
Nutzung und Korrektur zu rechnen.
Die systematische Durchsicht der entsprechenden Bestände des
Athener Nationalmuseums (sowie einiger weiterer europäischer
Museen) läßt darauf schließen,
daß etwa ein Viertel der erhaltenen Naiskosstelen
überarbeitet wurde, sei es hinsichtlich der Hauptfigur, sei es
im Bereich der Nebenfiguren. Nicht selten wurden Frisuren
>modernisiert<, Attribute verändert,
Hintergrundfiguren (wie z. B. Dienerinnen) zugefügt, selbst
das Geschlecht dargestellter Personen wurde wiederholt
>ausgetauscht<. Neben dem praktischen Aspekt des
handwerklichen Vorgehens und des Bestellens der Denkmäler bzw.
der Korrekturen interessiert nicht weniger die Frage der inhaltlichen
Deutung; denn es liegt auf der Hand, daß die traditionell in
der Fachliteratur herausgestellte Unterscheidung von Verstorbenen und
Hinterbliebenen angesichts von Korrekturen nicht selten in ihrer
Eindeutigkeit fragwürdig wird: Die Deutung der Bilder
rückt zwangsläufig erneut in den Vordergrund. Dabei
spielt nicht mehr so sehr die Betrachtung und Würdigung des
Einzelfalls, des einzelnen Reliefs, die maßgebliche Rolle,
vielmehr ist darüber hinaus ein Überblick zu gewinnen
über die Figurentypen, ihre Kombination und die Bildtypen.
Trotz stilbedingter Veränderungen scheint sich dabei eine
Aussage abzuzeichnen zum Grundthema attischer Naiskosstelen klassischer
Zeit: Gerade die Korrekturen im Bild lassen darauf schließen,
daß der Bezug zum Verstorbenen selbst, seinem Alter und
seinem sozialen Stand recht konkret angesprochen werden sollte.
G. Platz-Horster, Der
Silberfund von Paternò in der Antikensammlung
Berlin. Mit Beiträgen von B. Niemeyer, I. Reiche und A. Denker
sowie C.
de Simone, mit 41 Tafeln
Den 1909 am Fuße des Normannenturmes von Paternò
am Ätna gefundenen Silberschatz hat Robert Zahn 1911-1914
für das Antiquarium der Königlichen Museen erworben.
Neben den sieben nach Berlin gelangten Gefäßen
gehörten noch wenigstens zwei weitere zu dem nie
vollständig publizierten Komplex. Er umfaßt drei
Henkelschalen, eine Eierschale, eine Muschel- und eine Spulenpyxis
sowie einen Riefelbecher. Alle Gefäße sind durch
Inschriften, Form und Dekor miteinander verbunden.
Bis auf den Riefelbecher, der vielleicht um 400 v. Chr. in Thrakien
oder Epirus entstand, finden alle Silbergefäße ihre
engsten Parallelen in der Keramik von Tarent oder Apulien zwischen 350
und 300 v. Chr. Der Silberfund von Paternò ist somit der
früheste Komplex an einheimischen
Silbergefäßen aus Unteritalien. Für den
Nachweis einer Fertigung in Sizilien fehlen vergleichbare Funde, sei es
in Metall oder Keramik. Vermutlich im 3. Jahrhundert v. Chr. ging das
Silber durch die Hände von drei oder vier Besitzern, unter
ihnen vielleicht ein Römer aus dem Fundgebiet am
Ätna. Anlaß für die Verbergung des Hortes
könnten die Wirren des Zweiten Punischen Krieges gewesen sein.
J. Meischner, Die
Skulpturen des Hatay Museums von Antakya, mit 44 Tafeln
Die Ausgrabungen der antiken Stadt Antiochia begannen während
der seit 1918 bestehenden französischen Mandatsverwaltung der
Provinz, im Jahr 1932. Ihre Träger waren das Nationalmuseum
Frankreichs, der Louvre, sowie die amerikanischen Museen von Baltimore,
Worcester, Dumbarton Oaks, Cambridge und die Universität
Princeton. Die nur in wenigen Kampagnen durchgeführten
Grabungen mußten mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939
abgebrochen werden. Die Funde, Skulpturen und Mosaiken, gelangten,
entsprechend den Abmachungen zwischen den Ausgräbern und den
örtlichen Behörden zu einer Aufteilung zwischen der
Stadt Antakya und den Ausgräberstaaten, in Teilen nach Paris
und in die USA.
Die Museen von Worcester, Baltimore und Cleveland zeigten den an sie
gelangten Fundanteil in drei Ausstellungen 2000/2001. Die Antiochener
Bestände der Universität Princeton wurden von T.
Najbjerg vorgelegt. Der unter der Herausgeberschaft von C. Kondoleon
zur Ausstellung in Worcester, Baltimore und Cleveland erschienene
Katalog bietet in einem ersten Teil Essays zu zehn das antike Antiochia
betreffenden Themen. Im zweiten Teil werden die in den Louvre und in
die drei genannten amerikanischen Museen gelangten Funde unter
Einbeziehung einiger Stücke in Antakya vorgelegt. Eine
größere Anzahl des Antiochener Bestandes stammt ohne
nähere Angabe entweder aus dem Stadtgebiet von Antiochia oder
dessen Villenvorort Daphne. Eine Reihe von Ausstattungsstücken
und Porträts wurde nicht in ihrem ursprünglichen
Zusammenhang gefunden, sondern ausrangiert im Nebengebäude
eines spätantiken Wohnhauses aus dem 4./5. Jahrhundert n. Chr.
in Antiochia. Auch sonst sind Datierungshilfen durch stratigraphische
Befunde nicht gegeben.
Die türkischen Bestände des Hatay Museums in Antakya
werden in Form eines wissenschaftlichen Kataloges vorgelegt. Die
verbliebenen Bestände vermögen das lange Leben der
Stadt vom Hellenismus bis in die Spätantike zu spiegeln. Die
späteste erhaltene Skulptur ist im 5. Jahrhundert n. Chr.
entstanden. Bemerkenswerterweise ist diese eine ideale
Großplastik, die man nach dem 3. Jahrhundert n. Chr. nicht
mehr erwartet: ein Kopf des Ares Borghese.
Die amerikanischen Grabungspublikationen belegen für Daphne
eine Besiedlungsdauer vom Späthellenismus bis ins 6.
Jahrhundert n. Chr. Den Skulpturenfunden sind oft lange
Benutzungsphasen abzulesen. Auffallend zahlreiche Stückungen
sind mit Sicherheit auf antike Reparaturen, und diese nicht nur nach
den großen Erdbeben, zurückzuführen.
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