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Serbien, spätantiker Kaiserpalast

Der spätantike Kaiserpalast Felix Romuliana / Gamzigrad in Serbien

Archäologische und bauforscherische Untersuchung des spätantiken Kaiserpalastes und seines Umfeldes

Lage

    
  Lage von Gamzigrad  

Felix Romuliana / Gamzigrad liegt im heutigen Ostserbien im Tal des Timok bei der Provinzhauptstadt Zaječar ca. 100 km nördlich von Nis, dem antiken Naissus. Der Ort Felix Romuliana gehörte zu der spätantiken Provinz Dacia ripensis.

Abteilungen:
Architektur-Referat an der Zentrale
Römisch-Germanische Kommission (RGK) Frankfurt a.M.

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

    
  Ummauerte Palastanlage von Osten  

Nach dem Fund einer Archivolte mit der Inschrift Felix Romuliana im Jahr 1984 wird die befestigte Palastanlage bei Gamzigrad in Ostserbien mit dem Altersruhesitz des Kaisers Galerius identifiziert, eines Mitgliedes der Tetrarchie (ca. 250 - 311 n. Chr.), der in dieser Region, der Provinz Dacia ripensis, geboren wurde. Der Palast, der nach Romula, der Mutter von Galerius, benannt ist, wurde Ende des 3. / Anfang des 4. Jhs. n. Chr. über einer älteren Anlage, vielleicht einer villa rustica errichtet und vermutlich nach der Ernennung Galerius zum Augustus 306 n. Chr. modifiziert und mit einer zweiten imposanten Mauer mit 20 nach außen vorspringenden Türmen umgeben. Nach dem Tod des Galerius 311 n. Chr. verlor die repräsentative Anlage ihre Funktion. In der 2. Hälfte des 4. / 1. Hälfte des 5. Jhs. existierte hier eine Siedlung mit mindestens einer christlichen Kirche. In der 2. Hälfte des 6. Jhs. hatte sich hier eine ländliche Ansiedlung mit Einrichtungen zur Metallverarbeitung im Schutze der alten Mauer etabliert. Nach der Aufgabe der Provinzgebiete durch die Römer / Byzantiner lassen sich einige bescheidene frühmittelalterliche Siedlungsspuren (7. - 11.Jh.) nachweisen. 

Ziele

Ziel des 2004 initiierten deutsch-serbischen Gemeinschaftsprojektes, an dem die Römisch Germanische Kommission Frankfurt und das Architekturreferat der Zentrale beteiligt sind, ist eine Neuvermessung der gesamtem Anlage als Grundlage für eine bauforscherische Untersuchung sowohl des Palastes als auch seines Umfeldes mit dem Grabhügel Magura. Durch geophysikalische Prospektion sollen Siedlungsspuren außerhalb des eigentlichen Palastareals lokalisiert und durch Sondagegrabungen geklärt werden. Seit 2005 werden die Untersuchungen innerhalb und außerhalb des Palastareals als serbisch-deutsches Kooperationsunternehmen durchgeführt. 

Forschungsgeschichte

    
  Zentrales Perisytl der spätantiken Palastanlage  
    
  Blick auf das Grab, das Kaiser Galerius zugeschrieben wird  

Nachdem die Anlage bereits im 19. Jahrhundert entdeckt wurde, fanden ab 1953 systematische Ausgrabungen im Palastbereich statt, die von 1970-1996 von dem serbischen Archäologen Dragoslav Srejović geleitet wurden. Freigelegt wurden reich mit Mosaiken ausgestattete Räume, die sich jeweils um ein zentrales Peristyl gruppieren, zwei Tempelbauten sowie weitere Bauten im Süden. Von 1989-92 wurden auf dem ca. 1 km östlich des Palastes gelegenen Hügel Magura eine große Grabanlage mit Tetrapylon ausgegraben, zwei Mausoleen und zwei Konsekrationsdenkmäler in Form von Tumuli an den Stellen, an denen eine symbolische Leichenverbrennung der in den Mausoleen beigesetzten Personen stattfand, die mit dem Grab des Galerius und seiner Mutter Romula in Verbindung gebracht werden. Aktuell finden Grabungen der serbischen Kollegen im Bereich der Thermenanlage des Palastes statt. 

Aktuelle Arbeiten

    
  Geomagnetischen Prospektion des Umfeldes des Palastes  

In einer vierwöchigen Kampagne im Herbst 2004 konnten die Grundlagen für ein übergeordnetes Vermessungsnetz für die geplanten topographischen Arbeiten gelegt werden. Von den Anlagen auf dem Magurahügel - Grabdenkmäler für Kaiser Galerius und seine Mutter Romula sowie ein Tetrapylon an der Zufahrtsstraße zum Palast - wurden Bauaufnahmen im Maßstab 1:50 erstellt und ein Bauteilkatalog für eine zeichnerische Rekonstruktion der Anlagen angefertigt. Im Umfeld des Palastes wurde mit einer großräumigen geomagnetischen Prospektion und begleitenden Sondagegrabungen begonnen.

Im September / Oktober 2005 fand eine weitere Arbeitskampagne statt, bei der die Umfassungsmauer und die Innenbauten des Palastes bauforscherisch dokumentiert wurden. Außerhalb der Palastanlage wurde eine durch geomagnetische Messungen festgestellte Struktur durch eine Sondagegrabung untersucht. Dabei kam ein bislang unbekanntes römerzeitliches Grab mit Waffenbeigaben zutage.
Die geophysikalischen Untersuchungen im Umfeld des Palastes wurden ebenfalls fortgesetzt. 

Methoden

Zur Geländesprospektion wurde ein Fluxgatemagnetometer eingesetzt. Darüber hinaus wurden im Jahr 2005 an mehreren ausgewählten Plätzen zusätzlich geoelektrische Widerstandsmessungen duchgeführt. 

Ergebnisse

Bei der geomagnetischen Geländeprospektion zeichnete sich ca. 15 m vor dem südwestlichen Eckturm der Palastumwehrung eine parallel verlaufende schmale Spur ab, die durch eine Sondagegrabung als Graben verifiziert werden konnte. Es handelt sich um einen etwa 3,5 m breit erhaltenen Sohlgraben, dessen tiefster Punkt ungefähr 1,45 m unter der heutigen Oberfläche liegt. In der Verfüllschicht dieses Grabens fand sich neben zahlreichen Tierknochen auch spätantike Gefäßkeramik (4. - 6. Jh. n. Chr.). Ob dieser Graben unmittelbar zur Umfassungsmauer des Palastkomplexes oder zu einer späteren Siedlungsphase gehört, ist damit jedoch noch nicht geklärt. Diese Spur konnte im Jahr 2005 entlang der gesamten Südseite der Palastumfassung nachgewiesen werden. Eine weitere Sondage im Jahr 2005 über dieser Spur bestätigte die Ergebnisse des Grabungsschnittes von 2004. Außerdem konnte durch die geomagnetischen Messungen neben einem ca. 200 m westlich des Palastes gelegenen Speicherbau (horreum) eine etwa 50 m lange Raumreihe mit vorgelagerter Säulenhalle lokalisiert werden.
 

Kooperationen

Das Gemeinschaftsprojekt wird in Kooperation der RGK und des Architekturreferats in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Vermessungskunde der BTU Cottbus von deutscher Seite mit dem Archäologischen Institut in Belgrad, der Philosophischen Fakultät der Universität Belgrad, dem Nationalmuseum von Zaječar und dem Nationalen Institut für Denkmalpflege von serbischer Seite durchgeführt.  

Ansprechpartner

Dr. phil. Gerda Sommer-von Bülow

Römerzeit
Telefon: 069-975818-32
Telefax: 069-975818-38
Email: vonbuelow@rgk.dainst.de

Dr.-Ing. Ulrike Wulf-Rheidt

Bauforschung
Telefon: 01888-7711-138
Telefax: 01888-7711-191
Email: uwr@dainst.de
weitere E-Mail Adresse: architektur@dainst.de

externe Ansprechpartner

Dr. Miloje Vasic
Direktor des Archäologischen Instituts
Knez Mihailova 35/ IV
11000 Beograd
Jugoslawien
Email: institut@ai.sanu.ac.yu

Literatur

D. Srejović (Hrsg.) Gamzigrad. An Imperial Palace of the Late Classical Times (1983). D. Srejović, Imperial Mausolea and Consecration Memorials in Felix Romuliana (1994). M. Zivć, Felix Romuliana. 50 years of solving (2003).  

 


 
 

Aktualisiert: 20.03.2008

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