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Serbien, spätantiker Kaiserpalast

Der spätantike Kaiserpalast Felix Romuliana / Gamzigrad in Serbien

Archäologische, bauforscherische und geographische Untersuchung des spätantiken Kaiserpalastes und seines Umfeldes

Lage

    
  Lage von Gamzigrad  

Felix Romuliana / Gamzigrad liegt im heutigen Ostserbien im Tal des Timok bei der Provinzhauptstadt Zaječar ca. 100 km nördlich von Nis, dem antiken Naissus. Der Ort Felix Romuliana gehörte zu der spätantiken Provinz Dacia ripensis.

Abteilungen:
Architekturreferat an der Zentrale
Römisch-Germanische Kommission (RGK) Frankfurt a.M.

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

    
  Ummauerte Palastanlage von Osten  

Nach den Funden einer Archivolte mit der Inschrift Felix Romuliana im Jahr 1984 und eines überlebensgroßen tetrarchenzeitlichen Kaiserporträts aus ägyptischem Porphyr im Jahr 1993 wird die befestigte Anlage , mit dem Palast des Kaisers Galerius identifiziert Dieser gehörte von 293 - 305 als Cäsar der ersten Tetrarchie an und war von 305-311 Augustus der zweiten Tetrarchie. Der Palast, der nach Romula, der Mutter des Galerius benannt ist, wurde wahrscheinlich ab 305 n. Chr. im Bereich einer älteren Befestigungsanlage errichtet und mit einer neuen monumentalen Mauer mit zwei reich dekorierten Toren und 20 nach außen springenden Türmen mit polygonalem Grundriss umgeben. Nach dem Tod des Galerius 311 n. Chr. verlor die repräsentative Anlage ihre Funktion als Palast. Seit der 2. Hälfte des 4. Jhs. entwickelte sich im Schutze des noch bestehenden Mauerringes eine ländliche Siedlung mit Einrichtungen zur Metallverarbeitung und mehreren christlichen Kirchen. Nach der Aufgabe der Provinzgebiete durch die Römer/ Byzantiner im frühen 7. Jh. n. Chr. etablierte sich hier eine frühmittelalterliche Siedlung, die bis ins 11. Jh. existierte. Seitdem blieb das ca. 230 x 190 m große ummauerte Areal unbewohnt.
Im Jahr 2007 wurde die kaiserliche Palastanlage in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.  

Ziele

    
  Bei den Vermessungsarbeiten  
    
  Geomagnetischen Prospektion des Umfeldes des Palastes  

Ein Ziel des 2004 begonnenen deutsch-serbischen Gemeinschaftsprojektes ist eine Neuvermessung der Gesamtanlage als Grundlage für bauforscherische Untersuchungen der Entwicklung des Gesamtkomplexes, die auch eine weitere Untersuchung der Innenbebauung des Palastes und der Grabmonumente auf der nahegelegenen Magura-Höhe beinhalten.
Ein weiteres Ziel ist die Feststellung und Untersuchung von Siedlungsstrukturen im näheren Umfeld des Palastes. Hierfür werden außerhalb der ummauerten Anlage geophysikalische Prospektionen durchgeführt und durch archäologische Sondagegrabungen zur zeitlichen und funktionalen Bestimmung entdeckter Baustrukturen ergänzt.
2008 konnten diese Untersuchungen ausgeweitet werden. Mit einem großräumigen Survey und geowissenschaftlichen Untersuchungen soll die Rekonstruktion des Siedlungsgefüges, die topografischen und klimatischen Gegebenheiten und die Vorgängerbebauung als Standortfaktoren für die Platzierung der Anlage in dieser auf den ersten Blick isoliert wirkenden Lage erarbeitet werden.
An den Untersuchungen sind von serbischer Seite das Archäologische Institut Belgrad, die Universität Belgrad und das Regionalmuseum Zajećar sowie von deutscher Seite die Römisch-Germanische Kommission Frankfurt und das Architekturreferat der Zentrale Berlin beteiligt. Seit 2008 ist das Projekt auch in das Berliner Exzellenzcluster 'Topoi. The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilisations' in der Research Area "Central places and their environment" eingebunden. 

Forschungsgeschichte

    
  Zentrales Perisytl der spätantiken Palastanlage  
    
  Blick auf das Grab, das Kaiser Galerius zugeschrieben wird  

Nachdem die Anlage im 19. Jahrhundert durch den Österreicher Felix Kanitz wiederentdeckt und ausführlich als "Römerfestung" beschrieben worden ist, finden seit 1953 systematische Ausgrabungen innerhalb der Umfassungsmauer statt, die von 1970 - 1996 von dem serbischen Archäologen Dragoslav Srejović geleitet wurden. Freigelegt ist inzwischen ein 4000 m² großer Repräsentationsbau, dessen um zwei Peristylhöfe gruppierte Räume reich mit Fußbodenmosaiken und marmornen Wandverkleidungen ausgestattet waren. Ferner sind zwei Tempel, eine Thermenanlage und mehrere Bauwerke unbekannter Bestimmung aufgedeckt und untersucht.
Von 1989 bis 1992 wurden außerdem auf dem ca. 1 km östlich des Palastes gelegenen Höhenrücken "Magura" zwei gemauerte Mausoleen und zwei dazugehörige Tumuli untersucht, die als Grabanlagen des Kaisers Galerius und seiner Mutter Romula gedeutet werden.  

Aktuelle Arbeiten

Für das Jahr 2009 sind weitere geophysikalische Prospektionen zwischen der Ostflanke des Palastes und den Grabmonumenten auf der Magurahöhe geplant. Außerdem sollen in einer Grabungskampagne, die voraussichtlich zwischen dem 10. Juli und dem 10. August stattfindet, Sondagegrabungen an geomagnetisch prospektierten Objekten nördlich, westlich und südlich des Palastes durchgeführt werden.
Der Umlandsurvey wird mit einer Frühjahrskampagne fortgesetzt, bei dem die 2008 lokalisierten Fundstellen systematisch untersucht werden sollen.  

Methoden

    
  Bei den Bohrungen im Palastinneren. Durch sedimentologische Untersuchungen des Bohrkerns sollen Hinweise auf Schwemmschichten und potentielle frühere Siedlungs-schichten erlangt und zeitlich eingegrenzt werden.  

Zur großflächigen Geländeprospektion wurde zunächst ein handgängiges Fluxgate-Magnetometer eingesetzt, das aufgrund günstiger Bodenverhältnisse zu sehr guten Ergebnissen geführt hat. Im November 2008 wurden durch den Einsatz eines Multikanalmagnetometers mit einem fahrzeuggestützten und einem hochgenauen DGPS-Gerät ausgestatteten System der Firma "Sensys" zusätzliche Flächen im weiteren Umfeld des Palastes geomagnetisch erschlossen. Als weniger geeignet erwies sich dagegen der Einsatz eines Georadars. An mehreren geomagnetisch detektierten Objekten wurden zur Tiefenbestimmung geoelektrische Widerstandsmessungen erfolgreich durchgeführt. Durch gezielte Sondagegrabungen wird versucht, die durch die Geoprospektion aufgedeckten Strukturen zu verifizieren und zeitlich einzuordnen. Für die neue Gesamtvermessung wurde ein lokales Festnetz angelegt, das in der Zwischenzeit mittels GPS-Messungen mit dem serbischen Landessystem in Bezug gesetzt werden konnte. Von den Einzelbauten wurden Bauaufnahmepläne auf der Grundlage einer tachymetrischen Vermessung erstellt.
Die im Rahmen des Umlandsuryeys aufgedeckten Fundplätze werden mittels GPS-Messung in Karten im Maßstab 1:10.000 bzw. 1:5000 kartiert, die auf der Grundlage eines Quickbird Satellitenbildes basieren. Im Rahmen der geowissenschaftlichen Untersuchungen werden Bohrkerne an topographisch interessanten Stellen abgetäuft und das Bohrkernmaterial sedimentologisch untersucht und systematisch datiert.  

Ergebnisse

    
  Ergebnisse der geomagnetischen Prospektion im Umfeld des Palastes  
    
  3D-Autocadmodell des Bestandes des Palastes und der Grabanlagen auf dem Hügel Magura  
    
  3D-Rekonstruktionsmodell des Palastes 1  
    
  Bei der Bearbeitung der Bauornamentik  

Durch die geophysikalische Prospektion ist bis 2008 eine Fläche von ca. 41 ha nördlich, westlich und südlich des ummauerten Palastareals untersucht worden. Dabei kamen mehr als 30 bislang unbekannte Objekte zutage, darunter ein Festungsgraben, ein gemauertes Kriegergrab, mehrere Kirchen, ein ungewöhnlich großes rundes Monument, ein über 100 m langes dreischiffiges Gebäude und weitere Gebäudestrukturen. Außerdem wurde ein etwa 200 x 300 m großes, von einer kleinen Mauer eingefasstes Siedlungsgebiet festgestellt, das wahrscheinlich vor der Errichtung des Palastes durch eine Naturkatastrophe zugrunde gegangen ist.
An mehreren geomagnetisch detektierten Strukturen wurden archäologische Sondierungen zur Klärung ihrer Funktion und Datierung vorgenommen. Die bauforscherische Dokumentation konnte 2008 abgeschlossen werden. Von allen relevanten Gebäudekomplexen liegen Bauaufnahmepläne vor, die erste Überlegungen zu unterschiedlichen Bauphasen erlauben. Es wurde ein Autocad-Plan der Gesamtanlage erstellt, der neben den Umfassungsmauern und den Innenbauten auch die Umgebung des Palastes mit den Sondagen sowie die Grabanlagen auf dem ca. 1000 m östlich des Palastes gelegenen Hügel Magura umfasst. Darauf aufbauend wurde ein generalisiertes 3D-CAD Modell angefertigt, das den Baubestand umfasst und erste Überlegungen zu einer dreidimensionalen Rekonstruktion der einzelnen Bauphasen ermöglicht.
Der Autocad Plan dient gleichzeitig als Grundlage für ein GIS, in das neben der topografischen Karte und den Informationen zum Messnetz alle georeferenzierten Bauaufnahme- und Sondagepläne sowie die Pläne der Geoprospektion integriert wurden und in das auch die Ergebnisse des Umlandsurveys eingearbeitet werden.
2006 wurde außerdem mit der Bearbeitung der reich vorhandenen Bauornamentik begonnen, wodurch weitere Hinweise auf unterschiedliche Bau- und Ausbauphase sowie auf Bezüge zu anderen tetrarchischen Zentren in dieser Zeit zu erwarten sind.
Die vorläufige Analyse der Oberflächenfunde aus dem Umlandsurvey deutet auf eine lange Besiedlungskontinuität vom Neolithikum über die Bronze- und die Eisenzeit, auf einen Siedlungsschwerpunkt in der Spätantike und eine anhaltende Nutzung bis ins Mittelalter hin.  

Kooperationen

Archäologisches Institut Belgrad
Philosophische Fakultät der Universität Belgrad
Historisches Regionalmuseum Zaječar
Nationales Institut für Denkmalpflege in Serbien
Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Weimar
Freie Universität Berlin
Lehrstuhl für Vermessungskunde, BTU Cottbus 

Ansprechpartner

Dr. phil. Gerda Sommer-von Bülow

Römerzeit
Telefon: 069-975818-32
Telefax: 069-975818-38
Email: vonbuelow@rgk.dainst.de

Dr.-Ing. Ulrike Wulf-Rheidt

Telefon: +49-(0)30-187711-138
Telefax: +49-(0)30-187711-191
Email: uwr@dainst.de
weitere E-Mail Adresse: architektur@dainst.de

Externe Ansprechpartner

Dr. Miloje Vasic
Direktor des Archäologischen Instituts
Knez Mihailova 35/ IV
11000 Beograd
Jugoslawien
Email: institut@ai.sanu.ac.yu

Förderung

Exzellenzcluster 'Topoi. The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilisations' (DFG)  

Literatur

D. Srejović (Hrsg.) Gamzigrad. An Imperial Palace of the Late Classical Times (1983).
D. Srejović, Imperial Mausolea and Consecration Memorials in Felix Romuliana (1994).
M. Zivić, Felix Romuliana. 50 years of solving (2003).
U. Brandl/ M. Vasić (Hrsg.), Roms Erbe auf dem Balkan (2007).  

 


 
 

Aktualisiert: 24.04.2009

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