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Untersuchungen zum Romanisierungsprozess auf der Iberischen Halbinsel aus der Perspektive der einheimischen Kulturen

Untersuchungen zum Romanisierungsprozess auf der Iberischen Halbinsel aus der Perspektive der einheimischen Kulturen

Aspekte der Kulturkontakte und deren Auswirkungen auf die einheimische Bevölkerung, die sich in aktiver und passiver Rezeption römischer Kulturelemente äußern und zu komplexen Prozessen führen, können mit dem soziologischen Begriff Akkulturation bzw. mit dem konkreteren historischen Begriff Romanisierung bezeichnet werden und sollen im Rahmen dieses in der Abteilung Madrid als Dissertationsprojekt durchgeführten Vorhabens untersucht werden.

Lage

Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich auf das gesamte Gebiet des iberischen Kulturraums, d. h. auf den mediterranen Küstenstreifen einschließlich Andalusiens.

Abteilungen:
Abteilung Madrid

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

 

druckerfreundliche Version
 

Geschichte

Die Kulturlandschaft zeigt eine lange Geschichte mediterraner Zivilisationen mit unterschiedlichen Vorrausetzungen für die Romanisierung. Schon vor dem Erscheinen der Römer existierten im Süden westphönizische und punische und im Nordosten griechische Handelsniederlassungen sowie einheimische Siedlungen iberischer Stämme, die ostmediterrane Einflüsse urbanen Charakters widerspiegeln.  

Ziele

Die Untersuchung bemüht sich die beiden ersten Jahrhunderte der langsamen und durch einheimischen Widerstand gekennzeichneten römischen Eroberung der Iberischen Halbinsel zu beleuchten, wobei der Perspektive eine besondere Bedeutung zukommt: Das wesentliche Ziel besteht darin, die Auswirkungen der Kulturkontakte auf die einheimische Kultur herauszuarbeiten. Die iberische Kultur wird als eigene Größe in den Mittelpunkt der Untersuchung gestellt, um anhand ausgesuchter Denkmälergruppen exemplarisch Entwicklungsprozesse der Romanisierung darzustellen. Grenzen und Möglichkeiten der archäologischen Befundinterpretation führen zu Fragen, ob und wo römischer Einfluss im einheimischen Umfeld archäologisch sichtbar wird.  

Forschungsgeschichte

Einen Überblick über die Forschungen zur römischen Epoche auf der Iberischen Halbinsel bietet der Band: Hispania Antiqua, Denkmäler der Römerzeit (1993). Zu der Fragestellung der Romanisierung liegen viele Arbeiten vor, jedoch nicht zu der eingenommenen Perspektive. 

Bisherige Arbeiten

An den Beispielen Emporion, Tarraco, Numantia und Corduba - als 'römische Städtegründungen' im Umfeld einheimischer Siedlungen - wurde anhand einer kritischen Auswertung der archäologischen Befunde, epigraphischer und literarischer Quellen der mögliche Wandel dieser urbanen Strukturen untersucht. 

Methoden

Um eine Aussage zum Romanisierungsprozess machen zu können, werden neben der gründlichen Auswertung literarischer Quellen, folgende archäologische Materialgruppen herangezogen: Siedlungsarchäologie (unter besonderer Berücksichtigung der Datierung römischer Stadtgründungen und des Wandels der Territorialorganisation), Keramik (iberische Keramik und Importkeramik), iberische Münzprägungen und iberische Schriftzeugnisse (Abb. 1). Anhand eines Bestandkatalogs iberischer und römischer Siedlungsplätze des 2. und 1. Jhs. v. Chr., in dem besonders urbane Strukturen der spätiberischen und republikanischen Phasen herausgearbeitet werden, können exemplarisch Entwicklungsprozesse der Romanisierung nachvollzogen werden (Abb. 2).  

Ergebnisse

Die mit der römischen Eroberung einhergehende militärische Erschließung der Iberischen Halbinsel ist am Beispiel von militärischen Lagern archäologisch für den Nordosten und den Süden des Landes nicht fassbar. Die Untersuchungen erlauben die Feststellung, dass die iberischen Siedlungen in der Zeit der Republik wenig römische Kulturelemente aufzeigen und Ende des 2./ Anfang des 1. Jhs. v. Chr. noch nicht von einer römischen Urbanisierung gesprochen werden kann. In diesem Zusammenhang wird ersichtlich, dass der zeitliche Ansatz der römischen 'ex novo Stadtgründungen' einer Überprüfung bedarf. In der Region des Oberen Guadalquivir deutet die archäologische Befundinterpretation in den einheimischen Siedlungen auf eine Diskrepanz zu dem von den literarischen Quellen überlieferten Bild. Auch hier ist bis in die Mitte des 1. Jhs. v. Chr. keine römisch republikanische Stadtplanung zu erkennen.  

Kooperationen

Die Arbeit wird von Prof. R. M. Schneider, Institut für Klassische Archäologie, Ludwig-Maximilians-Universität München, Meiserstr. 10, D-80333 München, als Dissertation betreut. 

externe Ansprechpartner

Tanja Gouda M.A.


 
 

Aktualisiert: 30.07.2008

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