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Afghanistan: Herat - Areia Antiqua (I)
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1. Dokumentation archäologischer Fundorte und Denkmäler in der Provinz Herat
Regionalsurvey in der Provinz Herat
Lage
Herat ist die nordwestlichste Provinz Afghanistans, sie grenzt im Westen an Iran und im Norden an Turkmenistan. Sie ist knapp 55.000 km² groß und hat ca. 2,5 Mio (2004) Einwohner.
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Geschichte
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Blick von Kafar Qala´at auf den Hari Rud und die Oase von Herat
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Die Provinz gehört seit jeher zu den wirtschaftlich und kulturell bedeutenden Regionen Afghanistans. Die führende Rolle, die die Stadt Herat während der islamischen Zeit, und hier vor allem unter den Timuriden, innehatte, spiegelt sich in zahlreichen Bauten wider, die bis heute das Bild der Stadt prägen. Die früheren Zeitabschnitte sind sehr viel weniger bekannt, die prä-islamische Zeit liegt noch völlig im Dunkeln. Die Stadt wurde angeblich von Alexander dem Großen zerstört und wiederaufgebaut, aber sehr wahrscheinlich reichen ihre Wurzeln noch weiter zurück (siehe Areia Antiqua 2).
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Ziele
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Fundorte bei Herat (Ausschnitt)
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Das Projekt ist als Regionalsurvey zur Kartierung und Dokumentation archäologischer Fundorte und Denkmale aus prä-islamischer wie islamischer Zeit angelegt. Ziel ist die Rekonstruktion der Siedlungsgeschichte unter Berücksichtigung der anthropogenen und natürlichen Veränderungen des Lebensraums und die Untersuchung der kulturellen Einbindung der Region in überregionale Systeme. Das Wachstum der Stadt und vor allem das Ausmaß der Raubgrabungen bedrohen und zerstören zahlreiche Fundorte.
Die Daten fließen in das nationale Fundortregister, welches langfristig landesweit vom Ministerium für Information und Kultur angelegt werden soll, ein. Im Rahmen des Projektes werden daher die afghanischen Kollegen im Feld mit diesem speziellen Arbeitsgebiet vertraut gemacht und an eine standardisierte Bewertung und Dokumentation mit Hilfe von Formblättern, Bauaufnahmen, Photographien und Computern herangeführt.
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Forschungsgeschichte
Das Kapitel zur Forschungsgeschichte und kulturgeschichtlichen Entwicklung der Provinz Herat in der vor-timuridischen Zeit kann noch zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht geschrieben werden: Die Aufzeichnungen der französischen Archäologen Le Berre und Gardin, die 1952 die Region bereisten, sind unveröffentlicht, ihre Sammlung ging während der Kriegswirren verloren. Die russischen Surveys sind unzureichend publiziert (Kruglikova, Sarianidi: 1976) oder konzentrierten sich auf Denkmale in der nahen Umgebung Herats (Pugachenkova 1968). Systematische Untersuchungen, Geländebegehungen oder Ausgrabungen außerhalb des Stadtgebiets fanden nicht statt, der Schwerpunkt aller Arbeiten lag bei den islamischen Monumenten (Herat Bastan, in Farsi; Samizay 1981).
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Aktuelle Arbeiten
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Provinz Herat |
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Während der von 2004 bis 2006 durchgeführten Surveys wurden die westlich, südlich und südwestlich gelegenen Distrikte vollständig, die nördlichen, nordöstlichen und östlichen Distrikte der Provinz Herat teilweise bearbeitet. Der Süden (Shindand, Adraskan) musste aufgrund der politischen Situation zunächst ausgeklammert werden.
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Methoden
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Plan von Qala´at-e Djahar (Gh 11) |
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Eingangsbereich der Qala´at-e Djahar |
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Minenfelder bei Herat |
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- Regionalsurvey mit standardisierter Dokumentation der Fundorte
- Bauaufnahme ausgewählter Monumente und Erstellung eines Fundortkatalogs
- Bearbeitung und Kartierung der Daten mit AutoCAD, AutoCAD MAP, CAD Overlay, MS Access, MS Excel und Manifold
Systematische Geländebegehungen sind wegen der Sicherheitslage, der Infrastruktur und der Minenfelder nicht zu realisieren.
Für die Orientierung werden russische topographische Karten im Maßstab 1:50.000 verwendet. Sie sind ebenso wie Übersichtskarten im Maßstab 1:300.000 in digitaler Form in Kabul erhältlich und werden zunächst geo-referenziert und vektorisiert. Die mit dem GPS aufgenommen Routen und Fundorte können somit direkt eingelesen und kartiert werden.
Für die Verwaltung der Daten wurde eine Datenbank aufgebaut, die auch die bereits publizierten Fundorte und Monumente umfasst. Zur Dokumentation gehört die Anlage eines Formblatts, welches neben Angaben zur Lage, Umgebung und Größe auch formale Kriterien, Typus, Zustand, Funde, Datierung sowie Referenzen berücksichtigt und Raum für eine eingebettete Skizze und Photos bietet. Von den Monumenten wird eine Bauskizze angefertigt, die Ausdehnung ausgewählter archäologischer Plätze wird mit GPS vermessen. Die Datierung der Fundorte erfolgt über Funde (vorwiegend Keramik), Baumerkmale und Epigraphie. Das Fehlen von Vergleichsstücken - die Sammlungen in den Museen und Instituten in Herat und Kabul wurden zerstört - erschwert die zeitliche Einordnung jedoch.
Die Ergebnisse werden in Form thematischer Verbreitungskarten dargestellt und in einem Fundortkatalog, der eine umfassende graphische Dokumentation und eine detaillierte Bautypologie enthält, zusammengefasst.
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Ergebnisse
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Khanaqah Abdul Wali Haq (Zn 04), |
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Schale mit Schlickerbemalung |
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Tell: Qala´at Mansoor (Ka 10) |
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Sind im bisherigen Grundlagenwerk Archaeological Gazetteer of Afghanistan von W. Ball (1982) 43 Fundorte und Monumente für die Provinz Herat aufgeführt, so umfasst die neue Datenbank fast 400 Einträge mit vollständiger Dokumentation.
Der älteste Platz (Gu 04) gehört zum Baktrisch-Margianischen Kulturkomplex, der damit erstmals so weit im Südwesten nachgewiesen werden konnte. Mindestens acht weitere Orte fallen in die historische Zeit, wobei als zeitlicher Rahmen das 5. Jh. v. bis zum 6. Jh. n. Chr. anzusetzen ist. Die islamischen Fundorte und Denkmale stammen aus zwei großen Zeitabschnitten, dem 10./11. und dem 12/13. Jh. n. Chr. Unter ihnen sind kleine und große Stadtanlagen, Befestigungen und allein stehende Monumente. Die Dominanz der timuridischen Bauwerke ist daher sicherlich eine Folge der Konzentration der Forschung auf das Stadtgebiet und bestimmte Typen von Denkmalen. Dieses Bild ist nun zu korrigieren.
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Kooperationen
Ministerium für Information und Kultur,
Department of Monuments and Sites Herat.
Kabul, National Institute of Archaeology in Afghanistan,
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Ansprechpartner
PD Dr. Ute Franke
Vorderasiatische Archäologie
Telefon: ++49-30-20905403
Telefax: ++49-30-20905402
Email: ute_franke@yahoo.de
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Förderung
Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland
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Literatur
W. Ball, Archaeological Gazetteer of Afghanistan. Asie Centrale 8 (Paris 1982).
I. T. Kruglikova/V. I. Sarianidi, Drevnyaya Baktrija, Materialy Sovetsko-Afanskoj ekspedicii 1969-1973, 1 (Moscow 1976).
G. A. Pugachenkova, Les monuments peu connus d l'architecture médiévale de l' Afghanistan. Afghanistan 21, H. 1, 1968, 17-52.
U. Franke (Hrsg.), National Museum Herat - Areia Antiqua Through Time (Berlin 2008).
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