Start   DAI   Forschung   Recherche   Kontakt   Infos   Aktuell   Jahresbericht   Presse  FAQ
 RSS   English   

x. abgeschlossene Projekte: Hasankeyf (türkçe)

Die Rızq-Moschee in Hasankeyf

Bauhistorische Untersuchungen zu einer mittelalterlichen Moschee

Lage

Das Städtchen Hasankeyf (= arab. Felsenburg) liegt hundert Kilometer östlich von Diyarbakır in der Provinz Batman.

Abteilungen:
Abteilung Istanbul

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

Google Maps

 

 

druckerfreundliche Version
 

Geschichte

    
  Brückenpfeiler des 12. Jahrhunderts und Blick auf die Rızq-Moschee im Zentrum  

Bei Hasankeyf wechseln die felsigen Steilufer des Tigris von einer Seite auf die andere, und genau an dieser Stelle wurde 1116-17 eine gewaltige Brücke gebaut, mit der die Handelsströme von Mesopotamien nach Anatolien entlang der alten Seidenstraße über einen neuen und sicheren Flußübergang verfügten. In der Folgezeit erweiterte sich auf der Grundlage einer mit dem Brückenbau gewachsenen Prosperität die ehemalige Residenzstadt der Artukiden von einem unmittelbar benachbarten Hochplateau, das mit seiner isolierten Lage auf einem rundum senkrecht abfallenden Felsmassiv ideale Verteidigungsmöglichkeiten geboten hatte, an das Flußufer in der Umgebung des südlichen Brückenkopfes. Eine neue Mauer schützte das große Stadterweiterungsareal, und eine Reihe prachtvoller öffentlicher Bauten demonstrierte neues Selbstbewußtsein der ayyubidischen Herrscher.  

Ziele

    
  Rızq-Moschee, Eingangswand der Gebetshalle  

Flußabwärts ist bei Cizre der Neubau eines großen Tigris-Staudamms geplant, und die dann aufgestauten Wasser drohen die Unterstadt von Hasankeyf mit ihrer großen Fülle historischer Bauten versinken zu lassen. Von den vier großen Moscheen dieser Unterstadt liegt die 1409 erbaute Rızq-Moschee am Weg von der Ober- zur Unterstadt auf einem steilen Felsblock unmittelbar am Tigrisufer am exponiertesten. Die Handelsreisenden und Besucher der Stadt konnten diesen dominierenden Bau mit seinem hohen, schlanken Minarett schon von weitem wahrnehmen, und auch heute noch prägt er trotz seines ruinösen Zustands ganz wesentlich das Bild des modernen Ortes. Aber diese herausgehobene Position der Moschee hatte verhängnisvolle Folgen: Einerseits ist das Felsmassiv, auf dem sie steht, durch zahlreich eingegrabene Höhlen geschwächt, und andererseits haben es die reißenden Frühlingshochwasser des Tigris untergraben, so daß große Partien des Felsens abgestürzt sind und wichtige Teile des Moscheekomplexes mit sich gerissen haben. Vernachlässigung hat ihr übriges getan. Eine umfassende bauhistorische Untersuchung dieses aus Gebetshalle, Arkadenhof, Eingangsbau und Minarett bestehenden Monuments als Grundlage für eine Wiedergewinnng der ursprünglichen Gestalt und für eine Analyse der Anlage im Hinblick auf offensichtliche Einflüsse sowohl aus dem syrischen, als auch dem iranischen Raum sind das Ziel des mit Prof. Oluş Arık, Universität Çanakkale, vereinbarten Kooperationsprojektes. Exemplarisch können damit entscheidende Charakteristika der islamisch-mittelalterlichen Architektur Südostanatoliens und ihre Quellen näher erforscht werden. Zugleich soll ein Projekt zur möglichen Translozierung des Bauwerks erarbeitet werden. 

Forschungsgeschichte

Nach einem Besuch der amerikanischen Reisenden Gertrude Bell, der wichtige frühe Photographien aus der Wende vom 19. zum 20. Jh. verdankt werden, widmete sich als erster der Franzose Albrecht Gabriel ausführlicher der Rızq-Moschee. 1996 setzte sich Michael Meinecke im Rahmen einer vergleichenden Studie zu Hasankeyf eingehender mit dem Baukomplex auseinander. Oluş Arık berichtete über seine Forschungsaktivitäten in Hasankeyf während der zurückliegenden fünfzehn Jahre regelmäßig in den Kazı Sonuçları Toplantısı, ging dabei auf die Rızk-Moschee bisher allerdings noch nicht ein. 

Aktuelle Arbeiten

Seit 1986 werden die Überreste der mittelalterlichen Stadt unter der Leitung von Prof. Oluş Arık (jetzt Universität Çanakkale), der Hasankeyf mit großem Einsatz vor dem Untergang zu bewahren versucht, intensiv erforscht, und seit 2002 beteiligt sich die Abteilung Istanbul des DAI mit einer bauhistorischen Untersuchung der Rızq-Moschee an diesem Vorhaben. Maßgeblich ist daran der Bauforscher Peter Irenäus Schneider beteiligt. Grundrisse und Schnitte des Bauwerks sowie ein Raumbuch wurden angefertigt und die unterhalb des Moscheekomplexes liegenden Höhlen erforscht, von denen weder das Entstehungsdatum noch die Nutzung bekannt sind. Für die Interpretation der Anlage könnten sie entscheidende Bedeutung haben. Für 2003 sind der Abschluß der Dokumentationsarbeiten und Sondagen in der Gebetshalle geplant. 

Methoden

    
  Rızq-Moschee, Kuppel in einem der Seitenräume  

Das Vorhaben möchte mit einer genauen Dokumentation und Analyse des auch unter konstruktiven Gesichtspunkten interessanten Baubestandes sowie mit ergänzenden Sondagen die ursprüngliche Form der Moschee bestimmen und zugleich mit Hilfe des Raumbuches die architektonischen Eigenarten der Anlage näher untersuchen. Dazu wurde im Handaufmaß mit Unterstützung reflektorloser Tachymetermessungen eine verformungsgerechte Bauaufnahme im Maßstab 1:50 gefertigt, die durch die Auswertung photogrammetrischer Aufnahmen ergänzt werden soll. Die Erfassung verstreut liegender, vermutlich zur Rızq-Moschee gehörender Bauteile verspricht weitere Aufschlüsse zur Detailgestaltung der exzellent dekorierten Moschee. Untersuchungen zur städtebaulichen Einbindung sollen Anhaltspunkte zur Stellung der Moschee im Stadtgefüge liefern. Durch neues Quellenstudium werden Aufschlüsse zur Bau- und Nutzungsgechichte des Komplexes erhofft. Eine stratigraphische Auswertung der Grabungsbefunde kann Anhaltspunkte vornehmlich zur Zerstörungsgeschichte liefern.  

Ergebnisse

Die Rekonstruktionsversuche von A. Gabriel konnten in wichtigen Teilen bestätigt werden, eine Überprüfung seines Vorschlages für die Gebetshalle steht noch aus. Die bisherigen Beobachtungen haben darüber hinaus ergeben, daß der durch die Bauinschrift auf 1409 datierte Baukomplex möglicherweise nicht aus einem Guß besteht oder ältere Bauteile integriert hat: Die Fassade der Gebetshalle vor allem zeigt deutlich zwei unterschiedliche Bauphasen. Die Höhlen unterhalb der Anlage könnten in Zusammenhang mit dem Moscheebau stehen, so daß auch dieser Bau wie z.B. die Süleyman-Moschee in Hasankeyf als Grabmoschee gedacht gewesen sein könnte. 

Kooperationen

Prof. Dr. Oluş Arık (Universität Çanakkale)
Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack (TU Berlin)  

Externe Ansprechpartner

Prof. Dr.-Ing. Adolf Hoffmann über DAI Istanbul
Dipl.-Ing. Peter Irenäus Schneider, e-mail: irenaeus.schneider@gmx.de

Literatur

A. Gabriel, Voyages archéologiques dans la Turquie oriental (1940) 65 f.
M. Meinecke, Hasankeyf/Hisn Kayfa on the Tigris: A Regional Center on the Crossroad of Foreign Influences, in: ders. Patterns of Changes in Islamic Architecture. Local Traditions versus Migrating Artists (1996) 73 ff.  

 


 
 

Aktualisiert: 24.02.2009

Copyright 2002-2010 Deutsches Archäologisches Institut | Impressum & Disclaimer  Sitemap