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Türkei: Aşağı Pınar

Aşağı Pınar - ein neolithischer Siedlungshügel in Türkisch-Thrakien

Die Ausgrabungen in Aşağı Pınar, Türkisch-Thrakien: zum Beginn bäuerlicher Lebensweise an der Schwelle vom Orient zum Okzident

Lage

Der vorgeschichtliche Tell von Aşağı Pınar ist ein Siedlungshügel von etwa 4 m Höhe am östlichen Rand der Provinzstadt Kırklareli am Übergang der Thrakischen Tiefebene zum Istranca-Gebirge. Er wurde am Lauf des Baches Haydardere nahe einer Quelle angelegt.

Abteilungen:
Zentrale Berlin

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Ziele

    
  Hausgrundriss der Schicht 5  

Mit der Untersuchung der jungsteinzeitlichen Siedlung Aşağı Pınar werden wichtige Fragen zur materiellen Kultur und Lebensweise früher bäuerlicher Gemeinschaften am Schnittpunkt von Orient und Okzident geklärt. 

Forschungsgeschichte

Der Fundplatz wurde 1980 während eines prähistorischen Surveys von Prof. Dr. Mehmet Özdoğan (Universität Istanbul) durch Oberflächenfunde entdeckt. Seit 1993 finden systematische Ausgrabungen statt. 

Bisherige Arbeiten

    
  Freilegung einer frühneolithischen Siedlungsschicht  

In den vergangenen Jahren wurde in Aşağı Pınar eine Fläche von ungefähr 6000 m2 ausgegraben. Der Schwerpunkt der ersten Kampagnen lag dabei auf der mittel- und spätneolithischen Besiedlung, die sich stratigraphisch detailliert differenzieren ließ, und zwar in die Perioden AP 1 bis 5, was den Stufen Karanovo III-IV entspricht (Mitte 6. bis Anfang 5. Jt. v. Chr.), doch mittlerweile steht das frühe Neolithikum der Perioden AP 6 bis 7 (Karanovo I-II, Anfang bis Mitte 6. Jt. v. Chr.) im Zentrum des Forschungsinteresses. Zum einen wurde ein tragfähiges chronologisches Gerüst im bislang nahezu unerforschten türkischen Teil Thrakiens geschaffen. Es gelang darüber hinaus, anhand zahlreicher Hausgrundrisse mit reichem Fundmaterial weitreichende Informationen zur Architektur und Organisation des neolithischen Dorfes zu gewinnen. Erste Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen wurden bereits in zwei Monographien sowie zahlreichen Aufsätzen vorgestellt. Von 1993 bis 1998 wurde die Ausgrabung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) großzügig gefördert. 

Aktuelle Arbeiten

    
  Überblick über die Grabungsfläche 2005  

Zwischen Juli und September 2005 wurde die Freilegung und Dokumentation der mittel- und vor allem frühneolithischen Siedlungsschichten fortgesetzt. Da die frühneolithischen Siedlungsreste ungewöhnlich gut erhalten sind und umfangreiches archäologisches, botanisches und zoologisches Fundmaterial erbringen, wird die Untersuchung dieses Horizontes zukünftig im Vordergrund stehen. Über geomorphologische und geophysikalische Untersuchungen sowie Surveys soll die Erforschung der vorgeschichtlichen Siedlungskammer östlich von Kırklareli weiter vorangetrieben werden. 

Ergebnisse

Der Fundplatz Aşağı Pınar zählt schon jetzt zu den am detailliertesten untersuchten prähistorischen Siedlungen der gesamten Balkanhalbinsel. Die rechteckigen Gebäude aus Stampflehm mit zahlreichen Installationen und auch die materielle Kultur zeigen eine klare Zugehörigkeit zur Karanovo-Kultur, die vor allem im bulgarischen und vereinzelt auch im griechischen Teil Thrakiens festgestellt werden konnte. Mehrere Gebäudereihen belegen eine planvolle Anlage und Organisation der vorgeschichtlichen Siedlung. Verschiedene Beobachtungen aus Häusern und Hofflächen belegen eine zunehmende handwerkliche Spezialisierung und Schwerpunkte häuslicher Produktion - darunter u.a. eine Werkstatt für Malachitperlen - innerhalb des Dorfes. Herausragende Funde, wie z.B. ein figürlich gestaltetes Gefäß, das der ungarischen Theiß-Kultur nahe steht, zeigen weitreichende überregionale Verbindungen auf. Interdisziplinäre Studien zur Archäobotanik und Archäozoologie sowie zum lithischen Fundinventar erweitern außerdem das Gesamtbild wesentlich. 

Kooperationen

    
  Besuch durch Seine Exzellenz den Kultusminister der Republik Türkei, Attila Koç  

Die archäologischen Forschungen in Aşağı Pınar sind ein türkisch-deutsches Gemeinschaftsprojekt, das von der Zentrale des Deutschen Archäologischen Institutes in Berlin in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Prähistorische Archäologie der Universität Istanbul und dem Institut für Prähistorische Archäologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg betrieben wird. 

Ansprechpartner

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger

Vor- und Frühgeschichte
Telefon: 01888-7711-0
Telefax: 01888-7711-190
Email: hp@dainst.de

externe Ansprechpartner

Heiner Schwarzberg, M.A.
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Prähistorische Archäologie
Brandbergweg 23c
D-06120 Halle (Saale)
Tel. 0345-5524053
Fax 0345-5527057
heiner.schwarzberg@praehist.uni-halle.de

Prof. Dr. Mehmet Özdoğan
Eylem Özdoğan, M.A.
İstanbul Üniversitesi
Edebiyat Fakültesi
Prehistorya Anabilim Dalı
Ordu Caddesi
TR-34459 Laleli-İstanbul
TURKEY
mozdo@atlas.net.tr
eyozdogan@yahoo.com

Literatur

N. Karul/Z. Eres/M. Özdoğan/H. Parzinger, Aşağı Pınar I. Einführung, Forschungsgeschichte, Stratigraphie und Architektur. Studien im Thrakien-Marmara-Raum 1 (Mainz 2003).

H. Parzinger/H. Schwarzberg, Aşağı Pınar II. Die mittel- und spätneolithische Keramik. Studien im Thrakien-Marmara-Raum 2 (Mainz 2005).  

 


 
 

Aktualisiert: 04.08.2008

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