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x. abgeschlossene Projekte: Vize (türkçe)

Vize

Byzantinische Kirche - Osmanische Moschee - Bedrohtes Architekturdenkmal: Bauuntersuchungen an der Hagia Sophia in Vize

Lage

    
  Lage der Kirche im modernen Ort Vize  

Die moderne Stadt Vize befindet sich im Verwaltungsbezirk Kırklareli, etwa auf halbem Weg zwischen Istanbul und Edirne, und liegt an den südwestlichen Ausläufern der Yıldız Dağları, etwa 30km von der Küste des Marmarameeres entfernt.
Am westlichen Abhang der einstigen Akropolis, die heute vergleichsweise dünn besiedelt ist, erhebt sich die Hagia Sophia, eine byzantinische Kirche, die vermutlich im 8. oder 9. Jh. errichtet wurde.

Abteilungen:
Abteilung Istanbul

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

    
  Die Kirche  

Über Ursprung und Frühgeschichte von Bizye - so der Name der antiken und byzantinischen Siedlung - ist wenig bekannt. Vermutlich seit hellenistischer Zeit war sie Hauptstadt eines unabhängigen thrakischen Königreichs, das im Jahre 46 als Provinz Thracia in das römische Reich eingegliedert wurde. Seit der Neugründung Konstantinopels als kaiserliche Residenz im Jahre 324 stieg die Bedeutung Bizyes. Es befand sich nun im unmittelbaren Hinterland der neuen Reichshauptstadt und war Ausgangspunkt einer Wasserleitung, die Konstantinopel versorgte. In byzantinischer Zeit wird Bizye als kastron, polisma oder polichnion bezeichnet, was auf eine kleine befestigte Stadt hindeutet. In spätbyzantinischer Zeit teilte Bizye das Schicksal Konstantinopels: Anfang des 13. Jhs. von den Kreuzfahrern erobert, fiel die Stadt 1453 endgültig in die Hände der Osmanen.
Wechselvoll wie die Geschichte der Stadt ist die Geschichte des Kirchenbaus: Ein Vorgängerbau aus dem 5. / 6. Jh. wurde abgerissen, als man vermutlich im 8. oder 9. Jh. die heutige Kirche errichtete. Statische Probleme, möglicherweise infolge eines Erdbebens, hatten zur Folge, daß man in spätbyzantinischer Zeit vier der insgesamt sechs Säulenstützen durch wuchtige Pfeiler ersetzte. Vermutlich im 16. Jh. wurde die Kirche in eine Moschee umgewandelt (Süleyman Paşa Camii). Als solche diente der Bau bis in die 70er Jahre des 20. Jhs., als man ihn profanisierte.  

Ziele

    
  Lageplan  

Hybrid in seinem Erscheinungsbild - dreischiffige Basilika im Erdgeschoß, kreuzförmig angeordnete Tonnengewölbe mit Kuppel im Emporengeschoß - stellt die Hagia Sophia von Vize ein wichtiges Bindeglied zwischen den spätantiken Längsbauten und der Kreuzkuppelkirche, dem beherrschenden byzantinischen Architekturtyp seit dem 9. Jh., dar. Eine präzise Bauaufnahme dieses in seiner Typologie äußerst bedeutenden Baus ist überfällig: nur so kann Gewißheit hinsichtlich der Datierung erlangt und die Baugeschichte verläßlich nachgezeichnet werden. Zudem soll im Rahmen dieses Projekts die Grundlage für eine Restaurierung des Baus gelegt werden. Zwar hat bereits in den Jahren 1978 und 1983 eine solche Restaurierung stattgefunden, doch unterblieb eine dauerhafte Lösung des dringendsten Problems, des Wassers, das infolge der Errichtung einer modernen Stützmauer um die Kirche nicht mehr abfließen kann und in das Kircheninnere dringt.  

Forschungsgeschichte

Immer wieder von lokalen Archäologen, Reisenden und Altertumsforschern seit dem späten 19. Jh. erwähnt, ist der Bau erst in den 60er Jahren des 20. Jhs. eingehender erforscht worden. Semavi Eyice publizierte 1969 die Ergebnisse eines Surveys in Ostthrakien. Aufgrund eines Vergleichs der Hagia Sophia mit den Kuppelbasiliken von Mistras gelangte er zu einer Datierung ins 13. oder 14. Jh. Im gleichen Jahr erschien eine Untersuchung von Cyril Mango, dem zufolge der Bau vor 903 entstanden sein muß, dem Jahr, in dem die Hl. Maria die Jüngere in der "Bischofskirche" von Bizye bestattet worden sein soll. Yıldız Ötüken und Robert Ousterhout trugen in einem Artikel aus dem Jahr 1989 weitere wichtige Beobachtungen zusammen und wiesen u. a. auf die Existenz einer Vorgängerkirche hin.  

Bisherige Arbeiten

    
  Grundriß und Schnitt auf der Ebene der Emporen  

Bislang fanden zwei Kampagnen in den Jahren 2003 und 2004 statt. Dabei wurden Grundrisse auf Erdgeschoß- und Emporenebene angefertigt sowie Längs- und Querschnitte der Baus. Die Außenwände des Baus wurden komplett photographische erfaßt, die Bilder computertechnisch entzerrt, zusammengefügt und die so entstandenen orthogonalen Ansichten vor Ort gepaust. Zudem wurden alle Werkstücke im Bereich der Kirche photographisch und zeichnerisch erfaßt.  

Aktuelle Arbeiten

2005 soll die Bauaufnahme abgeschlossen werden und - nach Möglichkeit - um Grabungssondagen ergänzt werden. Hierdurch würden weitere Aufschlüsse über den Vorgängerbau und möglicherweise auch über die Entstehungsumstände der Hagia Sophia gegeben.  

Ergebnisse

Wenn auch bislang noch nicht die Datierung des Kirchenbaus gesichert ist, so haben sich unsere Erkenntnisse zur Baugeschichte beträchtlich erweitert: Eine Analyse der Wandoberflächen ergab eine Rekonstruktion des Ursprungsbaus mit seinen originalen Fensteröffnungen. Zugleich konnten mehrere byzantinische Umbaumaßnahmen (Hinzufügen eines Arkosols an der Südwand, Schließen der großen Fenster in der Ostapsis, Verstärkung der vier Säulenstützen in den Ecken der Kuppelvierung durch Ummauerung) geklärt werden, aber auch beachtliche Baumaßnahmen aus osmanischer Zeit bestimmt werden: Der Wiederaufbau der halb eingestürzten Kuppel und ausgedehnter Abschnitte in den oberen Mauerpartien deuten darauf hin, daß man in islamischer Zeit eine aufgelassene, halb verfallene Ruine vorfand, diese wiederherstellte und somit vor dem Verfall rettete.  

Kooperationen

Das Unternehmen wird in Zusammenarbeit mit dem Department of Art History und Archaeology der Columbia University in New York durchgeführt. Für die Zukunft ist eine weitere Kooperation mit dem Museum von Kırklareli geplant.  

Externe Ansprechpartner

PD Dr. Franz Alto Bauer, Universität Basel Dr. Holger A. Klein, Cleveland Museum of Art

Literatur

F. Dirimtekin, Church of St.-Sophia (Süleyman Paşa) at Vize, Ayasofya Müzesi Yıllığı 3, 1961, 18-20 u. 47-49; C. Mango, The Byzantine Church at Vize (Bizye) in Thrace and St. Mary the Younger, Zbornik Rad.Viz. Inst. 11, 1968, 9-13; S. Eyice, Trakya, Belleten 33, 1969, 325-358, hier 326-333; ders., Les monuments byzantins de la Thrace turque, CorsiRav 18, 1971, 293-308, hier 293-297; Y. Ötüken - R. Ousterhout, Notes on the Monuments of Turkish Thrace, Anatolian Studies 39, 1989, 121-149, hier 138-142; A. Kahramankaptan - Ö. Ertuğrul, Vize'den tarih fışkırıyor, Mozaik 1, September 1995, 18-33; F. A. Bauer - H. A. Klein, Die Hagia Sophia in Vize. Forschungsgeschichte - Restaurierungen - Neue Ergebnisse, Millennium 1, 2004, 407-437.  

 


 
 

Aktualisiert: 24.02.2009

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