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Russische Föderation: Barsučij Log

Der Grabhügel Barsučij Log, Republik Chakassien: Ein Großkurgan der älteren Eisenzeit im Minusinsker Becken

Forschungen zu skythenzeitlichen Eliten in der südsibirischen Steppe

Lage

    
  Kurgane in der Steppe am mittleren Enisej  

Der Kurgan von Barsučij Log liegt im Süden Sibiriens im Minusinsker Becken, das von den Gebirgszügen des Östlichen und Westlichen Sajan und des Kuzneckij Alatau umschlossen wird. Er befindet sich etwa 45 km nordwestlich von Abakan, der Hauptstadt der Republik Chakassien, in einem weiten Steppental.

Abteilungen:
Zentrale Berlin

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Ziele

Über Jahrhunderte belegte Gräberfelder zeigen, dass es sich bei einem Großteil der vorgeschichtlichen Kulturen Süd- und Westsibiriens um egalitäre Gesellschaften handelte. Mit Beginn der durch skythisch geprägte Sachkultur charakterisierten älteren Eisenzeit vollzog sich ab dem 9./8. Jh. v. Chr. jedoch ein grundlegender Wandel, als es zu einer nachhaltigen sozialen Stratifizierung kam, die sich insbesondere in der Errichtung monumentaler Grabmäler (Großkurgane) mit reich ausgestatteten Grüften ausdrückte. Es ist das Ziel eines über mehrere Jahre angelegten Vorhabens, exemplarisch für die zentralen Fundregionen des eurasischen Steppenraumes jeweils einen Großkurgan detailliert zu untersuchen. 

Forschungsgeschichte

    
  Während der Ausgrabung  

Die Untersuchungen zu den eisenzeitlichen Großkurganen des eurasischen Steppengürtels begannen mit den Ausgrabungen in Bajkara in der westsibirisch-nordkazachischen Waldsteppe (1997-99) und wurden anschließend in Arzan in Nordtuva fortgeführt (2000-2003). In beiden Fällen zeigte sich, dass diese monumentalen Grabanlagen in Etappen erbaut wurden. Es handelte sich um eine besondere Art von Architektur, die auch beachtenswerte Beobachtungen zum Ritual und zur Inszenierung des Bestattungsvorgangs und damit verbundener kultischer Handlungen gestattete. In Arzan traten dabei noch einzigartige Funde hinzu. Im Jahre 2004 wurde mit der Ausgrabung des Großkurgans von Barsučij Log in einer weiteren Fundprovinz, nämlich im Minusinsker Becken, begonnen. 

Bisherige Arbeiten

    
  Ergebnis der geomagnetischen Prospektion  

Die Arbeiten vor Ort setzten 2003 mit einer ersten Geländebegehung ein. Im folgenden Jahr wurde das Denkmal geophysikalisch untersucht mit dem Ziel, erste Informationen zur Struktur des Kurgans und seiner nächsten Umgebung sowie zur Lage von eventuellen Grabkammern und anderen Einbauten zu gewinnen. An diesem Survey waren neben Vertretern des DAI Forscher des Instituts für Geophysik der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften in Novosibirsk und Spezialisten der Firma Eastern Atlas Meyer & Ullrich GbR aus Berlin beteiligt. Die Ausgrabung des Denkmals erfolgte in den Jahren 2004 und 2005. 

Aktuelle Arbeiten

    
  Freilegung der Kammerabdeckung  

Im Sommer 2006 werden die Grabungsarbeiten zum Abschluss gebracht, anschließend wird sich das DAI an der Übergabe der Anlage an die örtlichen Behörden und an der Vorbereitung einer möglichen Museifizierung beteiligen. Weitere Einzelheiten zum bislang einmaligen Totenritual sowie zur singulären Bauweise dieses Kurgans sind nun in der Auswertung der Grabung herauszuarbeiten. 

Ergebnisse

    
  Nach der Freilegung der Grabanlage  
    
  Goldfunde aus dem beraubten Zentralgrab  

Der etwa 10 m hohe Kurgan stellte aufgrund seiner pyramidalen Aufschüttung eine Besonderheit unter den eurasischen Großkurganen dar. Zudem besaß er eine ca. 55 x 55 m große Steineinfassung mit Eingang im Osten, was für die Saragas-Stufe der Tagar-Kultur dieser Region kennzeichnend ist. Die Untersuchungen zeigten, dass der Kurgan aus Rasensoden aufgebaut wurde, wobei sein äußerer Mantel aus orangeroten Lehmblöcken bestand; er dürfte damit als rötlich wirkende Pyramide in der Steppe weithin sichtbar gewesen sein. Unter dieser Pyramide erhoben sich zwei Plattformen, zwischen denen ein Dromos zum Vorschein kam. Der Dromos war aus mächtigen, zur Isolation mit Birkenrinde umwickelten Lärchenbalken errichtet und ließ aufgrund seines vorzüglichen Erhaltungszustandes zahlreiche Baudetails dokumentieren. Er führte ursprünglich in einen ebenfalls hölzernen und mit Birkenrinde abgedeckten Grabbau, der sich über der ca. 7 x 7 m großen Grabgrube erhob. Nach dem Einbringen der Verstorbenen hatte man diesen Grabbau in Brand gesteckt und ihn in die Grube abstürzen lassen, ehe man darüber den Kurgan errichtete. Als um 200 v. Chr. die mit den Hunnen verwandten Träger der Tes'-Kultur in das Minusinsker Becken eindrangen, öffneten und plünderten sie offenbar gezielt die 'Königsgräber' der früheren Herrscher in dieser Region, so auch im Falle unseres Kurgans in Barsučij Log. 

Kooperationen

Das Projekt ist eine gemeinschaftliche Unternehmung der Zentrale des DAI (Prof. Dr. H. Parzinger, Dr. A. Nagler) mit dem Institut für Archäologie und Ethnographie der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften in Novosibirsk (Prof. Dr. V.I. Molodin, Dr. N.V. Polos´mak) und der Staatlichen Chakassischen Universität in Abakan (Dr. A. Gotlib). 

Ansprechpartner

Dr. phil. Anatoli Nagler

Vor- und Frühgeschichte Zentralasiens und Sibiriens
Telefon: +49-(0)30-187711-314
Telefax: +49-(0)30-187711-313
Email: an@dainst.de


 
 

Aktualisiert: 20.03.2009

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