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x. abgeschlossene Projekte: Hattusa/Boğazköy Lehmziegel-Stadtmauer (türkçe)
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Rekonstruktion eines Teilabschnitts der hethitischen Stadtmauer
Ein Projekt zur experimentellen Archäologie
Seit 2005 ist Hattusa, die Hauptstadt des Hethiter-Reiches in Zentralanatolien, um eine Attraktion reicher: Im Herbst wurde die Rekonstruktion eines 65 m langen Abschnitts der Lehmziegel-Stadtmauer fertiggestellt. Drei 7-8 m hohe Kurtinenabschnitte und zwei 12-13 m hohe Wehrtürme geben einen Eindruck davon, wie wehrhaft diese Stadt war und wie großartig sie einst auf den Besucher gewirkt haben muß. In der Türkei wurde zum ersten Mal eine solche Rekonstruktion aus ungebrannten Ziegeln durchgeführt, und auch weltweit gibt es für die Dimension des Projekts nur wenig Vergleichbares.
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Plan der Unterstadt von Hattusa. Rekonstruiertes Mauerstück rot markiert.
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Mauerrekonstruktion, Ansicht von Norden. Im Hintergrund der Fels von Sarıkale.
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Lage
Für die Rekonstruktion wurde ein Teilstück der sog. Abschnittsmauer in der Unterstadt gewählt. Diese innere Stadtmauer schirmte den Bereich des Großen Tempels und der anschließenden Wohnbebauung nach Nordwesten hin ab (Abb. Plan). Rund 200 m westlich davon verläuft die äußere Stadtmauer von Hattusa, die Poternenmauer, die schon im 16. Jh. v. Chr. erbaut worden ist. Nach bisheriger Erkenntnis war die Abschnittsmauer in der Zeit des hethitischen Großreiches (14.-13. Jh. v. Chr.) in Benutzung.
Bei der Entscheidung, welcher Abschnitt der Stadtmauern von Hattusa für eine Rekonstruktion geeignet sei, waren Zugänglichkeit und Sichtbarkeit das wichtigste Kriterium. Der Besucher bewegt sich in Hattusa meist auf einem Rundweg innerhalb des Stadtgeländes. Die Trasse der Stadtmauer liegt jenseits dieses Rundweges, oft verborgen auf höher gelegenen Bergrücken und am Rand von nach außen abfallenden Steilhängen. Am leichtesten erreichbar - sowohl für die Baumaßnahmen als auch später für die Besucher - ist die Abschnittsmauer in der Unterstadt. An dieser Stelle befindet sich auch die heutige Einfahrt in das Stadtgelände, so daß die Mauerrekonstruktion für die Touristen am Beginn und am Ende des Besuchs in Hattusa steht.
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Hethitisches Tonmodell eines Wehrturms aus Hattusa.
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Mauerrekonstruktion, Ansicht von Westen.
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Einsatz von Maschinen für Materialtransport und Verfüllungen.
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Lehmziegelproduktion in der Nähe der Baustelle.
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Allgemeine Überlegungen / Konzept der Rekonstruktion
Mit diesem 2003 begonnenen Projekt, das von der Sponsorfirma JT International finanziert worden ist, werden zwei Hauptziele verfolgt: 1. Die Rekonstruktion eines großen Bauwerks aus Lehmziegeln, und 2. die Durchführung des Baus als dokumentiertes Experiment.
zu 1. Seit langem bestand der Wunsch, einmal ein hethitisches Bauwerk in der Hauptstadt Hattusa vollständig zu rekonstruieren. Also nicht nur die in den Ausgrabungen freigelegten Grundrisse zu stabilisieren, zu ergänzen und an der Erdoberfläche sichtbar zu machen, wie das bisher am Ort geschehen ist, sondern auch das aufgehende Mauerwerk und das Dach neu zu bauen. Durch die vollständige Rekonstruktion eines Bauwerks lassen sich viele Erkenntnisse zur hethitischen Baukunst erlangen, und dabei wird dem Besucher auch greifbar vor Augen geführt, daß die hethitische Architektur im wesentlichen aus Lehmziegeln bestand und daß Bauten aus diesem Material einst imposante Größen erreichten. Damit wird eine wichtige Aufgabe der archäologischen Forschung, die Vermittlung von Ergebnissen an die Öffentlichkeit, erfüllt.
Die Frage, was für ein Bauwerk sich besonders für die Rekonstruktion eignet, wurde zugunsten der Befestigungsanlagen beantwortet: Nur für sie gibt es Vorlagen in Form von Tonmodellen aus hethitischer Zeit, die einen Eindruck vom ehemaligen Aussehen geben (Abb. Tonmodell). Die Rekonstruktion eines Wohn- oder Palastgebäudes oder eines Tempels wäre dagegen mit sehr vielen Fragezeichen verbunden, da hier für die Rekonstruktion der äußeren Gestalt praktisch nur Informationen aus den ausgegrabenen Sockelbereichen der Gebäude zur Verfügung stehen. Ein solches Gebäude mit Flachdach wäre optisch nicht besonders wirkungsvoll und würde erst dann für Besucher wirklich interessant, wenn es begehbar wäre. Gerade zur Inneneinrichtung - z.B. Ausstattung mit Möbeln, Wandverzierungen, Bodenbeläge, Kultinventar - fehlen jedoch die meisten Informationen, so dass entsprechende Versuche sehr spekulativ bleiben müssten. Ein Stück Befestigungsmauer ist dagegen für jedermann verständlich und muß auch nicht für jeden Besucher begehbar sein, was für die Frage des Unterhalts bei zunehmenden Touristenströmen durchaus wichtig ist.
zu 2. Das zweite Ziel dieser Baumaßnahme ist es, einen Beitrag zur experimentellen Archäologie zu leisten. Die Dokumentation der Arbeitsabläufe, der eingesetzten Arbeitskraft, der Arbeitszeit bei den einzelnen Bauabschnitten und der verwendeten Materialmengen sowie später die Beobachtung des Bauwerks und die Feststellung des Pflege- und Reparaturbedarfs sind integraler Bestandteil des Projekts. Indem versucht wird, möglichst mit den auch vor 3500 Jahren vorhandenen Materialien zu arbeiten, bekommen wir eine Vorstellung davon, wie solche Bauarbeiten in hethitischer Zeit vor sich gegangen sein müssen: Die Ziegel sind aus einer per Hand angemischten Masse aus Lehmerde, Stroh und Wasser hergestellt, und ganz bewusst wurde auf konservierende Zusätze verzichtet, um Beobachtungen zur Erosion durch Wind und Wetter nicht zu verfälschen.
Die Dimension der Aufgabe, die die hethitischen Baumeister zu bewältigen hatten, ist enorm, wenn man bedenkt, daß der jetzt rekonstruierte Mauerabschnitt nur einem Prozent der einst 6,6 km langen äußeren Stadtmauer von Hattusa entspricht (mit allen Teilstücken sind die Mauern von Hattusa über 9 km lang). Zum Bewegen der anfallenden Lasten waren wir auf Maschinen angewiesen: Für die Ziegel, Mörtel und Verputz wurden rund 2700 t Lehmerde sowie rund 100 t Stroh und rund 1500 t Wasser gebraucht. Daneben mussten für Verfüllungen und zur Anschüttung von Rampen rund 1750 t Erdschutt herbeigeschafft werden, sowie größere Mengen von Holzstämmen für die Turmgeschosse. Heute stehen hierfür Bagger, Last- und Tankwagen zur Verfügung, aber die Hethiter konnten für diese Arbeiten nur Menschenkraft und Ochsenkarren einsetzen. So wundert es nicht, daß in den Keilschrifttexten öfter die Rede ist von Tausenden von Menschen, die die Könige als Beute von Kriegszügen zurückbrachten. Ihre Arbeitskraft wurde dringend für solche Projekte gebraucht. Dies umso mehr, als Lehmziegelproduktion hier in Zentralanatolien nur im Sommer, wenn es warm genug ist und nicht regnet, möglich ist: Ab Mitte Juni bis Mitte September, also genau in der Zeit, in der auch Kriege geführt wurden und die Hauptarbeit auf den Feldern zu leisten war, also Arbeitskräfte sowieso knapp waren.
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Die Lehmziegelmasse wird in großen Gruben per Hand angemischt.
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Die Ziegel werden in hölzernen Rahmen geformt.
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Lehmziegelproduktion
Ungebrannte Lehmziegel sind ein sehr stabiles Baumaterial, aber wenn sie ohne Schutz Regen und Frost ausgesetzt sind, zerfallen sie mit der Zeit. Daher sind aus hethitischer Zeit nur wenige Architekturreste aus ungebrannten Lehmziegeln erhalten. Es gibt jedoch zahlreiche verbrannte Ruinen in Hattusa, in denen die Lehmziegelmauern gebrannt und teilweise hoch anstehend erhalten geblieben sind. Daher weiß man auch, dass das durchschnittliche Ziegelformat bei etwa 45x45x10 cm lag. Ein solcher Ziegel wiegt rund 34 kg.
Für die Herstellung der Ziegel wird zunächst in großen Gruben eine Mischung aus Lehmerde, Stroh und Wasser erzeugt. Stroh wird als Magerungsmittel hinzugefügt, um Rißbildung während des Trocknungsprozesses der Ziegel zu verhindern. Es funktioniert wie eine "Bewehrung", die den Zugkräften und Rissspannungen beim Trocknen entgegen wirkt. Die Mischung des Materials wird per Hand mit Schaufeln und durch Treten mit den Füßen erreicht. Am zweiten Tag muß die Masse erneut gemischt werden und ruht dann noch zwei bis drei Tage, was eine Steigerung der Festigkeit der späteren Ziegel zur Folge hat. Zur Formung der Ziegel werden einfache Rahmen aus Holz verwendet: Die Erdmasse wird hinein gegeben und glatt gestrichen und dann der Rahmen nach oben hin abgezogen. Bei kontinuierlicher Materialzufuhr wurde eine Tagesleistung von 120 Ziegel pro Rahmen erreicht. Insgesamt wurden auf diese Weise 64.000 Ziegel produziert.
Die Ziegel liegen in großen Feldern zum Trocknen aus. Bei sonnigem Wetter können sie nach fünf Tagen gewendet werden, und am achten oder neunten Tag werden sie auf eine Schmalseite gestellt, um eine bessere Luftzirkulation zu ermöglichen. Am zehnten oder elften Tag sind die Ziegel fertig - im Kern sind sie zwar immer noch recht feucht, aber stabil genug für das Verbauen in der Mauer. Diese Restfeuchte in der Mauer trocknet sehr langsam, ein durchaus gewollter Effekt, da er dazu führt, daß der in der Lehmerde enthaltene Kalk langsamer abbindet und dadurch die Festigkeit erhöht wird. Ausserdem begünstigt die Restfeuchte die plastische Anpassung unregelmäßiger Ziegel-Lagerhöhen zu mehr Kompaktheit und Stabilität des Bauwerks.
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Konsolidierung und Rekonstruktion des Steinsockels. |
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Die Lehmziegelmauern sind bis zu 4 Ziegellagen dick (ca. 1,9 m). |
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Obergeschoß des Nordturms während des Baus. |
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Nordturm, im Vordergrund mittlere Kurtinenmauer. |
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Während des Baus angeschüttete Erdrampen an der Rückseite der Mauer. |
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Mauerbau
Wie alle hethitischen Bauwerke waren auch die Lehmziegel-Stadtmauern auf einem Sockel aus Stein errichtet, und wie alle hethitischen Befestigungsmauern ist auch die Abschnittsmauer als Kastenmauer gebaut, d.h. eine äußere und eine innere Mauer sind in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen mit Quermauern verbunden. Die Türme sind als separate Bauwerke eingesetzt (vergl. Abb.Plan). Im Bereich der geplanten Mauerrekonstruktion wurde der Steinsockel aus Bruchstein-Trockenmauerwerk auf dem alten Fundament neu gebaut. Entsprechend der Hanglage ist der Sockel in Stufen angelegt. Es ist möglich, dass bei der hethitischen Mauer ein offener Rost aus Holzstämmen auf oder in dem Steinsockel lag und als Untergrund für das aufgehende Lehmziegelmauerwerk diente. Solche Maßnahmen sind von Mauern an anderen Fundorten bekannt: Der Rost sollte eventuelle Setzungen und Ausbrüche im Steinsockelbereich ausgleichen und horizontal auftretende Schubkräfte auffangen und die damit verbundene Einsturzgefahr für die Lehmziegelmauer bannen. In Boğazköy sind jedoch keinerlei Spuren von solchen Holzlagen, die als Grundlage für eine Rekonstruktion dieses Baudetails dienen könnten, erhalten. Aus diesem Grund wurde auf den Einbau von Holz verzichtet und statt dessen der Steinsockel von außen unsichtbar mit Zementmörtel stabilisiert - ein "unhethitisches" Element als Zugeständnis an die Forderung nach Bausicherheit.
Die Lehmziegelmauern wurden unten der Dicke des Steinsockels entsprechend drei bis vier Ziegel stark begonnen, wobei bei den Kurtinen die Mauerstärken nach oben hin abnehmen. Die Kästen zwischen den Mauern sind zu klein, um etwa als Kasematten genutzt werden zu können, und wurden daher mit Erdschutt verfüllt. Bei den Türmen sind die Untergeschosse ohne Verjüngung gebaut, und die Wände der begehbaren Obergeschosse sind zwei Ziegellagen, also immer noch gut 90 cm, dick. Die Lehmziegel wurden in Mörtel verlegt, der aus derselben Materialmischung besteht. Ein Begießen mit Wasser vor dem Auftrag des Mörtels verhindert, dass die trockenen Ziegel dem Mörtel das Wasser entziehen und dadurch eine mangelhafte Verbindung entsteht.
Die Obergeschosse haben jeweils zwei Türen, die auf die Kurtinenmauern hinausführen. Hochrechteckige Fenster wurden in Anlehnung an das gezeigte Tonmodell eingebaut, und zwar nicht nur auf der Außen- und Innenseite, sondern auch an den Schmalseiten, die vor der Flucht der Kurtinen liegen.
Bei wachsender Höhe der Mauer wird die Anlieferung von Material schwieriger. Da kranartige Vorrichtungen für die hethitische Zeit nicht nachgewiesen sind, wurde auch bei der Mauerrekonstruktion keine Maschine zum Heben von Lasten eingesetzt. Statt dessen wurden an der Rückseite der Mauer Erdrampen angeschüttet und je nach Bedarf erhöht, so dass der Materialtransport zur Mauerkrone vollständig über schiefe Ebenen erfolgen konnte. Nach Abschluß der Arbeiten wurden die Erdrampen wieder abgegraben und entfernt.
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Bodenanker des Nordturms aus Lärchenholzstämmen. |
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Dachrost des Nordturms aus Lärchenholzstämmen. |
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Aufbringen des Lehmestrichs über einer Lage aus Langstroh auf den Dachhölzern aus Pappel. |
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Walzen des Dachbelags aus Çorak. |
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Innenansicht des Obergeschosses des Nordturms. |
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Einsatz von Bauholz/Dachdeckung
Große Lärchenholzstämme kamen in den Turmgeschossen zum Einsatz: Die untere Holzlage bildet einen umlaufenden Ringanker und einen groben Binnen-Rost, der bei Belastung einem Ausweichen der Fusszone der Aussenwände entgegen wirkt und den Mittelpfeiler im Turm in das Konstruktionsgefüge einbindet; die obere Holzlage erfüllt den gleichen Zweck und dient darüber hinaus auch als Träger der Dachdeckung. Die Dächer wurden in traditionell anatolischer Weise, die man auch für die hethitische Architektur voraussetzen kann, gebaut: Auf die Trägerbalken wird eine dichte Lage von Pappelhölzern gelegt. Darauf kommt eine Lage aus Langstroh oder dünnen Ästen und dann ein Lehmestrich, der während des Trocknens durch Begehen und Stampfen verdichtet wird. Den Abschluß bildet eine 10-20 cm dicke Lage çorak, ein wasserundurchlässiges Erdmaterial, das überall im Gebiet um Hattusa vorkommt und das auch in den hethitischen Siedlungsschichten der Grabungen immer wieder gefunden wird.
Die Oberfläche der Dachdeckung wurde in Flächen mit leichtem Gefälle unterteilt, die das Regenwasser zu Wasserspeiern hin ableiten. Die Wasserspeier sind aus halbierten und ausgehöhlten Holzstämmen, die durch die Lehmziegelbrüstung auf der Stadtseite der Mauer führen, hergestellt.
Diese Art der Dachdeckung erfordert ständig Pflege, wie man heute auch noch in ostanatolischen Dörfern sehen kann: Nach kräftigen Regenfällen muß die Dachfläche durch walzen neu verdichtet und das Gefälle kontrolliert werden, und Schnee muß bald entfernt werden, damit das Tauwasser, das seitlich nicht abfließen kann, nicht doch durch die Dachdeckung einsickert.
Daneben wurde Holz (Eiche, Esche und Fichte) auch für den Bau einer Massivholztreppe im Untergeschoss des Nordturms und in Form von Holzstammtreppen auf den Kurtinenmauern eingesetzt sowie für die Herstellung von Türen, Fensterrahmen und Fensterläden. In den über drei Meter hohen Turmgeschossen stehen Holzleitern, die zu hölzernen Dachluken führen, über die die Dachflächen der Türme zu erreichen sind.
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Nach Fertigstellung des Rohbaus beginnt der Verputz. |
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Der Lehmverputz wird ausschließlich per Hand aufgetragen. |
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Im dritten Verputzdurchgang wird nur noch eine dünne Lehmschlämme aufgetragen. |
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Der Verputz ist so dünn, dass sich die Struktur des Mauerwerks durchpaust. |
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Verputz - der Schutzpanzer jedes Lehmbauwerks
Bauten aus Lehmziegeln sind keineswegs an warme und niederschlagsarme Klimazonen gebunden - auch in Deutschland gibt es heute noch mehrstöckige Häuser aus Lehmziegeln oder Stampflehm, die teilweise seit Jahrhunderten stehen. Voraussetzung dafür ist neben einer stabilen Bauausführung vor allem ein guter Verputz, der ständig beobachtet und bei Bedarf ausgebessert bzw. erneuert wird. Diese "Haut" bewahrt die Bausubstanz, indem sie Niederschlag ableitet und auch bei Frost schützend wirkt. Die eigentliche Lehmmauer nimmt zwar auch bis zu einem gewissen Grad Feuchtigkeit auf, gibt diese aber ebenso leicht wieder ab und ist durch Frostsprengungen nicht gefährdet, da es genug feine Hohlräume gibt, die Ausdehnungen aufnehmen können.
Es sind viele Versuche und Methoden bekannt, Verputz besonders dauerhaft zu machen (z.B. Minke 2001, 75 ff.): Die Rezepte reichen vom Zuschlag von Kalk bis hin zum Untermischen von Ochsenblut, Jauche und Kuhmist oder Knochenleim. Da nicht bekannt ist, ob die Hethiter derartige Mittel eingesetzt haben, wurde darauf verzichtet und für den Verputz der Mauerrekonstruktion dieselbe Mischung wie für die Lehmziegelherstellung und den Mörtel verwendet. Allerdings wurde das Material vor der Verwendung mindestens zehn Tage lang in den Mischgruben gelassen. Dieser auch als Mauken bezeichnete Prozess bewirkt, dass durch eine verbesserte Verbindung der Tonminerale miteinander eine höhere Wetterfestigkeit des Verputzes erreicht wird.
Der Auftrag des Verputzes auf die angefeuchtete Lehmziegelwand erfolgte ausschließlich per Hand - ein Auftrag mit Streichbrett oder Kelle würde nur eine unzureichende Verbindung herstellen. Die Verputzschicht ist relativ dünn und muß sorgfältig verstrichen werden. Nach dem Trocknen entstehen Risse, die in einem zweiten Verputzdurchgang verschlossen werden. Die danach noch entstehenden feinen Risse werden weitestgehend abgedichtet, indem man mit einem breiten Pinselquast eine dünne Putzschlämme aufträgt. Der so erzeugte Verputz bildet keine glatte Fläche, sondern ist immer noch so dünn, dass er die Struktur des Mauerwerks optisch sehr wirkungsvoll erkennen lässt. Gleichzeitig ergibt sich eine gute Verbindung mit dem Mauerwerk, da der Verputz keine dicke separate Schicht bildet, die sich flächig lösen und abplatzen kann. Nach den bisherigen Beobachtung lässt sich feststellen, dass der Verputz vor allem mechanisch durch auftreffende Regentropfen beansprucht wird - besonders in nassem Zustand - und dass dadurch eine Erosionswirkung eintritt, die im Lauf der Zeit zur Ausdünnung von Putzflächen, vor allem solchen, die horizontal liegen (Oberseiten von Brüstungsmauern und Zinnen), führt.
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Mauerrekonstruktion, Ansicht von Norden. |
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Fertigstellung
Der Bau wurde im Oktober 2005 vorläufig fertiggestellt. Im Jahr 2006 wurden noch einige korrigierende Änderungen vorgenommen, deren Notwendigkeit im Lauf des Winters offenbar geworden waren. Außerdem wurden diverse Arbeiten zur endgültigen Gestaltung der Umgebung des Bauwerks und eines Zugangs für Besucher von der Straße her durchgeführt. Damit ist dieser Hauptabschnitt des Projekts, die Rekonstruktion der Mauer, abgeschlossen. Gleichzeitig tritt das Projekt in die zweite Phase ein - die Beobachtung des Bauwerks mit Dokumentation des Pflege- und Reparaturbedarfs. Die Beantwortung der Frage, wie ein Großbau aus ungebrannten Lehmziegeln im rauhen Klima Zentralanatoliens überdauert, welchen Einfluß intensive Sonneneinstrahlung, Regen, Schnee und Frost auf den Verputz, die Dachdeckung und auch die Bausubstanz haben, ist Teil des Projekts. Durch die Beobachtung des Bauwerks in den kommenden Jahren sollen weitere Informationen zu dieser Art von Architektur gesammelt werden. Nicht nur die Bauplanung und -ausführung, sondern auch die Probleme der Unterhaltung in hethitischer Zeit werden so nachvollziehbar.
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Eröffnung der Mauerrekonstruktion |
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Kooperationen
Dipl.-Ing. Jan Martin Klessing, Karlsruhe (Architekt für die Gebäude- und Werkplanung und für Beratung bei Entwicklung und Ausführung)
Tel. + 49 721 69 16 26, Fax + 49 721 60 63 60
Fa. Ahmet Demirtaş, Istanbul (Bauaufsicht und Ausführung vor Ort)
Die Genehmigung des Bauantrags erfolgte durch die Denkmalpflegebehörde des türkischen Antikendienstes.
Ehrung
Am 26.7. 2006 fand in Hattusa/Boğazköy die offizielle Einweihung der Rekonstruktion der Stadtmauer statt. In Anwesenheit des Ministers für Kultur und Tourismus, Attila Koç, zerschnitten der deutsche Botschafter Dr. Eckart Cuntz, der japanische Gesandte in Ankara, Katsuyoshi Hayashi, und Bilgehan Anlaş, Generaldirektor der türkischen Niederlassung der Firma JTI, die das Projekt gesponsort hat, das rote Band und übergaben den Bau der Öffentlichkeit. In seiner anschließenden Rede sprach Minister Koç der Abteilung Istanbul des DAI seinen Dank aus und überreichte eine Plakette, mit der die Arbeit an dieser Rekonstruktion gewürdigt wird.
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Ansprechpartner
Dr. Jürgen Seeher
Ur- und Frühgeschichte
Telefon: + 90-(0)212-393 76 25
Telefax: + 90 - (0)212-393 76 40
Email: seeher@istanbul.dainst.org
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Förderung
Das Projekt wurde mit Spenden der Firma JAPAN TOBACCO INTERNATIONAL finanziert.
Der Gouverneur der Provinz Çorum unterstützte die Arbeiten durch die Übernahme eines Teils der Kosten für Bagger- und Transportarbeiten.
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Literatur
G. Minke, Das neue Lehmbau-Handbuch (Staufen 2001)
R. Naumann, Architektur Kleinasiens (Tübingen 1971)
J. Seeher, Die Ausgrabungen in Boğazköy/Hattusa 2004, Archäologischer Anzeiger 2005/1,72-74
J. Seeher, Die Ausgrabungen in Boğazköy/Hattusa 2005, Archäologischer Anzeiger 2006/1,178-182
A. Baykal-Seeher - J. Seeher, Tunç Çağı'nda Kent Savunması: Hattusa'da Hitit Surunun Rekonstrüksiyonu, in: G. Umurtak - Ş. Dönmez - A. Yurtsever (eds.), Refik Duru'ya Armağan. Studies in Honour of Refik Duru (Istanbul 2007), 199-211
J. Seeher, Die Lehmziegel-Stadtmauer von Hattusa. Bericht über eine Rekonstruktion (Ege Yayınları, Istanbul 2007)
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