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x. abgeschlossene Projekte: Arap Camii (Istanbul) (türkçe)

Arap Camii

Erfassung der lateinischen Ausmalung in einem ehemaligen Dominikanerkloster in Pera

Lage

Die Arap Camii liegt im Stadtteil Beyoğlu und gehörte als Dominikanerkirche zum mittelalterlichen Pera, dem alten Vorort Konstantinopels am Nordufer des Goldenen Horns.

Abteilungen:
Abteilung Istanbul

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

    
  Arap Camii. Von der genuesischen Kirche SS. Paolo e Domenico ist der Chorbereich erhalten  

Pera florierte als genuesische Kolonie dank der Handelsprivilegien, die der Palaiologe Michael VIII. der Seerepublik für die Unterstützung im Kampf gegen die lateinische Herrschaft durch den Flottenvertrag von 1261 gewährte. Die von der Mutterstadt kontrollierte Siedlung entwickelte sich im 14. Jahrhundert zu einer weitgehend autonomen Stadt, die eine eigene Befestigung erhielt - nicht zuletzt um sich vor den venezianischen Rivalen zu schützen. In zentraler Lage nahe der angenommenen Piazza gründeten die Dominikaner auf altem byzantinischen Kirchenbesitz ein Kloster, zu dessen Areal auch der Friedhof der genuesischen Kolonie gehörte. Das Baudatum der Kirche ist umstritten: Die Jahre zwischen 1225 und 1230 sind wohl zu früh angesetzt. Eher kommt ein Umbau im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts in Frage, nachdem sich 1307 die aus der Altstadt Konstantinopels vertriebenen Dominikaner dem bereits bestehenden Konvent ihres Ordens in Pera angeschlossen hatten. Nach der Kapitulation von 1453 gewährte die osmanische Seite noch eine Schonfrist, bis die Kirche den Dominikanern um 1475 entzogen und später den aus Granada vertriebenen Muslimen als Moschee zugewiesen wurde. Die volkstümliche Bezeichnung als 'Moschee der Araber' geht auf eine historisch nicht haltbare Legende des 16. Jahrhunderts zurück, nach der das Bauwerk eine Moschee ersetzt habe, die bereits bei der arabischen Belagerung im 8. Jahrhundert gegründet worden sei. 

Ziele

Im Gewölbe und an der südlichen Seitenwand des ehemaligen Hauptchors sind Partien der lateinischen Ausmalung erhalten, die erst bei dem schweren Erdbeben von 1999 unter einer jüngeren Putzschicht zutage kamen. Abgesehen davon, daß sie den raren Bestand an christlicher Wandmalerei in Istanbul bereichern, beziehen sie ihre besondere Bedeutung aus dem Spannungsfeld, das sich zwischen Italien und Byzanz ergibt. In diesem Fall ist es der Gegensatz zwischen Genua und Konstantinopel, der sich konfessionell in einer lateinischen Kirche niederschlägt, die in einem griechisch-orthodoxen Umfeld steht. Ein Ziel der Arbeit ist daher, der Frage nachzugehen, ob es im 14. Jahrhundert in Pera zu einer Synthese zwischen italienischer und byzantinischer Malerei kommen konnte. 

Forschungsgeschichte

    
  Genuesischer Patrizier, Grabplatte aus der Arap Camii. Istanbul, Archäologisches Museum  

Ihre hybride Stellung zwischen Italien und Byzanz sowie die späteren Umbauten in eine Moschee mögen die Gründe sein, warum die Arap Camii bisher nicht angemessen gewürdigt wurde. Abgesehen von einer Notiz von R. Ousterhout wurden die neu aufgedeckten Fragmente bisher nicht beachtet. Weitere Partien von Wandmalereien waren kurzzeitig während der Restaurierungen in den Jahren des ersten Weltkriegs zu sehen (J. Ebersolt). Was die Architektur betrifft ist man immer noch auf die Pläne von C. Gurlitt angewiesen. Weitere Beobachtungen verdanken wir B. Palazzo und zuletzt der Arbeit von J. Cramer und S. Düll. Eine gründliche Bauuntersuchung steht weiterhin noch aus. Größere Beachtung fanden dagegen die Grabsteine, die während des ersten Weltkriegs aus der Arap Camii in das Archäologische Museum gelangten. Die rund 120 Platten zeigen überwiegend die Wappenschilde genuesischer Geschlechter und sind unter prosopographischen oder sozialgeschichtlichen Aspekten eine erstrangige Quellengattung, die ungewöhnliche Einblicke in das Milieu der genuesischen Kolonie von Pera erlaubt (E. Dalleggio d'Alessio, S. Düll). 

Bisherige Arbeiten

    
  Evangelist Markus. Fresko im Chorgewölbe  

Die Fragmente der Ausmalung wurden unter schwierigen räumlichen Bedingungen während eines Fotosurveys im Mai 2005 erstmals dokumentiert.  

Ergebnisse

    
  Taufe Christi. Fresko an der südlichen Chorwand  

Inzwischen sind alle Darstellungen identifiziert, die eine Teilrekonstruktion der ursprünglichen Konzeption erlauben. Im Gewölbe waren neben Propheten und Evangelisten vier lateinische Kirchenväter dargestellt, die den deutlichsten Bezug zu den genuesischen Auftraggebern erkennen lassen. Für die Seitenwände des Hochchors ist ein Christuszyklus nachgewiesen, von dem die Szenen mit der Geburt und der Taufe erhalten sind. Da die Ausmalung palaiologische Stilmerkmale trägt, ist ihre Ausführung einer griechischen Werkstatt des 14. Jahrhunderts zuzuschreiben. Vorläufig läßt sich die These aufstellen, daß die Arap Camii ein Milieu vertritt, das durch einen Akkulturationsprozeß gekennzeichnet ist. Die Auftraggeber, die im Kreis der genuesischen Kolonie zu suchen sind, hatten sich bereits ihrem byzantinischen Umfeld angepasst und waren für Anregungen von griechischer Seite aufnahmebereit. Zu den Resultaten gehört die Genese einer levantinischen Bildkultur, die mit ihren Eigenarten weder im italienischen noch im byzantinischen Umkreis eine Entsprechung hat. 

Kooperationen

Dokumentation und Auswertung erfolgen in einer Zusammenarbeit mit Haluk Çetinkaya von der Mimar Sinan Universität, Istanbul. 

Externe Ansprechpartner

Dr. Stephan Westphalen
Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte
Georg August Universität
Nikolausberger Weg 15
D-37073 Göttingen
E-mail: stephan.westphalen@web.de

Literatur

- J. Cramer - S. Düll, Baubeobachtungen an der Arap Camii in Istanbul, Istanbuler Mitteilungen 35 (1985) 295-321.
- E. Dalleggio d'Alessio, Le Pietre sepolcrali di Arab Camii (Antica Chiesa di S. Paolo a Galata), 1942.
- S. Düll, Die lateinischen Inschriften aus Istanbul vor und nach der osmanischen Eroberung - Vorarbeiten für ein neues Inschriftenprojekt in der Türkei, in: Epigraphik 1982, Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse, Denkschriften 169, hrsg. von W. Koch, 1983, 101-118.
- Dies., Unbekannte Denkmäler der Genuesen aus Galata, Istanbuler Mitteilungen 33 (1983) 225-238 und 36 (1986) 245-256.
- J. Ebersolt, Arab Djami et ses sculptures byzantines, in: Mission archéologique de Constantinople 1920 (1921) 38-44.
- C. Gurlitt, Die Baukunst Constantinopels, 1912, 41 f., Taf. LXIII Abb. 11 b.
- B. Palazzo, L'Arap - Djami. Église Saint Paul à Galata, Istanbul 1946.  

 


 
 

Aktualisiert: 24.02.2009

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