Abu Mina
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Abu Mina
Frühchristliche und mittelalterliche Pilgerstadt mit mehreren unterschiedlich gestalteten großen Kirchenbauten, Pilgerherbergen und Wohnhäusern.
Lage
rund 60 km westlich von Alexandria
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Geschichte
Seit dem Ende des 4. Jhs. n.Chr. sich am Grabe des Hl. Menas entwickelndes Pilgerzentrum, das bis zum Beginn des 7. Jhs. stadtmäßig ausgebaut wurde. Zerstört während der persischen Okkupation um 619; seit dem Abzug der persischen Besatzung (629) geringe Wiederaufbauarbeiten, um 643 Übergabe des Platzes an die monophysitisch ausgerichtete koptische Landeskirche, in welcher Zeit über den Trümmern der alten Stadt eine völlig neue, sich nach anderen Maximen richtende Siedlung entstand. Letztere wurde im 10./11. Jh. aufgegeben.
Derzeit befindet sich der Platz in höchster Gefahr: Im Zuge der landwirtschaftlichen Erschließung der ehemaligen Wüstenzonen wurde der Grundwasserspiegel in der Umgebung durch intensive Eingabe von Wasser bis dicht an die Oberfläche heraufgesetzt; noch vor 15 Jahren lag er bei etwa 30 m Tiefe. Zwangsläufig füllten sich alle tieferen Bauanlagen der Antike mit Wasser und waren so vom Einsturz bedroht. Die Krypta mit dem Heiligengrab konnte nur durch massives Auffüllen mit Erde gerettet werden. In den Niederungen entstanden große Seen.
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Ziele
Klärung der baugeschichtlichen Entwicklung und Gestalt der wichtigsten öffentlichen Gebäude und Kulteinrichtungen wie auch der allgemeinen Stadtanlage in ihrer Gesamtheit. Erstellung eines Keramikkorpus der frühchristlichen und mittelalterlichen Keramik, bzw. eines entsprechenden Werkes der in stratigraphischen Grabungen gewonnenen Münzfunde, die wesentlich zum Verständnis der geschichtlichen Entwicklung des Ortes beitragen. Bearbeitung und Restaurierung der in einigen Einzelgebäuden (auch der unmittelbaren Nachbarschaft) freigelegten z.T. künstlerisch hochwertigen Malereien des 6. Jahrhunderts.
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Forschungsgeschichte
- Entdeckung des Platzes und erste Ausgrabungen durch C.M. Kaufmann 1905-07.
- Arbeiten und Untersuchungen am Ort durch das Griechisch-Römische Museum in Alexandria 1925 und 1929, und durch J.B. Ward Perkins 1942.
- Neubeginn der Grabung 1959 durch das Koptische Museum in Kairo.
- seit 1961 Fortführung der Grabung durch das DAI Kairo.
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Bisherige Arbeiten
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Das Doppelbad, im Hintergrund das sog. Ostrakahaus |
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Seit 1961 jährlich eine Grabungskampagne von wechselnd ein bis drei Monaten durch das DAI Kairo. Baugeschichtliche Klärung der Kirchenanlagen (Große Basilika, Gruftkirche, Nordbasilika, Ostkirche) und ihrer Nebengebäude, des Baptisteriums, des Doppelbades und einiger Pilgerunterkünfte. Beginn der Klärung der allgemeinen Stadtanlage mit Feststellung des Verlaufs der Säulenstraßen, Art der Wohnquartiere und Werkstätten (Keramiköfen und Weinkellereien).
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Aktuelle Arbeiten
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Die Nordseite des Pilgerhofs von Nordwesten gesehen |
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Freilegung und Restaurierung des Peristylbaus (große Pilgerherberge) und der übrigen Herbergsgebäude auf der Nordseite des großen zentralen Pilgerhofes (Abb. Pilgerhof), Abschlussarbeiten am Baptisterium und dem sog. Ostrakahaus, Aufnahme der mittelalterlichen Stadtanlage. Dokumentation des Fundmaterials, Bauplastik, Kleinfunde (aus Bein, Bronze und Glas), Münzen und Keramik.
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Methoden
Stratigraphische Freilegung und steingerechte zeichnerische Aufnahme aller angetroffenen Gebäudereste. Für die Klärung des Verlaufs der Stadtmauer, von der über große Strecken nur die längst wieder zugewehten, unterirdischen Fundamentgräben nachweisbar waren, wurden geophysikalische Untersuchungen (elektrischen Erdwiderstandsmessungen) durchgeführt. Die Gestalt der frühchristlichen Stadtanlage wurde bisher nur oberflächlich erschlossen durch Kartierung (1:250) der an der Oberfläche sichtbaren sowie durch Verfolgung der Putzkanten sichtbar gemachten Mauerzüge.
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Ergebnisse
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Das Nordbad am Rande des kirchlichen Zentrums |
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Da die im Fruchtland gelegenen antiken Metropolen im Delta und Oberägypten bis auf wenige Ausnahmen noch heute als Siedlungsplätze dienen, so dass die dort einst errichteten Bauten längst verloren sind bzw. durch Neubauten ersetzt wurden, ist das am Wüstenrand gelegene Pilgerzentrum von Abu Mina von äußerster Wichtigkeit für das Verständnis der spätantiken Architektur in Ägypten.
Die mit einem dreischiffigen Querhaus versehene Große Basilika (Ende 5. Jh.) ist die größte bisher in Ägypten nachgewiesene Kirche. Die justinianische Gruftkirche III (6. Jh.) und die Ostkirche II gehören als Vierkonchenbauten zu einem in Ägypten sonst nicht vertretenen Bautypus. Die Nordbasilika repräsentiert dagegen mit dem Vorgängerbau der Ostkirche die einheimische ägyptische Bauweise mit einem außerhalb Ägyptens nicht nachweisbaren westlichen Umgangstrakt. An Herbergsbauten wurden bisher drei verschiedene, offenbar die soziale Stellung der Besucher berücksichtigenden Typen erkannt. In dem für ärmere Besucher bestimmten zweiteiligen Peristylbau wurden die Gäste nur in den Portiken untergebracht. Von Bedeutung ist die als Inkubationszentrum zu deutende Bauanlage auf der Südseite der zentralen Kirchengruppe. Die zahlreichen Hausanlagen, von denen einige auch in Verbindung mit einer privaten Grabkapelle stehen, bieten ein deutliches Bild vom spätantiken Wohnhausbau in Ägypten. Auch einige mehrgeschossige Apartmenthäuser sind darunter. Die allgemeine Stadtanlage schließlich lässt deutlich die Hand eines planenden Architekten erkennen, dem die in der klassischen Antike herrschenden Vorstellungen über die wünschenswerte Gestalt einer Stadtanlage noch bewusst waren. Insofern kann Abu Mina als eine der letzten Stadtgründungen der Antike gelten. Im Gegensatz dazu fanden städtebauliche Planungsprinzipien in der Bauweise der sich seit der arabischen Eroberung (639/42) im Stadtgebiet ausbreitenden monoiphysitischen Neusiedler keine Berücksichtigung.
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Kooperationen
Ägyptischer Antikendienst; Franz Josef Dölger-Institut Bonn; Seminar für Christliche Archäologie der Universität Bonn
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externe Ansprechpartner
Dr. Peter Grossmann, c/o Deutsches Archäologisches Institut (DAI) in Kairo
sonst privat: Valtinon 50, GR-11474 Athen, Tel. 00301-6429924
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Literatur
K.M. Kaufmann, Die Menasstadt und das Nationalheiligtum der altchristlichen Aegypter. Ausgrabungen der Frankfurter Expedition am Karm Abu Mina 1905-1907. I (Leipzig 1910);
P. Grossmann, Abu Mina. I. Die Gruftkirche und die Gruft (AV 44, Mainz 1989); ders., Abu Mina II. Das Baptisterium (AV 54, Mainz 2004);
diverse Vorberichte in deutscher und englischer Sprache in:
Mitteilungen des DAI Kairo (MDAIK);
Archäologischer Anzeiger (AA);
Bulletin de la Société d'Archéologie Copte (BSAC);
ein zusammenfassender Bericht erschien zuletzt in:
M. Krause (Hrsg.), Ägypten in spätantik-christlicher Zeit [Sprachen und Kulturen des christlichen Orients 4, 1998] 269-293 und in: D. Frankfurter (Hrsg.), Pilgrimage and Holy Space in Late Antique Egypt (Brill 1998) 281-302.
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