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Abydos

Abydos, Umm el-Qaab: Königsfriedhof der Frühzeit

Als Begräbnisplatz der frühesten Könige und des Totengottes Osiris war Abydos einer der heiligsten Orte Ägyptens.

Lage

Abydos liegt ca. 500 km südlich von Kairo auf dem Westufer. Während die meisten Denkmäler von Abydos am Fruchtlandrand errichtet wurden, befindet sich die Königsnekropole Umm el-Qaab etwa 1,5 km weiter westlich in der Wüste.

Abteilungen:
Abteilung Kairo

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Geschichte

    
  Übersichtsplan  

Die Nekropole bestand seit der frühen Naqada-Zeit, ab Naqada IIc/d entwickelte sie sich zum Elite-Friedhof. In der 0.–2. Dynastie wurde Umm el-Qaab schließlich zum Begräbnisplatz der Könige Ägyptens. Seit dem Mittleren Reich (2000 v. Chr.) wurde Abydos zum Hauptkultort des Totengottes Osiris, gleichsam zum "Mekka" des Alten Ägypten. Dies prägte auch die frühzeitliche Königsnekropole. 

Ziele

Untersuchung der baugeschichtlichen Entwicklung der frühen Herrscher- bzw. Königsgräber, Zuweisung der Grabanlagen und Erfassung ihres Inventars. Klärung der Chronologie und der Abfolge der Könige. Erstellung eines Keramikkorpus der prä-frühdynastischen Zeit, der aufgrund der eindeutigen Zuweisung der Keramikinventare an eine Abfolge von Grabanlagen bzw. an einzelne Herrscher als Grundlage für die Datierung von Keramiktypen an anderen Fundstellen dienen kann. Erfassung der Spuren von Kultaktivitäten seit dem Mittleren Reich.  

Forschungsgeschichte

Erste Ausgrabung durch E. Amélineau, 1895-99, erneute Freilegung durch W.F. Petrie, 1899-1901, Nachuntersuchungen von T.E. Peet, 1911-12, Auswertung der alten Grabungsberichte hinsichtlich der Zuweisung der Gräber und ihrer Bauformen durch W. Kaiser in den 60er Jahren.  

Bisherige Arbeiten

Grabung des DAI seit 1977, bisher 15 Kampagnen von jeweils 3-5 Monaten. Untersuchung des prädynastischen Friedhofes U mit über 500 Gräbern der Naqada-Zeit (4. Jtsd. v.Chr.), darunter eine Reihe von Elite- bzw. Fürstengräbern. Freilegung der Doppelkammergräber der spät-vordynastischen Herrscher, der Grabkomplexe der Könige Aha, Athotis I, Dewen, Semerchet und Qa'a aus der 1. Dynastie sowie der Könige Peribsen und Chasechemui aus der 2. Dynastie (Abb.: Grab des Chasechemui während der Freilegung). Teiluntersuchungen an der Königskammer des Wadj, den Nebengräbern von Djer (Abb.: Abydos/Umm el-Qaab, Übersichtsplan). Aufdeckung von verschiedenen Deponierungen mit Opfergaben für den Osiriskult. Restaurierung des Grabes des Dewen und weitere Aufdeckung von Deponierungen in der Umgebung dieses Grabkomplexes.  

Aktuelle Arbeiten

    
  Grab des Chasechemui  

Freilegung des Grabes des Djer (1. Dyn.). Dokumentation und Bearbeitung des umfangreichen Fundmaterials: Keramik, Steingefäße, Gefäßverschlüsse mit Siegelabrollungen und andere Kleinfunde.

2006: Freilegung von Kalksteinfragmenten, die wohl von einem Sarkophag und seinem Deckel stammen. Details >>> 

Methoden

Alle Gräber werden erneut freigelegt, gereinigt, detailliert/ziegelgerecht aufgenommen und soweit erforderlich gesichert. Die Umgebung der Gräber und weitere bisher nicht erfaßte Bereiche der Nekropole werden von Schuttüberlagerungen gereinigt, um evtl. übersehene Gräber, Deponierungen sowie Spuren von Bauaktivitäten festzustellen. Sowohl die Füllung der Gräber als auch die immensen Schutthalden in ihrer Umgebung werden durchgesiebt, um darin enthaltene Bestandteile der Grabausstattungen zu bergen. Parallel zur Grabung werden zur Gewinnung von möglichst vollständigen Inventarübersichten auch die über viele Museen verteilten Funde von Amélineau, Petrie und Peet soweit möglich erfasst und neu dokumentiert.  

Ergebnisse

    
  Grabkomplex des Dewen  
    
  Grab U-j  
    
  Schrifttäfelchen  

Als Begräbnisplatz der frühesten Könige - und wie man seit dem späten 3. Jtsd. v. Chr. annahm, auch des Totengottes Osiris - war Abydos einer der heiligsten Orte Ägyptens. Die in den Wüstenboden eingetieften, mit Ziegeln ausgemauerten Grabanlagen von 11 Herrschern der 1. und 2. Dynastie bestehen aus einer großen zentralen Hauptkammer für den König und bis zu 200 Nebenkammern, die Beigaben, mitbestattete Dienerschaft, verschiedentlich auch Tiere (Jagdhunde, Löwen) enthielten (Abb.: Grabkomplex des Dewen). Die Kammern waren mit Holzbalken, Matten- und Ziegellagen abgedeckt. Darüber befand sich jeweils ein Sandtumulus, als symbolischer Urhügel wie er bei der Entstehung der Welt aus der Urflut aufgetaucht war. Aus diesem Bauelement, das die Fortsetzung des Lebens gewährleistete, entwickelte sich später die Pyramide. In den Gräbern konnten außerdem 'Schein'-Ausgänge festgestellt werden, die auf die Öffnung eines Wadis in der westlich der Gräber gelegenen Bergformation ausgerichtet sind: den Eingang zum Jenseits, in das der wiederauferstehende König gelangen sollte. Von der einstigen Ausstattung der Gräber ist noch erstaunlich viel in ihrer Umgebung und den allerorts hoch anstehenden Schutthalden zu finden. Neben großen Mengen an Scherben von Ton- und Steingefäßen vor allem Verschlüsse mit Siegelabrollungen, beschriftete Anhängetäfelchen mit hochinteressanten historischen und administrativen Angaben, Elfenbeinstücke von Möbeln, Werkzeuge, Waffen, Spielgerät, Schmuck usw. Der größte Teil dieser Beigaben ist wahrscheinlich schon durch frühe Grabräuber und im Mittleren Reich (um 1950 v.Chr.) verstreut bzw. neu deponiert worden, als man bei der Suche nach dem Grab des Osiris die großen Kammern leerte und Kultstellen darin einrichtete. Schrifttäfelchen Die Ausweitung der Grabungsarbeiten auf den benachbarten, seit Naqada I belegten, prädynastischen Friedhof U erbrachte die Erkenntnis, daß die Königsnekropole eine weit zurückreichende Tradition hat. Seit ca. 3400 v.Chr. sind dort nur noch Angehörige der Oberschicht und schließlich wohl ausschließlich Herrscher bestattet worden. Unter den Funde aus diesen Elitegräbern, insbesondere dem Grab U-j (Abb.: Grab U-j), das einem prädynastischen König Skorpion I (um 3200 v.Chr.) zuzuweisen ist, sind u.a. die ältesten bisher bekannten, phonetisch lesbaren Zeugnisse der Hieroglyphenschrift (auf Siegeln, Tongefäßen und kleinen Anhängetäfelchen) (Abb.: Schrifttäfelchen mit Herkunftsvermerken aus Grab U-j). Sie geben völlig neue Aufschlüsse über die Entwicklung der altägyptischen Hochkultur und ermöglichen zugleich die weitgehende Rekonstruktion der prädynastischen Herrscherfolge (Dyn. 0) unter denen die schrittweise Vereinigung der beiden Landesteile Ober- und Unterägypten erfolgte.  

Kooperationen

Ägyptischer Antikendienst University of Pennsylvania-Yale Expedition to Abydos IEMAR TU Wien 

Förderung

Förderung durch die DFG (seit 1988), Unterstützung durch die Gesellschaft der Freunde des Deutschen Archäologischen Instituts - Theodor Wiegand Gesellschaft - e.V. für das Grabungshaus und Magazinbau, versch. Einzelspender.  

Literatur

Günter Dreyer, Umm el-Qaab I, Das prädynastische Königsgrab U-j und seine frühen Schriftzeugnisse, AV 86, Mainz 1998; Ulrich Hartung, Umm el-Qaab II, Importkeramik aus dem Friedhof U in Abydos (Umm el-Qaab) und die Beziehungen Ägyptens zu Vorderasien im 4. Jahrtausend v. Chr., AV 92, Mainz 2001; Vorberichte in den Mitteilungen des DAI Kairo (MDAIK), Bd. 35, 38, 49, 52, 54, 56; Kurzbericht in: Archäologische Entdeckungen - Die Forschungen des Deutschen Archäologischen Instituts im 20. Jahrhundert, Mainz 2001, S. 191ff.  

 


 
 

Aktualisiert: 10.05.2009

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