 |
Tell el-Fara´in/Buto
|
 |
|
Tell el-Fara´in/Buto
Großer Siedlungshügel im Nildelta mit 4000jähriger, von einer prädynastischen Siedlung bis zur römischen Stadt reichenden Geschichte
Lage
| |
|
|
| |
Abb. 1: Ruinen von Lehmziegelgebäuden auf dem Nordhügel von Buto.
|
|
|
Der etwa 1 km2 große Siedlungshügel von Buto (Tell el-Fara´in) liegt in der Schwemmlandschaft des nordwestlichen Nildeltas, etwa 40km von der heutigen Küstenlinie des Mittelmeeres entfernt. Durch die noch hoch anstehenden Ruinen von Gebäuden aus ungebrannten Lehmziegeln (Abb. 1) gliedert sich der Fundort topographisch in einen Nord- und einen Südkôm (Kôm = ägypt.: Hügel), sowie ein von einer mächtigen Umfassungsmauer umgebenes Tempelareal (Abb. 2).
|
|
 |
Geschichte
| |
|
|
| |
Abb. 2: Topographischer Plan von Buto.
|
|
| |
|
|
| |
Abb. 3: Anhängetäfelchen aus dem spätprädynastischen Königsgrab U-j in Abydos. Die aus Rinderrippen hergestellten Täfelchen waren an Grabbeigaben befestigt und bezeichneten ihre Herkunft.
|
|
Der seit dem Neuen Reich unter dem Namen Per-Wadjet ("Haus (= Tempel) der (Göttin) Wadjet" (Uto), daraus abgeleitet der griechische Name Buto) bekannte Ort wurde nach der Gestalt des Ruinenhügels schon 1886 von W.M.F. Petrie mit einer in Schriftquellen genannten Doppelstadt Pe und Dep identifiziert, die in der Frühzeit Hauptstadt Unterägyptens gewesen sein soll und während der ganzen ägyptischen Geschichte als Gegenpol zu Hierakonpolis in Oberägypten in Kult und Mythos eine beträchtliche Bedeutung besaß. Ein anderer, vor allem im Alten Reich gebräuchlicher Name für Buto ist Djebaut. Als bislang frühester Beleg findet sich die Namenshieroglyphe (ein Reiher auf einem Gebäude) bereits auf Anhängetäfelchen aus dem spätprädynastischen (Naqada IIIA1) Grab U-j in Abydos (Abb.3).
Die heute noch sichtbaren Baureste stammen größtenteils aus ptolemäisch-römischer Zeit, einige vermutlich auch aus der 26. Dynastie (6. Jh. v. Chr.). Trotz zahlreicher Erwähnungen in den schriftlichen Quellen ist über Buto archäologisch bis heute nur wenig bekannt. Seine frühe Geschichte lag bis in jüngere Zeit völlig im Dunklen, aber auch die spätere Stadtentwicklung wurde durch die bisherigen Ausgrabungen nur sehr bruchstückhaft erhellt.
|
 |
Ziele
Die Arbeiten des DAIK wurden in den frühen 1980er Jahren von W. Kaiser mit dem Ziel initiiert, das aus frühen Schriftquellen bekannte prä- und frühdynastische Buto des 4. und frühen 3. Jahrtausends zu lokalisieren und archäologisch zu erkunden. Damit sollte eine für das Nildelta bestehende Fundlücke geschlossen und vor allem Informationen zum Verhältnis der vorgeschichtlichen ober- und unterägyptischen Kulturen und ihrer Rolle im Prozess der Vereinigung der beiden Landesteile und bei der Entstehung des gesamtägyptischen Staates gewonnen werden.
Diese Fragestellung ist nach wie vor der Schwerpunkt der Arbeiten, mittlerweile ist aber zudem auch die spätere Entwicklung der Siedlung und ihre Topographie, vor allem ihre Verzahnung mit den naturräumlichen Gegebenheiten, in den Blickpunkt des Interesses gerückt.
In einem in Kooperation mit dem DAIK durchgeführten Projekt der Universität Poitiers (Leitung P. Ballet) werden industrielle Aktivitäten hellenistisch-römischer Zeit untersucht.
|
 |
Forschungsgeschichte
| |
|
|
| |
Abb. 4: Ptolemäische Doppelbrunnenanlage im Tempel von Buto nach der englischen Ausgrabung.
|
|
Erste archäologische Ausgrabungen fanden 1904 durch C.T. Curelly im Auftrag der Egypt Exploration Society statt, der Siedlungshügel gewann dann jedoch erst 60 Jahre später erneute Aufmerksamkeit mit der Fortsetzung der englischen Grabungen 1965-67 durch V. Seton-Williams und D. Charlesworth. Die Arbeiten legten vornehmlich ptolemäisch-römische Baureste im Tempelareal (Abb. 4) und im Nordwesten Butos (Töpferöfen und ein Badehaus) frei, erreichten dabei aber gelegentlich auch spätdynastische Schichtungen. Als älteste Siedlungsreste wurden Mauern der 3. Zwischenzeit in einer Tiefsondage auf dem Südkôm festgestellt. Gelegentlich zutage gekommene Einzelfunde ließen zwar die Existenz einer frühzeitlichen Siedlung vermuten - falls es eine solche gegeben haben sollte, musste diese jedoch vollständig unter der mehrere Meter mächtigen späteren Bebauung begraben liegen, da sich an der Oberfläche im gesamten Siedlungsareal sonst keinerlei Hinweise dafür fanden.
Die Ausgrabungen im Tempelbereich wurden in den 1980er Jahren (bis heute) von den Universitäten Alexandria und Tanta bzw. der ägyptischen Antikenbehörde fortgesetzt und erbrachten auch aus dem Neuen Reich stammende Bauteile und Statuen, u.a. auch eine Stele mit einem Stiftungsdekret Thutmosis' III.
|
 |
Bisherige Arbeiten
| |
|
|
| |
Abb. 5: Der Einsatz von Pumpen erlaubt nur relativ kleine Grabungsflächen - Grabung von Th. von der Way in den 1980er Jahren. |
|
Die unter Leitung von Th. von der Way durchgeführten Untersuchungen des DAIK begannen 1983/1984 in Zusammenarbeit mit der Universität Marburg mit einem großräumigen, archäologisch-geologischen Survey auf dem Siedlungshügel und in seiner (auch weiteren) Umgebung. Durch Bohrungen konnten dabei erstmals frühe Siedlungsschichten in Buto lokalisiert und nachfolgend (ab 1985) unter erheblichen technischen Schwierigkeiten (s. Methoden) archäologisch untersucht werden (Abb. 5). Neben den vorgeschichtlichen Siedlungsresten ist vor allem die Auffindung eines größeren frühdynastischen Gebäudekomplexes aus dem frühen 3. Jahrtausend zu erwähnen, der die aus schriftlichen Quellen bekannte Bedeutung Butos in dieser Zeit zu bestätigen scheint. Die Arbeiten wurden 1993 bis 1998 von D. Faltings (eine Kampagne in Zusammenarbeit mit M. Ziermann) fortgesetzt und erbrachten zahlreiche weitere Informationen, vor allem zur frühesten Besiedlung.
Obwohl damit ein wesentlicher Schritt zur Erforschung Butos getan war, blieb offensichtlich, dass die in ihrer Größe begrenzten Grabungsflächen im Vergleich zur Ausdehnung des gesamten Siedlungshügels lediglich winzige Fenster sind, die den Blick auf nur kleine Ausschnitte des historischen Geschehens erlauben. 1999 wurde daher neben der Fortsetzung der Grabungsarbeiten mit einem Survey begonnen, der Magnetometermessungen und Bohrungen im Gelände (s. Methoden) verbindet, um Fragen der allgemeinen Besiedlungsgeschichte des Ortes zu erkunden.
|
 |
Aktuelle Arbeiten
| |
|
|
| |
Abb. 6: Usurpierter Granitsarkophag des Paraemhab |
|
Neben den Prospektionsarbeiten (s. Ergebnisse) konzentrieren sich die aktuellen Ausgrabungen auf zwei Bereiche der Siedlung (Abb. 2): Nördlich des Dorfes Sechmawy werden die Untersuchungen des frühdynastischen Gebäudekomplexes fortgesetzt und im äußersten Nordwesten Butos sollen, seit 2006 mit Unterstützung der DFG, ungewöhnliche, bei den Magnetometermessungen sichtbar gewordene Baustrukturen geklärt werden (s. Ergebnisse).
Bei den jüngsten Arbeiten im Herbst 2006 und Frühjahr 2007 kamen in letzterem Bereich zwei spätzeitliche Elitegräber zutage (Abb. 6) - bei einem könnte es sich möglicherweise um die Bestattung eines Provinzfürsten der 3. Zwischenzeit (Iupet II.) handeln.
Für weitere Einzelheiten siehe die Rundbriefe (2007) der Abteilung.
|
 |
Methoden
| |
|
|
| |
Abb. 7: Handbohrgerät zur Bodenerkundung. |
|
| |
|
|
| |
Abb. 8: Magnetometermessung durch Thomasz Herbich. |
|
Die Erkundung des frühen Buto wird nicht nur durch die überlagernden, mehrere Meter mächtigen Baureste späterer Zeit erschwert, sondern auch dadurch, dass die Siedlungsschichten des 4. Jahrtausends unter dem heutigen Grundwasserspiegel liegen und nur mit Hilfe eines aufwendigen Einsatzes von Pumpen zu erreichen sind (Abb. 5). Technische Gegebenheiten, z.B. die Leistungsfähigkeit der Pumpen, begrenzen dabei die Möglichkeiten der Ausgrabungen beträchtlich und erlauben meist nur recht kleinflächiges Arbeiten.
Bei der Größe des Siedlungshügels spielen daher für die Erforschung der Siedlungsgeschichte andere Arbeitsmethoden eine besondere Rolle. Bewährt hat sich die Kombination von Bohrungen und Magnetometermessungen. Mit ersterer Methode lassen sich mit Hilfe eines einfachen Handgeräts (Abb. 7) in relativ kurzer Zeit Mächtigkeit und Ausdehnung von Siedlungsschichten bis tief unter die heutige Oberfläche erkunden. Das im Bohrkopf zutage geförderte Material erlaubt nicht nur Angaben zur Art der durchbohrten Schichten (z.B. Lehmziegelmauern, Brandhorizonte, Scherbenpackungen, Nilsedimente usw.), sondern enthält auch genügend Keramikfragmente, die eine zumindest grobe Datierung der jeweiligen Schicht erlauben. Der Bohrkopf wird jeweils nach ca. 20cm Vortrieb gefüllt entnommen und aus der Abfolge der gemachten Beobachtungen ergibt sich ein Profil der Siedlungsschichten bis zum gewachsenen Boden. Die Tiefe der Bohrungen schwankt entsprechend des Reliefs der Oberfläche und des natürlichen Untergrundes - die bisher tiefste Bohrung erreichte fast 14m. Durch die systematische Anlage der Bohrungen in einem 40 x 80m messenden Gitternetz lassen sich ihre jeweiligen Ergebnisse gut miteinander vergleichen und daraus die Ausbreitung der Siedlung für verschiedene Zeiten rekonstruieren (siehe z.B. Abb. 10).
Magnetometermessungen ergeben dagegen einen erstaunlich detaillierten Plan der oberflächennahen (aber oberflächlich nicht sichtbaren) Baustrukturen und anderen Befunden bis in eine Tiefe von etwa 1,50m. Bei den Messungen werden jeweils 20 x 20m großen Flächen in parallelen Bahnen mit dem Magnetometer abgeschritten (Abb. 8) und in einem engen Raster die durch verschiedene Materialien im Untergrund erzeugten Veränderungen des Magnetfeldes gemessen. Eine spezielle Software setzt die Messergebnisse in eine Karte um. Besonders deutlich zeichnen sich gebrannte Strukturen oder Objekte ab, wie z.B. Öfen, Asche-, Schlacke- oder Scherbenkonzentrationen, aber auch Lehmziegelmauern lassen sich deutlich erkennen. Die Messungen in Buto werden von T. Herbich (Polnische Akademie der Wissenschaften/Polish Centre of Mediterranean Archaeology Cairo) durchgeführt.
Mit der Kombination beider Methoden wird der "Stadtplan" des jüngsten Besiedlungshorizontes um Informationen zu darunter liegenden, älteren Siedlungsschichten ergänzt, d.h. man gewinnt ein dreidimensionales Bild der Entwicklung des Siedlungshügels das nicht nur seine allgemeine Geschichte illustriert, sondern auch bei der Wahl geeigneter Grabungsplätze von großer Hilfe ist.
|
 |
Ergebnisse
| |
|
|
| |
Abb. 9: Magnetometerkarte der bis 2006 untersuchten Fläche (erstellt von T. Herbich). |
|
| |
|
|
| |
Abb. 10: Lage und Ausbreitung der Siedlung in der 1. Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr. |
|
| |
|
|
| |
Abb. 11: Gefäße aus der prädynastischen Siedlung von Buto |
|
| |
|
|
| |
Abb. 12: Grabungsflächen nördlich von Sechmawy. Im Vordergrund das Fundament eines saitischen Gebäudes, im Hintergrund die nur noch wenige Ziegellagen hoch erhaltenen frühdynastischen Mauern. |
|
| |
|
|
| |
Abb. 13: Schematischer Plan des frühdynastischen Gebäudekomplexes. |
|
| |
|
|
| |
Abb. 14: Ausschnitt aus der Magnetometerkarte (siehe Abb. 9) mit markierten Grabungsflächen. |
|
| |
|
|
| |
Abb. 15: Kammerartiges Fundament eines saitischen Gebäudes. |
|
Prospektionsarbeiten
Das bisher mit Magnetometermessungen und Bohrungen erkundete Gebiet deckt etwa die Hälfte der Fläche des Siedlungshügels ab, in der solche Untersuchungen überhaupt möglich sind, denn in einigen Bereichen verhindern zu steil oder zu hoch anstehende Ruinenberge die Messungen. Mit einigen Bohrungen in den umliegenden Feldern wurde begonnen, Informationen zur umgebenden Altlandschaft zu sammeln und möglicherweise heute nicht mehr sichtbare, unter Nilsedimenten begrabene ehemalige Teile der Siedlung aufzufinden.
Die Magnetometerkarte vermittelt ein eindrucksvolles Bild von den erhaltenen Überresten der jüngeren Besiedlungsgeschichte des Ortes (Abb. 9). Im Westen zeigt sich z.B. eine dichte Bebauung mit kammerartig fundamentierten Häusern entlang einer Nord-Süd verlaufenden Hauptstraße, im Süden ein von einer mächtigen Umfassungsmauer umschlossenes Gebiet mit Innenbebauung. Vor allem im nördlichen Bereich, aber auch in anderen Gegenden Butos, markieren dunkle, von hellen Ringen umgebene Punkte Öfen, die häufig in Gruppen zusammenliegen (Abb. 20). Andere Bereiche zeigen ein weniger deutliches Bild, hier verwischen überlagernde Schlacke- oder Scherbenanhäufungen, z.T. wohl auch Gräber mit Keramiksarkophagen, die Strukturen.
Mit den Ergebnissen der bisher durchgeführten Bohrungen kann die allgemeine Siedlungsentwicklung bereits in groben Zügen umrissen werden: Die ersten Siedler in der ersten Hälfte des 4. Jahrtausends nutzten einen 200-300m breiten Geländestreifen am Ufer eines Wasserlaufs am westlichen Rand einer größeren Düne (Abb. 10), die sich über das Niveau der jährlichen Nilüberschwemmungen erhob und damit genügend Schutz für ein dauerhaftes Bleiben bot. Im Laufe der Zeit breitete sich die Siedlung beträchtlich nach Norden und Süden aus und erstreckte sich in den ersten Jahrhunderten des 3. Jahrtausends schließlich über fast 1km Länge. In der Folgezeit, im Laufe des Alten Reichs, scheint der Platz mehr und mehr verlassen worden zu sein. Weder bei Bohrungen (einschließlich der früher von Th. von der Way durchgeführten), noch bei Grabungen fanden sich bisher Siedlungsschichten des Mittleren und Neuen Reichs. Dieser Befund steht in gewissem Widerspruch zu den Funden im Tempelbereich (s. Forschungsgeschichte), allerdings könnten diese, wie damals in Ägypten durchaus üblich, zur spätzeitlichen Ausstattung des Tempels auch aus anderen Orten herbeigeschafft worden sein - oder aber, die Siedlung des Neuen Reichs liegt außerhalb des heute sichtbaren Ruinenhügels noch verborgen unter den umgebenden Feldern. Wie dem auch sei, eine umfangreiche Besiedlung des Platzes setzt erst im späten 8. Jahrhundert v. Chr. in der 3. Zwischenzeit wieder ein. Das Zentrum der neuen Stadt lag aber jetzt weiter im Osten, mehr in der Mitte des heutigen Tells auf durch die Nilsedimentation mittlerweile deutlich erhöhtem Niveau. In der 26. Dynastie (7./6. Jahrhundert) vergrößerte sich die besiedelte Fläche beträchtlich und große Bereiche der Stadt werden in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts umgestaltet. Einen Eindruck von dieser dichten Neubebauung vermittelt die Magnetometerkarte für den westlichen Siedlungsbereich. Diese Blüte Butos scheint allerdings nicht von langer Dauer gewesen zu sein, denn bereits in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts werden größere Teile der Stadt wieder aufgegeben. In ptolemäisch-römischer Zeit nahm die Stadt nicht nur den ganzen heutigen Siedlungshügel ein, sondern vermutlich auch noch eine beträchtliche Fläche unter den heutigen Feldern der Umgebung. Als wesentliche Veränderungen im Stadtbild zeichnen sich u.a. auf der Magnetometerkarte das von einer mächtigen Umfassungsmauer umgebene Areal im Südwesten des Siedlungshügels oder die zahlreichen, wohl meist zur industriellen Töpfereiproduktion genutzten Öfen ab. Der nordwestliche Bereich Butos diente in dieser Zeit als Friedhof.
Ausgrabungsarbeiten
Mit dem erstmaligen Nachweis der Existenz einer vorgeschichtlichen, unterägyptischen Kultur im eigentlichen Nildelta tief unter den spätzeitlichen Bauresten wurde Buto zum zweiten namengebenden Fundort der chalkolithischen Buto-Maadi-Kultur der ersten Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr., die bis dahin nur aus Fundorten südlich des Deltas bekannt war. Mittlerweile kamen entsprechende Siedlungen auch in anderen Teilen des Deltas zutage. Nach den Befunden von Th. von der Way und D. Faltings bestand die Siedlung aus einfachen Hütten mit Flechtwerkwänden. Die materielle Kultur ist der von Maadi sehr ähnlich (Abb. 11), ökonomische Grundlage war die Landwirtschaft. Anders als in Maadi wurde die Siedlung nicht gegen Mitte des 4. Jahrtausends aufgegeben, sondern bestand kontinuierlich bis ins 3. Jahrtausend. Dadurch war es möglich, in der materiellen Kultur die allmähliche Zunahme des oberägyptischen Einflusses bis hin zu ihrer völligen Vereinheitlichung in spätprädynastischer Zeit zu verfolgen und damit Informationen zum Entstehungsprozeß des gesamtägyptischen Staates zu gewinnen.
Für die frühdynastische Zeit erbrachten die aktuellen Arbeiten nördlich des Dorfes Sechmawy (Abb. 2, Abb. 12) durch eine wesentliche Vergrößerung der alten Grabungsflächen einen beträchtlichen Informationszuwachs zur Gestalt des Gebäudekomplexes aus der 1. und 2. Dynastie. Durch die Aufdeckung eines Eingangsbereichs und eines Magazintraktes wird seine Unterteilung in mindestens drei, durch dickere Mauern umschlossene funktionale Bereiche deutlich (Abb. 13). Damit gewinnt der Komplex einen durchaus palastartigen Charakter. Die kleinräumige, verschachtelte Innengestaltung, nach der Th. von der Way einen von ihm freigelegten Bereich "Labyrinthgebäude" genannt hatte, scheint auch für andere Gebäudeteile typisch zu sein. Ob das Gebäude mit dem auf Anhängetäfelchen und Siegelabrollungen aus den Königsgräbern in Abydos und Saqqara genannten "Palast des harpunierenden Horus", einer in Buto lokalisierten königlichen Wirtschaftseinrichtung und wohl auch temporären Residenz, identisch ist, kann nur vermutet, aber bisher noch nicht durch entsprechende Funde belegt werden. Der Komplex scheint in der frühen 1. Dynastie (um 2970 v.Chr.) errichtet und in der Mitte der 2. Dynastie (um 2800 v. Chr.) zumindest teilweise aufgegeben worden zu sein, nachdem ein Brand die Magazine und vielleicht auch andere Gebäudeteile vernichtet hatte.
Für weitere Einzelheiten siehe die Rundbriefe (2005, 2006) der Abteilung.
Durch die Vergrößerung der Grabungsfläche konnten auch die den frühdynastischen Gebäudekomplex überlagernden Schichten und Baureste näher untersucht werden. Die Grabungen bestätigten dabei die durch die Bohrungen festgestellte Siedlungsabfolge. Die frühdynastischen Ruinen werden unmittelbar von Schichten des späten 8. Jahrhunderts v. Chr. überlagert. Die nach mehr als 2000 Jahren bereits beträchtlich erodierten frühdynastischen Baureste wurden als Müllhalde und zur Lehmgewinnung für die Ziegelherstellung genutzt. Das eigentliche Siedlungszentrum dieser Zeit lag weiter im Osten. Im ausgegrabenen Bereich sind für diese Schichten zudem große Aschemengen und zahlreiche kleine, vermutlich zum Brotbacken verwendete Öfen kennzeichnend.
Von der nachfolgenden frühsaitischen Bebauung sind im Grabungsareal nur spärliche Reste erhalten, sie fiel weitgehend den umfangreichen Baumaßnahmen in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts zum Opfer. Drei in dieser Zeit neu errichtete, auch auf der Magnetometerkarte sichtbare Gebäude (Abb. 14) konnten in der Grabungsfläche exemplarisch untersucht werden. Da in allen Fällen nur die Fundamente erhalten waren, läßt sich jedoch zu ihrer Architektur und Funktion nur wenig sagen. Das größte der Gebäude mißt etwa 22,5 x 22,5m (Abb. 15) und besaß ein über 3m tiefes Fundament, d.h. es dürfte bestimmt mehrstöckig gewesen sein. Die Fundamentkammern wurden offensichtlich auch als Keller genutzt - in einigen fanden sich eingebaute Rundspeicher. Die Gebäude scheinen jedoch nicht allzu lange in Gebrauch gewesen zu sein, denn bereits in der zweiten Hälfte des 6. Jh. wurden einige der Kammern zu Gräbern umfunktioniert (Abb. 16). Die weltoffene Politik der saitischen Herrscher spiegelt sich auch in Buto im Fundmaterial wieder. Vor allem für die Schichten des 6. Jh. ist ein merklicher Anstieg der Menge importierter Keramik festzustellen - in dieser Zeit scheint auch Buto in enger Verbindung mit dem östlichen Mittelmeerraum gestanden zu haben und Wein- und Öllieferungen von der Levanteküste, aus Zypern, Kleinasien und von den griechischen Inseln erreichten die Stadt.
Die Grabungen im Nordwesten des Siedlungshügels (Abb. 2) wurden 2005 begonnen, um ungewöhnliche Ergebnisse der Bohrungen und der Magnetometermessungen archäologisch zu untersuchen. Sie werden seit 2006 von der DFG unterstützt. Bei Bohrungen waren hier bis fast zur heutigen Oberfläche ansteigende Schichten des Alten Reichs und der Frühzeit festgestellt worden, und auf der Magnetometerkarte zeichneten sich große rechteckige Lehmziegelstrukturen ohne die sonst zu beobachtende kammerartige Unterteilung der Innenfläche ab (Abb. 9).
Die bisherigen Grabungen (Abb. 17) zeigten, dass es sich zumindest bei drei der Strukturen um Rahmenmauern handelt, die eine Sandfüllung umschlossen. Die Bauten stammen wahrscheinlich aus der 26. Dynastie. Ihre Funktion ist bislang noch nicht geklärt, allerdings verweisen verschiedene Funde auf die besondere Bedeutung dieses Platzes. Neben einem kleinen beschrifteten Würfelhocker, der von einem Vorsteher des Per-nu (dem sog. unterägyptischen Heiligtum) gestiftet worden war (Abb. 18), fanden sich Bronzeteile, die zu hölzernen, teilweise fast lebensgroßen Osiris-Statuen gehört haben dürften, z.B. Götterbärte und Teile von Federkronen.
Die großen Anlagen überlagern kleinere Lehmziegelbauten aus der 3. Zwischenzeit (2. Hälfte 8. Jh. v. Chr.), von denen sich bei den jüngsten Arbeiten im Frühjahr 2007 eine als Grabanlage erwies, die eine ungestörte Elite-, möglicherweise sogar Fürstenbestattung in einem usurpierten Granitsarkophag enthielt (Abb. 6). Eine weitere reiche Bestattung in einem Kalksteinsarkophag, die 2006 zutage gekommen war, könnte zur gleichen Grabanlage gehört haben. Vor einer abschließenden Beurteilung des Befundes ist jedoch der Fortgang der Grabungsarbeiten abzuwarten, die wegen eindringendem Grundwasser zunächst unterbrochen werden mußten.
Die spätzeitlichen Anlagen scheinen in diesem Bereich von Buto in Baureste des hohen Alten Reichs eingetieft zu sein, die in den kommenden Kampagnen näher untersucht werden sollen. Zahlreiche Keramik verweist zudem bereits auf unterliegende frühzeitliche Schichten und bestätigt damit die Ergebnisse der Bohrungen.
Für weitere Einzelheiten siehe die Rundbriefe (2006, 2007) der Abteilung.
An verschiedenen Grabungsplätzen wurden zudem zahlreiche Gräber aus ptolemäisch-römischer Zeit freigelegt, denn das ganze Gebiet vom Dorf Sechmawy bis zur Nordgrenze des Kôms (siehe Abb. 1) wird von einem ausgedehnten Friedhof dieser Zeit eingenommen. Neben einfachen Erdbestattungen finden sich solche in Keramiksarkophagen (Abb. 19) oder auch in einem oder zwei zusammengeschobenen, größeren Vorratsgefäßen. Die übergroße Mehrzahl der Bestattungen ist beigabenlos - daher sind die meisten Gräber kaum genauer zu datieren. Die Belegung des Friedhofs scheint von der späten ptolemäischen Zeit bis ins 3./4. nachchristliche Jahrhundert zu reichen.
Industrielle Aktivitäten hellenistisch-römischer Zeit werden unter Leitung von P. Ballet in einem in Kooperation mit dem DAIK und dem IFAO (Institut français d'archéologie orientale) durchgeführten und vom französischen Außenministerium geförderten Projekt der Universität Poitiers untersucht. Für diese Fragestellung erwiesen sich die Magnetometermessungen als besonders hilfreich und trugen wesentlich zur Effizienz der Arbeiten bei. Anhand der Magnetometerkarte (Abb. 20) konnten nicht nur zahlreiche Öfen lokalisiert und entsprechende Grabungsplätze ausgewählt werden, die Karte gibt zudem einen Überblick über die Zahl und Anordnung der Öfen insgesamt, über benachbarte Baustrukturen und andere Details, die durch Ausgrabungen alleine nicht, oder zumindest nicht in so kurzer Zeit, zu klären gewesen wären. Die Arbeiten beleuchten einen besonderen Aspekt Butos, nämlich den eines innovativen Zentrums der Keramikproduktion in frührömischer Zeit (Abb. 21), wo erstmals in Ägypten mit einer auch in Italien und Gallien bekannten Ofentechnologie dünnwandige, rotengobierte Feinware hergestellt wurde (Abb. 22), die der sigillata im westlichen Mittelmeerraum ähnelt. Andere Öfen wurden zur Herstellung von Haushaltsware im 3.- 4. Jh. n. Chr. benutzt.
|
 |
Kooperationen
| |
|
|
| |
Abb. 16: Fayenceamulette aus einer Bestattung der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts. |
|
In Kooperation mit dem DAI führt P. Ballet (Universität Poitiers) mit Unterstützung des französischen Außenministeriums und des IFAO (Institute Français d'Archéologie Orientale) ein Projekt zu industriellen Aktivitäten hellenistisch-römischer Zeit durch.
|
 |
Ansprechpartner
Dr. phil. Ulrich Hartung
Vor- und Frühgeschichte
Telefon: +20-(0)2-2735-1460, -2735-2321
Telefax: +20-(0)2-2737-0770
Email: hartung@kairo.dainst.org
|
 |
Literatur
| |
|
|
| |
Abb. 17: Grabungsflächen im Nordwesten Butos |
|
| |
|
|
| |
Abb. 18: Kleiner Würfelhocker aus Diorit mit einer Weihinschrift für Osiris |
|
| |
|
|
| |
Abb. 19: Spätptolemäisch-frührömische Bestattungen des 1. Jh. v. Chr. |
|
| |
|
|
| |
Abb. 20: Ausschnitt des nördlichen Teils der Magnetometerkarte (siehe Abb. 9); die größeren dunklen Punkte markieren Öfen. |
|
| |
|
|
| |
Abb. 21: Frührömische Töpferöfen am Nordhang des nördlichen Siedlungshügels. |
|
| |
|
|
| |
Abb. 22: In Buto hergestellte Feinware des 1. Jh. v. Chr. (Foto P. Ballet). |
|
Altgrabungen und Allgemeines:
- W.M.F. Petrie, Ehnasya 1904. EEF 26. London 1905.
- M.V. Seton-Williams, The Tell el-Farâ´în Expedition, 1964-1965, in: Journal of Egyptian Archaeology 51, 1965, S. 9-15.
- Dies., The Tell el-Farâ´în Expedition, 1966, in: Journal of Egyptian Archaeology 52, 1966, S. 163-171.
- Dies., The Tell el-Farâ´în Expedition, 1967, in: Journal of Egyptian Archaeology 53, 1967, S. 146-155.
- D. Charlesworth, Tell el-Farâ'în: The Industrial Site, 1968, in: Journal of Egyptian Archaeology 55, 1969, S. 23-30.
- Dies., The Tell el-Farâ'în Excavation, 1969, in: Journal of Egyptian Archaeolgy 56, 1970, S. 19-28.
- D.B. Redford, Notes on the History of Ancient Buto, in: Bulletin of the Egyptological Seminar 5,1983, S. 67-101.
- Sh. Bedier, Ein Stiftungsdekret Thutmosis' III. aus Buto, in: M. Minas/J. Zeidler (Hrsg.), Aspekte spätägyptischer Kultur (Festschrift E. Winter), Aegyptiaca Treverensia 7, Mainz 1994, S. 35-50.
Vorberichte in Publikationen der Abteilung Kairo:
- Th. von der Way/K. Schmidt, Tell el Fara´in - Buto, 1. Bericht, in: MDAIK 42, 1986, S. 191-212.
- Dies., Tell el Fara´in - Buto, 2. Bericht, in: MDAIK 43, 1987, S. 241-257.
- Dies., Tell el Fara´in - Buto, 3. Bericht, in: MDAIK 44, 1988, S. 283-306.
- Th. von der Way/K.Schmidt/E.C. Köhler, Tell el Fara´in - Buto, 4. Bericht, in: MDAIK 45, 1989, S. 275-307.
- D. Faltings/E.C. Köhler E.C., Vorbericht über die Ausgrabungen des DAI in Tell el-Fara´in/Buto 1993 bis 1995, in: MDAIK 52, 1996; S. 87-114.
- D. Faltings u.a., Zweiter Vorbericht über die Arbeiten in Buto von 1996-1999, in: MDAIK 56, 2000, S. 31-179.
- M. Ziermann, Tell el-Fara´in - Buto. Bericht über die Arbeiten am Gebäudekomplex der Schicht V und die Vorarbeiten auf dem Nordhügel (site A), in: MDAIK 58, 2002, S. 461- 499.
- U. Hartung u.a., Tell el-Fara´in - Buto, 8. Vorbericht, in: MDAIK 59, 2003, S. 199-267.
- U. Hartung u.a., Tell el-Fara´in - Buto, 9. Vorbericht, in: MDAIK 63, 2007.
Monographien und weitere Einzeluntersuchungen:
- J. Wunderlich, Untersuchungen zur Entwicklung des Westlichen Nildeltas im Holozän, Marburger Geographische Schriften 114, Marburg 1989.
- Th. von der Way, Untersuchungen zur Spätvor- und Frühgeschichte Unterägyptens, SAGA 8, Heidelberg 1993.
- Ders., Tell el-Fara´in-Buto I, Ergebnisse zum frühen Kontext, Kampagnen der Jahre 1983-1989, AVDAIK 83, Mainz 1997.
- Ders., Zur Datierung des "Labyrinth-Gebäudes" auf dem Tell el-Fara´in (Buto), in: Göttinger Miszellen 157, 1997, S. 107-111.
- E.C. Köhler, Tell el-Fara´in-Buto III, Die Keramik von der späten Naqada-Kultur bis zum frühen Alten Reich (Schichten III bis VI), AVDAIK 94, Mainz 1998.
- D. Faltings, Ergebnisse der neuen Ausgrabungen in Buto, Chronologie und Fernbeziehungen der Buto-Maadi-Kultur neu überdacht, in: H. Guksch/D. Polz (Hrsg.), Stationen - Beiträge zur Kulturgeschichte Ägyptens (Festschrift R. Stadelmann), Mainz 1998, S. 35-45.
- Dies., Canaanites at Buto in the early fourth millennium BC, in: Egyptian Archaeology 13, 1998, S. 29-32.
- Dies., The Chronological Frame and Social Structure of Buto in the Fourth Millennium BCE, in: E.C.M. van den Brink/T.E. Levy (eds.), Egypt and the Levant. Interrelations from the 4th through the Early 3rd Millennium B.C.E., London/New York 2002, S. 165-170.
- H. Wilde/K. Behnert, Salzherstellung im vor- und frühdynastischen Ägypten? Überlegungen zur Funktion der sogenannten Grubenkopfnägel in Buto, MDAIK 58, 2002, S. 447-460.
- U. Hartung, Bouto, fouille d'habitat dans le Delta du Nil, in: Archéo-Nil 13, 2003, S. 73-76.
- T. Herbich/U. Hartung, Geophysical investigations at Buto (Tell el-Fara´in), in: Egyptian Archaeology 24, 2004, S. 14-17.
- P. Ballet, The Graeco-Roman pottery workshops of Buto, in: Egyptian Archaeology 24, 2004, S. 18-19.
- F. Förster, Eine saitische Votivstele aus dem Tempelbezirk von Buto/Tell el-Fara´in, in: MDAIK 60, 2004, S. 47-56.
|
|