Aktuelle Arbeiten
Geschichte der Erforschung Die ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen auf dem Gelände des Kerameikos wurden bereits 1863 von der Griechischen Archäologischen Gesellschaft begonnen; allein dieser Tatsache ist es zu verdanken, daß die dort freigelegten antiken Denkmäler für die Wissenschaft und für die Besucher gerettet worden sind. 1913 wurde das Gebiet zur weiteren Erforschung der Abteilung Athen des Deutschen Archäologischen Instituts übertragen. In dem durch Grundstücksankäufe nach und nach auf 38 500 qm angewachsenen Gelände werden seither systematische Ausgrabungen durchgeführt. Die Abteilung ist auch für die Restaurierung der Denkmäler und die Pflege des Geländes verantwortlich.
Beschreibung Im Kerameikos (hier Plan) ist ein Abschnitt der antiken Stadtmauern aus dem frühen 5. Jh.v.Chr. mit zwei Toren erhalten: durch das schmalere Heilige Tor führt die Prozessionsstraße zum 20 km entfernten Demeter-Heiligtun von Eleusis; vom breiteren Dipylon-Tor aus erreichte man auf einer besonders breiten Promenade, die auch für kultische Wettläufe benutzt wurde, das Akademie-Gymnasium, bei dem der Philosoph Platon eine danach benannte Schule eingerichtet hatte. An dieser Straße lagen die auf Kosten des attischen Staates errichteten Gräber gefallenen Bürger und prominenter Politiker.
Zwischen den Toren befindet sich das Pompeion, ein säulenumstandener Hof mit Speiseräumen, von dem die festlichen Prozessionen (Pompai) anläßlich der Feier der Panathenäen zur Akropolis ihren Ausgang nahmen. An der Straße nach Eleusis und an einer davon abzweigenden Nebenstraße liegen zu beiden Seiten die Gräber, die auf ihren hohen Unterbauten reichen Skulpturenschmuck tragen. Viele dieser Denkmäler sind gefunden worden, einige stehen noch immer seit der Antike in situ aufrecht, die meisten mußten wegen der Luftverschmutzung ins Museum überführt und durch Zementabgüsse ersetzt werden.
Im Jahre 2000 wurde als eines der letzten Denkmäler das bekannte Wahrzeichen des Kerameikos, der kolossale Stier über dem Grab des Dionysios von Kollytos, ins Museum gebracht (hier Abb.). An seiner Stelle wurde eine Kopie aufgestellt. Unter diesen Gräbern und den anderen Bauten des Kerameikos haben sich viele ältere Grabanlagen nachweisen lassen, die bis in das Ende des 3. Jahrtausends zurückreichen.
Kerameikos als Biotop Besonders prägend für das Aussehen des Kerameikos ist die Tatsache, daß er von dem Bach Eridanos durchzogen wird. Dieser Bach entspringt an den Hängen des Lykabettos, durchfließt unterirdisch in einem antiken Kanal das Stadtzentrum und verläßt durch das Heilige Tor, parallel zur Heiligen Straße, oberirdisch das Stadtgebiet. Das Wasser des Eridanos verwandelt den Kerameikos in eine grüne Oase mit einem artenreichen Tier- und Pflanzenleben.
Bedrohung durch U-Bahn-Bau abgewendet Durch den Ausbau des athenischen U-Bahn-Netzes ist der Kerameikos in den letzten Jahren in den Blick der Weltöffentlichkeit geraten: Es war nämlich ursprünglich vorgesehen, eine Trasse der Athener Metro unter dem Gelände des Kerameikos zu verlegen, und zwar genau durch das Tal des Eridanos. Die Denkmäler und die Natur des Kerameikos waren durch diese Baumaßnahmen in höchstem Maße gefährdet worden. Auf Grund konzentrierter Proteste der Archäologen, der griechischen und internationalen Medien und schließlich auch einzelner europäischer Politiker konnte erreicht werden, daß dieser Plan ganz aufgegeben worden ist. Seitdem wird der Kerameikos auch von Schulklassen und Gruppen zunehmend häufiger besucht.
Programm der Verbindung archäologischer Stätten in Athen Der alte Plan, unter den verschiedenen Ausgrabungsgebieten in der Stadt Athen (Olympieion, Akropolis, Agora, Kerameikos, Akademie) eine bessere Verbindung herzustellen (sog. Enopiisi-Projekt), hat in den letzten Jahren dank finanzieller Unterstützung durch die EU greifbare Formen angenommen. Davon wird auch das Kerameikosgelände mit seinen gegenwärtigen Einrichtungen (Museum, Magazine) betroffen sein. Die Federführung für dieses Projekt liegt bei einem eigenständigen Gremium, das dem griechischen Kulturministerium unterstellt ist.
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