Ergebnisse
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Am Beginn der systematischen Erforschung von Tiryns standen die Ausgrabungen von H. Schliemann und dem Architekten des Deutschen Archäologischen Institutes in Athen W. Dörpfeld in den Jahren 1884-1885. In dieser Zeit konnte auf der Oberburg bereits der Hauptteil des um 1200 v. Chr. wahrscheinlich durch ein Erdbeben zerstörten letzten mykenischen Palastes mit einem Großen und einem Kleinen Megaron als Sitz der politischen Gewalt freigelegt werden. Diese und die späteren Ausgrabungen zwischen 1905 und 1929 unter der Leitung von W. Dörpfeld, K. Müller und G. Karo begründeten den Ruf von Tiryns als einem der Hauptorte der mykenischen Welt. Nach langer Unterbrechung wurden 1967 seitens des Deutschen Archäologischen Institutes die Forschungen in Tiryns wieder aufgenommen. Während sich die Aktivitäten der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg auf die Oberburg konzentriert hatten, konnte die Bedeutung der Unterburg in mykenischer Zeit erst durch die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Ausgrabungen unter der Leitung von K. Kilian zwischen 1976 und 1983 aufgeklärt werden. Es stellte sich heraus, daß dieser bisweilen als eine Art Fluchtburg interpretierte Bereich des Burgfelsens sowohl in der palatialen als auch in der nachpalatialen Zeit (SH IIIC; ca. 1200-1050 v. Chr.) eine dichte Bebauung trug und in übergeordnete architektonische Konzepte eingebunden war.
Oberburg: In den Jahren 1984 und 1985 zeigten Ausgrabungen von Kilian auf der Oberburg, daß das für den Palast des 13. Jhs. v. Chr. kennzeichnende Nebeneinander von Megaronbauten unterschiedlicher Größe bereits einem Vorgängerpalast aus dem 14. Jh. v. Chr. eigen war. Im Jahre 1998 konnten im Rahmen eines Programmes zur Konservierung der Böden und Mauern des Großen Megarons neue Aufschlüsse zur Baugeschichte im zentralen Teil des Palastes gewonnen werden. Ein in seiner chronologischen Stellung bislang umstrittener, in den Ruinen des Großen Megarons errichteter schmaler Antenbau im Großen Megaron erwies sich angesichts von C14-Datierungen an Holzkohleproben aus neu entdeckten Pfostenlöchern nicht als eisenzeitlicher Tempel, sondern als das letzte, in SH IIIC erbaute mykenische Megaron der Oberburg. Ferner fanden sich Mauerzüge eines bisher unbekannten frühmykenischen Gebäudes, das der Erbauung der ersten Megaronbauten im 14. Jh. v. Chr. unmittelbar vorausgegangen und vermutlich auf zwei Terrassen angeordnet war. Vor Erbauung des ersten Megarons wurde der Bauplatz eingeebnet und dabei die auf der höheren Terrasse gelegenen frühmykenischen Gebäudereste abgetragen.
Stadt-Nordost: Die Ausgrabung der Jahre 1999 und 2000 im Nordosten des Stadtgebiets erbrachte neue Erkenntnisse über die sich wandelnde Gestalt eines Ausschnittes der Außensiedlung von der letzten Blüte mykenischer Kultur bis in die römische Zeit. Nachgewiesen wurde eine Sequenz von fünf Siedlungsphasen der nachpalatialen mykenischen Zeit. Die älteste dieser Siedlungsphasen wurde im frühen 12. Jh. v. Chr. (SH IIIC Früh) auf Flußsedimenten gegründet, und die jüngste datiert in SH IIIC Fortgeschritten. Spätestens in der zweiten Siedlungsphase tritt ein Bebauungsschema in Erscheinung, bei dem Häuser um einen Hof herum angeordnet wurden und das in den Grundzügen bis in die letzte festgestellte Siedlungsphase erhalten blieb. Nicht nur in der Anordnung und Ausrichtung der Bebauung, sondern auch in der Gründung der Häuser des frühen 12. Jhs. v. Chr. auf Flußablagerungen ähneln die Befundverhältnisse jenen, die Kilian Mitte der siebziger Jahre bei seinen Ausgrabungen in dem rund 130 m entfernten Grabungsareal von Tiryns-Stadt-Nordwest beobachtet hatte. Ein Gebäude der zweiten Siedlungsphase der Nachpalastzeit in Tiryns-Stadt-Nordost hebt sich allerdings durch Merkmale wie die Unterteilung mittels paralleler Stützenreihen und die Verwendung steinerner Stützenbasen aus dem Kreis zeitgenössicher Bauten hervor. Nach seiner Brandzerstörung am Ende von SH IIIC Früh oder in SH IIIC Entwickelt wurde dieses Gebäude nicht mehr aufgebaut, und es fehlen ab der dritten Siedlungsphase im allgemeinen Anzeichen einer im Rahmen der architektonischen Möglichkeiten der Nachpalastzeit als hervorgehoben zu bezeichnenden Bebauung. Unter den nachmykenischen Befunden verdient ein teilweise freigelegter spätgeometrischer Töpfereibezirk mit Töpferöfen, Laufflächen, gepflasterten Wegen und Fehlbränden bemalter Gefäße ebenso Beachtung wie ein archaischer Kultbothros der Zeit um 600 v. Chr. sowie eine ausschnittsweise aufgedeckte mutmaßliche Straßentrasse, die von der klassischen Zeit bis in die Römische Kaiserzeit in Benutzung war.
Unterburg-Palastzeit / SH IIIB-Zeit: Die Ergebnisse einer im Jahre 2001 begonnenen Ausgrabung an der Innenseite der Nordpforte der Unterburg ergänzen das von Klaus Kilian gezeichnete Bild über den Ablauf der Besiedlungsgeschichte der Unterburg am Übergang vom 13. zum 12. Jh. v. Chr. Teilweise freigelegt wurde ein Gebäude der späten Palastzeit (Bau XV), das den zur Pforte führenden Torweg nach Osten begrenzte und das aufgrund der Qualität und Stärke des Mauerwerks zu den am sorgfältigsten ausgeführten Bauten der Unterburg gezählt werden muß. Die Zerstörung von Bau XV am Ende von Späthelladisch (SH) IIIB unterstreicht, daß die Palastzeit in Tiryns in einer umfasenden Katastrophe unterging. Zu dem Fußbodeninventar des Hauses zählen, unter anderem, Fragmente einer spätminoischen Bügelkanne mittlerer Größe. In der Kampagne des Jahres 2002 wurde die Ausgrabung an der Innenseite der Nordpforte fortgesetzt. Dabei wurden wichtige neue Erkenntnisse zur Nutzung des Areals im Norden der Unterburg in der ausgehenden Palastzeit gewonnen. Wenige Meter westlich der Nordpforte wurde ein bisher unbekannter, schräg durch die Befestigungsmauer verlaufender Gang entdeckt, der in Späthelladisch (SH) IIIB Entwickelt erbaut wurde und eine Verbindung zwischen der Unterburg und dem nördlichen Stadtgebiet herstellte. die bis zu 2.40 m hohe obere Hälfte dieser als "Nordgang" bezeichneten Struktur war mit einem Kraggewölbe versehen, während die untere eine Überdeckung durch große, waagrechte Sturzblöcke aufweist. Die feldseitige Öffnung war unerkannt geblieben, da sie bereits in mykenischer Zeit mit großen Steinen verschlossen wurde. In seinem mittleren Teil hat der Gang eine ausgeprägte Engstelle mit einer Höhe von etwa 1.0 m, die dem etwaigen schnellen Vordringen feindlicher Kräfte ebenso entgegenwirkte wie die geringe Weite von durchschnittlich 0.75 m. Der Nordgang wurde noch vor dem Ende von SH IIIB aufgegeben und zweckentfremdet in Bau XI zur Entwässerung verwendet. In SH IIIC dann fand auch diese Nutzung keine Fortsetzung und die burgseitige Eingangsöffnung des Ganges wurde von Siedlungsschichten zugedeckt. Im Zerstörungsschutt der Gebäude der letzten palastzeitlichen Siedlungsphase (SH IIIB Ende) fanden sich zahlreiche Objekte, darunter Reste eines Fayencegefäßes in der Form eines Tierkopfes und das Bruchstück eines aus Bein bestehenden Stabes (erhaltene Länge 3.8 cm) mit Markierungen, bei denen es sich um Keilschrift handeln dürfte. Ob der Stab mit einer palatialen Werkstatt in Verbindung steht, - etwa in der Funktion als Maßeinheit, - ist unklar, da noch keine Entsprechungen aus dem östlichen Mittelmeerraum oder Vorderasien benannt werden können. Mit der Ausgrabungskampagne de Jahres 2003 wurde die Untersuchung an der Innenseite der Nordpforte der Unterburg zum Abschluß gebracht. Außerdem wurde an der unteren Öffnung des in 2002 entdeckten Nordganges eine Sondage angelegt, um die dortige Situation zu klären (Quadranten LXII 33-34). Die Fortsetzung der Ausgrabung in der nördlichen Unterburg führte zu der überraschenden Erkenntnis, daß hier im Laufe von Späthelladisch (SH) IIIB2 eine grundlegende Neukonzeption des Siedlungsplanes stattgefunden hatte. Es stellte sich heraus, daß die Nordpforte erst einer späten Umbauphase in SH IIIB Ende zuzuschreiben ist, und daß keine der Strukturen, die in SH IIIB Ende sich südlich an die N-Pforte anschlossen, d.h. die Bauten XI und XV, schon in SH IIIB Entwickelt bestanden hatten. Zur Zeit der Erbauung der kyklopischen Befestigung bildete der Nordgang die einzige direkte Verbindung zwischen der nördlichen Unterburg und dem Stadtgebiet. Südwestlich des Nordganges war in SH IIIB Entwickelt, wie auch in anderen Teilen der Unterburg, ein System von Stützmauern angelegt worden, ohne daß Gebäudereste, die hierauf errichtet worden wären, beobachtet wurden. In SH IIIB Entwickelt gehört auch eine West-Ost orientierte, rechteckige steinerne Plattform ( Länge mindestens 3.80 m und Weite 2.90-3.0 m), die unter Raum 78c des Baus XI zum Vorschein kam. Die Plattform zeigt an der Nord- und Südseite jeweils eine Mauerschale und ist im Inneren durch eine Steinpackung gefüllt. Kurz vor der Befestigung endet der Kernbereich der Plattform entlang einer rechtwinklig zu den beiden Mauerschalen stehenden Kante. Auf einer etwas tieferen Stufe setzt sich die Struktur allerdings zur Innenseite der Befestigung mit einer Art Vorbau fort. Eine ähnliche Plattform hatte K. Kilian in 1982 nur etwa 10 m weiter südlich ausgegraben (vgl. K. Kilian, AA 1988, 117; Abb. 15). Beiden Steinstrukturen ist gemeinsam, daß sie nahe an der Innenseite der Besfestigung liegen, und im Falle der neu entdeckten Plattform kann die Zeitstellung auf den Zeitraum unmittelbar vor Ausführung der Baumaßnahmen am Beginn von SH IIIB Ende eingeengt werden. Solche Strukturen könnten beim Umbau der Befestigung als Unterbauten hölzerner Arbeitsbühnen z.B. für Hebevorrichtungen gedient haben. In SH IIIB Ende wurde die bis dahin bestehende Nutzung der nördlichen Unterburg durch ein neues bauliches Konzept ersetzt. Stellenweise wurde entlang der Innenseite der Befestigung eine Auffüllung aus Stein und Erdlagen eingebracht, um ein neues, annährend einheitliches Niveau herzustellen. Parallel wurde ein Teil der nördlichen Unterburgmauer neu aufgeführt und dabei die Nordpforte eingefügt. Der Nordgang wurde ab diesem Zeitpunkt nur noch zur Entwässerung genutzt. Hierfür wurde seine untere Öffnung mit Ausnahme eines Schlitzes zugesetzt.
Unterburg - Nachpalasteit / SH IIIC-Zeit und Klassische Antike: Im Anschluß an den Untergang der palastzeitlichen Siedlung hat es anscheinend in dem nördlichsten Teil der Unterburg keine lange Siedlungsunterbrechung gegeben. Allerdings wurde der solide gebaute Bau XV nicht wieder aufgebaut. Die spärlichen Überreste der Nutzung der frühen Phase SH IIIC tragen Merkmale der "Ruinenbewohnung", die Kilian im Westen der Unterburg angetroffen hat. Für eine Nutzung des Torweges in dieser Zeit ergaben sich keine Hinweise, was darauf hindeutet, daß die Nordpforte nach der Katastrophe noch nicht wiederhergestellt war. Dies scheint sich erst im mittleren Abschnitt von SH IIIC geändert zu haben, als das Grundstück, auf dem Bau XV gestanden hatte, mit einem etwas anders ausgerichteten Raum bebaut wurde, in dem zwei Bauphasen unterschieden wurden. Die ausgeprägten Spuren einer Nutzung des Torweges in der ausgehenden Palastzeit und dann wieder in der fortgeschrittenen Nachpalastzeit widersprechen der in der Literatur oft geäußerten Auffassung, daß die Nordpforte nicht als regulärer Zugang zur Burg, sondern als eine in Krisenzeiten genutzte Ausfallpforte gedient hat. Die Befunde der Phase SH IIIC konnten in fünf Phasen unterteilt werden. Der einzige Befund der ersten Phase ist eine sehr große Grube, die in die Ruinen des palastzeitlichen Baus XI eingreift. Hierin fanden sich Reste mindestens dreier menschlicher Skelette, die keine Beigaben, doch in zwei Fällen eine Überdeckung durch Pithosscherben aufwiesen. Der Befund steht in Zusammenhang mit den seit den 1960er Jahren an verschiedenen Stellen der nördlichen Unterburg festgestellten Konzentrationen beigabenloser Bestattungen. Während der Grabungen im Jahre 2003 kamen wiederum drei Skelette - alle ohne Beigaben - zutage, wodurch sich die Mindestanzahl der in diesem Befund beigesetzten Individuen auf sechs erhöhte. In einem Fall war das Skelett eines Jugendlichen oder eines zierlich gebauten Erwachsenen mit einer Steinkonstruktion umgeben worden. An dem erhaltenen Abschnitt der Abdeckung fällt auf, daß es sich um eine rudimentäre Kragsteinkonstruktion handelt. Die 2003 freigelegten Bestattungen bestätigen den im Vorjahr gewonnenen Eindruck, daß die in dieser Grube befindlichen Toten trotz des Fehlens von Beigaben nicht achtlos beigesetzt wurden. Erst in der zweiten Phase von SH IIIC, was vermutlich dem Beginn von SH IIIC Entwickelt entspricht, wurde das Areal an der Nord-Spitze der Unterburg wieder bebaut, und ab SH IIIC Fortgeschritten wurde der zur Nord-Pforte führende Torweg wieder in Betrieb genommen. Im Hinblick auf nachmykenische Befunde wurde schon 2001 sowohl westlich, als auch östlich der N-Pforte entlang der Innenseite der Befestigungsmauer ein auffällige Konzentration tief herabreichender Störungen der klassischen und hellenistischen Zeit beobachtet, die aufgrund ihrer Form Sondagen ähnelten. Die Grabungsergebnisse des Jahres 2002 erlauben den Schluß, daß diese Gruben in der Antike ausgehoben wurden, um mykenische Gewölbe zu finden. Wieder geöffnet wurde nicht nur der neu entdeckte Nord-Gang und ein zu ihm führender Kanal, sondern auch östlich des Torweges ein von Bau XV ausgehender Kanal. Wahrscheinlich waren die Gewölbe von außen entdeckt und dann gezielt gesucht worden.
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