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Iran: Arisman

Ausgrabungen in Arisman: Frühe Metallgewinnung und Metallverarbeitung im westlichen Zentraliran

Ausgrabung einer prähistorischen Metallhandwerkersiedlung

Lage

    
  Blick über das Grabungsgelände  

Die prähistorische Siedlung Arisman (Abb.: Blick über das Grabungsgelände; im Hintergrund das Karkas-Gebirge) liegt 60 km südöstlich von Kashan und 10 km östlich von Natanz, in der Provinz Isfahan. Sie besteht aus mehreren einzelnen Geländeerhebungen bzw. flachen Tells, die sich über mehrere Hektar am nordöstlichen Fuß der Karkasberge, am Rande des Wüstenrands erstrecken und sich in drei Bereiche gliedern lassen, Arisman I-III. Aufgrund der Oberflächenfunde ist eine Besiedlung des ganzen Areals im 5.-3. vorchristlichen Jahrtausend anzunehmen, während Arisman II auch zu einem späteren Zeitpunkt, wohl gegen Ende des 2. Jts. v. Chr., aufgesucht wurde.

Abteilungen:
Eurasien-Abteilung
Außenstelle Teheran der Eurasien-Abteilung

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Karte

 

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Ziele

    
  Areal A: Metallurgischer Ofen, Sialk IV-Periode  

Die Ausgrabungen in Arisman sind Teil eines umfangreichen Projektes zur Erforschung der frühen Metallgewinnung und -verarbeitung im westlichen Zentraliran. Im Rahmen dieses Projektes werden Lagerstätten von Erzen prospektiert, alte Bergbauspuren und Bergwerke aufgenommen, und die prähistorische Verarbeitung und Verwendung des gewonnenen Metalls in einer spezialisierten Handwerkersiedlung - in Arisman - untersucht. Darüber hinaus steht die Erforschung der kulturhistorischen Entwicklung des westlichen Zentraliran in seiner Bedeutung als Kreuzung wichtiger Fernwege zwischen Susiana, Turkmenistan und Belučistan im Zentrum.  

Forschungsgeschichte

    
  Areal B. Töpferofen, Sialk III-Periode  

Die Ausgrabungen der prähistorischen Metallhandwerkersiedlung Arisman, sowie Begehungen in ihrer Umgebung, wurden von 2000-2004 im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts "Früher Bergbau und Metallurgie auf dem westlichen iranischen Plateau" in Zusammenarbeit mit der Iranischen Behörde für Kulturelles Erbe durchgeführt. Seit 2005 ist die erste Projektphase abgeschlossen und die Ergebnisse der ersten fünf Jahre werden gegenwärtig zur Publikation vorbereitet. 

Bisherige Arbeiten

    
  Areal B. Fragmente von Litharge (Sialk III-Periode)  

Nach einer topographischen Aufnahme und einer geophysikalischen Untersuchung fanden Grabungen in fünf Bereichen von Arisman I (Bereiche A-E) statt. Dabei wurden insgesamt 1100 Quadratmeter Fläche mit einer maximalen Kulturschichtstärke von 1,5 m untersucht. Zudem war die weitere Umgebung von Arisman Ziel einer Geländebegehung. 

Aktuelle Arbeiten

    
  Arisman I-III
Topographischer Plan
 
    
  Areal B. Rekonstruktion
des Töpferofens
 

Die Ergebnisse der ersten fünf Jahre des Projekts werden gegenwärtig zur Publikation vorbereitet. 

Ergebnisse

    
  Areal B. Gußform (Sialk III-Periode)  
    
  Areal B: Bemalte Keramik der Sialk III-Periode  
    
  Areal C. Blick über das Grabungsareal  
    
  Areal C. Pithosgrab der Sialk IV-Periode  

Arisman war seit der ersten Hälfte des 4. bis zum frühen 3. Jt. v. Chr. in Benutzung. Die älteste Phase besteht aus einer Besiedlung der sog. "Sialk III-Zeit" (erste Hälfte bis Mitte 4. Jt. v. Chr.) in Areal B, als Menschen einfache Wohnhäuser aus Stampflehm bauten. In den Ruinen dieser Häuser wurden wenig später Werkstätten angelegt. Fünf Töpferöfen zeigen, dass die Menschen verstanden, das Brennen in diesen Öfen gezielt bei bestimmten Temperaturen durchzuführen. Diese Öfen sind rund und haben einen seitlichen Feuerungskanal. In der Mitte des Ofens steht eine Säule, welche die Tenne trug, auf der das zu brennende Geschirr gestapelt wurde. Die Werkstattabfälle enthielten zudem zahlreichen Rückstände der Kupfer- und Silbergewinnung, darunter Schmelztiegel, Gußformen und Kupellen. Die Installationen, in denen dieses Material verarbeitet wurde, müssen in der Nähe der Töpferöfen gelegen haben, wurden aber bei den Grabungen nicht gefunden.

Die jüngere Besiedlungsphase der sog. Sialk IV-Zeit (ca. 3000 v. Chr.) wurde in Areal C freigelegt und besteht aus einer geplanten, soz. städtischen Bebauung mit eng nebeneinander stehenden Häusern aus Lehmziegeln. Das Format dieser rechteckigen Ziegel, wie auch die Keramik und die Siegel zeigen, dass Arisman in dieser Zeit den Standards der protoelamischen Kultur folgte.

Metallwerkstätten zur Verarbeitung von Kupfer, zum Beispiel große Plattformen mit Feuerstellen, lagen innerhalb der Häuser. Dort wurde Kupfer, welches zunächst in Schmelzöfen am Rand der Siedlung gewonnen wurde, in Barren gegossen und zu Äxten oder anderen Artefakten verarbeitet.

Diese Schmelzöfen sind eine wichtige technologische Neuerung der protoelamischen Zeit und erlauben nun die Herstellung von großen Mengen an Kupfer. Die zu den Schmelzöfen gehörenden Schlackehalden in den Grabungsbereichen A, D und E umfassen etwa 180 Tonnen Schlacke. In Bereich A wurde auch der zugehörige Ofen freigelegt: Es handelt sich um eine kleine Plattform aus Lehmziegeln mit einer Vertiefung im Zentrum. Der obere Teil des Ofens wurde bei jedem Schmelzvorgang neu aufgebaut und mit Lehm verputzt. Der Ofen in Bereich A gehört zu den jüngsten Befunden in Arisman. Er datiert in die erste Hälfte des 3. Jts. v. Chr., und ist damit zeitgleich zur jüngsten Benutzung der Hausruinen in Areal C als Friedhof. Die Toten wurden hier in großen Vorratsgefäßen beigesetzt, und hatten teilweise Perlen und Kupferschmuck bei sich.  

Kooperationen

    
  Areal C. Keramik der Sialk IV-Periode  

Das Projekt wird als Gemeinschaftsprojekt durch die Eurasien-Abteilung des DAI, die Iranian Cultural Heritage Organisation (ICHO), den Geological Survey of Iran (GSI), den Lehrstuhl für Archäometrie der TU-Bergakademie Freiberg und das Deutsche Bergbau-Museum Bochum durchgeführt. 

Ansprechpartner

PD Dr. phil. Barbara Helwing

Iranische Altertumskunde
Telefon: 03018-7711-311
Telefax: 03018-7711-313
Email: eurasien@dainst.de
weitere E-Mail Adresse: daiteheran@yahoo.de

Literatur

N. N. Chegini/M. Momenzadeh/H. Parzinger/E. Pernicka/Th. Stöllner/R. Vatandoust/G. Weisgerber, Preliminary report on archaeometallurgical investigations around the prehistoric site of Arisman near Kashan, western Central Iran. Archäologische Mitteilungen aus Iran und Turan 32, 2000, 281-318.

N. N. Chegini/B. Helwing/H. Parzinger/A. Vatandoust, Eine prähistorische Industriesiedlung auf dem iranischen Plateau-Forschungen in Arisman. In: Thomas Stöllner/Rainer Slotta/Abdulrasool Vatandoust (Hrsg.), Persiens antike Pracht, (Bochum 2004) 210-216.

B. Helwing, Long distance relations of the Iranian highland sites during the late Chalcolithic period: New evidence from the Joint Iranian-German excavations at Arisman. In: Ute Franke-Vogt/Hans-Joachim Weisshaar (Hrsg.), South Asian Archaeology 2003. Proceedings of the seventeenth International Conference of the European Association of South Asian Archaeologists (7-11 July 2003, Bonn), Forschungen zur Archäologie aussereuropäischer Kulturen (Aachen 2005) 171-178.  

 


 
 

Aktualisiert: 05.03.2009

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