Pompeji: Casa dei Postumii (italiano)
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Pompeji: Die Casa dei Postumii VIII 4, 4. 49 und ihre »insula« ; 1997-2002 (Ende der Arbeiten vor Ort)
Wohnen und Arbeiten im antiken Pompeji: Die Casa dei Postumii und ihre Insula
Lage
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CAD-Modell
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Die Casa dei Postumii (VIII 4, 4. 49) und die sie umgebende Bebauung liegen im Zentrum Pompejis zwischen den Stabianer Thermen und dem Foro Triangolare. Der Komplex grenzt im Norden an die Via dell'Abbondanza, die als Decumanus maximus zu den belebtesten Straßen der Stadt zählt.
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Geschichte
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Peristyl kurz nach 1861
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Mit dem Ausbruch des Vesuvs am 24. August 79 n. Chr. fand die fast siebenhundertjährige Geschichte der hellenistisch-römischen Kleinstadt Pompeji am Golf von Neapel ein plötzliches Ende. Stadtbild und Architektur sind von den wechselvollen historischen Entwicklungen geprägt, die Pompeji unter der Herrschaft von Etruskern, Samniten und Römern durchlaufen hat. Im Jahre 62 n. Chr. wurde die Stadt von einem schweren Erdbeben erschüttert, das zahlreiche Umbau- und Reparaturmaßnahmen notwendig machte. Besonders für diese letzte Phase bis zur Verschüttung läßt sich das städtische Leben bis in Details rekonstruieren. Um diesem spezifischen Potential Pompejis gerecht zu werden, beginnen unsere Untersuchungen mit dem Zustand unmittelbar vor dem Untergang der Stadt.
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Ziele
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Nordfassade
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Im Mittelpunkt des Projektes steht der Versuch, ein möglichst vollständiges Bild von Entwicklung, Aussehen und Funktion eines innerstädtischen Architekturkomplexes zu entwerfen. Die Casa dei Postumii und die im Westen und Süden anschließende Bebauung bieten sich aus mehreren Gründen für ein solches Vorhaben an: Die Anlage setzt sich aus einem großzügigen Atrium-Peristyl-Haus im Inneren des Komplexes sowie zahlreichen Tabernae (multifunktionale Geschäfts- und Wohneinheiten) und mindestens zwei separaten Mietwohnungen im Obergeschoß zusammen. Das für solche Häuserblöcke (Insulae) charakteristische Nebeneinander großer und kleiner Wohneinheiten wirft folglich nicht nur architekturgeschichtliche Fragen auf, sondern verspricht auch Einblicke in die wechselseitigen sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen ihrer Benutzer. Die an aktuellen historischen Fragestellungen ausgerichtete Erforschung der Anlage basiert auf einer gleichzeitig durchgeführten, umfangreichen Dokumentation des vom Verfall bedrohten Monuments.
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Forschungsgeschichte
Seit Beginn der Ausgrabungen im Jahre 1748 ist die antike Stadt Pompeji zu etwa zwei Dritteln freigelegt worden. Die häufig unter großem Zeitdruck vorangetriebenen Arbeiten machten in der Regel bei den Begehungsniveaus halt, die zum Zeitpunkt der Verschüttung in Benutzung waren. Von den älteren Phasen der Stadtgeschichte, der Entstehung einzelner Bauten und ihren über Generationen hinweg veränderten Nutzungsmodalitäten ist bis heute hingegen nur wenig bekannt. Das gilt auch für den Komplex der Casa dei Postumii, die nach ihrer Freilegung im Jahre 1861 zu einer touristischen Attraktion wurde, nach dem bald einsetzenden Verfall der Wanddekorationen aber schnell wieder aus dem Blickfeld von Wissenschaft und Öffentlichkeit geriet. So sind seit den in Vorberichten publizierten Ausgrabungen des 19. Jahrhunderts keine weiteren Dokumentationen angefertigt oder baugeschichtliche Untersuchungen vorgenommen worden.
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Bisherige Arbeiten
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Konservierungsarbeiten |
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In sechs mehrwöchigen Kampagnen und drei Nachuntersuchungen wurden zwischen 1997-2002 eine verformungsgerechte Bauaufnahme im Maßstab 1:50 sowie ein datenbankgestütztes Raumbuch erstellt. Die noch erhaltenen Wanddekorationen sind dokumentiert und unter restauratorischen Gesichtspunkten untersucht worden. Dank finanzieller Unterstützung durch Studiosus Reisen (München) war es möglich, die malerische Ausstattung eines Raumes zu konservieren. Zahlreiche Grabungsschnitte haben zum besseren Verständnis der Entstehung der Anlage und nutzungsbedingter Veränderungen beigetragen. Parallel dazu fanden umwelt- und geoarchäologische Spezialuntersuchungen statt. Darüber hinaus konnten Erkenntnisse zum städtebaulichen Umfeld des Komplexes gewonnen werden, das mit Hilfe geophysikalischer Prospektionen im Bereich der Stabianer Thermen erforscht wurde. Neben den Arbeiten vor Ort sind Archivunterlagen im Museo Nazionale in Neapel ausgewertet worden, anhand derer Teile des Fundmaterials, das bei der Freilegung des Komplexes im Jahre 1861 geborgen wurde, bestimmt und in den Magazinen des Museums identifiziert werden konnte.
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Aktuelle Arbeiten
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Randfragment eines tönernen Beckens des 6. Jhs. v. Chr. |
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Nach Abschluß der Arbeiten vor Ort werden z.Zt. die Bau- und Grabungsbefunde sowie das Fundmaterials ausgewertet. Dafür ist eine komplexe Datenbank entworfen worden, die den schnellen Zugriff auf alle relevanten Befunde und Funde während der Auswertung sicherstellt und darüber hinaus die Möglichkeit zur rationellen Publikation von Raumbuch, Befundkatalog und Fundmaterial eröffnet. Daneben arbeiten Spezialisten unterschiedlicher Disziplinen an Untersuchungen zu geo-, umwelt- und zooarchäologischen sowie epigraphischen Aspekten des Projektes. In Zusammenarbeit mit der Soprintendenza Archeologica di Pompei werden Überlegungen zur Errichtung eines dauerhaften Schutzdaches und zur Musealisierung des Untersuchungsgebietes angestellt.
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Methoden
Neben Methoden aus Feldarchäologie und Bauforschung (Handaufmaß; Photogrammetrie) sind Verfahren der geophysikalischen Prospektion (insbesondere Radar und Geoelektrik), der Geo- und Umweltarchäologie sowie der Restaurierung zum Einsatz gekommen.
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Ergebnisse
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Stabianer Thermen: Nord-südlich verlaufende Grabenstruktur |
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Stabianer Thermen: Nord-südlich verlaufende Grabenstruktur (3D-Modell ) |
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Nach der bisherigen Auswertung zeichnen sich für die Entstehung der Casa dei Postumii und ihrer Insula folgende Hauptphasen ab: Über massiven baulichen Strukturen des 6.-5. Jhs. v. Chr. wurde im 3. oder frühen 2. Jh. v. Chr. ein Gebäude mit Peristyl errichtet. Im späten 2. oder 1. Jh. v. Chr. folgte ein einfaches Hofhaus, das bereits auf die Via dell´Abbondanza orientiert war. Erst in der frühen Kaiserzeit entstand die Casa dei Postumii als Atriumhaus, das nach Süden um einen einfachen Garten erweitert war. Infolge des Erdbebens von 62 n. Chr. wurde das Haus nach Westen und Süden erweitert und verfügte nun auch über ein eigenes Peristyl, das im Westen von Ladenzeilen flankiert wird. Die starke ökonomische Ausrichtung dieses Entwurfs kommt vor allem in der Einbindung eines Produktionstraktes zum Ausdruck, der vom Peristyl aus zugänglich war. Wohnen und Arbeiten gehen hier eine bemerkenswerte Synthese ein, die sich in ähnlicher Form bereits für das frühkaiserzeitliche Atriumhaus nachweisen läßt. Im Südteil des Untersuchungsgebietes konnte neben geoarchäologischen Stratigraphien, die bis ins Pleistozän zurückreichen, ein Nutzungshorizont des 7. Jhs. v. Chr. nachgewiesen werden, der zu den ältesten stratifizierbaren Siedlungsbefunden innerhalb des Stadtgebietes zählt. Spätestens seit der frühen Kaiserzeit waren die Grundstücke südlich der Casa dei Postumii mit Tabernenkomplexen und einem mehrstöckigen Wohnhaus (VIII 4, 37) bebaut, dessen Erdgeschoß auch wirtschaftlichen Zwecken diente. Ursache für die ökonomische Attraktivität der gesamten Zone war offenbar ein großer Kanal, der an der Ostseite der Casa dei Postumii verläuft und zur Entsorgung von Abwässern genutzt wurde. Zu seiner Anlage bediente man sich möglicherweise eines älteren Grabens, dessen Fortsetzung nach Norden durch geophysikalische Prospektionen in den Stabianer Thermen nachgewiesen werden konnte. Zusammen mit den oben erwähnten Bauresten des 6. oder 5. Jhs. v. Chr. könnte es sich bei dem Graben um Reste einer Befestigungsanlage des alten Siedlungskerns von Pompeji handeln.
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Kooperationen
Soprintendenza Archeologica di Pompei
Bayerische Akademie der Wissenschaften, Kommission zur Erforschung des antiken Städtewesens
The University Museum of Natural History Oxford
Universität Heidelberg
Universität Leipzig
EASTERN ATLAS Geophysikalische Prospektion Meyer + Ullrich GbR
ZODIAC. Economic 3D-Models. zodiac@barlieb.com
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Ansprechpartner
PD Dr. Felix Pirson
Klassische Archäologie
Telefon: + 90-(0)212-393 76 10
Telefax: + 90 - (0)212-393 76 14
Email: pirson@istanbul.dainst.org
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externe Ansprechpartner
Dr. Jens-Arne DickmannInstitut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg Marstallhof 4 D - 69117 Heidelberg Email: Jens-Arne.Dickmann@zaw.uni-heidelberg.de
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Förderung
Bayerische Akademie der Wissenschaften, Kommission zur Erforschung des antiken Städtewesens
Gerda Henkel Stiftung (Düsseldorf)
Studiosus-Reisen (München)
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Literatur
J.-A. Dickmann - F. Pirson, Abitare e lavorare nell´antica Pompei. L´indagine nella Casa dei Postumii tra archeologia e tutela, in: F. Senatore (Hg.), Pompei tra Sorrento e Sarno (2001), 63-85.
Dies., Wohnen und Arbeiten im antiken Pompeji. Die Erforschung der Casa dei Postumii zwischen Archäologie und Denkmalpflege. AW 33, 2002, 81-94.
Jährliche Vorberichte des Projektes erscheinen in den Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Rom
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