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Marib, Friedhof des Awâm-Tempels

Der Friedhof des Awâm-Tempels - Eine sabäische Nekropole in der Oase von Marib

Seit 1997 erforscht die Außenstelle Sana'a der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts die Außenbereiche des Awâm-Tempels. Gegenwärtig liegt der Schwerpunkt auf der Untersuchung des Friedhofsgeländes.

Lage

Marib liegt am Südwest-Rand der innerarabischen Wüste Rub`al Khali, 135 km östlich von Sana`a in einer Höhe von etwa 1200 m. Der Awâm-Tempel befindet sich ca. 4 km südöstlich außerhalb der antiken Stadt Marib.

Abteilungen:
Außenstelle Sana'a der Orient-Abteilung

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Ziele

Das Projekt hat zum Ziel, die sabäischen Bestattungssitten, die Grabarchitektur und -kunst zu untersuchen. Über diese wichtigen Aspekte sabäischer Kultur war bisher - abgesehen von den kurzen Grabungen der American Foundation for the Study of Man in den Jahren 1951/52 - so gut wie nichts bekannt. Das Wissen basierte fast ausschließlich auf Zufallsfunden oder Exponaten aus dem Kunsthandel, zumeist ohne jeden Fundkontext. Die Grabung im Friedhof des als Pilgerstätte fungierenden sabäischen Staatsheiligtums liefert einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der vorislamischen Bestattungssitten im Jemen. 

Ergebnisse

    
   

Die Nekropole des Awâm-Tempels legt sich als ein bis zu 100 m breites Band um die südliche Hälfte der Tempelovalmauer und umfaßt eine Fläche von ungefähr 1,7 ha. Die bisherigen Grabungen ergaben eine Nutzung des Friedhofs vom 8. Jh. v. Chr. bis in das 4. Jh. n. Chr. Bei den Grabanlagen handelt es sich um oberirdische Mausoleen mit mehreren Stockwerken und klar voneinander getrennten Grablegen. Die durchweg aus Stein errichteten Bauten weisen abhängig von ihrer zeitliche Einordnung und sozialen Stellung der Erbauer unterschiedliche bisher völlig unbekannte Grabtypen auf. Die monumentalen Inschriften an den Außenfassaden der Gräber geben Auskunft über die Besitzer und eine diffizile Aufteilung des Grabinneren. Die Grabstelen mit in Nischen eingelassenen Alabasterköpfen der Verstorbenen und die Reliefköpfe an den Grabaußenwänden lassen erahnen, wie wichtig den Sabäern die Personifizierung des Toten war, dessen Identifikation gleichsam mit der Namensinschrift gewährleistet war. Der weit über 1000 Jahre immer wieder belegte Friedhof hat bei einer vorsichtigen Hochrechnung eine Anzahl von insgesamt über 20.000 Bestatteten besessen. Die Errichtung der Gräber, der Vorgang der Bestattung, die Belegung der Grabkammern oder auch die Durchführung des Totenkultes muß durch die Priesterschaft des Tempels streng organisiert und kontrolliert gewesen sein. Die Gräber wurden zumindest in den älteren Bebauungsphasen des Friedhofs (8. bis 4. Jahrhundert v. Chr.) entlang westöstlich verlaufender, die Krümmung der Ovalmauer aufnehmender Straßenzüge angelegt. Erst im Laufe der Zeit löste sich diese Ordnung allmählich auf: Der Anbau jünger Grabbauten an die älteren Strukturen hatte eine Zusetzung kleinerer Gassen und Verdichtung der Architekturen zur Folge. Das ursprüngliche Straßensystem blieb allerdings in groben Zügen erhalten. Den vermutlich in Hockerstellung Bestatteten wurde eine umfangreiche Palette an Beigaben und Trachtzubehör mit ins Grab gegeben. Den Hauptanteil der Funde bilden miniaturisierte Imitationen von Gegenständen des alltäglichen Lebens wie Schminkgefäße oder Opferplatten, die eigens für den Grabgebrauch angefertigt wurden. Die Beziehungen Südarabiens zum altorientalischen und mediterranen Kulturkreis spiegeln sich in einer Anzahl von Importen wider. Die Publikation der ersten vier Kampagnen in der Reihe Archäologische Berichte aus dem Jemen (2000) gliedert sich wie folgt: I. Gerlach, Der Friedhof des Awâm-Tempels in Marib. Bericht der Ausgrabungen von 1997 bis 2000. S. Japp, Die Miniaturkeramik aus der Nekropole des Awâm-Tempels in Marib. J.-C. Bessac/J.-F. Breton, Note technique sur la nécropole d`Awâm à Marib. Nicole Röring, Architektur N. Nebes, Inschriftenmaterial I. Gerlach/H. Hitgen, Kleinfunde/Grabstelen  

Ansprechpartner

Dr. phil. Iris Gerlach

Vorderasiatische Archäologie
Telefon: +967-(0)1 287 175/177-0
Telefax: +967-(0)1 485 213
Email: dai.sanaa@y.net.ye

Literatur

F. P. Albright, Excavations at Mârib in Yemen, in: R. L. Bowen - F. P. Albright (Hrsg.), Archaeological Discoveries in South Arabia. Publications of the American Foundation for the Study of Man II. (1958) 235-238; H. Hitgen, The 1997 Excavations of the German Institute of Archaeology at the Cemetery of Awâm in Marib, Proceedings of the Seminar for Arabian Studies 28, 1998; ders., Die sabäische Totenstadt am Almaqah-Tempel von Awâm in Ma'rib, in: Jemen. Kunst und Archäologie im Land der Königin von Saba'. Ausstellungskatalog des Kunsthistorischen Museums Wien 1998/99 (1998) 247-249; B. Vogt - I. Gerlach - H. Hitgen Die Erforschungs Altsüdarabiens. Das Deutsche Archäologische Institut Sana a auf den Spuren des Sabäerherrschers Karib il Watar, Nürnberger Blätter zur Archäologie 15 (1998/99)133 ff.; I. Gerlach- H. Hitgen, Eine Totenstadt am Rande der Wüste. Der Friedhof des sabäischen Awam-Heiligtums in Ma'rib/Jemen, in: Deutsches Archäologisches Institut (Hrsg.), Archäologische Entdeckungen. Die Forschungen des Deutschen Archäologischen Instituts im 20. Jahrhundert, Antike Welt Sonderheft 1999, 207 ff.; I. Gerlach, Die Grabungen des Deutschen Archäologischen Instituts Sana`a im sabäischen Friedhof des Awâm-Tempels in Marib, in: Staatliches Museum für Völkerkunde München (Hrsg.), Im Land der Königin von Saba. Kunstschätze aus dem antiken Jemen, München 1999, 113 ff. B. Vogt- I. Gerlach- H. Hitgen Die Erforschungs Altsüdarabiens. Das Deutsche Archäologische Institut Sana a auf den Spuren des Sabäerherrschers Karib il Watar, Nürnberger Blätter zur Archäologie 15 (1998/99)133 ff.  

 


 
 

Aktualisiert: 20.03.2008

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