Ziele
Vom 30. Januar bis 2. März 2000 fand die zweite, vom Deutschen Archäologischen Institut und der Jordan University, Amman, getragene Feldforschungskampagne im ASEYM-Projekt statt. Die von Lutfi Khalil und Ricardo Eichmann geleitete, in Kooperation mit der Fachhochschule Karlsruhe und mit Unterstützung des Deutschen Evangelischen Instituts, Amman, durchgeführte Unternehmung diente, wie bereits die erste Kampagne, der Erforschung chalkolithischer/frühbronzezeitlicher Siedlungsplätze in der Aqaba-Region. Sie umfasste sowohl Ausgrabungen als auch archäologische Geländeerkundungen in einer 50 km x 25 km großen Region östlich von Aqaba, an denen zahlreiche deutsche und jordanische Studenten beteiligt waren. In Hujayrat al-Ghuzlan, einem ca. 3 km nördlich von Aqaba gelegenen Siedlungshügel, dessen Oberfläche während der letzten Kampagne sorgfältig archäologisch und vermessungstechnisch untersucht wurde, konnte in diesem Jahr die stratigraphische Abfolge der Bauschichten von der Siedlungsgründung bis zur rezenten sekundären Nutzung erfasst werden. Der Ort war hauptsächlich während des Chalkolithikums besiedelt, nach 14C-Datierungen (cal.) spätestens in der Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr., und wurde rezent u.a. für militärische Zwecke genutzt. Die jüngsten Erdbewegungen am Ort sind durch tiefe >Panzerlöcher<, Glas und Textilreste sowie zerstörte Beduinen(?)gräber gekennzeichnet. Die in drei Arealen durchgeführten Ausgrabungen in chalkolithischen Bauschichten erbrachten Mauerreste von Rund- oder Rechteckbauten, die aus Geröllsteinen, Lehm oder Lehmziegeln bestehen.
Bemerkenswert ist ein ca. 4,5 m großer, über 2 m hoch erhaltener Rundbau aus Lehmziegeln, der sehr starke Brandspuren aufwies. Die Funktion des noch nicht vollständig freigelegten Bauwerks ist noch unklar. Große Vorratsgefäße sind in einem ca. 2 m x 3 m großen rechteckigen Raum angetroffen worden. Ein anderer Raum enthielt eine tiefe Grube, die mit Rückständen der einst am Ort durchgeführten Kupferproduktion und -verarbeitung aufgefüllt war. Kupfermetallurgie ist insbesondere durch kleine Kupfererzstücke, Gusstiegelfragmente, Schlacken, die an Ort und Stelle zertrümmert wurden, Fragmente von Gussformen (kleine rechteckige Barren) sowie Kupfernadeln gekennzeichnet. Im Vergleich zum Survey der letzten Kampagne haben die Ausgrabungen das keramische Repertoire nur unwesentlich bereichert. Hinzugekommen sind wenige >neue< Gefäßformen und Ritzverzierungen. Bereichert wurde dagegen das lithische Inventar, das nun auch mehrere vollständig erhaltene Kortexgeräte (>Plattensilexabschlaggeräte<: Kratzer, Schaber, Messer etc.) u.a. Gerätetypen umfasst.
Die naturwissenschaftlichen Arbeitseinheiten des DAI waren durch J. Görsdorf (14C-Datierung), N. Benecke (Paläozoologie; Aufarbeitung der Knochenfunde von Hujayrat al-Ghuzlan und den älteren Ausgrabungen von Tell Magass) und R. Neef (Paläobotanik) vertreten. Für die 14C-Datierung aufeinanderfolgender Schichtenverbände und die Klärung datierungstechnischer Probleme wurden weitere Holzkohleproben entnommen. Nach den naturwissenschaftlichen Untersuchungen unterschieden sich die naturräumlichen Verhältnisse des 4. Jahrtausends v. Chr. in der Aqaba-Region nicht sehr von den heutigen Verhältnissen. Aufgrund des geringen Niederschlags (<50 mm) war Regenfeldbau nicht möglich, aufgrund der Untersuchung der Pflanzen- und Tierknochenreste, die u.a. Nachweise für den Anbau von Nacktweizen und Flachs sowie die Aufzucht von Rindern erbrachte, muss man jedoch davon ausgehen, dass bereits im Chalkolithikum effektive Wasserspeichertechniken angewandt wurden. Im Tierknochenmaterial dominieren zu ca. 80% Schaf und Ziege, daneben kommen außer den erwähnten Nachweisen für Rind auch einige Wildformen (Onager, Gazelle, Antilope u.a.) vor.
Die Region östlich von Aqaba ist sieht man vom Wadi Rum ab noch nicht umfassend archäologisch untersucht worden. Sie wird von einigen Nord-Süd verlaufenden Wegen gekreuzt, die einst u.a. dem Handel mit Südarabien dienten, und wird heute von Nomaden bewohnt, die u.a. zwischen Saudi Arabien und Jordanien hin- und herziehen. Die von L. Herling unternommenen archäologischen Erkundungen erbrachten Nachweise von mehr als 75 Fundstellen, an denen Artefakte aus unterschiedlichen Zeiten angetroffen wurden. Nach vorläufigen Datierungen sind folgende Perioden vertreten: spätes Paläolithikum, Epipaläolithikum, akeramisches Neolithikum (PPNB), Chalkolithikum(?), Bronzezeit(?), römische/nabatäische Zeit, byzantinische Zeit. In Umm Nuseilah wurden die Überreste einer in den Jahren 1916/18 gegründeten Siedlung wenige Kilometer östlich von Aqaba dokumentiert, die den Bewohnern der Stadt als Zufluchtsort während des ersten Weltkrieges diente. In jener Zeit geriet die in Aqaba eingerichtete türkische Garnison unter starken Beschuss britischer Kriegsschiffe.
Außer Siedlungen, Lagerplätzen und Gräbern unterschiedlicher Zeiten ist die Region reich an Petroglyphen, insbesondere thamudische, nabatäische und arabische Inschriften sowie figürlichen Darstellungen. Letztere umfassen hauptsächlich Tierdarstellungen, wie z.B. Steinböcke, Antilopen, Kamele und andere Vierbeiner (Pferde?, Esel?), auf denen ein Mensch zu sitzen oder zu stehen scheint. Die Schriftfunde im Bereich des Wadi Rum werden im Rahmen eines epigraphischen Surveys von einer jordanisch-französischen Forschergruppe eingehender untersucht.
Die Geländebegehungen sollen im Jahr 2001, die Ausgrabungen in Hujayrat al-Ghuzlan im Jahr 2002 fortgesetzt werden.
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Literatur
H. Brückner - R. Eichmann - L. Herling - H. Kallweit - S. Kerner - L. Khalil - R. Miqdadi, Chalcolithic and Early Bronze Age Sites near 'Aqaba, Jordan, in: R. Eichmann (Hrsg.), Ausgrabungen und Surveys im Vorderen Orient I, OA 5 (2002) 217-339. L. Khalil - R. Eichmann in Collaboration with H. Brückner, J. Görsdorf, A. Hoffmann, L. Herling, H. Kallweit, S. Kerner, R. Miqdadi and R. Neef 1999, Archaeological Survey and Excavation at Wadi al-Yutum and Tall Al-Magass Area `Aqaba (ASEYM): A Preliminary Report on the First Season 1998. Annual of the Department of Antiquities of Jordan 43, 501 - 520.
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