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Libanon, Tell Burak
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Kooperationsprojekt Ausgrabungen auf dem Tell Burak
Ausgrabungen auf dem Tell Burak dienen der Erforschung der eisen- und bronzezeitlichen Besiedlung an der Mittelmeerküste. Suveydaten lassen neue Erkenntnisse zur phönizischen Kultur erwarten.
Lage
Tell Burak liegt 9 km südlich von Saida (das antike Sidon), ca. 50 km südlich von Beirut, direkt an der Küste des Mittelmeers.
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Geschichte
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Der Siedlungshügel Tell Burak am Mittelmeer
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Der antike Name des im Siedlungshügel Tell Burak verborgenen Ortes ist nicht überliefert. Aufgrund seiner Lage (zwischen dem antiken Sidon und Sarepta) und seiner Besiedlungsgeschichte - archäologisch erschlossen aus Keramikfunden - ist sehr wahrscheinlich, daß es sich um einen Satellitenort zur wichtigen Stadt Sidon handelt. Tell Burak war in jedem Fall seit der Mitte des 2. bis ca. Mitte des 1. Jt. v. Chr. besiedelt. Archäologische Befunde sind der Mittelbronze-, der Eisen I und II- sowie der osmanischen Zeit zuzuweisen. Zwei neuassyrische Herrscher des 7. Jh. v. Chr., Sanherib und Asarhaddon, die an der phönizischen Küste Eroberungszüge unternahmen, nennen Ortsnamen in Bezug auf Sidon. Jüngere Ortsbezeichnungen finden sich bei den römischen Autoren Strabo und Plinius. Es hat daher verschiedene Identifizierungsvorschläge gegeben: Ornithonpolis, Bit-Supuri, Enhydra, Klein-Sidon und Kar Asarhaddon, von denen Helene Sader den letzten beiden Vorschlägen die größte Wahrscheinlichkeit zumißt.
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Ziele
Die libanesische Küste gehört zum Kernbereich des phönizischen Reiches. Berühmte phönizische Städte wie Tyros, Sidon oder Byblos liegen hier. Kaum eine dieser Städte allerdings ist archäologisch untersucht: die antiken Siedlungen sind entweder durch moderne Überbauung verdeckt oder durch jüngere bzw. moderne Nutzung zerstört. Tell Burak erweist sich als einer der sehr wenigen intakten Siedlungshügel. Der Ort gehörte geographisch zum Einzugsgebiet von Sidon. Seine geringe Größe bei relativ prominenter Lage deutet darauf hin, daß die Siedlung zwar keine große Bedeutung als Stadt, wohl aber eine besondere Funktion für Sidon übernommen haben wird. Die bisherigen Untersuchungen zeigen eine lange Besiedlungsdauer an: erstmals wurden auf libanesischem Gebiet südlich von Sidon mittelbronzezeitliche Schichten belegt, auch die phönizische und persische Eisenzeit wurde nachgewiesen.
Ziel der Ausgrabungen und ergänzenden Forschungen am Tell Burak ist es, die Funktion und Interaktion des Ortes in den Perioden seiner Besiedlung zu definieren. Für die im phönizischen Kernland so schlecht bekannte phönizische Eisenzeit sind besondere Ergebnisse zu erwarten, ebenso für die Entwicklung einer phönizischen Siedlung aus einem Ort der Bronzezeit.
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Bisherige Arbeiten
Nach kurzer Begehung des Siedlungshügels durch Ibrahim Kawkabani Anfang der 1970er Jahre, fanden im Sommer 1997 eine topographische Aufnahme sowie eine Oberflächenbegehung des Ruinenhügels und der angrenzenden Ebene statt. Die Arbeiten wurden von Prof. Dr. H. Sader (Amerikanische Universität Beirut), Dr. U. Finkbeiner (Universität Tübingen) und Dr. B. Salje (damals Mitarbeiterin der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts) durchgeführt. Bei der Oberflächenbegehung wurden im wesentlichen Keramikscherben gefunden, über die der Nachweis einer Besiedlung des Hügels in der Perser-Zeit sowie in der phönizischen Eisenzeit erbracht werden konnte.
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Aktuelle Arbeiten
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Ausgrabungen auf der Kuppe des Tell Burak |
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Seit dem Jahr 2001 werden am Tell Burak Ausgrabungen durchgeführt, an denen sich die Orient-Abteilung des DAI mit speziellen technischen oder naturwissenschaftlichen Begleitprogrammen beteiligt.
Ausgrabungen erfolgen auf der Kuppe sowie im südwestlichen Bereich des Siedlungshügels und an dessen südlichen Hangfuß. Im Herbst 2001 fanden darüber hinaus unterwasserarchäologische Untersuchungen an der Küste vor dem Siedlungshügel statt, im Herbst 2002 eine geophysikalische Prospektion des Hügels und der direkten Peripherie.
Die Forschungen sind Teil des Lehrprogramms der American University of Beirut. Erstmals seit dem Ende des Bürgerkriegs, der seit 1975 archäologische Arbeiten verhinderte, haben Studierende aus dem Libanon die Möglichkeit, im eigenen Land an einer Lehrgrabung teilzunehmen.
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Ergebnisse
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Lehmziegelgebäude; Raum mit Kieselpflaster |
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Grabstele mit phönizischer Inschrift |
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Flächengrabungen auf der Kuppe des Siedlungshügels erbrachte zunächst in der obersten Bauschicht ein Steingebäude, dessen Fundamente erhalten waren und das aufgrund von Keramikfunden in die osmanische Zeit datiert werden konnte. Das Gebäude wurde 2002 abgetragen, um darunterliegende Baureste auf großer Fläche untersuchen zu können. Hier waren schon 2001 Teile eines großen Lehmziegelgebäudes freigelegt worden, dessen Grundriß achämenidenzeitlichen Fortanlagen gleicht, wie sie in Palästina häufiger bekannt sind. Es handelt sich um einen quadratischen Bau von ca. 30 x 30 m Grundfläche, dessen große, langrechteckige Räume um einen quadratischen Hof angeordnet sind. Die Eckräume sind bastionsartig verstärkt. Eine Mehrfachbestattung aus der Mittelbronzezeit, die stratigraphisch auf das Gebäude bezogen ist, liefert allerdings wohl eine Datierung in diese Zeit. An der Außenseite des Gebäudes zieht sich ein Glacis aus Kieseln hangabwärts. Dieses Glacis war noch in zwei ca. 20 m entfernt liegenden Grabungsflächen südwestlich des Gebäudes zu verfolgen. Dort wird es von Gebäuderesten aus jüngeren Bauschichten überlagert, deren zweitjüngste gut erhaltene Befunde der Eisenzeit II erbrachte. Am südlichen Hangfuß des Hügels wurde die Umfassungsmauer des Siedlungshügels erforscht. Die sehr massive Mauer diente während mehrerer Bauphasen als Schutz für den Ort. Unterschiedliche Bautechniken sowie mehrfache Ausbesserungen und Verstärkungen der Mauer deuten ihre lange Nutzungsdauer an. Die bisher ältesten Phasen sind mit Keramik der Eisenzeit I zu verbinden.
Die geophysikalische Prospektion des Siedlungshügels mit einem Cäsiummagnetometer ergab weitere Hinweise zur Nutzung des Ortes. Im Nordwesten des Lehmziegelgebäudes auf der Kuppe wurde eine weitere großräumige Bebauung erkennbar, die entweder zu dem Gebäude gehört oder auf Bauwerke ähnlich herausgehobener Funktion hindeutet. Der Osthang des Hügels dagegen zeichnet sich durch verschiedene langgezogene Radialmauern aus, die in Verbindung mit der im Süden ausgegrabenen Umfassungsmauer stehen können. Auf einem im Süden des Siedlungshügels anschließenden flachen Plateau wurden zudem Hinweise auf eine Besiedlung festgestellt, deren Alter allerdings zunächst offen bleiben muß.
Über eine unterwasserarchäologische Expertise konnten die Gründe gefunden werden, warum die Siedlung an dieser Stelle der Küste angelegt worden ist. Sehr typisch für phönizische Küstenstädte, ist dem Siedlungshügel eine Felsformation im Meer vorgelagert, die als natürlicher Wellenbrecher, eventuell auch als Ankerplatz genutzt worden ist.
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Kooperationen
Das Projekt wird in Kooperation mit der American University of Beirut (Prof. Dr. Hélène Sader, Department of History and Archaeology) und Dr. Uwe Finkbeiner (Eberhard-Karls-Universität Tübingen) durchgeführt.
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Ansprechpartner
Dr. phil. Margarete van Ess
Vorderasiatische Altertumskunde
Telefon: 03018-7711-0
Telefax: 03018-7711-189
Email: orient@dainst.de
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externe Ansprechpartner
Professor Hélène Sader
American University of Beirut
Department of History and Archaeology
P.O.Box: 11-0236
Riad el-Solh Beirut 1107 2020
Lebanon
Email: hsader@aub.edu.lb
Dr. Uwe Finkbeiner
Eberhard Karls Universität Tübingen
Altorientalisches Seminar
Schloss Hohentübingen
72070 Tübingen
Email: uwe.finkbeiner@uni-tuebingen.de
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Literatur
U. Finkbeiner - H. Sader et al., The Tell el-Burak Archaeological Project. A Preliminary Report on the 2001 Season, Bulletin d'Archéologie et d'Architecture Libanaises 5, 2003; H. Sader, Tell el Burak. An Unidentified City of Phoenician Sidon, in: B. Pongratz-Leisten - H. Kühne - P. Xella (Hrsg.), Ana sadi Labnani lu allik. Beiträge zu altorientalischen und mittelmeerischen Kulturen. Festschrift für Wolfgang Röllig, Alter Orient und Altes Testament 247 (1997) 363 - 375.
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