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Muktinath, Nepal-Himalaya

Archäologie der Schutz- und Herrschaftssiedlungen im nördlichen Nepal-Himalaya

Untersuchung und Ausgrabung befestigter Höhensiedlungen in den Hochgebirgswüsten des Himalaja im Hochtal von Muktinath

Lage

    
   

Siedlungshügel östlich des Dorfes Khyinga im Hochtal von Muktinath, Mustang-Distrikt, Nepal: etwa 25 km nördlich der Annapurna I in der Trockenzone des nördlichen Himalaya. Die Flur mit dem etwa 13 m hohen Siedlungshügel wird »Kalun« genannt: »Ruine, Wüstung«. Der mehrschichtige tellartige Siedlungshügel mißt in der Länge 130 m, in der Breite 80 m. Obertägige Überreste von Stampflehmbauten zeigen eine dichte mittelalterliche Bebauung an. Survey 1990; Ausgrabungen durch die KAAK des DAI 1991-1999.

Abteilungen:
Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen (KAAK) Bonn

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Ziele

Ziel des KAAK-Projektes war die Erschließung vor- und frühgeschichtlicher Siedlungstätigkeit in einem extremen Hochgebirgsraum sowie die Klärung, wann und unter welchen Umständen der nördliche Himalaya »tibetisiert« worden ist. Die Khyinga-Sequenz ist die erste mehrperiodige, kontinuierende Siedlungsabfolge im Hohen Himalaya. Sie kann die Archäologie des Himalaya auf eine tragfähige stratigraphische Grundlage stellen. Für die Siedlungsgeschichte des 2. Jh. v. Chr. bis zum 15. Jh. n. Chr. wird Khyinga-Kalun eine grundlegende Referenz und »type-site« bilden. 

Aktuelle Arbeiten

Der aktuelle Schwerpunkt liegt in der Bearbeitung der im Mai 1999 abgeschlossenen Ausgrabungen. Stratigraphie, Architektur und Bestattungen werden vom Ausgräber selbst, die Kleinfunde und die Keramik von Doktoranden des Instituts für Vor- und Frühgeschichte der Universität Bonn bearbeitet. Naturwissenschaftliche Untersuchungen werden von Spezialisten des DAI (14C-Datierungen) sowie der Universitäten München (Archäozoologie), Gießen (Anthropologie) und Jena (Geomorphologie und Landschaftsgeschichte) durchgeführt. 

Ergebnisse

In sechs Grabungskampagnen 1991/92/94/95/98/99 konnten auf etwa 600 qm ergrabener Fläche bis zu 8 m mächtige Schichtenfolgen mit mindestens drei je mehrphasigen Siedlungsperioden nachgewiesen werden. Ein 1998 entdecktes Steinkammergrab markiert zusammen mit einer burgähnlichen Anlage des 2./1. Jh. vor Chr. den Beginn der Hügelsiedlung. In der Grabkammer waren etwa 25 Menschen bestattet und etwa 15 Pferde sowie vorwiegend Schlachtabfälle vieler anderer Haustiere deponiert. Die anthropologischen und zoologischen Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Das Grabinventar ist großenteils nördlicher, zentralasiatischer Provenienz und kann in das 4.-2. Jh. v. Chr. datiert werden. Die Siedlungsabfolge im Ganzen umfaßt etwa 1600-1700 Jahre Siedlungsgeschichte. Periode I: 2. Jh. v. Chr.-3. Jh. n. Chr.; Periode II: Ende 4. Jh./Anfang 5. Jh.-Anfang 8. Jh.; Periode III: Ende 8.-10. Jh. (= Phase 1) und 11. Jh.-Anfang 15. Jh. (Phasen 2 und 3). Typisch für die erste und zweite Siedlung sind aufwendigere Repräsentationsbauten (Herrensitz, Fort oder Burg, Heiligtum) im Hügelzentrum. Dagegen ist die dritte Siedlung in ihrer Ausrichtung, in der Bauweise sowie im Kulturinventar völlig neuartig: Es handelt sich um eine bäuerliche Wohnsiedlung mit einem Kloster (?). Die Siedlung entwickelt sich im Verlauf ihrer späteren Geschichte zu einem befestigten Wehrdorf. Tibetische Kulturzüge, Zeugnisse des tibetischen Buddhismus sind seit dem 11. Jh. nachgewiesen. Zu Beginn des 15. Jh. wird die Siedlung endgültig aufgelassen. Wenig später werden im Muktinath-Tal wie im gesamten nördlichen Mustang tibetische Burgen errichtet. Im Laufe der dritten Periode verändern sich Klima und Umwelt, entsteht die himal-tibetische Kulturlandschaft: die Wälder verschwinden und die Landschaft nimmt allmählich den Charakter einer Hochwüste an. - Khinga-Kalun dokumentiert eine über weite Strecken hochorganisierte, eine ausgeprägt autochthone Kultur mit starken indo-nepalesischen und nördlich-zentralasiatischen Kultureinflüssen, mit weitreichenden Beziehungen, die schon für das erste vorchristliche Jahrtausend die Existenz von Fernhandelswegen durch den Hohen Himalaya bezeugen. 

Kooperationen

Die Ausgrabungen der KAAK im Muktinath-Tal wurden in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Department of Archaeology, Kathmandu, durchgeführt. Das KAAK-Projekt war ein autonomes, ausschließlich von der KAAK des DAI finanziertes Teilprojekt des interdiszipilinären »Nepal-German Project on High Mountain Archaeology«, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft getragen wurde. 

Ansprechpartner

Prof. Dr. phil. Hans-Georg Hüttel

Asien
Telefon: +49-(0)1888-7712 -27
Telefax: +49-(0)1888-7712- 49
Email: huettel@kaak.dainst.de

Literatur

H.-G. Hüttel, Archäologie am Rande der Ökumene, Archäologie in Deutschland 1993 H.2, 10-15; ders., Excavation at Khingar Mound 1991 Ancient Nepal 134, 1993, 1-17; ders., Archäologische Siedlungsforschung im Hohen Hohen Himalaja - Die Ausgrabungen der KAAK im Muktinath-Tal/Nepal 1991-1992, AVA-Beiträge 14,1994, 47-147; ders., Archäologische Siedlungsforschung im Hohen Himalaja 1994-1995, AVA-Beiträge 17,1997, 7-64; ders., Zwei Licchavi-Fundmünzen von Khyinga/Südmustang. Ein Beitrag zum Mananka-Problem, AVA-Beiträge 17,1997, 65-86; ders. und I.Paap, On the Chronology and Periodization of Khyinga Settlement Mound, AVA-Beiträge 18,1998, 5-26; ders., Eine Ordos-Bronze aus dem nördlichen Himalaja. In: Historia animalium ex ossibus. Festschrift für A. von den Driesch (Rahden 1999) 201-209; ders., Der Herr der Hundert Pferde. Archäologie im Hohen Himalaja. In: G. Graichen (Hrsg.) Schliemanns Erben (Bergisch Gladbach 1999) 214-247; ders., Burgen und Heiligtümer im Hohen Himalaja. In: Deutsches Archäol. Inst. (Hrsg.) Archäologische Entdeckungen: Die Forschungen des Deutschen Archäologischen Instituts im 20. Jahrhundert (Mainz 2000) 77-81.  

 


 
 

Aktualisiert: 04.08.2008

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