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Bulgarien, Iatrus-Krivina

In dem spätantiken Limeskastell Iatrus und in dessen Umgebung an der unteren Donau führte die Römisch-Germanische Kommission zusammen mit dem Archäologischen Institut der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften (AIM) Sofia und dem Historischen Regionalmuseum (HM) Ruse von 1992 bis 2002 archäologische Ausgrabungen und Geländeprospektionen durch.

Lage

    
   

Das Militärlager an der Nordgrenze des römischen Reiches (Provinz Moesia secunda) liegt auf einer hochwassergeschützten Geländeerhebung im Mündungsbereich der Jantra (antiker Name Iatrus) am rechten Donauufer im heutigen Bulgarien, bei dem Dorf Krivina, Bez. Ruse, 30km östlich von Svistov.

Abteilungen:
Römisch-Germanische Kommission (RGK) Frankfurt a.M.

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

Das Kastell Iatrus wurde am Anfang des 4. Jahrhunderts n.Chr. als Teil des spätantiken Grenzsicherungssystems an der unteren Donau, im Vorfeld der neu gegründeten Metropole Konstantinopel/Byzanz, errichtet. Hier war eine etwa 500 Mann starke Reitereinheit stationiert, die der legio I Italica zugeordnet war. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts n. Chr. fanden in Iatrus grundlegende Umbauten statt, die wahrscheinlich mit einem Wechsel der Besatzung zu erklären sind. Nach einer vollständigen Zerstörung der Anlage durch die Hunnen in den 40er Jahren des 5. Jahrhunderts n. Chr. wurde die Grenzfestung erst um 500 n. Chr. wieder aufgebaut und nach einer weiteren Zerstörung noch einmal von Kaiser Iustinian (527-565) erneuert. In den ersten Jahren des 7. Jahrhunderts n. Chr. wurde der gesamte Unterdonaulimes und damit auch Iatrus endgültig aufgegeben. Später entwickelte sich hier eine slawisch-bulgarische Siedlung, und seit dem späten 10. Jahrhundert n. Chr. ist das ehemalige Kastellareal nicht mehr besiedelt. 

Ziele

Durch die langjährigen Ausgrabungen in Iatrus-Krivina sollten Kenntnisse über originär spätantike Limesstationen an der unteren Donau gesammelt werden. Die relativ günstigen Erhaltungsbedingungen gestatteten eine differenzierte Gliederung der etwa 300-jährigen Geschichte des Kastells in vier selbständige Siedlungsperioden. Darüber hinaus sollten schwerpunktmäßig Untersuchungen in der Umgebung des Kastells zum Straßennetz, zum Siedlungs- und Bestattungswesen sowie zu den allgemeinen wirtschaftlichen Aktivitäten in der Limeszone durchgeführt werden. 

Bisherige Arbeiten

    
  Plan von Iatrus. Alle Phasen  

In Zusammenarbeit mit dem AIM Sofia wurden Grabungen von 1958 bis 1981 von der Deutschen Akademie der Wissenschaften (seit 1970 Akademie der Wissenschaften der DDR), Berlin, durchgeführt. Von 1992 bis 2000 wurden die Grabungen von deutscher Seite als Projekt der Römisch-Germanischen Kommission betreut.
In 24 Grabungskampagnen ist mehr als die Hälfte des erhaltenen, etwa 2,5 ha großen Kastellgeländes archäologisch untersucht worden. Mit den detaillierten Kenntnissen über den Gesamtplan des Kastells und über die Entwicklung des Siedlungslebens während der Spätantike (4.-6. Jh. n. Chr.) stellt Iatrus heute einen wichtigen Referenzort für die Spätphase des Limes an der unteren Donau dar. Das gilt sowohl für die architektonische Gesamtanlage und die Einzelbauten wie auch für die Typologie und Chronologie der Gefäßkeramik und anderer Fundgruppen.
Von 1997 bis 2001 wurden außerdem in einem von der DFG geförderten Forschungsprojekt Geländeerkundungen im Umfeld von Iatrus unternommen. Durch Feldbegehungen, Luftfotografie und geophysikalische Untersuchungen ließ sich eine dichte Besiedlung der Donautiefebene im Bereich der Jantramündung vom Neolithikum bis ins späte Mittelalter belegen. Darüber hinaus konnten sogar einige paläolithische Siedlungsspuren lokalisiert werden.
In der Grabungskampagne 2002 wurden einige der durch die Prospektion ausgewiesenen Fundplätze in der näheren Umgebung des Kastells durch Sondagegrabungen untersucht. Dabei zeigten sich nicht nur Siedlungsstrukturen, die zeitlich mit dem spätantiken Kastell und der frühmittelalterlichen Siedlung korrespondieren, sondern auch solche aus der römischen Kaiserzeit (2./3. Jh. n. Chr.), wodurch die Frage nach einer früheren, d. h. kaiserzeitlichen Militärstation an der strategisch wichtigen Flussmündung erneut aufgeworfen werden muss.

 

Aktuelle Arbeiten

Von der Publikationsreihe Iatrus-Krivina liegen bisher fünf Bände vor. Die Bände 6 und 7 befinden sich in Vorbereitung. Darin werden die Ergebnisse der Grabungen von 1992 bis 2000 (Band 6, erscheint voraussichtlich 2006/2007) sowie die Resultate der zwischen 1997 und 2001 durchgeführten Geländeprospektionen und der damit in Zusammenhang stehenden Grabungen außerhalb des Kastells im Jahr 2002 (Band 7) vorgelegt werden. 

Kooperationen

Die Auswertung der Grabungen werden gemeinsam von der RGK, dem AIM Sofia und dem HM Ruse durchgeführt. Außerdem sind Spezialisten verschiedener naturwissenschaftlicher Fachrichtungen aus Bulgarien, Polen und Deutschland daran beteiligt. 

Ansprechpartner

Dr. phil. Gerda Sommer-von Bülow

Römerzeit
Telefon: 069-975818-32
Telefax: 069-975818-38
Email: vonbuelow@rgk.dainst.de

Literatur

Iatrus-Krivina. Ergebnisse der Ausgrabungen, Bd. 1-5.
Darüber hinaus zahlreiche Aufsätze, zusammenfassend: G. v. Bülow, Das spätantike Kastell Iatrus am Unterdonau-Limes in Bulgarien. Ber. RGK 75, 1994, 5-22.
Aktuelle Informationen finden Sie im Internet-Magazin der Römisch-Germanischen Kommission "Spuren der Jahrtausende":
G. v. Bülow, Iatrus - ein spätantikes Kastell an der Unteren Donau  

 


 
 

Aktualisiert: 20.03.2008

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