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Archäologisches Projekt Nasca-Palpa, Peru
Neuerscheinung 2009
Die Kultur- und Landschaftsgeschichte der Region um Palpa, Süd-Peru, wird in enger Zusammenarbeit von Archäologen und Naturwissenschaftlern erforscht. Geoglyphen der Nasca- und Paracas-Kultur werden erstmals großflächig dokumentiert.
Lage
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Lage von Palpa, Südküste Peru
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Das Untersuchungsgebiet liegt an der südlichen Küste Perus, etwa 400 km südlich der Hauptstadt Lima und 40 km nördlich des Ortes Nasca (Abb. Lage von Palpa, Südküste Peru). Es umfasst die Wüstengebiete in der Umgebung des Ortes Palpa und die Täler der Flüsse Rio Grande, Rio Viscas und Rio Palpa.
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Geschichte
Die Küstenwüste Südperus ist zumindest seit der Formativzeit (Initialzeit 1800-800 v. Chr., Paracas-Kultur 800-200 v. Chr.) permanent besiedelt. In der Frühen Zwischenperiode (200 v. Chr. - 600 n. Chr.) erlebte sie mit der Nasca-Kultur eine Blüte. Die extreme Aridisierung des Klimas gegen Ende der Nasca-Zeit führte jedoch zu einem kulturellen Niedergang. Erst in der Späten Zwischenperiode (1000-1400 n. Chr.), in einer Phase zunehmender Feuchtigkeit, kam es zu einem erneuten Aufschwung der Bevölkerungsentwicklung. Die Herrschaft der Inka (ab ca. 1400) wurde mit der Ankunft der Spanier in Peru (1532) beendet. Danach war die Region Teil des spanischen Kolonialreiches. Heute haben sich nur noch wenige vorspanische Traditionen in dieser Region erhalten.
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Ziele
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Palpa, Geoglyphen an einem Talhang
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Die Kulturgeschichte einer Region steht in engem Zusammenhang mit ihren jeweiligen klima- und landschaftsgeschichtlichen Gegebenheiten. Ziel des Projektverbundes Nasca-Palpa ist die Erforschung der Kultur- und Landschaftsgeschichte der Region um Palpa an der Südküste Perus über einen möglichst langen Zeitraum, vom Beginn der Besiedlung der Region (nach jüngsten Funden um 3800 v. Chr.) bis zum Ende der vorspanischen Zeit (ca. 1530 n. Chr.). Mit Hilfe von Kartierungen, Gelände- und Fundortaufnahmen, Ausgrabungen und geoarchäologischen Untersuchungen werden die kulturellen Hinterlassenschaften (Siedlungen, Gräber, Petroglyphen und Geoglyphen) systematisch dokumentiert und damit die archäologischen Grundlagen für die wissenschaftliche Erforschung der Kulturgeschichte des Nasca-Gebietes geschaffen. Die jahrtausendealten Geoglyphen (Bodenzeichnungen oder Scharrbilder [Abb. Palpa, Geoglyphen an einem Talhang]) werden mit modernsten photogrammetrischen Methoden erstmals in einem größeren Gebiet kartiert und beschrieben. Damit liefert das Archäologische Projekt Nasca-Palpa einen Beitrag zum Erhalt eines der wichtigsten Bodendenkmäler Südamerikas. In enger Zusammenarbeit von Archäologen und Naturwissenschaftlern werden verschiedene Methoden und Technologien der Prospektion und der Datierung von Funden und Befunden neu- bzw. weiterentwickelt und hinsichtlich unterschiedlicher Fragestellungen getestet. Eines der wesentlichen Ziele ist dabei die Erarbeitung einer numerischen Chronologie für die Südküste Perus. Daneben werden neueste Methoden zur Analyse menschlicher und tierischer Überreste entwickelt und erprobt. Der Einsatz dieser Methoden soll es ermöglichen, Lebensumstände und Umweltbedingungen der vergangenen Kulturen im Untersuchungsgebiet zu rekonstruieren.
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Forschungsgeschichte
Die Südküste Perus wurde vom Beginn des 20. Jhs. an archäologisch erforscht. Die frühen Unternehmungen konzentrierten sich auf Grabfunde, insbesondere die polychromen Keramikgefäße und Textilien der Paracas- und Nasca-Kultur, deren stilistische Untersuchungen erste Vorstellungen von der Vorgeschichte der Region erlaubten. Die Geoglyphen wurden erstmals 1926 von Wissenschaftlern beschrieben und seit 1940 näher erforscht, was eine Unzahl von zum Teil phantastischen Hypothesen zu deren Deutung hervorbrachte. Siedlungsstudien begannen erst um 1957. Seit 1980 wird die Nasca-Kultur systematischer untersucht und die Geoglyphen werden in den Zusammenhang mit den Siedlungen der Region gestellt. An nur wenigen Orten des Nasca-Gebietes wurden Ausgrabungen vorgenommen. Der Publikationsstand zu archäologischen Funden und Befunden der Nasca-Kultur ist äußerst dürftig. Die Erforschung der Paracas-Kultur beschränkte sich weitgehend auf die nördlich des Untersuchungsgebietes gelegene Paracas-Halbinsel und das Ica-Tal (Abb. Lage von Palpa an der Südküste Perus). Nennenswerte Paracas-zeitliche Siedlungsbefunde aus dem Nasca-Gebiet waren bislang nicht bekannt. Auch zur frühesten keramikführenden Kultur der Region, der Initialzeit (1800-800 v. Chr.), lagen bislang kaum Untersuchungen vor.
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Bisherige Arbeiten
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Virtuelle Überfliegung des digitalen Geländemodelles (3 MB, im Internet Explorer möglich) |
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Chillo, Arbeiten am Profil eines Abfalldepots |
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Nach der Erfassung und Charakterisierung der naturräumlichen Gegebenheiten im Forschungsgebiet wurden die archäologischen Fundplätze systematisch durch Oberflächenbegehungen, topographische Vermessungen und Testgrabungen erfasst. Die Geoglyphen wurden mit photogrammetrischen Methoden dreidimensional kartiert, im Gelände vollständig dokumentiert (s. Virtuelle Überfliegung des digitalen Geländemodells) und anschließend einer archäologischen Analyse unterzogen. Intensive Siedlungsgrabungen bzw. Ausgrabungen in Gräberfeldern, Grabanlagen und Abfalldepots wurden an folgenden Fundorten durchgeführt:
- Pernil Alto - ein Fundort im mittleren Rio Grande-Tal mit Siedlungsbefunden und Gräbern aus dem Mittleren Archaikum (ca. 3800-3000 v. Chr.), der Initialzeit (1500-800 v. Chr.) und Frühen Paracaszeit (800-600 v. Chr.). - Jauranga - ein Fundort der Mittleren und Späten Paracas-Kultur (600-200 v. Chr.) im Palpa-Tal. - Los Molinos und La Muña - zwei bedeutsame Fundorte der Frühen bzw. Mittleren Nasca-Kultur (ca. 100-450 n. Chr.) im unteren Rio Grande-Tal. - Parasmarca - ein Fundort der Späten Nasca-Zeit (450-600 n. Chr.) im mittleren Rio Grande-Tal, an dem aber auch Siedlungsspuren von der Initial-Zeit bis hin zum Mittleren Horizont zu finden sind. - Chillo - ein Fundort der Späten Zwischenperiode (1000-1400 n. Chr.) im mittleren Rio Grande-Tal (Abb. Chillo, Arbeiten am Profil eines Abfalldepots).
Die Grabungen ermöglichten die Dokumentation einer weitgehend lückenlosen Abfolge der Kulturstufen im Raum Palpa, die mittlerweile von den Spuren frühester Bodenbauern um 3800 v. Chr. bis zur Zeit der Inkas im 15. Jh. n. Chr. reicht.
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Aktuelle Arbeiten
Die photogrammetrische Kartierung des Untersuchungsgebietes ist abgeschlossen und wird zur Zeit mit Hilfe eines geographischen Informationssystems ausgewertet. Neben den Nasca-zeitlichen Geoglyphen werden auch deren Vorläufer aus der Paracas-Zeit, die in Palpa erstmals umfassend dokumentiert werden konnten, untersucht. Eine Gesamtkartierung und archäologische Analysen eines Teilgebietes der Geoglyphen liegen bereits in gedruckter Form vor (s. Reindel/Lambers/Grün 2003, Lambers 2006). Die Daten der Prospektion und der Siedlungsgrabungen werden für die Publikation aufbereitet. Die vorläufigen Ergebnisse zur Kultur- und Landschaftsgeschichte werden mit naturwissenschaftlichen Verfahren präzisiert. Dazu werden im Rahmen eines vom BMBF geförderten Projektverbundes Nasca/Palpa in enger Zusammenarbeit von Archäologen und Naturwissenschaftlern neue naturwissenschaftliche Methoden und Technologien entwickelt, die einen Beitrag zur Lösung von Forschungsproblemen der Region Palpa sowie der Archäologie und Landschaftsgeschichte im Allgemeinen leisten können.
Im Herbst 2004 fand in Palpa eine Feldkonferenz zum Thema "Entwicklung und Adaption archäometrischer Techniken zur Erforschung der Kulturgeschichte von Palpa" statt, in deren Rahmen auch das vom Projekt eingerichtete Lokalmuseum eröffnet wurde. Darin wurden die im Projekt verwendeten Methoden und vorläufigen Ergebnisse einem breiteren Publikum vorgestellt und die Kulturgeschichte der Region mit Grabungsfunden erläutert.
Die Abschlusskonferenz zum BMBF-Projektverbund Nasca/Palpa fand am 14./15. Juni 2007 im Wissenschaftszentrum in Bonn statt.
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Methoden
Die Topographie und die Geoglyphen werden photogrammetrisch kartiert und mit Hilfe eines Geoinformationssystems ausgewertet (s. Photogrammetrische Rekonstruktion der Geoglyphen von Nasca und Palpa an der ETH Zürich). Die archäologischen Arbeiten erfolgen mit den bewährten Methoden der Prospektion und Ausgrabung sowie der stratigraphischen und typologischen Analyse von Funden und Befunden. Die Anwendung zerstörungsfreier geophysikalischer Prospektionsmethoden (Magnetometermessungen, Geoelektrik) im Vorfeld der Grabungen ermöglichen eine gezielte Auswahl der Grabungsbereiche. Für die numerische Datierung von Artefakten und Sedimenten kommen die Radiokarbon- und die Thermolumineszenz-Methode zur Anwendung, stratifizierte Sedimente werden mit der Methode der Optisch Stimulierten Lumineszenz (OSL) datiert. Die Weiterentwicklung dieser und die Neuentwicklung weiterer Technologien zur numerischen Datierung archäologischer Funde und Befunde, insbesondere der Geoglyphen und der zugehörigen Baubefunde, sind eines der wesentlichen Ziele des Projektverbundes Nasca/Palpa. Hinzu kommen Verfahren zur Untersuchung anthropogener Überreste sowie neue Verfahren zur Materialanalyse.
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Ergebnisse
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Pernil Alto, Initialzeitliche Gebäudereste |
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Pernil Alto, Kompositgefäß |
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Jauranga, Lehmziegelbauten |
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Jauranga, Grabkeramik der Phase Ocucaje 8 |
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Der Fundort Los Molinos |
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Los Molinos, Gebäudereste im Zentrum des Fundortes |
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La Muña, Ausgrabungen in einem Schachtkammergrab |
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La Muña, Rekonstruktion eines Schachtkammergrabes |
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La Muña, Rekonstruktion der Grabadeckung eines Schachtkammergrabes |
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La Muña, Rekonstruktion eines Schachtkammergrabes mit Aufbauten |
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La Muña, Opfergefäß |
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Im Forschungsgebiet um Palpa (Abb. Lage von Palpa, Südküste Peru) findet sich eine große Anzahl vorspanischer Siedlungsreste in unmittelbarer Nähe oder sogar in Verbindung mit Bodenzeichnungen (Abb. Palpa, Geoglyphen an einem Talhang). Ein detaillierter Survey des Gebietes, Vermessungen, Testgrabungen und die Analyse von Oberflächenfunden von mehr als 700 Fundstellen belegen, dass das Untersuchungsgebiet zumindest von der frühen Formativzeit (ca. 1500 v. Chr.) bis zum Ende der vorspanischen Zeit (1532 n. Chr.) durchgehend besiedelt war. Allerdings lassen sich erhebliche Veränderungen in der Siedlungsdichte und bedeutende Verlagerungen der Siedlungszentren in den Tälern beobachten, was nach neuesten Erkenntnissen auf klimatische Veränderungen zurückzuführen ist. Bodenzeichnungen wurden zuerst in der Paracas-Zeit (800-200 v. Chr.) angelegt und entwickelten sich in der frühen und mittleren Nasca-Zeit (0-450 n. Chr.) zur vollen Blüte. Nach der Nasca-Zeit (600 n. Chr.) wurden keine Geoglyphen mehr hergestellt.
Die Ausgrabung von kleinen Gebäuden auf den Hochflächen brachte neue Ergebnisse zur Frage der Funktion der Geoglyphen: In den Steinbauten, die als Teile der Geoglyphen angesehen werden können, fanden sich Opfergaben, die offenbar im Zusammenhang mit Wasser- und Fruchtbarkeitskulten niedergelegt wurden. Zusammen mit Pfostensetzungen, die ebenfalls erstmals bei den Scharrbildern entdeckt wurden, bildeten Geoglyphen, Tempel und Sichtmarken eine Rituallandschaft für Wasser- und Fruchtbarkeitskulte, die als die eigentlichen heiligen Plätze der Nasca-Bevölkerung angesehen werden können.
Ergebnisse gegliedert nach Kulturstufen:
Initialzeit:
An dem Fundort Pernil Alto, am rechten Talrand des Rio Grande, konnten Siedlungsbefunde der Initialzeit und der frühen und mittleren Paracas-Zeit nachgewiesen werden. Neuste Datierungen von Befunden aus den frühen Siedlungsschichten reichen sogar in die Archaik (3800-3000 v. Chr.)!
Pernil Alto erstreckt sich an den Talhängen des Rio Grande und in ein Trockental hinein. Bei Magnetometermessungen waren hier große, rechteckige Strukturen und Siedlungsreste nachgewiesen worden, die auf eine ausgedehnte Siedlung hindeuteten. Die topographische Vermessung des Fundortes auf einer Fläche von etwa 200 m x 200 m bestätigte dieses Ergebnis: der detaillierte Vermessungsplan zeigt deutlich, dass die bei vorangegangenen Testgrabungen identifizierten Siedlungsreste bzw. Gebäude zu einer Siedlung mit weitläufigen Terrassenanlagen gehören.
Die Grabungen in 2004 und 2005 konzentrierten sich auf die Freilegung eines zusammenhängenden Gebäudekomplexes am Fuß des Talhanges, der weitgehend den Magnetometerbefund widerspiegelt (Abb. Pernil Alto, Initialzeitliche Gebäudereste). In dem an den Grabungsbereich angrenzenden Trockental wurden darüber hinaus Testgrabungen vorgenommen, um den Charakter und die Zeitstellung der dortigen Terrassierungen genauer zu bestimmen.
Pernil Alto ist der erste Fundplatz der Initialzeit an der Südküste Perus, der flächenhaft freigelegt wurde. Die Auswertung der Architekturstratigraphie ergab, dass ein etwa 40 m x 20 m großer Gebäudekomplex aus Lehmmauern und Holzpfosten in fünf Bauphasen kontinuierlich erweitert und modifiziert worden war. Radiokohlenstoffdatierungen aus mehreren Bauphasen datieren die Nutzung der Siedlung in den Zeitraum zwischen 1300 und 900 v. Chr..
Im Grabungsbereich wurden mehrere Bestattungen geborgen. Drei Bestattungen stammen aus Siedlungsschichten, die dem Bau der initialzeitlichen Gebäude vorausgehen. Durch neueste Datierungen konnten sie der Archaik (3800-3000 v. Chr.) zugeordnet werden (siehe Neuere Forschungen). Weitere Bestattungen stammen aus der Frühen Paracas-Zeit (800-700 v. Chr.) und aus der Nasca-Zeit (ca. 400 n. Chr.).
Für die Analyse des initialzeitlichen Fundmaterials gibt es derzeit nur wenig publiziertes Vergleichsmaterial von der Südküste Perus (Abb. Pernil Alto, Kompositgefäß). Erste Analysen des Fundmaterials lassen jedoch Übereinstimmungen mit charakteristischen Formen des wenigen publizierten Materials aus anderen initialzeitlichen Grabungen in Südperu (Hacha, Disco Verde) feststellen.
Die Terrassierungen in dem an den Grabungsplatz angrenzenden Trockental können auf der Basis der mit ihnen vergesellschafteten Keramikfunde der frühen und mittleren Paracas-Zeit (700-500 v. Chr.) zugeordnet werden.
Paracas-Zeit
Erste intensive Flächengrabungen am Fundort Jauranga im mittleren Palpa-Tal erbrachten Siedlungsreste, Gräber und Keramik, die den Fundplatz als Standort einer Paracas-zeitlichen Siedlung mit einfachen Lehmziegelbauten charakterisieren (Abb. Jauranga, Lehmziegelbauten). Der Ort war in einem Zeitraum von mindestens 600 v. Chr. bis etwa 200 v. Chr. durchgehend besiedelt. Darauf weist die Analyse des keramischen Fundmaterials hin, das den Stilphasen Ocucaje 5/6 bis 9 (550-200 v. Chr.) zuzuordnen ist (Abb. Jauranga, Grabkeramik der Phase Ocucaje 8). In der Phase Ocucaje 9 wurde die Siedlung aufgelassen und nur noch als Bestattungsplatz weitergenutzt. Insgesamt traten 49 Bestattungen der Paracas-Zeit zu Tage, darunter eine vierkammerige Grabanlage mit Lehmziegelmauern. Weitere 31 Bestattungen wurden in der Nasca-Zeit angelegt.
Jauranga ist als ländliche Siedlung zu charakterisieren, Monumentalarchitektur wurde bisher nicht festgestellt. Dennoch war Jauranga an ein gut funktionierendes Handelsnetz angeschlossen, wie Muschelfunde von der Küste und Obsidian aus dem Hochland der Anden belegen. Seine Lage am Talboden bezeugt die Bedeutung der Talauen für die frühen Siedlungsperioden. Zudem widerlegen die Grabungsergebnisse die bisherige Forschungsmeinung, die der Paracas-Kultur eine Bedeutung als Vorläufer der Nasca-Kultur absprach und von einer Herkunft der Nasca-Kultur von außerhalb des eigentlichen Nasca-Gebietes ausging.
Nasca-Zeit
Der Fundort Los Molinos ließ sich als regionales Zentrum für die frühe Nasca-Zeit (0-250 n. Chr.) identifizieren (Abb. Der Fundort Los Molinos). In Flächengrabungen wurden zwei große Bereiche mit monumentalen Terrassenanlagen, Höfen, Räumen, Säulenhallen und Korridoren dokumentiert (Abb. Los Molinos, Gebäudereste im Zentrum des Fundortes). Sie wurden über eine Zeitspanne von etwa 100 Jahren genutzt und nach der Zerstörung durch starke Regenfälle (!) aufgegeben. Nachfolgend wurden die Gebäude als Bestattungsplätze genutzt. Weitere Bestattungen fanden sich in einem nahegelegenen Gräberfeld. Insgesamt wurden in Los Molinos über 50 Gräber dokumentiert, etwa die Hälfte davon waren ungestört.
In der mittleren Nasca-Zeit (250-450 n. Chr.) wurde das Siedlungszentrum der Region zu dem naheliegenden Ort La Muña verlagert. Dort konzentrierten sich die Ausgrabungen auf eine Nekropole, deren aufwändige Grabarchitektur aus Lehmziegeln erstmals für die Nasca-Kultur dokumentiert werden konnte (Abb. La Muña, Ausgrabungen in einem Schachtkammergrab; Abb. La Muña, Rekonstruktion eines Schachtkammergrabes [Jens Tomkowitz]; Abb. La Muña, Rekonstruktion der Grabadeckung eines Schachtkammergrabes [Jens Tomkowitz]; Abb. La Muña, Rekonstruktion eines Schachtkammergrabes mit Aufbauten [Jens Tomkowitz]). Die zentralen Schächte der nach einem festen Baumuster angelegten Grabanlagen waren zwar geplündert, die Grabkonstruktion und zahlreiche unmittelbar nach der Grablegung zu Bruch gegangene, reich verzierte Keramikgefäße und Schmuckstücke aus Stein, Muschel und Gold konnten jedoch geborgen werden und vermitteln einen guten Eindruck von der ehemals reichen Ausstattung der Gräber.
Die Konstruktionen der Grabarchitektur auf Geländeniveau waren noch gut erhalten, auch dort fanden sich mit mythischen Wesen reich verzierte Gefäße und Reste von Kulthandlungen (Abb. La Muña, Opfergefäß). Auch La Muña wurde wegen starker Regenfälle aufgegeben. Probegrabungen an zerstörten Gebäuden und in einem Trockental erwiesen, dass starke Niederschläge zu Schlammströmen geführt und Teile der Nekropole und zugehörige Siedlungsbauten bedeckt haben.
Die geomorphologischen Untersuchungen haben gezeigt, dass die Region seit der Paracas-Zeit einem zunehmenden Desertifizierungsprozess ausgesetzt war. Andererseits kam es gelegentlich aufgrund von Klimaunregelmäßigkeiten in großen zeitlichen Abständen zu lokalen Niederschlagsereignissen, die zu erheblichen Beschädigungen der Lehmziegelbauten in den Nasca-Siedlungen führen konnten. Nachhaltigen Einfluss auf die Siedlungsentwicklung hatte jedoch in erster Linie die zunehmende Trockenheit, durch die der landwirtschaftlich orientierten Nasca-Kultur die Lebensgrundlage entzogen wurde. Somit ist anzunehmen, dass Klimaunregelmäßigkeiten und gelegentliche Niederschlagsereignisse in einer Phase extremer Trockenheit am Ende der Nasca-Zeit zu einer Destabilisierung der Nasca-Kultur führten und schließlich zu deren Niedergang beitrugen. Durch die Ergebnisse der laufenden geomorphologischen Untersuchungen wird dieses Bild der Landschafts- und Klimageschichte im Nasca-Gebiet zunehmend vervollständigt.
Auf der Grundlage der bislang erzielten Ergebnisse kann ein recht detailliertes Bild der Kulturentwicklung im Palpa-Tal entworfen werden. Wasserkulte spielten offensichtlich eine zentrale Rolle bei der Anlage der Bodenzeichnungen. Es wurde deutlich, dass die Träger der Nasca-Kultur in einer komplexen Gesellschaft mit fest etablierten sozialen Normen und Kontrollmechanismen lebten. Dieser hohe Entwicklungsstand erklärt die Produktion des äußerst qualitätsvollen Kunsthandwerkes und macht die offenbar geplante Anlage von Geoglyphen als Teil gemeinschaftlicher religiöser Kulte verständlich.
Eines der Ziele des Projektes Nasca ist es, eine möglichst lückenlose Abfolge der Kulturstufen im Raum Palpa zu dokumentieren. Dazu werden von archäologischer Seite die notwendigen Befunde zur Stratigraphie aus Siedlungsgrabungen geliefert. Eine der Zeitphasen - die späte Nasca-Zeit (450-650 n. Chr.) - war durch Grabungen in den nasca-zeitlichen Siedlungen Los Molinos und La Muña bisher noch nicht dokumentiert. Aus diesem Grund wurde in der Feldkampagne 2006 der Fundort Parasmarca (siehe Neuere Forschungen) im mittleren Rio Grande-Tal für intensivere Untersuchungen ausgewählt.
Späte Zwischenperiode
Der Fundplatz Chillo liegt am rechten Talhang des Rio Grande, etwa 4 km von Jauranga entfernt. Reste einer Siedlung, die sich nach Oberflächenfunden in die Späte Zwischenperiode (1000-1400 n. Chr.) datieren lässt, ziehen sich in etwa 100 m Höhe über dem Talboden an den Hängen entlang. Tiefer liegende Trockentäler wurden offenbar für die Entsorgung von Müll, aber auch zur Anlage einzelner Gebäude genutzt. In einem dieser Trockentäler ist durch Verfüllung und spätere Erosion ein etwa 6 m hohes Profil entstanden. Die Dokumentation und kontrollierte Ausgrabung dieser stratifizierten Abfallschichten mit reichhaltigem Fundmaterial bot die Möglichkeit, eine große Menge an Funden der bisher kaum erforschten Späten Zwischenperiode zu bergen (Abb. Chillo, Arbeiten am Profil eines Abfalldepots).
Die Ausgrabung erbrachte Hinweise auf eine langandauernde Nutzung (Terrassierungsmauern, Böden, Nivellierungsschichten) mit dazwischenliegenden Schwemmschichten. Die geborgene Keramik mit hohem Anteil an Feinkeramik wird erstmals eine ausführliche Charakterisierung der Keramik dieser Periode im Nasca-Gebiet ermöglichen. Erste Radiokarbondatierungen weisen darauf hin, dass an dieser Stelle über mindestens 200 Jahre lang Siedlungsabfälle angehäuft wurden.
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Kooperationen
Johny Isla Cuadrado, Instituto Andino de Estudios Arqueológicos (INDEA), Lima
Prof. Dr. Günther Wagner, Forschungsstelle Archäometrie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften am Max-Planck-Institut für Kernphysik
Dr. Bernd Kromer, Forschungsstelle Radiometrie am Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg
Prof. Dr. Bernhard Eitel, Geographisches Institut der Universität Heidelberg
Dr. Jörg Faßbinder, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München
Prof. Dr. Armin Grün, Institut für Geodäsie und Photogrammetrie, Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich
Prof. Dr. Bernd Herrmann, Institut für Historische Anthropologie und Humanökologie, Georg-August-Universität Göttingen
Prof. Dr. Peter Horn, Bayrische Staatsammlung für Paläontologie und Geologie, München
Prof. Dr. Stefan Hölzl, Staatlich Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns, Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München
Prof. Dr. Robert Sablatnig, Institut für Rechnergestützte Automation,Technische Universität Wien
Prof. Dr. Ernst Pernicka, Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Eberhard Karls Universität Tübingen
PD Dr. Michael Tellenbach, Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim
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Ansprechpartner
Dr. phil. Markus Reindel
Amerika
Telefon: +49-(0)228-997712-21
Telefax: +49-(0)228-997712-49
Email: reindel@kaak.dainst.de
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Förderung
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Förderschwerpunkt "Neue naturwissenschaftliche Methoden und Technologien in den Geisteswissenschaften"
Schweizerisch-Liechtensteinische Stiftung für Archäologische Forschungen im Ausland (SLSA), Zürich/Vaduz
AVINA-Stiftung, Hurden
Japan Maria Reiche Fund
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Literatur
Isla Cuadrado, Johny: "Grabsitten an der Südküste Perus: Neue Befunde von der Paracas-, Nasca- und Wari-Kultur". Archäologischer Anzeiger, Jubiläumsband 2004, 2 (2005). S. 96-98.
Isla Cuadrado, Johny; Markus Reindel: "New studies on the settlements and geoglyphs in Palpa, Peru". Andean Past, 7 (2005). S. 57-92.
Isla Cuadrado, Johny; Markus Reindel: "Burial patterns and sociopolitical organization in Nasca 5 society". Andean Archaeology III. North and South. W. H. Isbell; H. Silverman (eds.). New York, 2006. S. 374-400.
Reindel, Markus: "Landschafts- und Siedlungsgeschichte im Gebiet der Nasca-Kultur/Peru". Geographische Rundschau, 56/3 (2004). S. 22-29.
Reindel, Markus: "Wüstenzeichnungen und Wasserkulte: Geoglyphen und Siedlungsgeschichte in Palpa". Expeditionen in vergessene Welten: 25 Jahre archäologische Forschungen in Amerika, Afrika und Asien (AVA-Forschungen 10). Bonn, 2004. S. 17-46.
Reindel, Markus; Armin Grün: "The Nasca-Palpa Project: a cooperative approach of photogrammetry, archaeometry and archaeology". Recording, modeling and visualization of cultural heritage. E. Baltsavias et al. (eds.). London, 2006. S. 21-32. PDF (1,53 MB).
Reindel, Markus; Johny Isla: "Los Molinos und La Muña. Zwei Siedlungszentren der Nasca-Kultur in Palpa, Südperu / Los Molinos y La Muña. Dos centros administrativos de la cultura Nasca en Palpa, costa sur del Perú". Beiträge zur Allgemeinen und Vergleichenden Archäologie, 21 (2001). Mainz. 2001. S. 241-319. PDF (4,6 MB).
Reindel, Markus; Johny Isla Cuadrado: "Archäologisches Projekt 'Paracas in Palpa', Peru: Ausgrabungen und Forschungen im Jahr 2005". Jahresbericht der Schweizerisch-Liechtensteinischen Stiftung für Archäologische Forschungen im Ausland (2005). Zürich und Vaduz, 2006. S. 30-59.
Reindel, Markus; Johny Isla Cuadrado; Karsten Lambers: "Altares en el desierto: Las estructuras de piedra sobre los geoglifos Nasca en Palpa". Arqueología y Sociedad 17 (2006). S. 179-222.
Reindel, Markus; Johny Isla Cuadrado; Karsten Lambers: "Archäologisches Projekt 'Paracas in Palpa': Ausgrabungen und Forschungen 2004". Jahresbericht der Schweizerisch-Liechtensteinischen Stiftung für Archäologische Forschungen im Ausland (2004). Zürich und Vaduz, 2005. S. 25-44. PDF (0,5 MB).
Reindel, Markus; Karsten Lambers; Armin Grün: "Photogrammetrische Dokumentation und archäologische Analyse der vorspanischen Bodenzeichnungen von Palpa, Süd-Peru". Beiträge zur Allgemeinen und Vergleichenden Archäologie, 23 (2003). Mainz. 2003. S. 183-226. PDF (1,8 MB). Karte der Bodenzeichnungen PDF (2,4 MB).
Reindel, Markus; Günther A. Wagner (eds.): "Neue naturwissenschaftliche Methoden und Technologien für die archaeologische Forschung in Palpa, Peru". Publikation zur Feldkonferenz des Projektverbundes "Nasca: Entwicklung und Adaption archaeometrischer Techniken zur Erforschung der Kulturgeschichte". Lima, 2004.
Reindel, Markus; Günther A. Wagner (eds.): "New Technologies for Archaeology: Multidisciplinary Investigations in Palpa and Nasca, Peru". Heidelberg, Berlin, New York, 2009.
Vollständige Literaturliste
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