 |
Zambujal
|
 |
|
Zambujal (Torres Vedras): Untersuchungen einer kupferzeitlichen Befestigung und ihres Umlandes in Mittelportugal.
Zambujal (PT) ist heute ein internationales, interdisziplinäres Projekt mit wissenschaftlichen und denkmalpflegerischen Zielen.
Lage
| |
|
|
| |
Ausdehnung der kupferzeitlichen Befestigung
|
|
|
Die Befestigungsanlage des 3. und 2. Jt. v. Chr. liegt im Cencelho Torres Vedras (Provinz Estremadura, Distrikt Lissabon) etwa 14 km in Luftlinie von der heutigen Atlantikküste entfernt auf einem steil nach Westen abfallenden Sporn einer Anhöhe. Geoarchäologische Untersuchungen (im Jahre 1986) stellten fest, daß Zambujal bis in die zweite Hälfte des 2. Jt. v. Chr. höchstens 1 km von einem ehemaligen Meeresarm entfernt lag.
|
|
 |
Geschichte
| |
|
|
| |
Ausgrabung im Bereich des Bauernhauses
|
|
| |
|
|
| |
1., 2. und 3. Linie der Befestigung
|
|
Im Neolithikum der Iberischen Halbinsel ist im 4. Jt. ein technologischer Fortschritt zu verzeichnen (z. B.: Flächenretusche an Steinwerkzeugen, Steinarchitektur in Form von Megalithbauten, Untertage-Bergbau von Callaïs), zu dem vermutlich auch ein Spezialistentum gehörte. Im Zuge dieser Entwicklung kam es parallel zu den klimatischen Veränderungen vom Atlantikum (feuchter) zum Sub-Boreal (trockener) zu einem kulturellen und sozialen Wandel. Eigenartiger Weise führte dieser Wandel zu gegenläufigen Entwicklungen im Nordosten (Katalonien) und im Süden (dort vor allem im Bereich des Guadalquivir und Tejo/Tajo). An der Wende vom 4. zum 3. Jt. v. Chr. kommen im Südteil befestigte Siedlungen auf (z. B. Valencina de la Concepción (Sevilla) und Los Millares (Almería), Alcalar und Leceia in Portugal), in denen auch erstmalig Kupfermetallurgie zu finden ist; man spricht von einer 'Kupferzeit'. Anhand von besonderen Funden, z. B. aus Gold und Elfenbein, sowie Prunkgrabausstattungen läßt sich die Herausbildung von Eliten erkennen. Um die Mitte des 3. Jt. v. Chr. scheint vor diesem Hintergrund im Mündungsgebiet der genannten Flüsse eine Kulturausprägung entstanden zu sein, die heute als das 'Glockenbecher-Phänomen' bezeichnet wird und die sich im gesamten Westen Europas ausbreitete. Zambujal gehört in dieses Kerngebiet der frühen Metallurgie der Iberischen Halbinsel und der Glockenbecher-Bewegung.
|
 |
Ziele
1) Ergründung des Gesamtumfanges der Befestigungsanlage und einer sich möglicherweise außerhalb anschließenden Siedlung sowie die Suche nach der noch unbekannten Nekropole.
2) Untersuchung des Zentrums der Befestigungsanlage, in dem sich verschiedene Siedlungsstrukturen unter einer Bauernhausruine erhalten haben, und darüber hinaus die Untersuchung von Siedlungsstrukturen nach vor allem funktionalen Gesichtspunkten.
3) Erweiterung der Archäometallurgie-Forschung und der Studien zum Glockenbecher-Phänomen sowie archäometrische Keramikstudien, deren Ergebnisse zum überregionalen Vergleich dienen sollen.
4) Klärung von chronologischen Problemen, die bei der Kalibration der 14C-Daten aufgekommen sind.
5) Rekonstruktion der kupferzeitlichen Umwelt in Zusammenarbeit mit der Bodenkunde, Bergbauforschung, Archäobotanik, Pollenanalyse, Archäozoologie u.s.w.
6) In Zusammenarbeit mit den portugiesischen Behörden Konservierung der prähistorischen Baureste und Gestaltung eines Museums mit archäologischem Park.
|
 |
Forschungsgeschichte
| |
|
|
| |
Zambujal, Sondage C
|
|
Entdeckung des kupferzeilichen Platzes 1932 durch Leonel de Freitas Sampaio Trindade; 1946 Erklärung zum «Monumento Nacional». 1959 bis 1961 Ausgrabungen unter Leitung von Aurélio R. Belo und L. Trindade. Auf Einladung der Portugiesen 1964 bis 1973 Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Madrid in Zusammenarbeit mit dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Freiburg i. Breisgau unter Leitung von Edward Sangmeister und Hermanfrid Schubart (Abb.: 1., 2. und 3. Linie der Befestigung). 1994 und 1995 Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Madrid unter Leitung von Michael Kunst und Hans-Peter Uerpmann (Institut für Archäobiologie der Universität Tübingen) (Abb.: Ausgrabung im Bereich des Bauernhauses von Zambujal). Seit 1996 portugiesisch-deutsches Projekt mit den o.g. Zielen.
|
 |
Bisherige Arbeiten
Seit 1994 Topographische Aufnahmen; 1998 Erstellung eines Gutachtens über den Zustand des inzwischen zum Teil eingestürzten Bauernhauses, das aber selbst denkmalgeschützt ist, für das IPPAR durch den portugiesischen Bauingenieur J. Appleton von der Firma A2P. 1999 Ausarbeitung eines Gemeinschaftsprojektes des IPPAR und der Câmara Municipal de Torres Vedras mit dem Titel: Castro do Zambujal (Torres Vedras). Programa Global de Intervenção, in dem die wissenschaftliche Leitung des Projekts M. Kunst vom Deutschen Archäologischen Institut, Abteilung Madrid, übertragen wird; des weiteren Zeichenarbeiten und Berichte über die Grabungen von 1994 und 1995.
|
 |
Aktuelle Arbeiten
Grabungskampagne im Juli 2001 und archäometallurgische Untersuchungen an Kupferfunden von Zambujal und benachbarten Fundplätzen in Freiberg (Metallanalysen), und Sheffield (Metallographie). Grabungskampagne von Mai bis einschließlich Juli 2002 mit parallelen bodenkundlichen Untersuchungen und Pollenanalysen zur Rekonstruktion der kupferzeitlichen Umwelt. Ab dem Jahr 2002 begann Dr. Simon Davis von der portugiesischen Denkmalbehörde (IPA) mit archäozoologischen Untersuchungen. Begleitend beginnt ab 2004 ein DFG-Projekt zur Archäometallurgie und Montanarchäologie in Zusammenarbeit mit dem Institut für Archäometrie der Technischen Universität Bergakademie Freiberg (Sachsen).
Es laufen z. Z. 3 Magisterarbeiten und 2 Lizenziaturarbeiten zu Zambujal. Magisterarbeiten: Frau N. Lutz (Universität Marburg) bearbeitet die Funde aus Schnitt 92, Hauptfragestellung: Die Chronologie der 4. Linie; Herr M. Pieper (Universität Heidelberg) bearbeitet die Funde eines Schlämmprofils aus Schnitt 46, Hauptfragestellung: Erhärtung der absoluten Chronologie von Zambujal; Frau A. Romão (Universität: Faculdade de Letras, Lissabon) erarbeitet ein Projekt zur Konservierung und Restaurierung kupferzeitlicher Befestigungsanlagen in Portugal und speziell für Zambujal. Lizenziaturarbeiten: D. Lacerda (Universidade Nova, Lissabon) bearbeitet die Funde der unteren Schichten des AP-Bereichs (Schnitt 40/45), Fragestellung: Die Deutung des Befundes und seine Chronologie; B. da Silva (Universidade Nova, Lissabon) bearbeitet die Funde aus Sondage F (unterhalb des Steilabfalls), Fragestellung: Bestimmung der Funde und Vergleich mit den Funden der Befestigungsanlage.
|
 |
Methoden
Ausgrabungen mit weitgehender Einzelfundeinmessung mit Hilfe einer Totalstation, Aufnahme der Daten zur Weiterbearbeitung in elektronischen Datenbanken, Feintopographie, geophysiklische Prospektion mit Cäsium-Magnetometer, zeichnerische und fotografische (auch Luftbilder) Dokumentation von Befunden und Funden sowie naturwissenschaftliche Prospektions- und Auswertungsmethoden der beteiligten Nachbarwissenschaften.
|
 |
Ergebnisse
| |
|
|
| |
Mauerlinie 4 |
|
Im Inneren der Befestigungsanlage wurde zu allen Zeiten ihrer Existenz Kupfermanufaktur betrieben. Umbauten der Anlage zeigen, daß mehrfach das Konzept der Verteidigungsstrategie geändert wurde, woraus auf gewisse Befehlsstrukturen innerhalb der kupferzeitlichen Gesellschaft geschlossen wurde. Hinweise auf Wohnbereiche außerhalb der Befestigung, z. B. am Hang {Zambujal-4.gif} unterhalb des Steilabfalls des Bergsporns, auf dem die Befestigung liegt, erklären, wo die Siedlung der Bevölkerung, die zum Bau und zur Verteidigung der Anlage benötigt wurde, zu suchen ist. Die Befestigung selbst war um ein Vielfaches größer als bisher angenommen wurde, wie die im Jahr 2002 untersuchte 4. Mauerlinie mit Halbrundtürmen zeigt, die eine ähnliche Baugeschichte wie das Zentrum der Befestigungsanlage aufweist. {Zambujal-9.gif: Ausdehnung der kupferzeitlichen Befestigung von Zambujal; Zambujal--8.gif: Zambujal, Mauerlinie 4}. Die genannte Meeresbucht war wahrscheinlich für die Existenz der Siedlung von grundlegender Bedeutung, da einerseits verschiedene Materialien, die in Zambujal Verwendung fanden, von weit her antransportiert (z. B. Amphibolith, Elfenbein, Exotika wie eine Kaurischnecke, wahrscheinlich aber auch Kupfer), andererseits die in Zambujal hergestellten Kupferprodukte verhandelt werden mußten. Darüber hinaus scheint das Ende der Besiedlung am Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit mit dem Verschwinden der Meeresbucht in Zusammenhang zu stehen.
|
 |
Kooperationen
Dr. R. Parreira, der die bau- und denkmalpflegerischen Maßnahmen der Stadt Torres Vedras und der portugiesischen Denkmalbehörde (IPPAR) leitet; Die beiden Kampagnen von 1994 und 1995 waren eine Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dr. H.-P. Uerpmann, Institut für Archäobiologie der Universität Tübingen, die topographischen Arbeiten standen unter der Leitung von Dr. M. Höck (Universidade da Beira Interior in Covilhã, Portugal). Seit 2001 weitere Zusammenarbeit mit: Deutsches Archäologisches Institut, Eurasienabteilung: Dr. J. Görsdorf (14C-Datierungen); Universität Frankfurt: Prof. Dr. H. Thiemeyer und R. Dambeck (Bodenkunde) sowie Dr. A. J. Kalis und Dr. A. Schweizer (Pollenanalyse); Technische Universität Bergakademie Freiberg: Prof. Dr. E. Pernicka und Dr. M. Bartelheim (Archäometallurgie); Universität Sheffield: Prof. Dr. B. Ottaway (Metallographie); Universität Stuttgart-Hohenheim: Dr. H.-P Stika (Archäobotanik). Ab 2003 hat Dr. Simon Davis von der portugiesischen Denkmalbehörde (IPA) die Bearbeitung der Archäozoologie von Zambujal übernommen.
|
 |
Ansprechpartner
PD Dr. Michael Kunst
Vor- und Frühgeschichte
Telefon: + 34 - 91 - 561 09 04-29
Telefax: +34 - 91 - 564 00 54
Email: kunst@madrid.dainst.org
weitere E-Mail Adresse: fotothek@madrid.dainst.org
|
 |
externe Ansprechpartner
Dr. Rui Parreira, Coordenador do Núcleo da Fortaleza de Sagres, P-8560 Sagres, Tel.: +351/282/62 01 40; rparreira@ippar.pt
|
 |
Literatur
E. Sangmeister - H. Schubart, Zambujal. Die Grabungen 1964 bis 1973. Mit Beiträgen von A. v. d. Driesch, J. Boessneck, M. Hopf, G. Sperl, B. Kleinmann, in: Madrider Beiträge 5, Zambujal Teil 1 (Mainz 1981); sowie die Folgebände Madrider Beiträge 5, 2; 5, 3; 5, 4 von M. Kunst, E. Sangmeister, M. C. Jiménez Gómez, H.-P. und M. Uerpmann (im Druck); Aufsätze in den Madrider Mitteilungen 31, 1990, 21-82; 21-33; 37, 1996, 10-36; M. Kunst - H. P. Uerpmann, Revista Portuguesa de Arqueologia (im Druck).
|
|