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Russische Föderation: Suchanicha
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Suchanicha - Eine Nekropole aus vier Jahrtausenden sibirischer Vorgeschichte
Nekropole mit 4000 Jahren Belegungsdauer, Studien zur relativen und absoluten Chronologie der südsibirischen Vor- und Frühgeschichte.
Lage
Die Nekropole liegt im Minusinsker Becken, und zwar nur wenig nördlich von Minusinsk auf einer langgezogenen Terrasse am östlichen Hochufer des Enisej, nahe der Mündung des Flusses Tuba in den Enisej, unterhalb des Berges Suchanicha.
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Ziele
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Blick auf die Grabungsflächen
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Der Friedhof von Suchanicha bietet einerseits aufgrund seiner zentralen Lage innerhalb des Minusinsker Beckens und andererseits durch die Tatsache, dass dort fast sämtliche Perioden der südsibirischen Vor- und Frühgeschichte vom späten 4. Jt. v. Chr. bis zur Zeitenwende vertreten sind, ideale Voraussetzungen dafür, die Chronologie und Kulturentwicklung in dieser Region auf eine neue Grundlage zu stellen, wobei es insbesondere um die Lösung noch bestehender relativ- und absolutchronologischer Probleme geht, was für die weitere Erforschung der frühen Kulturen Sibiriens, insbesondere hinsichtlich ihrer Beziehungen zu den benachbarten Räumen, von zentraler Bedeutung ist.
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Forschungsgeschichte
Die Nekropole von Suchanicha war bisher noch nicht Gegenstand umfangreicher und systematischer Forschungen, von gelegentlich untersuchten Grabanlagen der Afanas´evo-Kultur abgesehen. Die großflächigen Freilegungen begannen 1995 und wurden im Jahr 2000 vorläufig abgeschlossen.
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Bisherige Arbeiten
Seit 1995 wurden zahlreiche Gräber der Afanas´evo-, Karasuk-, Kamennyj Log- sowie fast sämtlicher Phasen der Tagar-Kultur (Übergang Kamennyj Log/Bainov, Podgornovo, Saragas und Tes´) freigelegt. Im benachbarten Potrosilovo kommt eine Andronovo- und Karasuk-Nekropole hinzu, die damit eine wichtige Ergänzung zu Suchanicha darstellt. Teile der Grabanlagen, insbesondere die tagarzeitlichen Ecksteinkurgane, sind obertägig sichtbar. Daneben wurden aber 1998 geomagnetische Prospektionen (Dr. H. Becker und Dr. J. Faßbinder vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München) durchgeführt, die nun auch alle weiteren, unterirdischen Grabkonstruktionen sichtbar machten. Damit liegt ein fast vollständiger Plan der Nekropole vor, der es gestattet hat, gezielt die Grabungskampagnen zu planen und durchzuführen.
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Aktuelle Arbeiten
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Funde in einem Grab |
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Grabkiste der Karasuk-Kultur |
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Die Kampagnen 1999 und 2000 (Abb.: Suchanicha. Blick auf die Grabungsflächen von 2000) konzentrierten sich insbesondere aus den Übergang von der Spätbronze- zur Früheisenzeit, also auf die Abfolge der Karasuk- (Abb.: Suchanicha. Grabkiste der Karasuk-Kultur), Kamennyj Log- (Abb.: Suchanicha. Funde in einem Grab der Kamennyj Log-Stufe) und den verschiedenen Stufen der Tagar-Kultur. Dabei konnten zahllose Grabinventare dieser Kulturen freigelegt und etliche mit ihnen verbundenen Radiokarbondatierungen durchgeführt werden, die diesen kulturgeschichtlich besonders wichtigen Wandel in neuem Licht erscheinen lassen werden. Derzeit wird die Publikation der Funde und Befunde vorbereitet.
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Ergebnisse
Neben den zahllosen Grabinventaren der verschiedenen in Suchanicha vertretenen süd-sibirischen Kulturen sind insbesondere die Radiokarbondaten von Bedeutung, die bisher in Suchanicha gewonnen werden konnten und sich durch Proben von anderen, benachbarten Plätzen des Minusinsker Beckens und Chakassiens noch ergänzen ließen. Dabei zeichnet sich ab, dass die meisten sibirischen Kulturen deutlich älter anzusetzen sind als bisher angenommen. So liegt die äneolithische Afanas´evo-Kultur im späteren 4. und in der ersten Hälfte des 3. Jt. v. Chr. Die Daten für die Okunev-Kultur konzentrieren sich im ausgehenden 3. und frühen 2. Jt. v. Chr. Die nachfolgende Andronovo-Kultur (Fedorovka-Stufe) nimmt etwa die Zeit zwischen 1850 und 1450 v. Chr. ein. Für "klassisches" Karasuk und Kamennyj Log streuen die Datierungen ungefähr zwischen 1400 und 900 v. Chr., ehe unmittelbar danach die ältesten Tagar-Gräber der Bainov-Stufe einsetzen. Die Inventare der Tes´-Stufe aus Suchanicha konzentrieren sich um die Zeitenwende. Gegenwärtig sind noch zahlreiche weitere Daten in Arbeit, insbesondere aus den Grabungen der letzten Jahre, die weiteres umfangreiches Material der Kulturen Karasuk, Kamennyj Log und aus nahezu allen Stufen der Tagar-Kultur erbrachten. Wir sind sicher, dass sich nach Abschluss dieser in Arbeit befindlichen Forschungen die Chronologie des Minusinsker Beckens auf eine neue Grundlage wird stellen lassen.
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Kooperationen
Dieses Projekt wird von der Zentrale des DAI (Prof. Dr. H. Parzinger, Dr. A. Nagler) in Zusammenarbeit mit dem Kreismuseum Minusinsk (N. Leont´ev) und der Universität Abakan (V. Zubkov) durchgeführt.
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Ansprechpartner
Dr. phil. Anatoli Nagler
Vor- und Frühgeschichte Zentralasiens und Sibiriens
Telefon: +49(0)30/83008314
Telefax: +49(0)30/83008313
Email: an@dainst.de
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger
Vor- und Frühgeschichte
Telefon: 01888-7711-0
Telefax: 01888-7711-190
Email: hp@dainst.de
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Literatur
N. Leont´ev/H. Parzinger/A. Nagler, Die russisch-deutschen Ausgrabungen beim Berg Suchanicha am mittleren Enisej. Vorbericht der Kampagne 1995. Eurasia Antiqua 2, 1996, 175 ff.
J. Görsdorf/H. Parzinger/A. Nagler/N. Leont´ev, Neue 14C-Datierungen für die sibirische Steppe und ihre Konsequenzen für die regionale Bronzezeitchronologie. Eurasia Antiqua 4, 1998, 73 ff.
J. Görsdorf/H. Parzinger/N. Leont´ev/A. Nagler, New Radiocarbon Datings from the Siberian Steppe Zone and its Consequences for the Regional Bronze Age Chronology. Actes du Colloque 14C et Archéologie. 3ème Congrès International Lyon 6-10 avril 1998. Mémoires de la Société Préhistorique Française 26, 1999, 305 ff.
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