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Munigua

Munigua (Prov. Sevilla). Römische Stadt in der Sierra Morena mit einem monumentalen Terrassen-Heiligtum

Die Grabung in Munigua (ES) haben bereits 1956 begonnen und sind ressortiert bei der Abteilung Madrid des Deutschen Archäologischen Instituts. Seit 2000 gilt die Fragestellung der Wirtschaftsgrundlage der Stadt. Dieses Projekt ist auf sechs Jahre angelegt.

Lage

    
  Munigua von Westen  

In Andalusien ca. 50 km nordöstlich der Stadt Sevilla (Provinz Sevilla, Autonomie Andalusien) in den südlichen Ausläufern der Sierra Morena inmitten von Steineichen- und Korkeichenwäldern. Ortsüblicher Name: Castillo de Mulva. Kleines (Stadtfläche ca. 4 ha) römisches Municipium mit Terrassen-Heiligtum, Podiumstempel, kleineren Heiligtümern, einer doppelgeschossigen Halle, Forum, Thermenanlage, Villen, Stadtmauer und zwei Nekropolen. Am Fuße des Stadthügels liegt eine Quelle, die aufgrund einer geologischen Anomalie das ganze Jahr über Wasser führt.

Abteilungen:
Abteilung Madrid

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

    
  Munigua von Osten  

Die archäologischen Zeugnisse dokumentieren eine Besiedlung des Ortes über nahezu 1000 Jahre. Einer vorrömischen Phase, die nach spärlichen Keramikfunden etwa in der zweiten Hälfte des 5. Jhs. v. Chr. begonnen haben dürfte, können bisher keinerlei Baureste zugewiesen werden. Erst aus dem 1. Jh. v. Chr. ist eine Siedlung bekannt, deren Existenz sich wahrscheinlich aus Verhüttungsöfen erklärt, die auf dem Siedlungshügel in größerer Zahl gefunden wurden. Ein Patronatsvertrag auf einer Bronzetafel dokumentiert die Anwesenheit von Römern auf dem Platz. Ab den 70er Jahren des 1. Jhs. n. Chr. läßt sich der Ausbau der Stadt feststellen, der in einem Zuge erfolgt und zu Beginn des 2. Jhs. n. Chr. abgeschlossen ist (Abb.: Stadtansichten von Westen und von Osten). Er bedeutete die Aufgabe der Öfen auf dem Areal des Stadtgebiets. Ein Einschnitt in der Stadtgeschichte waren Zerstörungen größeren Ausmaßes, als deren Ursache ein Erdbeben im 3. Jh. n. Chr. vermutet wird. Die Bevölkerung richtete sich notdürftig in den Ruinen ein. Repräsentative Neubauten wurden nicht mehr in Angriff genommen. Spätestens im 6. Jh. n. Chr. scheint der Ort nahezu verlassen worden zu sein. Späterhin belegen allein vereinzelte Funde islamischer Keramik noch spärliches Leben am Ort.  

Ziele

Im Vergleich mit den vielen Römerstädten Hispaniens besitzt Munigua einen Ausnahmecharakter, der von Anfang an deutlich war und als dessen Sinnbild das stadtbeherrschende Terrassen-Heiligtum gelten kann, das einzige des Typs außerhalb von Latium/Italien. Die Forschung bemüht sich darum, die Gründe für den Ausnahmecharakter darzulegen und auf diese Weise eine synthetische Sicht der gesamten Stadt zu gewinnen. 

Forschungsgeschichte

Es lassen sich bisher drei Forschungsetappen fassen. In der ersten von 1956 bis 1977 galt die Aufmerksamkeit vornehmlich der Freilegung der Bauten auf dem Stadthügel sowie der Untersuchung des monumentalen Terrassen-Heiligtums. Daneben wurde die Ostnekropole erforscht. In der zweiten Etappe bis 1996 dagegen stand das Thema der Wohnbebauung im Vordergrund. In dieser Zeit wurden die Stadtvillen ausgegraben. Die dritte Etappe seither hat die Erkundung der wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt zum Ziele.  

Bisherige Arbeiten

    
  Vermessung der Kupfermine La Pepa  

Topographische Aufnahme der Minen und Abbaustellen, die sich in drei Fundgebieten konzentrieren: La Pepa, Puerto Cid und Manchallana. Bisher wurden die Fundpunkte La Pepa und Puerto Cid untersucht und dokumentiert sowie die Befundaufnahme in Munigua selbst abgeschlossen (Abb: Vermessung der Kupfermine La Pepa)  

Aktuelle Arbeiten

Auswertung des archäologischen Fundmaterials aus den oben genannten Fundpunkten sowie Beprobung von Gesteinen und Erzen. 

Methoden

Feldforschung (Survey) zur Erkundung der Fundpunkte unter Zuhilfenahme vorheriger Landaufnahmen von Prospektionsfirmen sowie von Informationen aus der Bevölkerung. Topographische Geländeaufnahmen über Tag und unter Tage. 

Ergebnisse

Der Ausnahmecharakter der Stadt wird durch folgende Beobachtungen deutlich:
- die Lage in den südlichen Ausläufern der Sierra Morena, weit jenseits des Flußtales des Guadalquivir, eine Lage, die nicht ohne weiteres aus sich selbst heraus erklärbar ist,
- die Gründung praktisch ex novo,
- der Stadtaufbau, der sich nicht in langsamem Wachstum, sondern in großer Schnelle vollzieht,
- die Errichtung des Terrassen-Heiligtums in einer architektonischen Form, welche zu dieser Zeit (ca 70 n. Chr.) bereits seit 160 Jahren nicht mehr gebaut wurde sowie der Rückgriff auf diesen Bautyp, der charakteristisch ist für die Region Latium in Italien und außerhalb davon überhaupt nirgends verwendet ist,
- der Umstand, daß die Stadt verlassen und späterhin nicht mehr besiedelt wird,
Eine Erklärung dafür darf von dem neuen Forschungsprojekt erhofft werden. Wie es scheint, war das Wohlergehen der Stadt so eng mit dem Erzabbau im Umland verknüpft (zunächst vor allem Kupfer und später Eisen, möglicherweise auch Gold), daß seine Erschöpfung unmittelbare Folgen für das Munizipium hatte.  

Kooperationen

Die Grabung erfolgt mit Genehmigung der spanischen Behörden. Zuständig ist die Dirección General de Bienes Culturales, eine Behörde der Abteilung für Kultur (Consejería de Cultura) der Junta de Andalucía. Es bestehen Kooperationen und Absprachen mit mehreren Universitäten und Forschungsinstituten, namentlich mit: Delegación Provincial, Sevilla; Eurasien-Abteilung des DAI, Berlin; Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik, München; Museo Arqueológico, Sevilla; Universität von Huelva; Universität von Sevilla; University of Southampton; Zentrale des DAI, Berlin. Die Teilnehmerzahl an den jährlich stattfindenden Kampagnen ist begrenzt. Interessierte Studenten können sich bewerben. 

Ansprechpartner

Prof. Dr. phil. Thomas G. Schattner

Klassische Archäologie
Telefon: + 34 - 91 - 561 09 04-21
Telefax: +34 - 91 - 564 00 54
Email: schattner@madrid.dainst.org

Literatur

Die monographische Reihe erscheint im Rahmen der Madrider Beiträge, die von der Abteilung Madrid herausgegeben werden. Bisher liegen vor die Bände I-IV, die Bände V und VI sind in Vorbereitung. Vorberichte sind in der Zeitschrift Madrider Mitteilungen veröffentlicht. Eine Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse bietet: Th. G. Schattner, Munigua. Cuarenta Años de Investigaciones (2003).  

 


 
 

Aktualisiert: 04.08.2008

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