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Phönizische Forschungen im Raum von Torre del Mar

Phönizische Forschungen: Siedlungsarchäologisches Projekt zur phönizischen Zeit an der Südküste Spaniens

Erforschung der frühen phönizischen Kolonisation

Lage

    
  Phönizische Goldanhänger  

Die Fundplätze Toscanos, Alarcón und Jardín liegen am rechten Ufer sowie der Cerro del Mar am linken Ufer des Río Vélez in seinem Mündungsbereich westlich von Torre del Mar (ES) ins Mittelmeer (Abb.: Der Cerro del Mar an der Vélez-Mündung). Östlich von Torre del Mar liegen Trayamar (Abb.: Phönizische Goldanhänger) und der Morro de Mezquitilla im Mündungsbereich des Río Algarrobo ins Mittelmeer.

Abteilungen:
Abteilung Madrid

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Ziele

Die Erforschung der frühen phönizischen Kolonisation an der Südküste der Iberischen Halbinsel, und die Entwicklung dieses Siedlungsgebietes seit dem 8. Jh. und während der folgenden punischen und römischen Epoche.  

Forschungsgeschichte

Ausgehend von den Forschungen Adolf Schultens (1939 und 1941) führten H.-G. Niemeyer und H. Schubart 1961 im genannten Gebiet Prospektionen durch, an die sich seit 1964 bis 1998 verschiedene Grabungskampagnen auf den genannten Fundplätzen anschlossen.  

Bisherige Arbeiten

    
  Cerro del Mar  

Die Grabungen in der Vélez-Bucht standen vorwiegend unter der Leitung von H. Schubart, H.-G. Niemeyer und O. Arteaga, in der Algarrobo-Bucht unter der Leitung von H. Schubart. Die Bearbeitung der Grabungsergebnisse wurde so aufgeteilt, daß H.-G. Niemeyer und H. Schubart für die Grabungen in Toscanos und den damit verbundenen Fundorten Peñón und Alarcón übernahmen, H. Schubart zusammen mit G. Maaß-Lindemann die Grabungen in Jardín, sowie O. Arteaga die Grabungen auf dem Cerro del Mar. Der Morro de Mezquitilla wird von H. Schubart bearbeitet. Die bisher letzte Grabung fand vom 15.2. bis 29.3.1998 auf dem Cerro del Mar unter Leitung von O. Arteaga statt.  

Aktuelle Arbeiten

    
  Phönizische Keramik  

Momentan werden bestimmte Themen und Fundmaterialgruppen von verschiedenen Spezialisten untersucht: Phönizische Keramik (Abb.: Trayamar: Phönizische Keramik des 7. Jh. v. Chr.) des 8. bis 5. Jhs. v. Chr.: G. Maaß-Lindemann; Weitmundige Gefäße von Toscanos: A. Peserico; Phönizische Amphoren aus Toscanos: R. Docter; Phönizische Amphoren des Morro de Mezquitilla: D. Marzoli; Punische Keramik des Morro de Mezquitilla: K. Mansel; Metallfunde des Morro de Mezquitilla: K. Mansel und S. Rovira; Handgemachte Keramik der gesamten Region: S. Puch. Eine Monographie über die Ausgrabungen in Toscanos und auf dem Alarcón sowie über die Gräber des Jardín wird z. Zt. für den Druck in den Madrider Forschungen 6,2 vorbereitet.  

Ergebnisse

    
  Cerro del Mar 1998  

Die Ergebnisse der letzten Ausgrabungen auf dem Cerro del Mar (Abb.: Cerro del Mar 1998) waren: Auf dem gewachsenen Schieferfelsen fanden sich einige Keramikfragmente des späten Neolithikums. Unmittelbar auf dem gewachsenen Fels sitzt ein vermutlich spätpunischer Mauersockel. Die Importkeramik (u. a. Campanische Ware A) deutet auf einen ungefähren Zeitansatz im 2./1. Jh. v. Chr. Der Abriß des zugehörigen Gebäudes erfolgte offensichtlich in caesarischer Zeit (späte Campanische Ware in der Planierschicht). Unmittelbar nach Abriß dieses spätrepublikanischen Baus wurden Mauerzüge mit leicht abweichender Orientierung angelegt. Diese somit wohl augusteische Bauphase war im Grabungsschnitt als mehrräumige Hausbebauung zu beiden Seiten einer kleinen, in Ost-West-Richtung laufenden Straße identifizierbar. Die aussagekräftige Stratigraphie ist durch Terra Sigillata julisch-claudischer Zeit bestens faßbar und belegt eine lebhafte Besiedlung in tiberisch/claudischer und neronischer Zeit. In flavischer Zeit erlebte die kaiserzeitliche Besiedlung des Cerro del Mar einen letzten Höhepunkt. Dabei wurde die aus augusteischer Zeit stammende Bausubstanz nur marginal verändert. Das Ende der Besiedlung wird durch einige Keramikfunde aus nachflavischer Zeit und einer Terrakotta aus der hadrianischen Epoche bestimmt. O. Arteaga interpretiert die Befunde als das bereits von A. Schulten gesuchte römische Maenoba.  

Kooperationen

Die letzten Grabungen auf dem Cerro del Mar wurden tatkräftig von der Stadt Vélez Málaga unterstützt, die z. Zt. dort die Einrichtung eines Archäologischen Parks plant. In diesem Zusammenhang entstand eine Kooperation mit Emilio Martín Córdoba, dem Kreisarchäologen von Vélez Málaga. Die weiteren zahlreichen Kooperationen im Verlauf des Projektes gehen aus den Publikationen und hier aus dem Abschnitt aktuelle Arbeiten hervor.  

Ansprechpartner

PD Dr. Michael Kunst

Vor- und Frühgeschichte
Telefon: + 34 - 91 - 561 09 04-29
Telefax: +34 - 91 - 564 00 54
Email: kunst@madrid.dainst.org
weitere E-Mail Adresse: fotothek@madrid.dainst.org

externe Ansprechpartner

Prof. Dr. H. Schubart, Gickelhof 7, D-35282 Rauschenberg.Prof. Dr. O. Arteaga, Dpto. de Prehistoria y Arqueología, Facultad de Geografía e Historia, Universidad de Sevilla, C/. María de Padilla s/n, E-41004 Sevilla, Tel.: +34/95/455 14 12, Fax: +34/95/455 14 11

Literatur

Neben zahlreichen Aufsätzen in den Madrider Mitteilungen und spanischen Zeitschriften sind vor allem folgende Monographien erschienen: R. F. Docter, Archaische Amphoren aus Karthago und Toscanos. Fundspektrum und Formentwicklung. Ein Beitrag zur phönizischen Wirtschaftsgeschichte (Amsterdam 1997); H.-G. Niemeyer - H. Schubart, Toscanos. Die altpunische Faktorei an der Mündung des Río Vélez. Lieferung 1: Grabungskampagne 1964, in: Madrider Forschungen 6, 1 (Berlin 1969); H.-G: Niemeyer - H. Schubart, Trayamar. Die phönizischen Kammergräber und die Niederlassung an der Algarrobo-Mündung, Madrider Beiträge 4 (Mainz 1975); H.-G. Niemeyer (Hrsg.), Phönizier im Westen. Die Beiträge des Internationalen Symposiums über »Die phönizische Expansion im westlichen Mittelmeerraum« in Köln vom 24. bis 27. April 1979, Madrider Beiträge 8 (Mainz 1982); H. Schubart - G. Maaß-Lindemann, La necrópolis de Jardín, Cuadernos de Arqueología Mediterránea 1, 1995, 55-213.  

 


 
 

Aktualisiert: 19.12.2007

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