Damaskus - 1979 durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt - verfügt als eine der wenigen Städte des islamischen Ostens über eine in weiten Teilen erhaltene historische Bausubstanz - auch der Wohnbebauung. Diese ist jedoch aufgrund des heutigen Strukturwandels besonders extra muros äußerst gefährdet. Die Dokumentation und Kartierung der historischen Bausubstanz ist daher in den Mittelpunkt des Projektes gerückt. Schwerpunkt des Surveys sind öffentliche und private Gebäude des 18. und 19. Jhs., die einen Großteil der Gebäude von Damaskus ausmachen. Jedoch erfaßt der Survey ebenso Entwicklungen des 16. und 17. Jhs.. Neben den Feldforschungen werden auch schriftliche Quellen, wie z. B. osmanische Jahresberichte der Provinz Syrien sowie Berichte von Zeitzeugen ausgewertet. In der zusammenfassenden Analyse werden Bauaktivitäten als Ausdruck gesellschaftspolitischer Entwicklungen verstanden.
Ergebnisse
Die Erfassung der historischen Bausubstanz erfolgt unter drei Schwerpunkten:
1. Die Forschungen zum osmanischen Stadtzentrum am Marga-Platz sind mittlerweile abgeschlossen. Die 113 verzeichneten Baumaßnahmen am neuen osmanischen Stadtzentrum sind hinsichtlich ihrer Form und Funktion sowie ihres urbanistischen Kontextes untersucht worden.
2. Der Bazar (Suq) von Damaskus wird ab dem späten 19. Jh. Zeuge einer enormen Umstrukturierung. Großzügige Anlagen werden durch seine engen Gassen geschlagen, die in Form und Aufbau grundlegend von ihren Vorläufern abweichen. Von den über 70 untersuchten Handelsgebäuden der Stadt stammen mehr als die Hälfte in ihrer heutigen Form aus der Zeit um die Jahrhundertwende.
3. Wohnhäuser machen den eigentlichen Reichtum der Stadt aus. Von den mehreren tausend historischen Häusern in Damaskus geht ein Großteil auf das 18. und 19. Jh. zurück. Die überaus reich dekorierten Bürgerhäuser des 18. Jhs. werden fast alle gegen Ende des 19. Jhs. umgestaltet. Dabei werden sie geformt durch ein neues osmanisches Kulturverständnis, dem anhand des Baudekors nachgegangen werden soll.
Kooperationen
Der Survey wird in Kooperation mit dem syrischen Antikendienst, der Stadtverwaltung von Damaskus, dem Institut Français des Etudes Arabs à Damas und demnächst mit dem Department of Oriental Languages and Cultures der Universität Utrecht durchgeführt.
externe Ansprechpartner
Dr.
Stefan Weber, Institute for the Study of Muslim
Civilisations, Agha
Khan University, 4-5 Bedford Square, London WC1B 3RA/UK, email: Stefan.weber@aku.eduweber@oidmg.org
Literatur
S. Weber, Der Marga-Platz in Damaskus. Die Entstehung eines modernen Stadtzentrums unter den Osmanen im Lichte strukturellen Wandels (1808-1919), Damaszener Mitteilungen 10, 1998.