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Didyma
Tempel, Heiligtum und Siedlung in Didyma: Neue Ausgrabungen im Nordwesten neben der Heiligen Straße
Lage
Heiligtum auf der milesischen Halbinsel an der Westküste der Türkei nahe dem Grenzverlauf der antiken Landschaften Ionien und Karien. Das antike Didyma liegt in der modernen Kreisstadt Didim ca. 130 km südlich von Izmir und ca. 80 km südwestlich der Provinzhauptstadt Aydin.
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Geschichte
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Ansichten des Apollontempels
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Das Orakelheiligtum des Apollon besteht vermutlich schon seit der Wende vom 2. zum 1. Jt. v. Chr. Seine Blüte erlebte es im 6. Jh. v. Chr., in dem ein neuer, diesmal monumentaler Tempel entstand. Nach dessen Zerstörung wurde um 330 v. Chr. ein dritter Apollontempel begonnen, der zu den größten Sakralgebäuden der griechisch-römischen Antike zählt, jedoch nie fertiggestellt werden konnte (Abb.: Ansichten des Apollontempels). In das offene Tempelinnere wurde im 5. Jh. n. Chr. eine Kirche eingebaut, später wurde das Bauwerk zu einer Festung; die umgebende Siedlung bestand vermutlich bis in das 14. Jh.
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Ziele
Im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses stehen die baulichen Veränderungen des Apollonheiligtums und die Suche nach den aus Texten bekannte Kultstätten von Artemis, Aphrodite, Zeus und anderen, die Infrastruktur der Heiligtumslandschaft, Wandlungen der Kulte und Kultpraktiken sowie wechselnde politische und soziale Bezüge nach außen im Laufe von über 2000 Jahren Nutzungsdauer. Didyma bietet die seltene Chance, die Entwicklung einer autonomen kultischen Keimzelle zu einem extraurbanen Heiligtum der Polis Milet nachzuvollziehen, an das sich allmählich Wohnhäuser angliederten. Die neuen Forschungen seit dem Jahr 2000 haben sich die Erforschung der Topographie des antiken Didyma zur Aufgabe gesetzt, da neben Apollontempel und dem Ende der Heiligen Straße wenig über die Anlage der Heiligtümer und der Wohnsiedlung bekannt ist.
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Forschungsgeschichte
Ch.-Th. Newton ergrub 1857-58 die Statuen der sog. Branchiden an der Heiligen Straße. Zwei französische Archäologen, O. Rayat und A. Thomas, begannen 1873 mit Grabungen an der Front des Apollontempels, die 1895-96 durch B. Haussoullier und E. Pontremoli fortgeführt wurden. Th. Wiegand arbeitete im Auftrag der Preußischen Museen Berlin von 1905-13 mit einem Heer von Arbeitern; ihm und seinem leitenden Architekten H. Knackfuß gelang, mit Nacharbeiten zwischen 1924-26, die endgültige Freilegung. Seit 1962 forscht das Deutsche Archäologische Institut unter den Grabungsleitern R. Naumann und K. Tuchelt in Didyma.
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Aktuelle Arbeiten
Schwerpunkte der letzten Jahre waren die Aufarbeitung der Befunde und Funde vom Ende der Heiligen Straße und die Erkundung des naturräumlichen Umfeldes. Parallel wird seit 1993 der Apollontempel behutsam und aufwendig konserviert. Seit dem Jahr 2000 finden geophysikalische Prospektionen rings um den modernen Ort Didim und Grabungen in den äußeren Zonen der Heiligen Straße statt. Dort wurden archaische Schichten mit Fragmenten hochqualitativer Keramik, Bronzeblechen, Waffen und Tonziegeln aufgedeckt, die auf ein Heiligtum hinweisen. Auf der anderen Seite der Heiligen Straße wurde die aufwendige Bebauung eines großen Areals neben der kaiserzeitlichen Therme mit mehreren Plätzen, Hallen und einer riesigen Zisterne ergraben.
Einzelprojekte sind den verschiedenen Fundgattungen wie bestimmten Keramikarten, Glas und Metall, Skulpturen und Statuenbasen sowie Einzelmonumenten wie Gebäudefundamenten und Schaufassaden gewidmet.
Seit 2003 werden die Arbeiten unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Furtwängler, Institut für Klassische Altertumswissenschaften, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, fortgesetzt: Abschließende Sondagen am Taxiarchis-Hügel, aus denen eine Belegung des Platzes im 7. Jh. v. Chr. hervorgeht. Bedeutende archaische Kleinfunde aus Abfallschüttungen. Restauratorische Konsolidierungsmaßnahmen am hellenistischen Didymaion. Beginn einer Neuvermessung sämtlicher erhaltener Bauglieder des archaischen Didymaions.
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Methoden
Die neuen Untersuchungen gliedern sich in folgende Arbeitsschritte: 1. Entwicklung von Fragestellungen, 2. Geophysikalische Voruntersuchungen, 3. Methodenwahl: Flächengrabung oder Sondagen? und 4. Umgang mit dem Ausgegrabenen; Bewahren und Konservieren.
In den neuen Grabungen wurde besonders mit gezielten kleinflächigen Sondagen gearbeitet, die sich als probates Mittel zur Beantwortung von vor allem topographischen Fragestellungen erwiesen.
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Ergebnisse
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Plan der Ausgrabungsareale |
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Während die ersten Arbeiten am Anfang des Jahrhunderts zunächst der Freilegung des Apollontempels und seiner Erforschung galten - die heute noch für die Bauzeichnungen an den Adytonwänden und ihre Beziehungen zum bestehenden Baukörper andauert -, rückte seit 1969 das Heiligtum als Ganzes in den Blickpunkt (Abb.: Ausgrabungsareale). Unter der Aufgabenstellung 'Tempel - Heiligtum - Siedlung' wurde das Ende der Heiligen Straße mit der sog. Felsbarre ausgegraben und damit ein sakrales Areal mit Quellfassungen und kleineren Gebäuden ans Tageslicht gebracht. Hier wurde vermutlich seit dem 7. Jh. v. Chr. eine weibliche Gottheit verehrt, deren Kult sich bis in die Kaiserzeit fortsetzte. Die Heilige Straße zeigt fünf verschiedene Lagen, deren früheste schon in das 6. Jh. v. Chr. zu datieren ist. Teilweise mit Marmor gepflastert war nur der letzte, um 101 n. Chr. erneuerte Prozessionsweg.
In den Jahren 1969 und 1972 wurde im Westen Didymas ein Gebiet mit Wohnhäusern und Straßen ergraben, das Funde von der archaischen Epoche bis in das 3. Jh. n. Chr. barg.
An der Heiligen Straße von Milet nach Didyma wurde auf der Hälfte der Strecke 1984 ein Bestattungsbezirk mit Marmorstatuen von Menschen und Sphingen unversehrt aufgedeckt.
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externe Ansprechpartner
Prof. Dr. Andreas Furtwängler, Institut für Klassische Altertumswissenschaften, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg e-mail: furtwaengler@altertum.uni-halle.de
Dr. Axel Filges, durch die Abteilung Istanbul des Deutschen Archäologischen Institus, Gümüssuyu / Ayazpasa Camii Sok. 48, 34437 Istanbul, Türkei, Tel : +90-(0)212-252 34 90, Fax : +90-(0)212-252 34 91, Email : sekretariat@istanbul.dainst.org
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Literatur
J. Fontenrose, Didyma: Apollo's Oracle, Cult, and Companions (1988); H. Knackfuß in: Th. Wiegand (Hrsg.), Didyma. Erster Teil: Die Baubeschreibung (1941); E. Pontremoli - B. Haussoullier, Didymes. Fouilles de 1895 et 1896 (1904); K. Tuchelt, Vorarbeiten zu einer Topographie von Didyma, 9. Beih. IstMitt (1973); K. Tuchelt, Branchidai - Didyma: Geschichte und Ausgrabung eines antiken Heiligtums, Zaberns Bildbände zur Archäologie 3 (1992); K. Tuchelt et al., Ein Kultbezirk an der Heiligen Straße von Milet nach Didyma, Didyma III 1 (1996); H. Bumke - A. Herda - E. Röver - Th. G. Schattner, AA 2000, 57 ff.
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