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x. abgeschlossene Projekte: Türkei, Gürcütepe (türkçe)
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Gürcütepe
Eine Talsiedlung des späten Frühneolithikums in der Südosttürkei
Lage
Der Gürcütepe liegt etwa 4 km südöstlich vom Zentrum der Provinzhauptstadt Şanlıurfa am nordwestlichen Rand der Harranebene. Es handelt sich um eine in einer Erstreckung von 1,2 km in Ost-West-Richtung gereihte Gruppe von vier akeramisch-neolithischen Siedlungshügeln, deren größter, Gürcütepe II, mit etwa 200 m Durchmesser 6 m über das Ebenenniveau ragt. Die Hügelkette reiht sich offensichtlich entlang eines im Quellsee von Urfa entspringenden Bachlaufs, der heute durch intensive Nutzung zur Bewässerung weitgehend verschwunden ist.
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Ziele
Der schon jetzt offenkundige Gegensatz beider Fundorte, die den Typus der "Bergsiedlung" (Göbekli Tepe) und der "Talsiedlung" (Gürcütepe) charakterisieren, soll durch die zukünftigen Forschungen näher beschrieben und interpretiert werden.
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Forschungsgeschichte
Die Hügelgruppe des Gürcütepe blieb als archäologische Fundstätte lange unerkannt. Erst die Grabungen einer türkisch-amerikanischen Gruppe am benachbarten, bronzezeitlichen Siedlungshügel von Kazane lenkten 1994 die Aufmerksamkeit auch auf den Gürcütepe, so dass 1995 in Abstimmung mit den Entdeckern die türkisch-deutschen Grabungen beginnen konnten.
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Bisherige Arbeiten
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Durch Erosion teilweise zerstörtes Steinfundament am Gürcütepe II |
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Grabungen des Museums Şanlıurfa und der DAI - Abteilung Istanbul seit 1995, seit 2001 in Zusammenarbeit mit der Orient-Abteilung des DAI. Flächengrabungen fanden auf den Hügeln Gürcütepe I und II statt. Am Gürcütepe II erbrachten sie Stampflehmgebäude des späten Frühneolithikums. Bekannt sind somit bisher zwei Bauschichten mit insgesamt sieben Häusern. In einer Freifläche wurde eine Sichel in situ beobachtet, die als Block geborgen werden konnten. Der offenbar hölzerne Träger war vergangen, bogenförmig angeordnet fanden sich acht Klingensegmente aus Silex, die mit einer bitumenartigen Masse verbunden sind.
Am Gürcütepe I konnten keramisch-neolithische Funde beobachtet werden, die sich jedoch nicht mit ergrabenen Bauschichten verbinden ließen. Mehrere Steingefäßbohrer lassen vermuten, dass am Gürcütepe I mit der Existenz derartiger Produktionsstätten zu rechnen ist.
Wie auf Gürcütepe II befand sich auch auf Gürcütepe I ein antikes Gräberfeld mit beigabenlosen, von Dachziegeln gedeckten Gräbern. Zwei aufwendiger angelegte, gemauerte Gräber mit stark gestörten Mehrfachbestattungen enthielten noch kleine Keramik- und Glasfläschchen, die eine genauere chronologische Einordnung erlauben werden.
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Aktuelle Arbeiten
Die für September und Oktober 2001 geplante siebte Kampagne soll der detailierten Fundaufarbeitung und der Präzisierung der Datierung dieses Platzes dienen.
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Methoden
Parallel zu den Grabungen werden paläozoologische und paläobotanische Untersuchungen durchgeführt.
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Ergebnisse
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Steinfundamente am Nordhang des Gürcütepe II, von Erosionsrinne teilweise zerstört |
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Die Analyse des Tierknochenmaterials erbrachte den wichtigen Befund, dass am Gürcütepe bei mehreren Tierarten frühe Domestikationserscheinungen zu beobachten sind. Diese fehlen auffälligerweise im Material des früheren Göbekli Tepe. Die reiche Faunenliste dieses Platzes beinhaltet ausschließlich Wildtiere, vor allem Auerochse, Gazelle, Wildschwein, Fuchs und Onager. Ein ähnlicher Befund deutet sich beim botanischen Material an: Kulturpflanzen am Gürcütepe und ihr Fehlen am Göbekli Tepe. Eine Tiefsondage am Gürcütepe II erbrachte als überraschendes Ergebnis, dass die neolithische Schichtenfolge offenbar auf die LPPNB-Periode beschränkt war. Dies gilt auch für die anderen Hügel der Gürcütepe-Gruppe. Vorbehaltlich der endgültigen Auswertung des Fundmaterials der Sondagen sind alle Hügel ins LPPNB zu datieren, frühere oder spätere Kulturschichten sind nicht nachzuweisen.
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Kooperationen
Die Grabungen am Gürcütepe sind Teil eines türkisch-deutsches Gemeinschaftsprojekts. Sie werden vom Museum Şanlıurfa in Zusammenarbeit mit dem DAI, Abteilung Istanbul und der Orient-Abteilung des DAI unternommen und von ArchaeNova e.V. Heidelberg unterstützt. Weitere Informationen, auch über Möglichkeiten für den Spender werbewirksamer finanzieller Unterstützung, über ArchaeNova, Postfach 101248, 69002 Heidelberg.
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Ansprechpartner
Prof. Dr. phil. Klaus Schmidt
Prähistorische Archäologie
Telefon: 01888-7711-110
Telefax: 01888-7711-189
Email: urfa@orient.dainst.de
weitere E-Mail Adresse: orient@dainst.de
Verweis: curriculum vitae, Veröffentlichungen
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Literatur
Beile-Bohn, M. - Ch.Gerber - M.Morsch - K.Schmidt, Neolithische Forschungen in Obermesopotamien. Gürcütepe und Göbekli Tepe, Istanbuler Mitteilungen 48,1998, 5-78; Schmidt, K., Zuerst kam der Tempel, dann die Stadt. Bericht zu den Grabungen am Gürcütepe und am Göbekli Tepe 1996-1999, Istanbuler Mitteilungen 50, 2000, 5-40.
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