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Göbekli Tepe, Türkei
Ein frühneolithisches Bergheiligtum im südosttürkischen Taurusvorland
Lage
Der 15m mächtige und etwa 300m im Durchmesser messende frühneolithische Göbekli Tepe liegt etwa 15 km nordöstlich der Stadt Şanlıurfa auf dem höchsten Punkt eines langgestreckten Bergzugs. Er ist von weither als dominierende Landmarke wahrzunehmen. Von hier aus reicht der Blick im Norden und Osten bis zum Taurusgebirge und zum Karaca Dağ, im Süden öffnet sich die Harranebene bis nach Syrien. Allein im Westen wird der Horizont schon bald durch nahe Höhenzüge begrenzt, die sich zwischen Şanlıurfa und das weiter im Westen gelegene Tal des Euphrats schieben.
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Forschungsgeschichte
Der Göbekli Tepe wurde schon im Jahr 1963 bei türkisch-amerikanischen Geländeerkundungen als archäologischer Platz aufgelistet und der Bericht von Peter Benedict 1980 veröffentlicht. Der Ort konnte in seiner Bedeutung damals jedoch noch nicht erkannt werden. Die mit zahllosen Steingeräten, aber auch mit großformatigen, regelmäßig geformten Werksteinen übersäten Hügelflanken ließen zunächst nicht an einen Platz denken, der der Zeit frühester Sesshaftigkeit, der Zeit des Umbruchs vom altsteinzeitlichen Jäger zum neolithischen Bauerntum, angehört. Ein verbesserter Forschungsstand ermöglichte schließlich ein Verstehen der Besonderheit dieses Hügels, der wie das Schliemann'sche Troja aus übereinandergetürmten Bauschichten besteht, doch um mindestens 5000 Jahre älter ist als die Stadt des Priamos.
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Bisherige Arbeiten
Grabungen des Museums Şanlıurfa und der DAI - Abteilung Istanbul seit 1995, seit 2001 in Zusammenarbeit mit der Orient-Abteilung des DAI. Die seit 1995 jährlich durchgeführten Grabungskampagnen erbrachten keine Wohnbebauung oder Befestigungen, sondern bislang unbekannte, monumentale, megalithische Kreisanlagen, an deren religiöser Funktion kaum Zweifel anzumelden sind. Tonnenschwere monolithische Pfeiler werden mit Mauerzügen, die Innen und Außen temenosartig abgrenzen, kreisförmig verbunden. Im Zentrum steht ein alles überragendes Pfeilerpaar. Auf den Pfeilern angebracht sind großformatige Reliefs von wilden Tieren wie Löwen und Stieren, von Keilern, Füchsen und Schlangen. Die Reliefs eröffnen den Blick auf eine Bildersprache, deren Ausdeutung zusammen mit der Gesamtbewertung der Befunde noch manch kontroversen Gelehrtendiskurs nähren wird. Deutlich ist schon jetzt, dass die frühesten bislang fassbaren Architekturformen keinesfalls klein und unscheinbar, sondern in unerwartet monumentaler Ausgestaltung erscheinen. Erst in den jüngeren Bauschichten des Göbekli Tepe wird eine Transformierung der Kreisanlagen zu miniaturhafteren Formen, auch zur rechteckigen Grundrissgestaltung, sichtbar.
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Aktuelle Arbeiten
In der 12. Kampagne 2006, die am 20.10. abgeschlossen wurde, waren die seit drei Jahren im Mittelpunkt der Ausgrabungen stehenden Erweiterungen der Grabungsflächen fortgeführt worden, die eine vollständige Freilegung der vier großen Pfeileranlagen A-D ermöglichen sollen. Als besondere Funde der Kampagne können eine Raubtierskulptur in Anlage C und ein besonders reich verzierter Reliefpfeiler in Anlage D angeführt werden.
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Ergebnisse
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Pfeiler 27 |
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Parallel zu den Grabungen werden paläozoologische und paläobotanische Untersuchungen durchgeführt, die zeigen, dass die Menschen, deren Wirken uns am Göbekli Tepe überliefert ist, noch einer wildbeuterischen Gesellschaftsstufe angehörten. Aus ihrer Sicht wird das neolithische Dorf, die altorientalische Stadt, erst in einer fernen Zukunft als Motor gesellschaftlicher Entwicklungen auf den Plan treten. Nur eine Versammlung der Jäger, die sich gleichsam zu "olympischen Treffen" auf dem Berg einfand, kann die Arbeitsleistung, die zur Errichtung der Bauten notwendig war, erbracht haben. "Zuerst kam der Tempel, dann die Stadt", wäre plakativ die Folgerung, die sich hieraus ableiten lässt. Sie gilt es bei den zukünftigen Grabungen zu bestätigen oder aber zu modifizieren.
Die jüngsten Bauschichten des Göbekli Tepe (Schicht II) datieren nach Ausweis archäologischer wie naturwissenschaftlicher Datierungen (C14) in die Zeit um 8000 v.Chr., die ältere Hauptbauphase (Schicht III) endet bereits um 9000 v.Chr. Das Alter der frühesten Besiedlung kann noch nicht bestimmt werden, doch lässt die mächtige Schichtenfolge eine mehrtausendjährige Geschichte des Platzes vermuten, die bis in die Altsteinzeit zurückreicht. Mit Schicht I werden die in den unteren Hangbereichen oft sehr mächtigen Sedimente bezeichnet, die durch natürliche Erosion, verstärkt durch die landschaftliche Nutzung des Hügels in der Neuzeit, entstanden.
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Kooperationen
Die Grabungen am Göbekli Tepe sind Teil eines türkisch-deutschen Gemeinschaftsprojekts. Sie werden vom Museum Şanlıurfa in Zusammenarbeit mit dem DAI, Abteilung Istanbul und der Orient-Abteilung des DAI unternommen und von ArchaeNova e.V. Heidelberg unterstützt. Weitere Informationen, auch über Möglichkeiten für den Spender werbewirksamer finanzieller Unterstützung, über ArchaeNova, Postfach 101248, 69002 Heidelberg.
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Ansprechpartner
Prof. Dr. phil. Klaus Schmidt
Prähistorische Archäologie
Telefon: 03018-7711-110
Telefax: 03018-7711-189
Email: urfa@orient.dainst.de
weitere E-Mail Adresse: orient@dainst.de
Verweis: curriculum vitae, Veröffentlichungen
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Literatur
Schmidt, K., Zuerst kam der Tempel, dann die Stadt. Bericht zu den Grabungen am Gürcütepe und am Göbekli Tepe 1996-1999, Istanbuler Mitteilungen 50, 2000, 5-40; ders., Göbekli Tepe, Southeastern Turkey. A Preliminary Report on the 1995-1999 Excavations, Paléorient 26.1, 2001, 45-54; Schmidt, K., Sie bauten den ersten Tempel. Das rätselhafte Heiligtum der Steinzeitjäger. Die archäologische Entdeckung am Göbekli Tepe, C.H. Beck, München (2006); Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.), Vor 12.000 Jahren in Anatolien. Die ältesten Monumente der Menschheit. Theiss Verlag, Stuttgart (2007).
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