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Hattusa/Boğazköy (türkçe)

Hattusa/Boğazköy

Erforschung der hethitischen Kultur in der Hauptstadt des Reiches

Lage

    
  Die Stadtanlage  

Ca. 150 km östlich von Ankara, bei dem Dorf Boğazkale (früher Boğazköy, Provinz Çorum), am Nordrand der antiken Landschaft Kappadokien. Rund 2 x 1 km messende Stadtanlage an einem felsigen Berghang (950-1250 m ü. NN). (Abb.: Die Stadtanlage)

Abteilungen:
Abteilung Istanbul

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Ziele

    
  Das Löwentor  

Erforschung der hethitischen Kultur und ihrer Vorläufer und Nachfolger. Als Hauptstadt war Hattusa von ca. 1650/1600 bis 1200 v. Chr. Sitz der Großkönige und der Reichsverwaltung sowie zentraler Kultort. Dementsprechend sind hier die besten Leistungen jener Zeit im Bereich von Architektur, Kunst und Handwerk zu studieren. (Abb.: Das Löwentor) Darüberhinaus enthalten die Texte der einzigartig reichen Keilschrifttafelarchive Schlüssel zum Verständnis von Religion und Kult, Staatspolitik, historischer Geographie und zahlreichen anderen Aspekten des Lebens im Alten Orient. In den letzten Jahren stehen Aspekte der Wirtschaftgeschichte und der Siedlungstopographie im Vordergrund der Forschungen. Das Projekt ist eine Ausgrabung der Zentraldirektion des Deutschen Archäologischen Instituts und wird von der Abteilung Istanbul des DAI betreut.  

Forschungsgeschichte

    
   

Entdeckung 1834 durch Ch. Texier; erste Ausgrabungen 1893-94; 1906-1912 erste umfassende Bestandsaufnahme und Auffindung größerer Keilschrifttafelsammlungen; seit 1931 kontinuierliche Grabungen unter der Leitung des DAI. Vollständige Freilegung der Palastanlage und von Teilen der Unterstadtsiedlung. Im Bereich der Oberstadt sind 30 Tempelgebäude und andere offizielle Bauwerke identifiziert worden. (Abb.: Plan von Hattuscha) Das Studium der Keilschrifttafeln von Hattusa (bislang ca. 30.000 Tafelstücke) hat zur Herausbildung des philologischen Fachgebiets Hethitologie geführt.  

Bisherige Arbeiten

1977 bis 1993 umfangreiche Ausgrabungen im Bereich der zentralen und östlichen Oberstadt.
1993 bis 1998 Grabungsprogramm zur Erforschung der Siedlungsgeschichte des Höhenrückens von Büyükkaya im Nordosten des Stadtgebiets Forschungsbericht Büyükkaya.
1999-2000 Untersuchungen an einem hethitischen Getreidesilo des 16. Jahrhunderts v. Chr. in der Unterstadt Forschungsbericht Silokomplex.
2000-2001 Untersuchungen an fünf künstlichen Teichbecken in der Oberstadt Forschungsbericht Südteiche

Aktuelle Arbeiten

Seit 2001 neues längerfristiges Grabungsprojekt zur Erforschung der Besiedlungsgeschichte der westlichen Oberstadt Forschungsbericht Westliche Oberstadt.
Im Jahr 2005 wurde die Rekonstruktion eines 65 m langen Teilstücks der hethitischen Lehmziegel-Stadtmauer abgeschlossen.
Daneben verschiedene Publikationsprojekte früherer Grabungsabschnitte.

Seit 2007 wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für Vorderasiatische Altertumskunde der Universität Münster einen Survey der Innenstadt durchgeführt, der sich erstmals der Dokumentation der auf den Felsen sichtbaren Abarbeitungen widmet.

Seit 2007 untersucht U.-D. Schoop (Universität Edinburgh) im Rahmen des Boğazköy-Projekt die chalkolithische Siedlung Çamlıbel Tarlası, die etwa 2 km westlich der hethitischen Stadt liegt.  

Ergebnisse

Erste Siedlungsspuren am Ort stammen aus dem Chalkolithikum (6. Jahrtausend v.Chr.). Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. frühbronzezeitlicher Fürstensitz, im 19.-18. Jh. v. Chr. zusätzlich Standort einer assyrischen Handelskolonie. Seit dem späten 17. Jh. v. Chr. Hauptstadt und Residenz der hethitischen Großkönige. Im Lauf der folgenden Jahrhunderte Erweiterung des ummauerten Stadtgebiets von 79 auf 180 Hektar und monumentaler Aus- und Neubau der Befestigungen und Palastanlagen. Einrichtung eines Tempelviertels in der Oberstadt. Aufgabe der Stadt um 1200 v. Chr., etwa gleichzeitig mit dem Zusammenbruch des Hethitischen Großreichs. In geringem Umfang Wiederbesiedlung im "Dunklen Zeitalter" der frühen Eisenzeit, dann größere Siedlung der "phrygischen" Eisenzeit im 9.-5. Jh. v. Chr. Weitere Ansiedlungen in galatisch-hellenistischer, römischer und byzantinischer Zeit.

Ausführlichere Informationen zur Geschichte und zu den Grabungen finden Sie auf der Hattusa Projekt-Webseite

Kooperationen

Die Arbeiten finden mit Genehmigung der türkischen Generaldirektion der Denkmäler und Museen statt Kultusministerium der Republik Türkei.
Aufnahme und Publikation der Keilschrifttexte liegen bei der Kommission für den Alten Orient der Akademie der Wissenschaften in Mainz.
Im Rahmen des DFG-Projekts "Untersuchungen zur Umweltgeschichte und Agrarökonomie im Einzugsbereich hethitischer Städte" werden botanische Untersuchungen von Forschern der Christian-Albrechts-Universität Kiel und der Eurasienabteilung des DAI, Abteilung Paläobotanik, durchgeführt.
Am Altorientalischen Institut der Universität Leipzig ist ein weiteres DFG-Projekt unter dem Titel "Die Siegel der hethitischen Großkönige auf Tonbullen aus dem Nişantepe-Archiv in Boğazköy/Hattusa" angesiedelt. 

Ansprechpartner

PD Dr. Andreas Schachner

Vorderasiatische Archäologie
Telefon: + 90-(0)212-393 76 24
Telefax: + 90 - (0)212-393 76 40
Email: schachner@istanbul.dainst.org

Externe Ansprechpartner

Dr. Jürgen Seeher
(Grabungsleiter bis 2005)

DAI Abteilung Istanbul
Ayazpaşa Camii Sok. 46
TR-34437 Istanbul
Telefon: + 90-(0)212-393 76 25
Telefax: + 90 - (0)212-393 76 40
Email: seeher@istanbul.dainst.org

Förderung

Teilaspekte der Arbeiten in Hattusa werden bzw. wurden gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Deutschen Orient-Gesellschaft und der Theodor Wiegand Gesellschaft. Als Sponsor unterstützen JT International , die Gerda Henkel Stiftung (2008) und DS-Concept (2008) das Projekt.  

Literatur

Allgemeinverständliche Einführungen: K. Bittel, Hattuscha, Hauptstadt der Hethiter (1983); P. Neve, Hattusa, Stadt der Götter und Tempel (1996); J. Seeher, Hattuscha-Führer. Ein Tag in der hethitischen Hauptstadt (3. Auflage, 2006).
Wissenschaftliche Monographiereihen: Boğazköy I (1935) - VI (1984); Boğazköy-Berichte 7 (2004) und 8 (2006); Boğazköy-Hattusa. Ergebnisse der Ausgrabungen I (1952) - XIX (2005); Keilschrifturkunden aus Boğazköy I (1921) - LX (1990); Keilschrifttexte aus Boghazköi 1 (1916) - 58 (2008); Studien zu den Boğazköy-Texten 1 (1965) - 48 (2006); Boğazköy-Texte in Umschrift BOTUC-Projekt. - Vorberichte zu den laufenden Grabungen erscheinen jährlich im Archäologischen Anzeiger (Berlin) und in Kazı Sonuçları Toplantısı (Ankara).

Neuere Projekt-Publikationen

 

 


 
 

Aktualisiert: 04.03.2009

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