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Hellenistische Burganlage auf dem Karasis
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Turm mit Elefantenrelief
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Elefantenrelief
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Sonntag, den 05.03.2006
19.30 - 20.15 Uhr
ZDF Expedition
Schliemanns Erben
Mit Prof. Dr. Adolf Hoffmann, Direktor der Abteilung Istanbul,
Der Schatz Alexander des Großen
Dokumentation, Deutschland, 2005
323 vor Christus. Alexander der Große stirbt 32-jährig und hinterlässt ein Riesenreich. In dem wohl erfolgreichsten Feldzug der Weltgeschichte hat er in nur zwölf Jahren ein Imperium geschaffen und unermessliche Schätze erobert. Wer aber bekommt das Erbe? Seine Feldherren - die Diadochen - teilen sich die Beute. Doch die Erbstreitigkeiten werden die nächsten Jahrhunderte prägen: Die Diadochenkämpfe. Es geht um Einfluss, Macht und vor allem um Geld. Die antiken Geschichtsschreiber Diodor und Strabon berichten von einer geheimnisvollen versteckten Bergfestung "Kyinda", die irgendwo in Kilikien den Kriegsschatz des Diadochen Seleukos behüten soll. Eine Legende? Bis heute ist der Ort unentdeckt, vom Schatz fehlt jede Spur.
Eine der spektakulärsten archäologischen Neuentdeckungen des letzten Jahrzehnts führt das "Schliemanns Erben"-Team in die Türkei, in eben dieses Kilikien. Dort wurden auf dem beinahe 2000 Meter hohen Berg Karasis die Ruinen einer gewaltigen Festungsanlage entdeckt. Die Forscher trauten ihren Augen nicht, als sie vor bis zu 15 Meter hoch anstehenden Mauern, Türmen und ausgedehnten Kasematten standen. Ein Rätsel bis heute: Wie konnte eine derartige Festung in einem solch einzigartigen Erhaltungszustand bisher unentdeckt bleiben? Weitere Fragen kamen schnell hinzu: Wer hat die Burg auf dem Karasis gebaut, wann und vor allem wozu?
Professor Adolf Hoffmann vom Deutschen Archäologischen Institut, Abteilung Istanbul, und sein türkischer Kollege Professor Mustafa Sayar machen sich an die Enträtselung der versteckten Bergfestung. Schnell erkennen sie, dass es sich um ein Bauwerk aus der Zeit der Diadochenkämpfe handeln muss, und als der Inschriftenforscher Sayar ein Elefantenrelief entdeckt, liegt der Schluss nahe: Das muss eine seleukidische Burg gewesen sein. Der Elefant war das Wappentier des Diadochen Seleukos und seiner Nachfolger. Mit modernsten archäologischen und naturwissenschaftlichen Methoden setzen die Forscher ihre Arbeit fort.
150 Kilometer weiter südlich erforscht Professor Gunnar Brands von der Universität Halle die Hauptstadt der Seleukiden: Antiochia. Einst eine der Weltmetropolen der Antike und in einem Atemzug genannt mit Rom, Alexandria und Konstantinopel ist von der Stadt Antiochia heute so gut wie nichts erhalten, die moderne Siedlung Antakya bedeckt das gesamte Gebiet der ehemaligen Seleukiden-Hauptstadt. Einzig Teile der Stadtmauer stehen noch. Umso wertvoller sind die Informationen, die Brands Team daraus lesen kann. Wichtigstes Ergebnis: Antiochia war eine gefährdete Stadt, die immer wieder angegriffen und erobert wurde. Was liegt also näher, als den Staatsschatz, das Erbe Alexanders, an einen sicheren Ort zu bringen, in ein uneinnehmbares Versteck in den Bergen.
Auf dem Karasis haben Hoffmanns Mitarbeiter einen großen Speicherbau vermessen, 60 Meter lang und zwölf Meter breit, auf einer steilen Felsnadel gelegen. Nach ihren Berechnungen konnten dort 700 Tonnen Getreide gelagert werden. Dank eines ausgeklügelten Belüftungssystems herrschten perfekte Lagerbedingungen. So konnte sich die Burgbesatzung jahrelang verteidigen. Doch wozu der Aufwand? Für die Archäologen verdichten sich die Anzeichen, dass es sich hier um das sagenhafte "Kyinda" handelt. Selbst eine Schatzkammer haben sie mittlerweile identifiziert. Ein unscheinbares, aber ungewöhnlich stark gemauertes Gebäude im Rücken einer Residenz. Doch Münzen, Schmuck oder gar einen Schatz haben die Archäologen bisher nicht gefunden.
Ein ähnliches Schicksal teilen die Ausgräber von Pergamon, Hochburg eines weiteren Diadochen. 9000 Talente Silber, sage und schreibe 162 Tonnen Edelmetall mit einem heutigen Wert von umgerechnet mehreren Milliarden Euro sind seit den Tagen des großen Streits verschollen. Doch den Archäologen geht es nicht nur um den sagenhaften Reichtum. Ihnen geht es um die Entzifferung von Botschaften aus einer der verworrensten Epochen der Weltgeschichte. Die Suche nach dem Schatz der Diadochen führt den Zuschauer in eine Zeit dauernder Kriege, in der sogar die Kelten von Mitteleuropa bis ins anatolische Hochland zogen, um einen Teil des märchenhaften Nachlasses Alexanders zu erbeuten. Sie führt aber auch in eine Zeit, die unglaubliche kulturelle, technische und architektonische Leistungen hervorbrachte. Die neu entdeckte Bergfestung auf dem Karasis ist ein atemberaubendes Beispiel dafür.
Länge: 45 min
Regie: Gisela Graichen und Peter Prestel
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