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Uzbekistan: Dzharkutan

Zentren der älteren Zivilisation Baktriens. Ausgrabungen in Dzharkutan.

Prähistorische proto-urbane Großsiedlung mit Monumentalarchitektur - Tempel oder Palast?

Lage

Dzharkutan liegt im Westen der süduzbekischen Provinz Surkhandaria, ca. 50 km nordwestlich von Termez, 5 km südöstlich von Sherabad. Großflächige Siedlung auf den Uferhügeln eines alten Bachtales, mit 'Zitadelle', zwei Monumentalbauten, Töpferviertel und ausgedehnten Nekropolen.

Abteilungen:
Eurasien-Abteilung

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

Karte

 

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Geschichte

    
  Djarkutan, Lageplan  

Dzharkutan ist eine der größten Siedlungen der spätbronzezeitlichen Oxuskultur (Baktrisch-Margianischer Archäologischer Komplex, BMAC, in S-O-Turkmenistan, S-Uzbekistan und N-Afghanistan), an der östlichen Peripherie dieses eigenständigen, erst seit ca. 25 Jahren bekannten Kulturkreises, der von der älteren Bronzezeitkultur Turkmenistans hergeleitet wird. Über seine Genese und Datierung bestehen unterschiedliche Meinungen. Wenige vermeintliche Schriftzeichenfunde erlauben kaum eine sichere sprachliche Zuordnung. In der sowjetischen Wissenschaft, der die Erforschung bisher hauptsächlich zu verdanken ist, spielt ein vermuteter Zusammenhang mit Herausbildung und Wanderung arischer Stämme und die Entstehung zoroastrischer Religion eine bedeutende aber unbewiesene Rolle. 

Ziele

Wesentliches Ziel der neuen Arbeiten ist es, durch eine umfassende und genaue archäologische und naturwissenschaftliche Bestandsaufnahme eine breite und zuverlässige Grundlage für die sachliche Diskussion der anstehenden Fragen zur Geschichte des Platzes und zum Verständnis der gesamten Kulturperiode zu gewinnen. Unter den zahlreichen offenen Fragen geht es in besonderem Maße um die Präzisierung des Zeitansatzes und um die Funktionsanalyse der Monumentalarchitektur. 

Forschungsgeschichte

   Bestattung in der Nekropole am Südrand der Siedlung  
  Bestattung in der Nekropole am Südrand der Siedlung  

Die Grabungen in Djarkutan wurden 1993 vom Uzbekischen Archäologischen Institut begonnen und 1994 als Gemeinschaftsprojekt der deutschen und uzbekischen Institute wiederaufgenommen. Während der ersten Grabungen waren der Zitadellenhügel mit einer kastellartigen Anlage, die oberen Schichten einiger Wohnkomplexe und des Monumentalgebäudes im Siedlungsgebiet sowie das Töpferviertel untersucht und mehr als 1.500 Gräber ausgegraben und z. T. publiziert worden. Die relative Chronologie von Keramik und Kleinfunden sowie die Zuordnung zu anderen Fundplätzen der Oxuskultur in der Margiana und Nordafghanistan wurde weitgehend herausgearbeitet. Die Siedlungsgeschichte wurde anhand der Keramikentwicklung in drei Hauptperioden unterteilt: Djarkutan - Kusali - Mullali, die zwischen der älteren Sapalli- und der späteren Bustanperiode angesetzt wurden. 

Aktuelle Arbeiten

    
  Djarkutan, Lageplan  

Grabungen in verschiedenen Bereichen der Siedlung weisen die Nordhälfte nicht nur als den älteren, sondern aufgrund des qualitätvollen Fundmaterials und der Bebauung mit gehöftartigen Lehmziegelkomplexen, auch als den Bereich einer sozialen Oberschicht aus; im Südteil scheinen vor allem Stampflehmhütten und Werkstätten gelegen und haben. Die Grabungen in den tieferen Schichten des Zitadellenhügels deckten unter den Resten der Umfassungsmauer reiche bronzezeitliche Wohnhäuser auf, denen zufolge die Mauer erst in einer späten bronze- oder eisenzeitlichen Phase entstanden sein kann. Es ist in Betracht zu ziehen, dass in Djarkutan nur auf dem Zitadellenhügel früheisenzeitliche Keramik auftritt. – Unter einem reichen Wohngebäudekomplex auf Hügel V wurde eine große Lehmziegelplattform gefunden, mit der offenbar die Flanke des Hügels terrassiert worden ist. – In den unteren Schichten des Monumentalgebäudes auf Hügel VI wurden 8 m breite Rundbastionen an der 4 m starken Umfassungsmauer und eine differenziertere, den besser erhaltenen vergleichbaren Bauten in der Margiana (Togolok u.a.) entsprechende Innenraumgliederung nachgewiesen. - Unter der Westhälfte des Monumentalgebäudes wurden Teile eines Vorgängerbaus mit regelmäßigem Grundriß, bis zu 7 x 7 m großen Räumen und verschiedenen Öfen gefunden, der seiner Keramik zufolge in die noch mit der Sapalli-Periode überlappende früheste Djarkutanphase gehört. Unter der Osthälfte des Monumentalgebäudes liegen zur gleichen Frühphase gehörige Öfen und Werkstätten; unter einigen hier gefundenen Bestattungen wurde in einem Katakombengrab erstmals eine Nachbestattung beobachtet, für die der Grabschacht nochmals geöffnet worden war. – Das Fundmaterial aus den Untersuchungen in der Nekropole, das wie zu erwarten die am sichersten abgegrenzten Fundkomplexe darstellt, erwies sich als entscheidender Leitfaden für die Keramikdatierung in der Siedlung. In Verbindung mit den neu zutage geförderten Grabinventaren wird auch das Fundmaterial aus den älteren Grabungen in Djarkutan und Sapellitepe einer umfassenden Neubearbeitung unterzogen. 

Methoden

Neben der archäologischen Feldarbeit werden naturwissenschaftliche Untersuchungen am Fundmaterial durchgeführt: 14-C-Messungen, archäobotanische und paläozoologische Untersuchungen, Glasuranalysen an Fritteperlen sowie archäometallurgische Untersuchungen an den Bronzefunden von Djarkutan und darüber hinaus von anderen Fundplätzen in Uzbekistan. 

Ergebnisse

Die neuen Grabungen lassen eine wesentlich differenziertere Siedlungsgeschichte in Djarkutan erkennen, als bisher zu vermuten war. Die Beobachtungen auf dem Zitadellenhügel sind entscheidend für die Frage, ob mit einer ununterbrochenen Siedlungskontinuität von der Spätbronze- zur Früheisenzeit zu rechnen ist, oder ob der Platz nach dem Untergang der Oxuskultur zwischenzeitlich unbesiedelt blieb. Die neugefundene, große Lehmziegelplattform auf Hügel V, die anscheinend nicht mit der teilweise darüber liegenden Wohnbebauung in Verbindung steht, wirft noch nicht zu beantwortende Fragen zum ursprünglichen Bauprogramm auf. Die Befunde am Monumentalgebäude auf Hügel VI sichern endgültig seine Zugehörigkeit zu diesem durch die besser erhaltenen Beispiele in der Margiana (Togolok u.a.) belegten, wichtigen Monumentalbautyp der Oxuskultur und geben eine realistische Grundlage für die Diskussion über seine ehemalige Funktion. Diese ist entscheidend wichtig für unser Verständnis des sozialen, politischen und ideologischen Hintergrundes dieser spätbronzezeitlichen Gesellschaft. Die bisherige 14C-Messungen belegen einen möglichen Besiedlungszeitraum zwischen ca. 1950 und 1450 v.Chr., d.h. eine maximale Siedlungsdauer von ca. 500 Jahren. Da Djarkutan nicht zu den frühesten Fundorten der Oxuskultur gehört, wird deren Frühdatierung zunehmend wahrscheinlich. 

Kooperationen

Die Grabungen wurden als Gemeinschaftsprojekt der Eurasien-Abteilung des DAI, Berlin, und dem Archäologischen Institut der Akademie der Wissenschaften Uzbekistans, Samarkand, durchgeführt. 

externe Ansprechpartner

Dr. Dietrich Huff, über das Deutsche Archäologische Institut, Eurasien-Abteilung, Im Dol 2-6, D-14195 Berlin, Tel: +49-(0)1888-7711-187; Fax: +49-(0)1888/7711-189; Email: eurasien@dainst.de
Dr. Shapulat Shaidullaev, Archaeological Institute of the Academy of Sciences, 703051 Samarkand, ul. Akad. Abdullaeva 3, Uzbekistan, Email: archaeo@online.ru.

Literatur

A. A. Askarov/T. S. Sirinov, Rannaja gorodskaja kul'tura epochi bronzy juga srednej Azii (Samarkand 1993).

A. A. Askarov/T. S. Sirinov, in: Bulletin of the Asia Institute 8, 1994, 13 ff.

D. Huff, in: Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte 18, 1997, 83 ff.

D. Huff, in: Archäologische Entdeckungen I (Mainz 2000).

D. Huff, in: Istorija material'noi kul'tury Uzbekistana 31, 2000, 58 ff.

D. Huff, in: Archäologischer Anzeiger 1998 ff. (Jahresbericht 1996 ff.).  

 


 
 

Aktualisiert: 30.07.2008

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