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Das vorgeschichtliche Salzsiedezentrum und das Gräberfeld von Gò Ô Chùa, Provinz Long An - (bằng tiếng Việt)

Untersuchungen zur Archäologie und Landschaftsgeschichte der Prä-Angkor-Periode im Mekong-Delta - Südostasien

Lage

    
  Ausgrabungsplatz Gò Ô Chùa (7) und neu entdeckte Fundplätze mit Tonstützen  

Seit 1993 führt die Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen des Deutschen Archäologischen Instituts alljährlich Feldforschungen in Vietnam durch. Während der ersten zehn Jahre konzentrierten sich Ausgrabungen und Untersuchungen vor allem auf Fundplätze der eisenzeitlichen Sa-Huỳnh-Kultur, die während der letzten Jahrhunderte v. Chr. in Mittelvietnam verbreitet war. 2003 wurde eine neues Forschungsprojekt mit Ausgrabungen in Gò Ô Chùa, Provinz Long An, etwa 2km südlich der Grenze nach Kambodscha begonnen. Dieser Siedlungshügel besteht aus drei Erhebungen - insgesamt 450 m lang, 150 m breit, bis zu 4 m hoch. Alle drei Bereiche bergen umfangreiche Hinterlassenschaften mehrperiodiger Besiedlung, eines Salzsiedezentrums und eines ausgedehnten Gräberfeldes. Er liegt etwa 100 km westnordwestlich von Saigon und 140 km entfernt von der heutigen Meeresküste unmittelbar am 11 Breitengrad.

Abteilungen:
Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen (KAAK) Bonn

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

 

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Ziele

    
  Schnittabschnitt im Randbereich des Südhügels  
    
  Südhügel von Gò Ô Chùa  

In den nächsten Jahren sollen die Feldforschungen auf ähnliche Fundstellen mit Salzsiedekeramik auf beiden Seiten der südvietnamesisch-kambodschanischen Grenze in den Provinzen Long An und Svay Rieng ausgedehnt werden. Dabei ist beabsichtigt, die Rohstoffbasis, die technologischen Verfahren, den früheren Küstenverlauf, die kulturelle Vernetzung und die Handelsverbindungen dieses Gebietes 1500 Jahre vor der Khmer-Periode zu klären. Ein zweites Problemfeld ist die Belegungsdauer und kulturelle Stellung des Gräberfeldes von Gò Ô Chùa.  

Bisherige Arbeiten

Die von 2002-2004 durchgeführten Ausgrabungen auf dem Gräberfeld der Sa-Huỳnh-Kultur von Lai Nghi in Mittelvietnam sind nach Bergung von 63 Gräbern in Auswertung. Unter den reichen Beigaben sind unter anderem über 10000 Perlen aus Schmucksteinen, Glas und Gold, Eisengerätschaften sowie bronzene Gefäße und Spiegel. Die meisten Funde gehören in die Zeit des 2./1. Jh. v. Chr.  

Aktuelle Arbeiten

    
  Auf dem Nordhügel von Gò Ô Chùa  
    
  Tonstützenvarianten  

Für 2008 und 2009 sind archäologisch-geologische Surveys geplant, um weitere Fundplätze mit Tonstützen nachzuweisen und die Umwelt dieses Siedlungsplatzes zu rekonstruieren. Anthropologische Untersuchungen von etwa 50 Individuen des Gräberfeldes des 1. Jahrtausends n. Chr. sind abgeschlossen und in Auswertung. Ein erster Band über die bisherigen Funde und Grabungsergebnisse in Gò Ô Chúa ist mit etwa 15 Einzelbeiträgen aller beteiligter Kooperationspartner in Arbeit und soll Anfang 2009 erscheinen. 

Ergebnisse

    
  Elfenbeinarmring  
    
  Körperbestattung mit Gefäßbeigaben  
    
  Körperbestattung auf dem Südhügel  

Während der Ausgrabungskampagnen bis 2006 entdeckte das deutsch-vietnamesische Team ausgedehnte Deponien von Tonstützen des letzten Jahrtausends v. Chr. Der Typ hat zahlreiche Parallelen auf verschiedenen europäischen Salzsiedeplätzen der späten Bronze- und frühen Eisenzeit.

Die Gesamtfläche von Gò Ô Chùa umfasst rund 65 000 m2. Bisher wurden insgesamt 7 Sektoren mit einer Gesamtfläche von über 231 m2 ausgegraben. Die Kulturschichten haben im Zentrum der Hügel eine Stärke bis zu 2,60 m, am Hügelrand von 0,60 m. Die Fundumstände sprechen dafür, dass mindestens 40000 m2 auch Tonsäulen bergen. Nach vorsichtigen Schätzungen könnten die drei Hügel 10-20 Millionen Tonstützenfragmente enthalten, die von etwa 2-4 Millionen Tonstützen stammen.

Bisher wurde keine Keramik entdeckt, deren Form oder große Anzahl eine Verwendung als Siedegefäße nahe legt. Denkbar sind Siedegefäße aus organischen Materialien, wie z.B. aus Bambus, Kokosnussschalen oder anderem Material (palm spathes), deren Außenseite durch eine Kalkschicht geschützt wurde, so wie es in verschiedenen historischen und ethnographischen Quellen dieser Region belegt ist.

Radiokarbondaten von Proben aus verschiedenen Schichten der Tonstützendeponien auf allen drei Hügeln sprechen für ununterbrochene Tätigkeit von 1000-350 v. Chr.

Außerdem birgt Gò Ô Chùa ein ausgedehntes Gräberfeld mit Bestattungen aus mehreren Zeitphasen, die meisten datieren jedoch in das 1. Jahrt. n. Chr. Bisher wurden 64 Gräber geborgen, die bisher größte vor- und frühgeschichtliche Skelettserie ganz Südvietnams und Kambodschas. Die Toten - Frauen, Männer und Kinder - lagen sehr dicht beieinander und wurden in Rückenlage mit Kopf nach Südosten bestattet. Kleinstkinder fanden sich 7 mal in Grabgefäßen und sind vermutlich alle wesentlich älter in die Mitte des 1. Jahrt. v. Chr. zu datieren. Eine einzige Bestattung ist nach Westnordwesten orientiert und gehört offenbar einer früheren Phase als die übrigen Körpergräber. Angesichts der Gesamtfläche des Fundplatzes und der dichten Belegung mit Gräbern ist mit über 1000 Bestattungen zu rechnen. Unter den Beigaben sind eiserne Pfeil- und Speerspitzen, Meißel und Dolche, Ringschmuck und Beile aus Bronze, Perlen und Armringe aus verschiedenen Schmucksteinvarietäten oder Glas. Erwähnenswert sind Amulette aus Tigerzähnen sowie Geräte und Schmuck aus Knochen, Geweih und Schildkrötenpanzer. Viele Tote hatten Geschirrsets im Grab, die teilweise noch Speisereste (Fischgräten oder Schweineknochen) enthielten. Außerdem waren Schweinekiefer, ja ganze Schädel mit beigegeben worden. Der sicherlich schönste Fund ist ein Paar gravurverzierte Elfenbeinarmringe, die mit Bronzeschienen verschlossen wurden - es handelt sich um einen bisher unikaten Fund in Vietnam. In den Kulturschichten wurden außerdem 220 Spinnwirtel, 10 Gussformenfragmente aus Ton und fast 800 rund gearbeitete Tonscherben (eventuell Kratzwerkzeuge der Töpfer) gefunden.

 

Kooperationen

    
  Grabungsteam 2006  

Vietnamesische Forschungspartner sind Archäologen der Hochschule für Gesellschafts- und Humanwissenschaften der Staatlichen Universität Hà Nội (Dr. Lâm Thị Mỹ Dung / Nguyễn Xuân Mạnh), der Universität Huế (Lê Duy Sơn) und des Provinzmuseums Long An (Dr. Bùi Phát Diệm).

Wissenschaftliche Zusammenarbeit:

Prof. Dr. Norbert Benecke, Naturwissenschaftliches Referat an der Zentrale des Deutschen Archäologischen Instituts (Zoologie)

Karsten Brabänder, Universität Bochum (Glasanalysen)

Michael Francken, Universität Tübingen (Anthropologie)

Dr. Till J.J. Hanebuth und Ulrike Proske, Institut für Sedimentologie / Paleozeanographie, Geowissenschaftliche Fakultät der Universität Bremen (Geomorphologie)

Dr. Michael Prange, Deutsches Bergbaumuseum Bochum (Stein-, und Metallanalysen)

Dipl. Phys. Andreas Scharf, Physikalisches Institut der Universität Erlangen-Nürnberg, Dep. IV, group KORA(AMS) in Erlangen (14C-Analysen)

Dr. Joachim Wahl, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Archäologische Denkmalpflege in Konstanz (Osteologie)
 

Ansprechpartner

Dr. Andreas Reinecke

Südostasien
Telefon: +49-(0)1888-7712 -25
Telefax: +49-(0)1888-7712- 49
Email: reinecke@kaak.dainst.de

externe Ansprechpartner

Erreichbarkeit in Vietnam Email: reineckeandreas@gmx.de; Handy: 0918481348

Literatur

Andreas Reinecke 1998, Rückblick auf ein Jahrhundert archäologischer Forschung in Vietnam: Ethnogr.-Archäol. Z. 39/2, 263-290. Andreas Reinecke 1998, Einführung in die Archäologie Vietnams = Hành trình vào Khảo cổ há»?c Việt Nam (AVA-Forschungen Band 5). Köln. Andreas Reinecke / Nguyá»…n Chiá»?u / Lâm Thị Mỹ Dung 2002, Neue Entdeckungen zur Sa-Huỳnh-Kultur. Das Gräberfeld von Gò Mả Vôi und das kulturelle Umfeld in Mittelvietnam = Những phát hiện má»›i vá»? văn hóa Sa Huỳnh. Khu má»™ táng Gò Mả Vôi và vị thế văn hóa cá»§a nó ở miá»?n Trung Việt Nam (AVA-Forschungen Band 7). Köln. Andreas Reinecke 2004, Reiche Gräber - frühes Salz: 600 Tage Feldforschungen auf Dünen und Reisfeldern (Vietnam). In: Expeditionen in vergessene Welten. 25 Jahre archäologische Forschungen in Amerika, Afrika und Asien (AVA-Forschungen Band 10). Aachen, 209-241. Andreas Reinecke / Till Hanebuth 2005, Gò Ô Chùa - ein neu entdeckter Salzsiedeplatz des 1. Jahrtausends v. Chr. - Indikator für Küstenveränderungen in Südvietnam? Bericht über eine archäologisch-geologische Expedition am Nordostrand des Mekong-Deltas nahe der südvietnamesisch-kambodschanischen Grenze. In: Annalen der Hamburger Vietnamistik, Heft 1, 49-61.  

 


 
 

Aktualisiert: 12.08.2008

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