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Siwa
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Ammoneion
Das Orakel von Siwa: Untersuchungen und konstruktive Sicherung am Denkmalkomplex von Aghurmi und Umm Ubayda
Lage
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Das Ammoneion von Südosten
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Der Burgberg von Nordwesten
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Die Oase, am äußersten Rand der "Western Desert" Ägyptens, ist nur rund 80 km von der Grenze zu Libyen und 300 km von der Mittelmeerküste bei Marsa Matrūh entfernt. Die Depression von Siwa liegt im Durchschnitt ca. -17 m unter dem Meeresspiegel und ist von ausgedehnten Salzseeflächen sowie von markanten Zeugenbergen geprägt. Einer von ihnen, die Qarat Aghūrmī (mit artesischem Brunnen), trägt die Akropolis mit dem Palast der alten libyschen Oasenherrscher sowie Tempel für deren ägyptischen Gott, Amun (-Min) von Theben. Umgeben von Gärten, als ob es sich ursprünglich um das "Lusthaus" (maru) des Amun gehandelt hätte, liegt 400 m weiter südlich auf einer niedrigen Erhebung ein zweites, axial auf den Orakeltempel bezogenes ägyptisches Heiligtum aus dem 4. Jh. (Umm Ubaydā). Es ist dem Amun, dem Ptah und dem Totenkult eines Oasenkönigs namens Wenamun geweiht. Aus Sicht griechischer Kaufleute im Westen (Cyrenaika), war Siwa - darin Petra oder Palmyra vergleichbar - das Tor zur Wüste und den dahinter verborgenen Schätzen "Äthiopiens".
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Geschichte
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Ammoneion, Gesamtplan
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Akropolis von Aghurmi, Palast und Tempel, Ansicht und Schnitt durch das Brunnenhaus (Blick nach Norden)
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Aghūrmī /Siwa tritt erst während der ägyptischen Spätzeit unter König Amasis (570-526 v. Chr.) ans Licht der Geschichte, und zwar unter dem libysch-ägptischen Namen Santar ("Sa vom Land-/Welt-Ende", hieroglyphisch t3(j)-n-drw). Während sie von Griechen und Römern als "Ammon/Hammon" bezeichnet wurde, erhielt die Oase ihren heutigen Namen nach einem im Verlauf des 12 Jhs. aus der Cyrenaika (Barke) eingewanderten Berber-Stamm (Sūwa). In der Mittelmeerwelt vor allem berühmt für die "Absonderlichkeit" (Diodor) seines ägyptischen Orakelverfahrens und Götterbildes sowie für den Besuch, den Alexander der Große Zeus-Ammon abstattete, fand der elysische, in unwegsamer Einöde am Rand der bekannten Welt verborgene Garten des Gottes im Niltal kaum Beachtung und keine explizite Erwähnung. Er lag fernab aller ägyptischen Sicherheitsbelange und, schon ab der Pyramidenzeit, auch aller Rohstoff- und Handelsinteressen. Die weitere Erschließung und Eroberung ferner westlicher Wüstengebiete wurde in Anschluss an die zu Zeiten der 4. Dynastie betriebene mineralogische Exploration im Umfeld der niltalnäheren Oasen als nicht gewinnversprechend eingestellt. Bis in römische Zeit verblieb Siwa daher ein politisch unabhängiges "Barbarenscheichtum" unter Führung eines libyschen Stammesfürsten (Herodot: basileus "König"), der lokal den von Griechen mit "Etearchos" wiedergegebenen Titel "Wahrer Herrscher" führte (hieroglyphisch: nbw mc3). Er war offiziell zugleich auch Oberpriester des Amun.
Der Gott wurde zwar häufig widderköpfig, nur selten aber, wie von den Griechen, voll anthropomorph und mit Ammonshörnern dargestellt. In der Oase wurde er in der ithyphallischen Kultbild-Gestalt als Min mit erhobenem Arm verehrt, welches den Griechen wegen der Imitation eines den gesamten Körper unterhalb des Kopfes verhüllenden Umhangs "omphalosartig" (ausgebuchtet) galt. Sein Heiligtum auf der Akroplis lag dem Königspalast unmittelbar benachbart, und die Orakel, die er "sprach", ergingen nach ägyptischem Vorbild. Dies geschah entweder vermittels "Gesten", d.h. Bewegungen, welche die Priester bei öffentlichen Prozessionen auf Fragen hin mit seiner Barke vollführten, oder, bei "Privataudienzen" etwa eines Königs im Tempel, schriftlich, als ein gleichsam mirakulös vom Himmel in den Tempel geschicktes göttliches Sendschreiben. Weder die Götter noch die Kultpraxis geben autochton libysche, griechische oder gar punische Züge zu erkennen.
Erst im Verlauf des 1. Jh. n. Chr. wurde der "Ammonsgau" (nomus hammoniacus) schließlich Teil des römischen Ägypten. In byzantinscher Zeit zählt Siwa zu den Bischoftümern der Eparchie Libyen. Griechische Grabstelen aus christlichen Sekundärbestattungen in römischen Gräbern bei Balad ar-Rūm / al-Marāqī belegen jetzt seit kurzem die vermutete Existenz eines byzantinischen Friedhofs im äußersten Westen der Oase. Die arabischen Eroberer vermochten die alte Burgfeste (Aghūrmī) 708 n.Chr. zunächst nicht einzunehmen; da sie die Oase noch unter ihrem alten einheimischen Namen kennenlernten, nannten sie Santarīya. Erst gegen Mitte des 12. Jh. fasste der Islam langsam Fuß, als eine neue "Hauptstadt" (Shālī) und eine Moschee errichtet worden war. Beide wurden wohl bewusst abseits des heidnisch-spätantiken Oasenzentrums auf einem etwas mehr als 1 km westlich von Aghūrmī gelegenen Hügel errichtet.
Die rechts abgebildeten Pläne sind als pdf-Dateien auch unter Gesamt- (390 kByte) bzw. Schnittplan (961 kByte) verfügbar
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Ziele
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Die Akropolis mit dem Orakeltempel
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1. Archäologisch-baugeschichtliche Erforschung mit Ziel der genaueren planmäßigen Wiedergewinnung des mehrere Kultbauten sowie die Königsburg umfassenden Orakelkomplexes
2. Erschließung der Gebäudefunktion in Hinblick auf Kult- und Orakelpraxis
3. Klärung der so gut wie unbekannten politischen und wirtschaftlichen Rolle Siwas zwischen Niltal und Pentapolis. Das Orakel kann kaum, wie etwa Delphi, eine aktive Rolle im politischen Tagesgeschehen Griechenlands gespielt haben, da es fern und nur unsicher zu erreichen war. Zudem standen seine Orakelsprüche seit Krösus' misslichem Orakel-"Test" (549 v. Chr.) in dem zweifelhaftem Ruf "gewunden wie die Hörner des Ammon" zu sein. Welche Bedeutung das Orakel mit der griechischen Besiedlung der Cyrenaika erlangte, war eine bislang ungelöste Frage.
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Forschungsgeschichte
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Der Orakeltempel
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1792, mit Siwas "Wiederentdeckung" durch W. H. Browne, begann für die nächsten einhundert Jahre eine Phase intensiver Beschäftigung mit der verschollenen Orakelstätte seitens europäischer Forschungsreisender und Wissenschaftler. Archäologisch verwertbare Dokumente aus jener Zeit beschränken sich auf den damals noch besser erhaltenen Tempel von Umm Ubaydā. Erst 1900 identifizierte der Ägyptologe G. Steindorff an Hand der von ihm aufgenommenen Darstellungen und Inschriften den Orakeltempel unter den bis dato unzugänglichen antiken Baureste auf Aghūrmī. Ihm und den Architekten H. Ricke und H. Aubin sind die ersten in situ gewonnen detaillierten Angaben zu Geschichte und Architektur des Heiligtums zu verdanken. In der Folgezeit blieb es dem ägyptischen Archäologen A. Fakhry vorbehalten, unsere Kenntnisse der Stätte zu vertiefen, obwohl sie nie systematische Ausgrabung erfuhr. 1970/71 ließ Fakhry den Orakeltempel und weite Teile der Akropolis von modernen Wohnbauten befreien.
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Bisherige Arbeiten
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Der Orakeltempel während der Restaurierungsmaßnahmen |
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Die Erstellung einer archäologisch-topographischen Grundkarte sowie eines Schichtenplans zur Evaluierung der geologischen Gegebenheiten am Tempelberg standen am Beginn des Projekts. Die Grabungsarbeit konzentrierte sich anfänglich auf Umm Ubaydā, sodann auf den zwischen diesem Tempel und Aghūrmī befindlichen Bereich. Dort wurden am Fuß des Burgbergs Grundmauern einer Prozessionsstrasse (dromos) gefunden, welche die Heiligtümer verband; außerdem Fundamentreste eines Bauwerks evtl. dorischen Ordnung.
Der Orakeltempel wurde bis auf das Felsniveau von neuzeitlichen Schutt- und Einbauresten befreit, einer detaillierten Bauaufnahme unterzogen. Die Verteilung des aus verschiedenen Steinbrüchen stammenden Blockmaterials sowie die Schäden (Ersosion, Salz) wurden kartiert. Die Dekoration im Allerheiligsten wurde 1:1 gezeichnet. Mit der systematischen Erfassung des Keramikbefunds wurde begonnen.
Die strukturelle Sicherung des Bauwerks erfolgte zunächst temporär mittels eiserner Stützwerkkonstruktionen, die jetzt weitestgehend durch permanente, möglichst schonende und unauffällige Maßnahmen an den gefährdeten Teilen von Gebäude und Felsfundament ersetzt wurden. Geologische und mineralogische Untersuchungen begleiteten diesen Projektabschnitt. Von 1998-2001 konzentrierten sich nahezu alle Anstrengungen in die Umsetzung dieser technisch aufwändigen Maßnahmen.
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Aktuelle Arbeiten
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Die Senke vor der Ausgrabung (2004) östlich der Terrassierungsmauer des Palastvorbereichs (Blick nach Süden) |
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Blick über den Tempel, den Palast und die Senke (Blick nach Nordwesten) |
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Steinbruch und Plattform im Vorbereich des Palastes (Blick nach Norden) |
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Plattform südlich des Palastes: X: Eingang in den unterirdischen Zugang zum Brunnen |
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Auf Aghūrmī wurden ab 2002 die Senke um den hlg. Brunnen im südlichen Tempelvorbereich und der Königspalast freigelegt, außerdem größere Bereiche nordöstlich des Tempels sowie am Südost- und Südwestrand der Akropolis. 2006 erfolgte die Wiederaufnahme der Grabungen in Umm Ubaydā sowie im südlichen dromos-Bereich. Als bedeutendes Monument des lokalen Kulturerbes und einheimischer Baukunst wurde 2004/05 mit Mitteln des Auswärtigen Amtes die "kershif"-Moschee von Aghūrmī vollständig restauriert.
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Methoden
Auf Basis von photogrammetrisch ausgewerteten Luftbildern wurde eine topographische Grundkarte erstellt. Auch die meisten Wandaufrisse im Orakeltempel basieren auf pho-to-grammetrischer Grundlage. Archäologische (Detail-)Pläne werden mit einer Totalstation eingemessen, Handkorrekturen digitalisiert und in AutoCad endbearbeitet. Die strukturelle Sicherung des Berges und Tempels von Aghūrmī basiert auf der Einbringung von vorgespannten Fels- und Mauerankern. Den Arbeiten gingen entsprechende wissenschaftliche Untersuchungen der Statik, Geologie und Mineralogie voraus. Die Verwendung mineralogischer Materialien zu Restaurierungszwecken orientiert sich an den antiken Baustoffen.
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Ergebnisse
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Südlicher Abtritt in unterirdischem Brunnenzugang mit griechischer Steinmetzmarke "Η" |
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Σ-Zeichen auf der nördlichen Wand des Brunnenzugangs |
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Alabastergrab in Umm Ubaydah |
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Bautechnische Details (opus pseudo-isodomum, Gebrauch von Zahnmeißeln, Art der (Lagerfugen-) Anathyrose, Wolfslöcher) und griech. Steinmetzmarken belegen das Wirken archaisch-griechischer Baumeister, da ähnliche Befunde auch an der Achaemenidenresidenz Pasargadae zu finden sind. Ungewöhnlich ist der an Vorbildern des Niltals orientierte Verguss der Schalenfüllung von Läuferlagen und Mauerfugen des Orakeltempels mit Gips (Anhydrit). Dies erbrachte im Verein mit dem Felsfundament auch ohne Verklammerung eine Standfestigkeit, aufgrund derer man auf einen regelrechten Eckverband verzichten zu können glaubte und Querwände nur über vereinzelte Lagen in die Längswände einband.
Hinsichtlich der Grundgliederung (Vorhof - (Schein-)Pronaos - zwei Hallen - Allerheiligstes), Bauplastik (kannelierte ägyptische Säulen, Hohlkehle, torus) und Dekoration (ägyptische Götterfiguren, hieroglyphische Texte) orientiert sich der Tempel an ägyptischen Vorgaben. Eine "Geheimkammer" über dem Allerheiligsten, die nur von einem verborgenen Gang aus über eine auf das Dach führende Leiter zugänglich war, diente offenbar den Erfordernissen des dort für hohen Besuch hinter verschlossenen Türen eingeholten ägyptischen "Königsorakels".
Im Fels unter sowie unmittelbar neben dem Tempel wurden bisher fünf Schachtgräber lokalisiert, von denen zwei vor oder um den Zeitpunkt der Erbauung datieren müssen. Obwohl undekoriert und von roher Ausführung, erinnert ihre Lage an königliche Bestattungsbräuche des spätzeitlichen Niltals. Die Akropolis war nicht mit den übrigen "Städten der Ammonier" (Diodor) vergleichbar, in denen die Bevölkerung "in dörflicher Gemeinschaft" ("komēdōn") hauste. In unmittelbarer Nachbarschaft des Amun lebte (außer Dienst- und Wachpersonal) nur die Königsfamilie und wer auf irgendeine Weise mit dem Kultgeschehen in Verbindung stand. Als Bühne der öffentlichen Prozessionsorakel diente nach ägyptischem Vorbild anscheinend ein dromos, welcher die axial auf einander orientieren Heiligtümer (Aghūrmī >S, Umm Ubaydā >N) verband.
Geradewegs nach Umm Ubaydā zielende Strukturen in Ashlarbauweise wurden am Fuß der Akropolis ergraben, ebenso ein perpendikulär dazu orientiertes weiteres Bauwerk vielleicht dorischer Ordnung (Kapitell-, Triglyphen-, Guttaespolien auf Aghūrmī). Markierungen gemäß dem griechischen Zahlenalphabet datieren es schwerlich vor die 2. Hälfte des 3. Jh. v. Chr., vielleicht aber auch erst in die Römerzeit (ägyptisch-griechischer Mischstil?).
Der Grabungsbefund in Umm Ubaydā erbrachte wesentlichen Aufschluss zur Bautechnik, die als ägyptisch einzustufen ist. Er ergab für den Tempel der 30. Dyn. die Existenz von Palmsäulen vor der Fassade (eines Vorhofs (?) mit Kolonnaden). Östlich des Gebäudes wurde eine gewaltige, jedoch bis auf die untersten Steinlagen abgetragene Plattform (Ashlarmauerwerk) unbekannter Funktion und Datierung errichtet. Hieran schloss sich nach Osten das Brunnenbecken des Heiligtums an ("Sonnenquelle"?). Der Tempel wurde mit einer drei Meter breiten, auf großen Ashlarblöcken fundierten Umfassungsmauer umgeben.
Die Auffindung einer Krypta mit Sargkammer und Sarkophagen aus Alabaster ist ein herausragendes Ergebnis der am Tempel von Umm Ubaydā durchgeführten Grabungen. Die unterirdische Anlage lag ca. dreieinhalb Meter unter den hinteren Räumlichkeiten des Grabtempels, die jedoch komplett dem Steinraub zum Opfer gefallenen sind. Nektanebos II. ließ ihn vor dem Hintergrund erneuter persischer Bedrohung vermutlich als politische Geste für den Ammonier-König Wenamun errichten.
Der Bau maß 15 Ellen x 20,5 Ellen und bestand mutmaßlich aus einem Vorraum mit anschließender Grabkammer. Diese enthielt einen aus (pharaon.) bemalten Alabastermonolithen gefügten Schrein, der, den erhaltenen Sarkophagbruchstücken nach zu urteilen, wenigstens zwei Bestattungen barg. Fragmente heute verlorener, dekorierter Bausubstanz, die auf Aghūrmī gefunden wurde, lieferten den für die Datierung wichtigen, bislang disputierten Namen des Amasis. Sie deuten zudem auf die Existenz eines ägyptischen dekorierten Tores, vermutlich der Pylon zum Vorhof des Orakeltempels.
Längst vor Amasis' Thronbesteigung standen die Ammonier kulturell mit den in den östlicher gelegenen Oasen (Baharia, Dachla, Charga) sowie an der Küste präsenten Ägyptern in Kontakt. Doch auch mit griechischen Immigranten, die knapp zuvor die benachbarte Cyrenaika besiedelt hatten, betrieben sie offenbar rege Geschäfte (Wallfahrts-"Tourismus", Fernhandel). Die Ammonier scheinen für Kyrene auf dem Wüstenweg sonst unerreichbare Luxusware aus Nubien, dem sagenhaften "Goldland", beschafft und somit über herausragende "Bonität" als Geschäftpartner verfügt zu haben. Darauf deuten kyrenische Gesandtschaften und Weihegeschenke an Siwa ebenso wie die Adoption des Amun-Min, des Schutzpatrons der Wüstenreisenden, unter die Stadtgötter Kyrenes. Die Erwähnung ammonischer Karawanenführer (skopoi) und kyrenäisches Interesse an Wüstenwegen zu den in Richtung der Nilquellen gelegenen Ländern (Herodot) weisen in die selbe Richtung. Vor allem aber die jetzt erwiesene enorme bauliche Investition in einem bis dato unbedeutenden libyschen Wüstendorf, zu der am ehesten im Umfeld lebende Griechen gewillt gewesen sein dürften, beweisen die Enge Beziehung zwischen Ammoniern und Griechen.
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Kooperationen
Neben dem Supreme Council of Antiquities, der ägyptischen Partnerorganisation, waren Experten der Deutschen Montan Technologie (DMT), des Sonderforschungsbereiches 315 ("Erhalten Historisch Bedeutsamer Bauwerke") der Universität Karlsruhe sowie der Fa. Grund- und Ingenieurbau, Essen, an den Restaurierungsmaßnahmen beteiligt
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Ansprechpartner
Dr. phil. Klaus Peter Kuhlmann
Ägyptologie
Telefon: +20-(0)2-735-1460, - 735-2321
Telefax: +20-(0)2-737-0770
Email: kapeku@gmail.com
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Förderung
Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland
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Literatur
Kuhlmann, K. P., Das Ammoneion. Archäologie, Geschichte und Kultpraxis des Orakels von Siwa. Mit einem Beitrag W. Brashear (Archäologische Veröffentlichungen 75), Mainz 1988
Kuhlmann, K. P., Gleanings from the Texts in the Sanctuary of Amun at Aghurmi (Siwa Oasis), in: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo 57, 2001, pp.187-203
Kuhlmann, K. P., The Preservation of the Temple of the Oracle. Report of the German Institute´s Mission to Siwa Oasis (1st March, 1999 - 30th April, 1999), in: Annales du Service des Antiquités de l'Égypte 75, 2000, pp.63-89
Kuhlmann, K. P., Roman and Bzyantine Siwa: Developing a Latent Picture, in: Kaper, O. E. (ed.), Life on the Fringe. Proceedings of a Colloquium held on the 29th Anniversary of the Netherlands Institute for Archaeology and Arabic Studies in Cairo 9-12 December 1996, Leiden 1998, pp.159-180
Mueller, U./Pliett, H./Kuhlmann, K. P. /Wenzel, F., Structural preservation of the Temple of the Oracle in Siwa Oasis, Egypt, in: Conservation and Management of Archaeological Sites 5, 2002, pp.215-230
Müller/Althaus/Karotke, Die antiken Baustoffe vom Orakeltempel in der Oase Siwa
Wenzel, F., Das Ammoneion von Siwa. Konstruktive Sicherung, in: Historische Bauwerke. Internationale Tagung des SFB 315, Karlsruhe, 26 bis 28. Oktober 1995. Arbeitshefte des Sonderforschungsbereiches 315 "Erhalten historisch bedeutsamer Bauwerke" 14, 1996, pp.57-58.
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