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Untersuchungen zum frühbronzezeitlichen Siedlungswesen am Südwestrand des Slowakischen Erzgebirges

Vergleichende Untersuchungen zum frühbronzezeitlichen Siedlungswesen am Südwestrand des Slowakischen Erzgebirges

Location

Die bisherigen Arbeiten konzentrieren sich auf die befestigten Siedlungen Rybnik im Tal von Gran und Fidvár bei Vráble im Zitavatal am Südwestrand des Slowakischen Erzgebirges. In diesem Raum, eine Übergangszone vom Mittelgebirge zum Pannonischen Becken, treffen in der Frühbronzezeit mehrere Kulturen aufeinander. In der entwickelten Frühbronzezeit sind es die Aunjetitzer- und Hatvan-Kultur und in der ausgehenden Frühbronzezeit die Mačarovce-, Otomany (Füzesabony)- und die Nordpannonische Kultur.

Der Landschaftsraum bietet vielfältige Vorzüge. Das unmittelbar benachbarte Slowakische Tor, als südlichster Ausläufer des Schemnitzer Gebirges (Stiavnické vrchy), markiert einen abrupten Übergang vom Mittelgebirgsraum zum Pannonischen Becken. In der Gebirgslandschaft befinden sich Gold- Kupfer und Zinnlagerstätten die nachweislich seit dem Mittelalter genutzt werden.

Departments:
Roman-Germanic Commission (RGK) Frankfurt a.M.

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Objectives

   Die Nordwestkarpaten sind reich an Kupfer-, Silber- und Goldlagerstätten. Aus deren Umfeld sind zahlreiche befestigte Siedlungen der Frübronzezeit bekannt.  
  Die Nordwestkarpaten sind reich an Kupfer-, Silber- und Goldlagerstätten. Aus deren Umfeld sind zahlreiche befestigte Siedlungen der Frübronzezeit bekannt.  

Um die Wende vom 3. zum 2. Jahrtausend v.Chr. bildete das Gebiet der südwestlichen Slowakei eine wichtige Kontaktzone zwischen den Kulturräumen Mittel- und Südosteuropas. In den Tallandschaften zwischen Donaulauf und Westkarpaten kam es zur Berührung der mitteleuropäischen Aunjetitzer Kultur mit der Hatvan-Kultur aus dem Theißgebiet Ostungarns und der Pannonischen Kultur Westungarns. Die Ausbreitung dieser Kulturen entlang der Donau und ihren Nebenflüssen bis an den Rand der Westkarpaten stand wohl im Zusammenhang mit dem angestrebten Zugang zu den reichen Kupfer-, Zinn- und Goldvorkommen in diesem Raum.

Die zentrale Frage verfolgt die Auswirkungen der Metallurgie auf die früh- und mittelbronzezeitlichen Gemeinschaften am Nordwestrand des Karpatenbeckens. Es ist verlockend, in der Nutzung der Kupfer- , Zinn- und Goldlagerstätten der Nordwestkarpaten die entscheidende Ursache für die Entstehung zahlreicher befestigter Siedlungen zu sehen. Wenn sich diese Vermutung bestätigen sollte, wäre die Bedeutung der Lagerstätten in den Ostalpen zu relativieren.  

History of Research

In der Südwestslowakei sind in den zurückliegenden Jahrzehnten zahlreiche Siedlungen der frühen Bronzezeit untersucht worden. Die bekanntesten unter ihnen sind Nitriansky Hrádok, Vráble, Ivanovce, Malé Kosihy und Veselé. In Rybnik erfolgten 1981 durch P. Romsauer (Archäologisches Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften) erste Untersuchungen. Es wurden Schichten aus der Früh- und Spätbronzezeit freigelegt. J. Bátora legte 1985 eine Sondage an (1x5m) und schnitt dabei zwei Hausgrundrisse an. Systematische Untersuchungen begannen erstmals im Jahr 2004.

Die frühbronzezeitliche Siedlung von Vráble auf der Flur Földvar (Fidvár) ist der Forschung durch zahlreiche Oberflächenfunde seit den 1950er Jahren bekannt. Die bislang einzigen Untersuchungen wurden im Jahr 1967 unter der Leitung von K. Sedlák durchgeführt und von Anton Točík 1986 voröffentlicht. Die Sondage im Nordbereich des Siedlungshügels hat ein bis zu 2,5 m mächtiges Schichtpaket, einen Wall und zwei Befestigungsgräben der Frühbronzezeit erbracht. Nach Auffassung von A. Točík sind die ältesten Siedlungsablagerungen der Kosihy-Čaka-Kultur und Hatvan-Aunjetitz-Kultur zuzuweisen. Der jüngste Siedlungshorizont wird durch die entwickelte Mad'arovce-Kultur (Bz A3) geprägt und bildet den Abschluss der frühbronzezeitlichen Kulturentwicklung an diesem Ort.  

Previous Activities

    
  Höhenschichtenplan der frühbronzezeitlichen Siedlung von Rybnik. Die Siedlung besitzt durch steile Hangkanten einen natürlichen Schutz. Der östlich verlaufenden flache Zugangsbereich war mit einem Graben und einem Wall geschützt.  
   Geophysikalische Prospektion am 1.9.2008  
  Geophysikalische Prospektion am 1. September 2008.  

In den Jahren 2002-2003 erfolgten Geländebegungen im unteren Grantal. Der Fundplatz von Rybnik und sein Umfeld wurde 2004-2005 durch Bohrungen prospektiert und topographisch vermessen, geophysikalische Untersuchungen fanden in Rybnik und in Sikenicka statt. Seit 2004 werden Ausgrabungen auf der befestigten Siedlung von Rybnik durchgeführt. In drei Grabungsflächen (Sonde 2, 3 und 4) auf dem Nordende des Sporns wurden ein Wall und das unmittelbar an die Rückseite des Walls reichende Siedlungsareal freigelegt. Der zu der Befestigung gehörende Graben ist bislang lediglich durch Bohrungen im östlichen Bereich der Siedlung untersucht. Wahrscheinlich handelt es sich bei dem Wall um eine einphasige Anlage. Hinweise auf die Nutzungszeit der Wallanlage liefern die Keramikfunde aus der entlang der Wallinnenseite verlaufenden Erosionsrinne. Sie lassen darauf schließen, dass die Befestigung von Rybnik in die späte Frühbronzezeit datiert. Während der Spätbronzezeit war der Sporn Teil einer unbefestigten Vorsiedlung der südlich benachbarten Burganlage Kusá hora. Dieser Besiedlungsphase sind nur zwei Gruben zuzuordnen.

Im Frühjahr 2007 begannen die Untersuchungen in Fidvár bei Vráble, an denen sich die Römisch-Germanische Kommission, das Archäologische Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften, der Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und das Geographische Institut der Universität Heidelberg beteiligten. Es erfolgten Oberflächenbegehungen, geophysikalische Prospektionen (Geomagnetik und Geoelektrik), Bohruntersuchungen und eine topographische Aufnahme. A. Točík (1986, 463, 476) veranschlagte die Größe der Siedlung nach den Ausmaßen von Graben B auf 180 x 90-115 m und kam zu dem Schluss, dass die Anlage von Vrable damit die Dimensionen der großen befestigten Siedlungen von Nitra, Veselé und Nitriansky Hrádok nicht erreichte. 2005 entdeckte und dokumentierte I. Kuzma mittels Luftbildern einen dritten Graben C, der ein deutlich größeres Siedlungsareal umfasst. Zudem zeigten die Ergebnisse der durch die Universität Würzburg durchgeführten geomagnetischen Prospektion und Rasterbegehung auf der Bodenoberfläche, dass dem Graben C eine weitläufige Untersiedlung vorgelagert war. Das reiche Fundmaterial und die bei den geophysikalischen Untersuchungen deutlich hervortretenden Hausstrukturen ermöglichen bereits jetzt präzise Aussagen zur Ausdehnung der Siedlung und ihrer inneren Siedlungsstruktur. Zur Zeit der größten Ausdehnung umfasste das Siedlungsareal nahezu 12 ha. Damit zählt die befestigte Siedlung von Fidvár zu den größten frühbronzezeitlichen Anlagen dieser Art im Pannonischen Becken. 

Methods

    
  Geomagnetischer Plan des frühbronzezeitlichen Siedlungsgebiets.  

Die Siedlung von Vráble und das nähere Umfeld wurden topographisch aufgenommen. Weiterhin erfolgten umfangreiche geophysikalische Untersuchungen. Zunächst wurden durch die Firma Sensys hochauflösende geomagnetische und elektromagnetische Prospektionen auf 74ha im Auftrag der RGK durchgeführt. Das Geographische Institut der Universität Heidelberg realisierte ein umfangreiches Untersuchungprogramm von geoelektrischen Untersuchungen und Bohrprospektionen und bodenchemischen Analysen. J.Tirpak vom Archäologischen Institut der Slowakischen Akademie testete auf zwei Versuchflächen das Potential von Georadar. Alle Verfahren lieferten exzellente Ergebnisse und ergänzen sich. 

Results

    
  Vrable (Fidvar): Geomagnetik, Rekonstruktion der Befunde.  

Durch die Ausgrabungen in Rybnik konnte die Existenz einer befestigten Siedlung der Frühbronzezeit nachgewiesen werden. Trotz starker Erosionsvorganänge ist in weiten Teilen mit der Erhaltung unzerstörter Siedlungsschichten zu rechnen. Wallreste lassen sich nur in kleinen Bereichen nachweisen, sie erlauben jedoch eine Rekonstruktion einer Innenfläche von etwa. 0,2 ha. In den wallnahen Bereichen wurden Überreste der Innenbehauung nachgewiesen. Das Fundmaterial besteht aus einem reichen keramischen Inventar verschiedener Kulturgruppen (Madarovce-K., Hatvan-K., Ottomani-K., Nordpannnonischer K.), Stein- und Geweihgeräten.

Geophysikalische Prospektionen und Oberflächenfunde in Fidvár bei Vráble haben substantielle Informationen zur Größe und Struktur der Siedlung geliefert. Sie erlauben auch die Rekonstruktion von Hausstellen, dabei bilden sich Aussen- und Innenwände sowie Herstellen ab. Die Siedlung erstreckte sich über einen mehr als 500 m langen Uferstreifen der Zitava und reichte über 300 m in die Terrassenfläche hinein. Die Bebauung war konzentrisch auf den ältesten Siedlungskern des mehrschichtigen Hügels ausgerichtet. Sie reichte über die Gräben hinaus in einen unbefestigten Bereich. Zur Zeit ihrer größten Ausdehnung betrug die Größe etwa 12 ha und übertraf damit die meisten frühbronzezeitlichen Siedlung im Pannonischen Becken. So sind die Siedlungen der Nagyrév-Kultur maximal 5-6 ha groß. Ein Highlight der geomagnetischen Prospektionen ist die Entdeckung von Gräberfeldern im Randbereich der Siedlung. Die reichen Daten erlauben eine erste Rekonstruktion der mehr als ein halbes Jahrtausend dauernden Siedlungsgeschichte und ihres Bezugs zu den Veränderungen in der Siedlungslandschaft im Zitavatal.

Die Arbeiten der kommenden Jahre werden sich auf den Fundplatz Fídvar konzentrieren. Dennoch ist für eine erfolgreiche siedlungsarchäologische Arbeit die Untersuchung des näheren und weiteren Umfeldes der Siedlung unverzichtbar. Die zentrale Frage nach der Nutzung und Bedeutung der Erzlagerstätten lässt sich ohne montanarchäologische Forschungen nicht klären, hier sind erste Arbeiten angelaufen. Die Verknüpfung siedlungsarchäologischer Forschungen in Fidvár und der umgebenden Landschaft erfordert die Vernetzung archäologischer und naturwissenschaftlicher Forschungen. Damit eröffnen sich Möglichkeiten, die Auswirkungen der Ressourcennutzung der Frühbronzezeit auf die Umwelt zu untersuchen. Für die weit gespannten Forschungen bieten die exzellenten Erhaltungsbedingungen, die das reiche Fundmaterial der Rasterbegehung erwarten lässt, und die bereits vorliegenden Resultate der geoarchäologischen Prospektionen beste Voraussetzungen.  

Cooperation

Prof. Dr. Jozef Bátora
Archäologisches Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften
Akademická 2
SK-949 Nitra
batora@ba.telecom.sk


 

Contact

Dr. phil. Knut Rassmann

Vorgeschichte
Telefon: 069-975818-33
Telefax: 069-975818-38
Email: rassmann@rgk.dainst.de

Bibliography

Točík, A. 1964: Opevnená osada z doby bronzovej vo Veselom. Bratislava 1964
Točík, A. 1978: Nitriansky Hrádok-Zámeček II. Nitra 1978.
Točík, A. 1981:Nitriansky Hrádok-Zámeček I. Nitra 1981.
Točík, A. 1981: Malé Kosihy. Osada zo starsej doby bronzovej. Nitra 1981.
Točík, A. 1986: Opevnené sílisko zo starsej doby bronzovej vo Vrábľoch. Slov. Archeol. 34, 1986, 463-476.
Bátora, J., Eitel, B., Falkenstein, F., Rassmann, K. 2008: Fidvár bei Vráble - Eine befestigte Zentralsiedlung der Frühbronzezeit in der Slowakei, in: Czereszuk, J., Kadrow, S., Müller, J., Defensive Structures from Central Europe to the Aegean in the 3rd and 2nd millennia BC (Studien zur Archäologie in Osteuropa 5). Poznan - Bonn 2008, S. 97-107.  

 


 
 

updated: 25.09.2009

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