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Forschungscluster des Deutschen Archäologischen Instituts

Cluster 4

Unbenanntes Dokument

Vorbemerkungen Cluster 1 Cluster 2 Cluster 3 Cluster 4 Cluster 5

 

HEILIGTÜMER.
GESTALT UND RITUAL. KONTINUITÄT UND VERÄNDERUNG

Sprecher: M. van Ess, W.-D. Niemeier, D. Raue, R. Senff

Überarbeitete Fassung 10/2007
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Inhalt:

Zusammenfassung
Einleitung
Ziele und Vorgehensweise

Beteiligte Projekte
Forschungsfeld 1: Genese und Kontinuität
Forschungsfeld 2: Ende und Nachleben von Kultorten
Forschungsfeld 3: Gestalteter Raum
Forschungsfeld 4: Votiv und Ritual

Arbeitsprogramm und Veranstaltungen

 

 

ZUSAMMENFASSUNG

Die Beschäftigung mit dem Heiligen führt zu einer anthropologischen Grundkonstante, denn das Verhältnis zum Heiligen ist integraler Teil des Menschseins. Die Vielfalt der antiken Antworten ist im Zeitalter der Globalisierung und dem damit verbundenen Zusammentreffen moderner Antworten von besonderem Interesse und sollte unbedingt in die aktuelle Diskussion einbezogen werden.

Die Arbeit des Forschungsclusters zielt darauf, die religiösen Konzepte von Heiligtümern unterschiedlicher Kulturregionen in wesentlichen Punkten miteinander zu vergleichen. Mehrere Dutzend Kultplätze werden weltweit durch Projekte des DAI untersucht. Der Forschungscluster kann damit auf eine umfangreiche und sehr gut zugängliche Materialbasis zu zentralen Themen hinsichtlich der Stellung von Glauben und Religion in früheren Gesellschaften zurückgreifen, um jenseits der eigentlichen archäologischen Arbeit, der Dokumentation und objektkundlichen Auswertung, zu übergreifenden Fragestellungen vorzustoßen und die Ergebnisse sowohl der Fachwelt als auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

EINLEITUNG

Die Fähigkeit zum Glauben an höhere Mächte ist ein wesentliches Merkmal des Menschen und läßt sich bis in die Frühzeit der Menschheitsentwicklung zurückverfolgen. Erste Nachweise für spirituelles Handeln fanden sich bereits im Zusammenhang mit paläolithischen Bestattungen vor ca. 80 000 – 100 000 Jahren.

Der Glaube an eine gemeinsame Götterwelt, an einen Gott oder zumindest eine übergeordnete religiöse Vorstellung bleibt jedoch nicht auf den Einzelnen beschränkt, sondern bildet eine der Grundvoraussetzungen einer funktionierenden Gemeinschaft. Die Mitglieder kleinerer oder größerer Gemeinwesen finden sich an heiligen Orten zu ritualisierten Handlungen zusammen. Auch in einer säkularisierten Gesellschaft wie der unsrigen spielen diese Vorstellungen und Handlungen eine weit größere Rolle als vielfach angenommen – etwa in der Auseinandersetzung mit benachbarten Kulturen und Gesellschaften, denen die Trennung von Politik und Religion fremd ist oder als Relikte einer nur noch auf wenige Feiertage beschränkten und ihrer ursprünglichen Bedeutung weitgehend entleerten, ehemals umfassenderen religiösen Praxis.

Die Mitglieder jeder Religionsgemeinschaft sind bestrebt, ihre Überzeugungen zum Ausdruck zu bringen und sei es nur an den ihnen allein zugänglichen Orten. In den durch große Anhängerschaften oder Mehrheiten getragenen Religionen geschieht dies aber in der Regel öffentlich und an einer möglichst prominenten Stelle, an der sich das Wirken des Göttlichen in besonderer Weise manifestiert.

Die heiligen Stätten sind meist besonders hervorgehoben: durch natürliche Gegebenheiten, durch ein Bauwerk, aus dem im Lauf der Zeit ein umfangreicher Komplexe entstehen kann. Sie sind damit Ausdruck einer Gesellschaft oder Kultur und ihres gestalterischen Vermögens. Als Symbole der religiösen Überzeugungen verkörpern sie deren historische Dimension und überliefern sie der Nachwelt.

In den meisten Fällen zeichnen sich solche Orte durch hohe Investitionen der jeweiligen Gesellschaft und einen großen gestalterischen Aufwand aus. Nach außen wird dies von den Bauherren und Stiftern mit dem Respekt vor der Gottheit begründet. Tatsächlich spielt kompetitives Verhalten innerhalb einer Kultur wie auch gegenüber benachbarten Gesellschaften aber eine ebenso große Rolle. Der Schutz der Bauten und Votive, in den Augen der Gläubigen durch die höheren Mächte und praktisch durch das Gemeinwesen, von dem das Heiligtum getragen wird, lassen im Laufe der Zeit ein unvergleichliches Reservoir von historischen Dokumenten entstehen.

Dieser Aufwand ist es, der Orte mit spiritueller Bedeutung für vergleichende Betrachtungen von Kulturen besonders geeignet macht. Fast immer sind derartige Stätten archäologisch nachweisbar, sowohl in prähistorischen wie in historischen Epochen.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit heiligen Orten gehört zu den ältesten Themen der Archäologie. Dennoch ist es bisher nur selten zu vergleichenden Studien der verschiedenen Bereiche der antiken Welt gekommen. Grund hierfür war lange der heterogene Kenntnisstand der materiellen Hinterlassenschaften, insbesondere in Regionen, denen sich die Forschung erst in letzter Zeit zuwenden konnte.

Die äußere Erscheinung der Heiligtümer führt eine stabile und unveränderbare Weltordnung vor und weist dem Besucher einen festen Platz im Verhältnis zur verehrten übersinnlichen Welt zu. Diese Relation betont auch das religiöse Ritual mit seinen festgelegten Verhaltensregeln. Da sich an den heiligen Stätten oft lediglich Spuren der Kulthandlungen erhalten haben, die von der Archäologie mühsam und meist nur lückenhaft rekonstruiert werden können, ist die Zuhilfenahme anderer Informationsquellen, schriftlicher Nachrichten in verschiedenen Formen wie Beschreibungen, liturgischen Texten oder Inschriften besonders wichtig, um das kultische Geschehen möglichst vollständig zu rekonstruieren. Die Zusammenarbeit mit anderen Nachbardisziplinen der Altertumswissenschaften, der Anthropologie und Religionswissenschaft ist an dieser Stelle in höchstem Maße notwendig.

Die Chancen stehen heute gut, mit einem übergreifenden Vergleich derartiger Stätten zu einem tieferen Verständnis der untersuchten Gesellschaften und zu einer Standortbestimmung unserer eigenen Kultur zu kommen.


ZIELE UND VORGEHENSWEISE

Seit seiner Gründung befaßt sich das DAI mit der Erforschung derartiger Komplexe und kann daher auf eine große Vielfalt eigener Forschungsergebnisse zu diesem Thema zurückgreifen. Die Materialgrundlage des angestrebten Vergleichs liefern eine repräsentative Anzahl wissenschaftlich gut untersuchter Heiligtümer.

Diese Heiligtümer sollen unter thematischen Schwerpunkten, die sich aus der zeitlichen Dimension ergeben, der Genese, der Kontinuität und dem Wandel während ihres Bestehens und schließlich dem Ende der Religionsausübung und dem Funktionsverlust des Ortes betrachtet und verglichen werden. Die Untersuchung des kultischen Geschehens, das den Ort, seine Ausgestaltung und die Kultteilnehmer zu einem Ganzen verbindet, ist ein weiteres übergreifendes Thema, für das ebenfalls die Frage nach seinem Wandel im Laufe der Zeit von grundlegender Bedeutung ist.

Jeder Kult und auch jeder Kultort erhält seine Bedeutung erst durch die Gemeinschaft, die für die Entstehung und die Ausbreitung der Religion verantwortlich ist. Die wenigsten Kultorte behalten ihren Charakter gleichbleibend während ihrer gesamten Existenz bei. Und kein Kult dauert ewig – häufig heißt es: „fortan schweigt der Gott“, wie man angeblich in Delphi gesagt haben soll.

Der Cluster versucht, heilige Stätten als Stationen und Ergebnisse von Prozessen zu sehen, d.h. die Etappen des Geschehens in den unterschiedlichen Gesellschaften zu definieren und vergleichenden Studien zu unterziehen.


Genese und Kontinuität
Sprecher: Reinhard Senff, Wolf-Dietrich Niemeier

Insbesondere die Archäologie hat in den vergangenen Jahrzehnten Aufschlüsse über den Ursprung vieler Heiligtümer gewonnen. Heiligtümer gehören oftmals zum ältesten Baubestand einer Siedlung, wo z.B. ein Gründerheros oder der Schutzgott der Stadt verehrt wird. Sie können aber auch zu späteren Zeitpunkten in vorhandenen Siedlungen oder an bereits bestehenden Kultstätten eingerichtet werden. Als Orte der Weltentstehung haben sie einen universalen Anspruch, als Versammlungsstätten kleiner oder exklusiver Gruppen stärken sie das Bewußtsein der Zugehörigkeit und dienen politischen Zwecken. Vielfach spielen sie nicht nur eine wichtige Rolle für die kulturelle Identität der Kultteilnehmer, sondern auch für die Sicherung des Territoriums der Gemeinschaft.

Oft läßt sich eine Verbindung mit vorhandenen Naturphänomenen nachweisen, auch wenn an einem Ort im Laufe seiner Existenz andere Formen des Kultes ausgeübt wurden, welche die ursprünglichen Einrichtung überdecken oder sogar ganz ablösen.

Während die historische Forschung, die sich überwiegend auf schriftliche Informationen stützt, häufig ein vermeintlich eindeutiges Bild eines Heiligtums entwirft, vermag die Archäologie in vielen Fällen ein weit komplexeres, facettenreicheres Bild zu erzielen.

Viel zu oft ist man in der Darstellung heiliger Plätze von ungebrochenen Kontinuitäten ausgegangen und hat bei der Interpretation von Architektur, Ausstattung und Kultgegenständen tiefgreifende gesellschaftliche und politische Änderungen nicht ausreichend berücksichtigt. Es soll eine weitere Aufgabe dieses Forschungsfeldes sein, solche in anderem Zusammenhang bekannten Veränderungen in Beziehung mit dem jeweils untersuchten Heiligtum zu setzen.

Das Zusammenwirken verschiedener Disziplinen benachbarter Regionen mit ihren jeweiligen Methoden wird dabei bestehende Paradigmen auf breiterer Basis überprüfen. Oftmals konnten in der Vergangenheit nur ungenaue Vermutungen zu den Ursachen des Wandels geäußert werden. Die chronologisch tiefe und topographisch breite Anlage der Projekte des DAI ermöglicht erstmals konkrete Antworten auf die Frage nach der Ursächlichkeit von Veränderungen.


Ende und Nachleben von Kultorten
Sprecher: Stefan Lehmann

Das Ende und Nachleben von Kultorten im antiken Mittelmeerraum sind der Forschungsgegenstand der Projektgruppe. In der bisherigen Forschung wird oft bemerkenswert unpräzise über das Thema gearbeitet, sowohl was einzelne Sachfragen als auch die Terminologie anbetrifft. Allein die zahlreichen, unterschiedlich getönten Begriffe für die Endzeit eines Kultortes (Bruch, Niedergang, Übergang, Untergang, Verfall, Wende) weisen auf die Vieldeutigkeit des wichtigen Phänomens des Endes und Nachlebens hin.

Die primären Funktionen eines Kultortes waren religiös bestimmt (Opferplatz, Altar, Tempel, Kultbild, Opfer, Weihung, Fest, Rituale, Prozession). Wenn der Kult nicht mehr praktiziert wurde, dann verlor der Kultort a priori seinen Daseinsgrund. Insofern ist das Ende eines Kultortes als der Zeitpunkt oder das letzte Stadium zu verstehen, in dem seine primären Funktionen unwiderruflich ausfielen. Was in der Forschung aber häufig nicht genügend beachtet wird, sind die vielfältigen und unterschiedlichen Funktionen eines Kultortes. So ist mit dem Verschwinden des traditionellen Kultes nicht automatisch auch das materielle Ende eines Kultortes verbunden. Insbesondere größere Kultorte verfügten über sekundäre Funktionen (wirtschaftlich, sozial, politisch-symbolisch) und konnten so das Kultende als Kommunikationszentrum, Festort oder identitätsstiftenden Orientierungspunkt der lokalen oder regionalen Bevölkerung überstehen. Dann führte der Kultort ein Nachleben nicht zuletzt auch in der Erinnerung der Menschen.

Die Projektgruppe bearbeitet Kultorte des Mittelmeerraums von der Steinzeit bis zur Spätantike. Ausgehend von Befunden aus Grabungen, deren Beginn längere Zeit zurückliegen, untersucht sie die bislang oft vernachlässigte letzte Phase der jeweiligen antiken Kultorte und ordnet ihre sich wandelnden Funktionen in einen größeren lokalen und supralokalen Verstehenszusammenhang ein; das zweite Ziel soll vor allem dadurch erreicht werden, daß die Grabungsbefunde mit schriftlichen Zeugnissen konfrontiert werden. Auf diesem Wege soll das Ende und Nachleben von Kultorten in all ihren Facetten genauer als bislang analysiert werden.

Die erwarteten Ergebnisse werden eine Lücke in der Erforschung antiker Heiligtümer schließen. Somit wird die Projektgruppe insgesamt zum besseren Verständnis von Archäologie und Geschichte zentraler Orte antiker Religion beitragen.


Gestalteter Raum
Sprecher: Nils Hellner

Heiligtümer sind immer bewußt besetzter, gestalteter Raum zum Zweck eines wie auch immer gearteten Kultes. Die Bandbreite reicht von einfach gestalteten Naturheiligtümern über peak sanctuaries, Stelenfelder, Wegaltäre, Brandopferplätze bis hin zu monumentalen Tempelanlagen. Der gestaltete Raum „Heiligtum“ ist wesentlicher Ausdruck einer Gesellschaft oder Kultur und ihres gestalterischen Vermögens bzw. ihres eventuell sogar absichtlich nicht dargestellten Vermögens. In Form und Gestalt eines Heiligtums manifestieren sich Form und Gestalt der jeweiligen Religion: ihre Bedürfnisse, ihre Anforderungen und die Ziele des Kultes.

Welche Leistungsanforderungen stellt eine Kultur bzw. die jeweiligen soziale Gruppe oder ein Individuum an ihren sakralen Ort? Zu untersuchen sind die Heiligtümer hinsichtlich folgender Aspekte:

- Unterteilung in öffentliche und nichtöffentliche Bereiche oder demonstrativ hervorgehobene Teilbereiche
- Deponierung oder Vernichtung der Opfer, d.h. Brandstätten oder Magazine
- Wege oder Fixpunkte, Raumfolgen
- Formen des Ritualvollzugs bzw. des Gottesdienstes
- Abschirmung des Sanktuars oder Sichtbarkeit des Götterbildes bzw. des Kultfokus
- Dimensionen des gestalteten Raumes im Verhältnis zum Menschen.

Der Grad der Geschlossenheit, die externe Erschließung, die innere Wegeführung, die unterschiedliche Gewichtung der äußeren und inneren Erscheinung bieten sich als Gestaltungsmittel des Raumes an.

Welche Gemeinsamkeiten zeichnen Heiligtümer gegenüber profanen Orten aus? Bestimmende Faktoren können dabei geographische Gegebenheiten (Quelle, Berggipfel, Felsplateau, Höhle), besondere Naturmale (Bäume, Lichtungen, Waldflecken), kultische Anforderungen (Blickachsen, mythische Orte, Orte sozialer Erinnerung) sein. Der gestalterische Umgang mit diesen Determinanten kann zur Schaffung eines neuen Bautypus, aber auch zur Übernahme eines Typus und dessen Veränderung oder gar zur Wahl einer vollständig typenlosen Raumgestaltung führen.

Die Gestaltung kann sich über gewisse geographische Gegebenheiten hinwegsetzen oder aber auch von ihnen bestimmt sein. Die Funktionsanforderungen des Kultes können bei der Anlage des Heiligtums im unterschiedlichen Maße berücksichtigt sein.

Eine besondere Rolle spielt aber auch die großmaßstäbliche Analyse der jeweiligen Kulttopographie, d.h. die Position, die ein Heiligtum innerhalb eines Territoriums oder einer definierten Kultlandschaft einnimmt: Befindet es sich an seiner Grenze oder definiert es eine solche, bildet es das Zentrum, liegt es isoliert oder läßt sich eine konstellative Einbindung erkennen?


Votiv und Ritual
Sprecher: Gunvor Lindström – Dietrich Raue – Thomas Schattner

Kultplätze waren zu allen Zeiten Orte der Begegnung mit dem Heiligen. Der Kontakt erfolgte in Form von symbolischen Handlungen und Ritualen, wie beispielsweise Prozessionen, Tanz und Musik, Gebeten, Orakeln, Tier-, Trank- und Rauchopfer, Dedikationen und Banketten bzw. Kultmahlzeiten. In den Ritualen schlagen sich, ebenso wie in der Architektur und der Ausstattung des Heiligtums, Vorstellungen einer Gesellschaft nieder, für deren historische Rekonstruktion deshalb das Verstehen der Rituale von Bedeutung ist. Der Ablauf der Riten, d. h. der formalisierten, inszenierten und wiederholt durchgeführten Handlungen, ist heute allerdings nur noch teilweise zu erschließen. Für den altägyptischen, altorientalischen und griechisch-römischen Bereich können sowohl Schriftzeugnisse, wie etwa Ritualtexte und Kultgesetze, als auch bildliche Darstellungen, beispielsweise Vasenbilder und Fresken, Einblick in Form und Ablauf einiger dieser Handlungen geben. Für Rituale, die nicht schriftlich fixiert oder bildlich dargestellt wurden, sind dagegen die im Boden erhaltenen Relikte des kultischen Handelns die einzigen Belege.

In vielen Heiligtümern finden sich Schichten von Asche vermischt mit Tierknochen und Artefakten, die als materielle Hinterlassenschaften von Opfern und Kultmahlzeiten gelten können. Die Analyse dieser Relikte setzt – wie an verschiedenen Projekten seit langem praktiziert – interdisziplinäre Zusammenarbeit (z. B. die Heranziehung von Spezialisten zur Analyse der Archäofauna und der botanischen Funde) voraus und kann Aspekte der Riten erhellen, die in der schriftlichen und ikonographischen Überlieferung keinen Niederschlag gefunden haben.

Außerordentlich häufig und nicht selten das einzige Indiz für die einstige Existenz eines antiken Heiligtums sind Weihgaben, die am Ort ihrer Aufstellung belassen oder später im Heiligtum separat deponiert wurden. Diese Gaben an die Götter zeugen von dem symbolischen Gabentausch der Gläubigen mit den Göttern und können sowohl die religiösen Vorstellungen, als auch die sozialen Hintergründe der Kultteilnehmer spiegeln, wie etwa Status, Geschlecht und Herkunft. Die Untersuchungen der Weihgaben zielen darauf, Aussagen über die Zusammensetzung der Kultgemeinschaft zu treffen und auf diese Weise Erkenntnisse über den Charakter des jeweiligen Kultplatzes zu gewinnen, beispielsweise ob er eine lokale oder überregionale Bedeutung hatte oder ob er vor allem von Frauen oder von Männern besucht wurde. In vielen Heiligtümern wurden große Mengen von Weihgaben gefunden, die häufig aus einem Zeitraum von mehreren Jahrhunderten stammen. Über eine diachrone Analyse des Votivspektrums kann hier nicht nur die Entwicklung der Kultstätten untersucht werden, sondern es können auch zeittypische Vorlieben für bestimmte Votive und Konventionen bezüglich des Umgangs mit ihnen beobachtet werden, die nicht nur veränderte religiöse Vorstellungen, sondern auch gesellschaftlichen Wandel spiegeln.

Auf die Heiligtümer prähistorischer Kulturen können die Kenntnisse über das Ritualgeschehen in antiken Heiligtümer nur unter großen Einschränkungen übertragen werden. Oft ist fraglich, ob es überhaupt schon ein Konzept von Göttern gab, denen die Rituale galten und denen Opfer und Votivgaben dargebracht wurden. Es müssen also grundsätzliche Fragen nach der Art der zugrunde liegenden religiösen Vorstellungen gestellt werden. Bildlichen Darstellungen, wie sie seit der jüngeren Altsteinzeit beispielsweise in Höhlenheiligtümern überliefert sind, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Die neue ikonographische Befundlage des vorderasiatischen Neolithikums konnte in diesem Zusammenhang erst ansatzweise ausgewertet werden. Erkennbar ist immerhin schon jetzt, dass Bild und Kult hier in enger Verbindung auftreten und dass es im sakralen Kontext ein vorschriftliches Notationssystem gab. Der Gesellschaft, die sich ein solches System schuf, ermöglichte es offenbar eine wirkungsvolle Verankerung ihres kulturellen Gedächtnisses. In dieser Hinsicht scheint ein Vergleich mit den in antiken Heiligtümern aufgestellten Votiven und den dort praktizierten Ritualen möglich zu sein.

 

BETEILIGTE PROJEKTE


Forschungsfeld 1: Genese und Kontinuität


Elephantine
( P. Kopp, Abteilung Kairo)

Auf der Nilinsel Elephantine befand sich die südliche Grenzfeste des pharaonisch-ägyptischen Staatsgebiets, in der zudem über 4500 Jahre der Afrikahandel des Landes abgewickelt wurde. Ihr spirituelles Zentrum war das Sanktuar der Göttin Satet. Die Entwicklung dieses Sanktuars konnte, für die ägyptische Archäologie in einzigartiger Weise, annähernd vollständig durch die Grabungen geklärt werden. Sie nahm ihren Ursprung in einem bescheidenen Lehmziegelsanktuar in einer natürlich gebildeten Felsnische um 3300 v. Chr. und führt über zahlreiche Zwischenschritte bis hin zu den kaiserzeitlichen Anbauten des 1. und 2. Jh. n. Chr.

Auf Elephantine kann exemplarisch die Entstehungsgeschichte eines Tempels nachvollzogen werden: Der Ursprung des Sanktuars nimmt Bezug auf ein Naturschaupiel in einem tiefen natürlichen Strudelloch, auf das die frühesten Bauphasen ausgerichtet waren. Im Rahmen des Clusters wird derzeit mit einer Ausgrabung westlich des Tempels nachgeprüft, ob eine Aussparung in der Stadtmauer des frühen Alten Reiches einen funktionalen Nachfolger dieser Flutkultstätte darstellt. Mit der Monumentalisierung des Tempelbezirks wird diese Verbindung zur Natur in steinerne Becken und Wasserkanäle umgedeutet. Am Ende dieser Entwicklung stehen schließlich die Nilometer mit ihrer landesverbindlichen Eichung. Innerhalb des Clusters wird es möglich sein, die erste geschlossene Darstellung einer Sanktuarentwicklung in Ägypten zu erarbeiten.

Der Tempel spiegelt in seiner Entwicklung die mit der Göttin Satet verbundene existenzielle Bedeutung der Feiern der Nilflut für das Land und, durch den sich konstant erhöhenden Bauaufwand, für die Zentralmacht wieder. Eingebettet ist diese Entwicklung in die nun 38jährige Erforschung der Siedlung, die sich im Spannungsfeld zwischen den Interessen der Zentralmacht und der lokalansässigen ägyptisch-nubischen Grenzbevölkerung entwickelte.


Milet, bronzezeitliches Heiligtum und Heiligtum der Athena
(W.-D. Niemeier, I. Kaiser, Abteilung Athen)

Nahe des Athenatempels von Milet wurde bei den neuen Ausgrabungen in den prähistorischen Schichten (s. auch Forschungscluster 3) ein Heiligtum entdeckt, das – wie die gleichzeitigen Siedlungsphasen – deutliche Züge der kretisch-minoischen Kultur zeigt. Dieses Heiligtum entstand wahrscheinlich bereits in der Siedlungsphase Milet III (20./19. bis Mitte 18. Jh. v. Chr.). Sicher nachzuweisen ist es mit einer Abfolge von Lehmziegelaltären in Milet IV (Mitte 18. bis Mitte 15. Jh. v. Chr.). Freskomalereien sowie die große Mehrzahl der Gefäße und Objekte kultischen Charakters sind minoisch, manche zeigen aber auch einheimischen Charakter. Das Heiligtum stellt damit ein wichtiges Untersuchungsobjekt für die Einrichtung eines Kultplatzes im Rahmen des Ausgreifens der minoischen Kultur im östlichen Mittelmeerraum und der Begegnung mit der einheimischen westanatolischen Zivilisation dar. Nach der Zerstörung von Milet IV um die Mitte des 15. Jh. v. Chr. zeigen die Nachfolgesiedlungen Milet V (2. Hälfte 15. bis Ende 13. Jh. v. Chr.) und Milet VI (Ende 13. bis frühes 11. Jh. v. Chr.) einen fast ausschließlich mykenischen Charakter, gleichviel wie groß das Bevölkerungssegment war, das aus Griechenland stammte, und wie groß das einheimische, welches die mykenische Kultur vollkommen adaptierte. Die Schichten von Milet V und VI wurden bereits durch die älteren Grabungen weitgehend freigelegt. Tagebuchnotizen aus dem frühen 20. Jh., die vom Fund eines mykenischen Altars mit vielen Tierknochen berichten, belegen, daß hier auch in mykenischer Zeit ein Heiligtum lag. Neue Untersuchungen liefern Indizien für die Funktion dieses Platzes durch die sog. Dunklen Jahrhunderte (11.–9. Jh. v. Chr.), so daß er allem Anschein nach von der Gründung des minoischen Heiligtums an kontinuierlich eine sakrale Funktion hatte und der Kult der Athena in Milet bronzezeitliche Wurzeln hat. In diesem Zusammenhang ist von Interesse, daß die Göttin Athena in den spätbronzezeitlichen Linear B-Tafeln aus dem Palast von Knossos auf Kreta genannt ist.


Kalapodi, Heiligtum von mykenischer Zeit bis zur Römischen Kaiserzeit

(W.-D. Niemeier – I. Kaiser – K. Kopanias - N. Hellner, Abteilung Athen)

Bei dem Dorf Kalapodi (antike Ost-Phokis) liegt ein bedeutendes Heiligtum, das nach den ersten, 1973–1982 durchgeführten Grabungen als das phokische Nationalheiligtum der Artemis Elaphebolos von Hyampolis identifiziert wurde. Neuere Indizien sprechen jetzt aber dafür, dass es sich um das panhellenische Orakel-Heiligtum des Apollo von Abai handelt, das zu den wichtigsten Heiligtümern Griechenlands zählte. Schon bei den älteren Grabungen kamen Zeugnisse dafür zutage, dass die Geschichte des Heiligtums bis in das späte 2. Jts. v. Chr., d.h. in die Zeit unmittelbar nach dem Untergang der mykenischen Burgen und Paläste um 1200 v. Chr., zurückreichte und bis in die Römische Kaiserzeit in Betrieb war. Bei den neuen, 2004 wieder aufgenommenen Grabungen sind nun Indizien dafür zutage gekommen, dass das Heiligtum noch älter ist und bereits in der mykenischen Palastzeit des 14.–13. Jhs. v. Chr., möglicherweise sogar schon in die mittelhelladische Periode (20.–18. Jh. v. Chr.) existierte.

Unter der Ruine des 480 v. Chr. von den Persern zerstörten Südtempels befindet sich eine Abfolge von Heiligtumsschichten und Kultbauten, welche die sog. ‚Dunklen Jahrhunderte’ Griechenlands zwischen der mykenischen und der archaischen Zeit überbrücken und damit in bisher auf dem griechischen Festland einzigartiger Weise die Kontinuität eines Kultortes über diesen Zeitraum hinweg belegen. Unter dem archaischen Tempel konnten bisher zwei Vorgängerbauten untersucht werden: ein langgestreckter Tempel des späten 8. bis frühen 6. Jhs. v. Chr. mit apsidalem Abschluß im Osten und eine kleiner Oikos-artiger Tempel des 8. Jhs. v. Chr. Beide erlitten Erdbebenzerstörungen, nach denen die eingestürzten Lehmziegelmauern wichtige Befunde versiegelten, die Indizien für Kult und Votivpraktiken liefern: in situ aufgefundene Votive (Waffen, Schmuck) und Indizien für die Abhaltung kultischer Mahlzeiten (Bratspieße, Messer, Asche, zahllose Knochen), im jüngeren der beiden Vorgängerbauten außerdem Wandmalereifragmente mit der Darstellung von kämpfenden Kriegern. Diese Fragmente weisen die gleiche Symbolik auf wie die Fragmente von großen Tongefäßen, Krateren mit der Darstellung von Kriegern und Kämpfen aus spätmykenischer Zeit und die zahlreichen Waffenweihungen seit dem 8. Jh.  v.  Chr.

In den folgenden Jahren sollen die älteren Schichten des Heiligtums untersucht werden, um Aufklärung über den Charakter der Kontinuität an diesem Platz zu gewinnen.

 

Olympia
(R. Senff, Abteilung Athen)

Eines der bedeutendsten Heiligtümer der griechisch-römischen Antike war Olympia, wo sich zu den alle vier Jahre stattfindenden Sportwettkämpfen Teilnehmer aus der ganzen antiken Welt zusammenfanden. Die seit 1874 zunächst von den Berliner Museen, anschließend vom DAI durchgeführten Grabungen haben inzwischen fast das gesamte Heiligtum freigelegt. Damit ergibt sich die Möglichkeit, ein zentrales Heiligtum der Antike nicht nur in seiner räumlichen Ausdehnung zu betrachten, sondern auch durch die Abfolge der Schichten und Bauten ein Bild von der historischen Entwicklung des Ortes zu gewinnen. Die große Zahl der Besucher anläßlich der Festspiele machte das Heiligtum zu einem idealen Ort für die Selbstdarstellung von Privatleuten, Politikern oder gesellschaftlichen Gruppen, die sich in Form von Weihgeschenken aller Größen, als einzelne Denkmäler oder umfangreiche Bauten niedergeschlagen hat. Neben dem archäologischen Material liefern besonders Inschriften und antike Texte, wie die ausführliche Beschreibung des Pausanias, zahlreiche Informationen über die Kulte und ihre Veränderungen im Laufe der Zeit.

Die Ausgrabungen haben die Geschichte des Kultortes inzwischen bis in das mittlere 3. Jt. v. Chr. zurückverfolgt. Allerdings scheint es keine Kontinuität in der Nutzung als heiliger Stätte, sondern immer wieder neue, voneinander getrennte Phasen im Frühhelladikum, in der späten Bronzezeit und dann wieder seit geometrischer Zeit bis in die Spätantike zu geben.

Einzelne Teilprojekte der derzeitigen Erforschung des Heiligtums widmen sich bereits der Frage nach der Kontinuität des Kultgeschehens, so die Untersuchung des archaischen Artemisaltars, eine umfassende Analyse der Rolle des Heiligtums in der römischen Kaiserzeit und des Wandels, dem die pagane Kultstätte nach Einführung des Christentums in der Spätantike unterlag.


Die Romanisierung einheimischer Heiligtümer im Westen der Iberischen Halbinsel

(T. G. Schattner, Abteilung Madrid)

Durch Inschriften namentlich des hispanischen Westens sind die Namen von etwa 300 einheimischen Gottheiten bekannt. Ihre Erforschung wird seit etwa einem Jahrhundert nahezu ausschließlich von Althistorikern und Epigraphikern vorangetrieben. Das Thema ist eines der spannendsten Kapitel des Romanisierungsprozesses, der die Halbinsel, wie andere römische Provinzen auch, in tiefgreifender Weise verändert hat. Ziel des neuen Projektes, das seit 2002 an der Abt. Madrid verfolgt wird, ist es, dem gesammelten Wissen archäologische Heiligtumsbefunde gegenüberzustellen um sodann im interdisziplinären Dialog das Verständnis abzurunden, zu vertiefen, zu erweitern und gelegentlich auch infrage zu stellen.

Angesichts der großen Zahl an Gottheiten ist deutlich, daß eine archäologische Forschung schon aus statistischen Gründen sich nicht auf ein Heiligtum beschränken kann. Aus diesem Grunde wird die Fragestellung an mehreren Heiligtümern untersucht. Diese sind:

  • Heiligtum des Endovellicus in São Miguel da Motta (Alandroal/Portugal)
  • Heiligtum des deus lar Berobreus auf dem Monte do Facho (Galicien/Spanien)
  • Heiligtum des Vaelicus in Postoloboso (Ávila/Spanien)
  • Heiligtum auf dem Cabeço das Fráguas (Guarda/Portugal)

Im vorläufigen Ergebnis zeigen sich eine ganze Reihe neuer und vollkommen unerwarteter Befunde, welche sehr wohl in der Lage sind, das Projekt seinem Ziel näherzubringen. Die Forschung erfolgt in Zusammenarbeit mit portugiesischen und spanischen Kollegen.

 

Forschungsfeld 2: Ende und Nachleben von Kultorten


Das Ende der steinzeitlichen Heiligtümer des Göbekli Tepe

(K. Schmidt, Orient-Abteilung)

Auch wenn die genaue Funktion der Heiligtümer des Göbekli Tepe noch nicht erschlossen ist, so drängt sich beim Versuch einer Charakterisierung der rituellen Welt der frühholozänen Jägerkulturen Obermesopotamiens diese megalithischen Bauformen in den Vordergrund. Die Kreisanlagen des Göbekli Tepe beinhalten eine Welt aus Symbolen und Mythogrammen, die im 8. Jt. v. Chr. von der Bühne der altorientalischen Kulturen so spurlos verschwunden ist wie sie im 10. Jt. unvermittelt und in monumentaler Ausprägung erschienen war. Dieses Ende steht offenbar in direktem Zusammenhang mit der Entstehung, dem Erfolg und der Ausbreitung der bäuerlicher Lebensweise. Schon in der letzten Nutzungsphase im 9. Jt. ist eine drastische Reduzierung und Minimierung des früher bei der Errichtung der Heiligtümer notwendigen immensen Aufwandes zu beobachten. Wie die intensive Spoliennutzung nahelegt, werden die Bauten jetzt möglicherweise ausschließlich aus den Resten früherer Anlagen errichtet. Eine eingehende Analyse des ökonomischen Wandels und der hiermit einhergehenden völligen Umformung der religiösen Ausdrucksweisen wird einen wichtigen Beitrag zur Geschichte des Alten Orients und dessen früher Religion liefern.


Heliopolis
(D. Raue, Abteilung Kairo)

Kaum ein antiker Ort besitzt für Ägypten derart konzentriert die wesentlichen Aspekte einer Kultur wie Heliopolis im nordöstlichen Stadtbereich von Kairo: Es ist Ort der Weltschöpfung, die Residenz des Sonnengottes, der Ort des Göttergerichts, Schauplatz der ersten legitimen Thronfolgeregelung, einer der Kristallisationspunkte für die Entstehung des nahöstlichen Monotheismus. Der Ort wird nie Hauptstadt und doch muß offensichtlich jeder Herrscher mit Bauten dort präsent sein. Im ägyptischen Kulturkonzept steht Heliopolis offenbar für den Residenzplatz des Sonnengottes auf Erden.

Im Rahmen des Forschungsfeldes „Ende und Neubeginn“ soll am Beispiel von Heliopolis illustriert werden, wie das „Ende“ eines Heiligtums in einer gleichsam lautlosen Implosion vor sich gehen kann nachdem es fast 2000 Jahre lang der Schauplatz einer in Stein monumentalisierten Religiösität war.

Es geht um die Auswirkung der oft zunächst lautlosen Verschiebungen der Grundlagen einer Kultur auf die Bedeutung eines heiligen Ortes und um die für weitere Jahrhunderte gültige Verlegung dieser Bedeutung in die Welt religiöser Abstraktion im kulturellen Gedächtnis einer Gesellschaft.


‘Alte Stadt – Neues Reich’. Brüche, Wandel, Kontinuitäten in der Münzprägung von Kardia und Lysimacheia
D. Salzmann – A. Lichtenberger – H. Nießwandt, Universität Münster

Im Jahr 309 v. Chr. wird die bis dahin bedeutendste Stadt der thrakischen Chersones, Kardia, von Lysimachos zerstört, der dafür in unmittelbarer Nähe eine neue Stadt gründet, die er nach sich selbst, Lysimacheia, benennt. Sie wird von Lysimachos anstelle von Kardia zur Hauptstadt der thrakischen Chersones und als königliche Residenzstadt ausgebaut.

In dem Projekt soll die Münzprägung beider Städte miteinander verglichen und der Frage nachgegangen werden, welche Identifikationsfiguren (und auf welche Weise) Kardia und später Lysimacheia nutzen, um ihre jeweils eigenen Besonderheiten für sich zu charakterisieren und zu formulieren und gleichzeitig nach außen hin zu präsentieren.

Die Relevanz des Projekts für das Forschungscluster ergibt sich aus der Zeitstellung der Zerstörung Kardias und der Gründung Lysimacheias im Frühhellenismus: Wie lebt das klassische Erbe in der hellenistischen Neugründung weiter? Wie wirken die geänderten politischen Rahmenbedingungen auf die Kulte (städtische Kulte – königliche Kulte)? Zusätzlich zu den numismatischen Quellen sollen alle epigraphischen und archäologischen Zeugnisse einbezogene werden, insbesondere auch der neuentdeckte frühhellenistische Tempel in Lysimacheia.


Konzeptionswechsel in der Sakraltopographie kaiserzeitlicher Städte: Tempel und Altar auf Fora und Agorai
(H.-U. Cain, Universität Leipzig)

Wie die großen Heiligtümer mit ihren diversen Kult- und Opferstätten bisweilen radikal umgestaltet wurden, so haben bekanntlich auch zentrale Plätze im öffentlichen Raum der Städte tiefgreifende Veränderungen erfahren. Davon sind immer auch Kultmale betroffen gewesen, die sich einzeln oder in größerer Zahl mitten auf einem Platz befunden haben oder die in enger Verbindung mit einem Sakralbau an der Seite eines Platzes gestanden haben können. Beispielhaft zeigen das etwa die mehrfache Neukonzeption des Forum Romanum und die komplette Umformung des Forums von Brescia. Die architektonische Neugestaltung zielt jeweils auf eine inhaltliche Neuorientierung des Platzes in kultischer und religionspolitischer Hinsicht, die mit den allgemeinen politischen Verhältnissen und gesellschaftlichen Zwängen der römischen Republik und Kaiserzeit zusammenhängt. Von diesen Befunden und Aspekten ausgehend, soll zunächst die Sakraltopographie anderer, ausgewählter urbaner Zentren in den westlichen Provinzen des Imperium Romanum untersucht werden. Die Ergebnisse können als Grundlage einer kulturvergleichenden Betrachtung in einem erweiterten Rahmen dienen, der die Städte im griechisch geprägten Osten des Römischen Reiches einschließt.


Abydos
(A. Effland, Abteilung Kairo)

Der Gedanke der Auferstehung und des Fortlebens im Jenseits ist in der pharaonischen Kultur ab Mitte des 3. Jts v. Chr. eng mit der Gottheit Osiris verbunden. In der frühdynastischen Nekropole von Umm el-Qaab wurde das Grab des Djer, des dritten Königs der 1. Dynastie seit der Zeit des Mittleren Reiches mit dem Grab des ersten mythischen Königs, dem Grab des Gottes Osiris identifiziert. Der sich am Ort etablierende Osiriskult erfährt im Neuen Reich, während der 19. und 20. Dynastie einen weiteren Höhepunkt und wird während des 1. vorchristlichen Jahrtausends in Bezug auf die Ritualrelikte immer umfangreicher. Die Aktivitäten reichen bis in spätantike Zeit und enden erst am Übergang des 5. zum 6. nachchristlichen Jahrhundert. Informationen u.a. aus koptischen Viten zur Zerstörung der paganen Sakralanlagen spiegeln sich in den neuentdeckten archäologischen Funden des DAI in Umm el-Qaab.


Der Kirchenbau in den spätantiken Patriarchaten Antiocheia und Jerusalem und der antike Euergetismus
(R. Haensch, AEK)

Die Frage "Niedergang oder Wandel" ist das zentrale Thema der Forschungsbemühungen um die geschichtliche Einordnung der drei Jahrhunderte zwischen 284 und 640 n. Chr. In diesem Zusammenhang wurde aber bisher die Finanzierung des spätantiken Kirchenbaus wenig erörtert, obwohl dieser ein zentrales Fallbeispiel darstellt. Denn mit diesem Kirchenbau ist nicht nur die Frage verbunden, inwieweit spätantike Kirchen in oder mittels der bisherigen Kultbauten (pagane, jüdische) entstanden. Vor allem stellt der spätantike Kirchenbau die letzte große Welle von Kultbauten in der Antike dar. Damit fragt sich aber, inwieweit die Bauten dieses neuen Kultes, der in vieler Hinsicht von den bisherigen abwich, in der gleichen Weise finanziert wurden, wie dies bis dahin der Fall gewesen war. Bis dahin waren Kultbauten vor allem mit Hilfe des sogenannten Euergetismus finanziert worden, d. h. Angehörige der Oberschichten hatten solche Baumaßnahmen im Interesse größerer Gruppen finanziert, um von diesen sozial in ihrer herausragenden Position bestätigt zu werden. Ob dies auch für den Kirchenbau gilt, war anhand von über 1000 einschlägigen Inschriften aus den spätantiken Patriarchaten Jerusalem und Antiocheia, also dem östlichsten Teil der Mittelmeerwelt, zu überprüfen, um so einen wichtigen Beitrag zur Mentalitätsgeschichte der Spätantike zu leisten.


Olympias zweites Leben in der Spätantike. Von der Errichtung der Domäne um 430 n. Chr. bis zum Einfall der Slaven im 7. Jahrhundert
(A. Gutsfeld, Universität Nancy – St. Lehmann, Universität Halle-Wittenberg)

Die Geschichte der Kultstätten endet in der Spätantike nicht mit dem Verbot paganer Kulte und dem Ende der traditionellen Feste. Olympia gehört zu den ‚entpaganisierten’ Heiligtümern, die Ende des 4. Jhs. den Sieg des Christentums überlebten: Es wurde zum Zentrum einer landwirtschaftlichen Domäne, die in Erbpacht bis zur Ankunft der Slaven im 7. Jh. bewirtschaftet wurde. Das Forschungsprojekt kann sich auf reiche archäologische Zeugnisse stützen, die Olympia zu einem einzigartigen Fall im römischen Reich machen. Neben vielen landwirtschaftlichen Einrichtungen und den weiter genutzten Wasseranlagen ist insbesondere auf die Existenz zahlreicher Unterkünfte von Bauern hinzuweisen, wahrscheinlich eines kleinen Dorfes von Kolonen. Das Ziel des Forschungsprojektes ist zunächst, die Umwandlung des Heiligtums in das Zentrum einer Domäne nachzuzeichnen; außerdem soll der Betrieb des Latifundium und der Alltag seiner Einwohner rekonstruiert werden. Mit der Analyse des „zweiten Lebens von Olympia“, soll ein Beitrag zum besseren Verständnis der wechselhaften Spätgeschichte traditioneller Kultstätten im christlichen Staat geleistet werden.


Diokaisareia-Uzuncaburç: Die ‚Tempelkirche’
(S. Westphalen, Universität Rostock)

Der Umbau des Tempels in eine Kirche setzt die erfolgreiche Christianisierung der städtischen Eliten voraus, zu der neben reichen Grundbesitzern und einflussreichen Beamten auch die Bischöfe mit ihren weitreichenden Kompetenzen für die munizipale Selbstverwaltung gehörten. Im Kreis des höheren Klerus sind auch die Auftraggeber für den Kirchenbau zu suchen, die mit ihrer Entscheidung dazu beitrugen, dass eine weitere Verödung des Stadtzentrums verhindert wurde. Denn es ist davon auszugehen, dass erst zwei bis drei Generationen verstreichen mussten, bevor das in den Jahren um 400 n. Chr. geschlossene Heiligtum umgewidmet und mit dem Umbau des bereits verfallenden Tempels begonnen wurde. Damit ist die ‚Tempelkirche’ kein direktes Zeugnis für die Krise und das Ende des alten Zeuskultes, sondern ein Monument, das für den bereits vollzogenen Wandel und nach einer Unterbrechung für die Wiederaufnahme der Kulttradition im zentralen Heiligtum steht. Architektonisch war die Umwidmung mit einem tiefgreifenden Umbau verbunden, der durch den Anbau einer Apsis und die Verlegung des Hauptportals auf die Westseite nicht nur eine Umorientierung des Tempelareals zur Folge hatte, sondern die komplette Entkernung des Innenraums verlangte, damit innerhalb der hellenistischen Peristasis eine Emporenbasilika eingebaut werden konnte.

 

Resafa-Sergiupolis/ Resafa-Rusafat Hisham (Syrien)
(D. Sack, Technische Universität Berlin)

Resafa-Sergiupolis ist der Ort, an dem der Hl. Sergios um 300 das Martyrium erlitten hatte. Die dort entstandene befestigte Pilgerstadt umfasst fünf Kirchenbauten und große zivile Einrichtungen (Zisternen, Karawanserei, Wohnhäuser). Zwei der Kirchenareale, die Basilika A (Baubeginn um 470) und die Basilika B (Baubeginn 518, Vorgängerbauten frühes 5. Jh.) stehen in direktem Zusammenhang mit dem Sergios-Kult. Seit dem Ende des 5. Jhs. ist der aus Kirche, Vierstützenbau (mit Baptisterium) und Bischofspalast bestehende Baukomplex der Basilika A, deren nordöstlicher Apsisnebenraum die Reliquien beherbergte, das Pilgerzentrum entstanden. Den Nordhof der Kirche ließ der Kalif Hišām b. Abd al-Malik, dessen mehrere große Gebäudeensemble umfassende Residenz in einem etwa drei Quadratkilometer großen Bereich südlich der Stadt lag, im 2. Viertel des 8. Jhs. zum Teil von der Großen Moschee überbauen, denn der Hl. Sergios wurde sowohl von Christen als auch von den Muslimen verehrt. Die „baraka“, die Heiligmäßigkeit des Ortes führte dazu, dass das Ensemble der Kultplätze bis zum Ende der Stadt, Mitte des 13. Jhs., in Benutzung war.


Die Statuenbasen im Zeusheiligtum von Olympia
(C. Leypold, Abteilung Athen – Universität Würzburg)

Anhand der ca. 800 im Heiligtumsareal gefundenen Statuenbasen und Basenfundamente soll eine zeitlich differenzierte Betrachtung der Statuenaufstellung im Zeusheiligtum von Olympia vorgenommen werden. Diese verspricht nicht nur wichtige Erkenntnisse zur Gestaltung der Heiligtumstopographie durch die statuarischen Weihgeschenke, sondern auch darüber, wie in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche mit den alten Denkmälern verfahren wurde. Diesbezüglich war der Wandel des Ortes vom paganen Heiligtum in eine christliche Handwerkersiedlung wohl die grundlegendste Veränderung im Laufe seiner langen Geschichte. Gerade der Umgang mit den bildlichen Hinterlassenschaften der alten, angeblich nun verhaßten Religion gibt spannende Einblicke in die Reaktion der Menschen auf die veränderten religiösen Verhältnisse und damit in die tatsächliche Geisteshaltung während des Übergangs von der griechischen Tradition zur christlichen Welt. So zeichnet sich beispielsweise ab, daß einige der alten Statuen gezielt noch nach Ende des Kultbetriebes in frühchristlicher Zeit bewahrt wurden.


Resistenz, Sublimation und Transformation von Kult in traditionalistischer Gesellschaft und intellektueller Kultur – Paganismus und Elite Athens im christianisierten Staat.
(J. Hahn, Universität Münster)

Das Ende eines Kultortes wie überhaupt von Kultpraxis schlägt sich ultimativ im materiellen Befund nieder – im allgemeinen indiziert dieser aber, angesichts des Fehlens von Textquellen, meist alleine noch die Schlußetappe eines tatsächlich religiös, sozial, kulturell und politisch hochkomplexen Prozesses. Im Athen der Spätantike – die einen atemberaubenden, staatlich geförderten Siegeszug des Christentums und das rapide Schwinden der alten Kulte erlebte – ist nun nicht nur, gegen den Zeittrend, ein bemerkenswertes Fortdauern aller Institutionen und Äußerungen paganen Lebens (religiöse Infrastruktur, Feste, Tempel- und Opferkulte etc.) sichtbar, sondern auch das Agieren und Reflektieren von Vertretern jener Eliten dokumentiert, welche ökonomisch wie politisch das Funktionieren und die Kontinuität des Kultlebens sichern mußten. Die pagane Paideia als Basis zugleich religiöser Identität wurde dabei insbesondere in Gymnasien und ‚privaten’ Philosophenschulen, v.a. der neuplatonischen Akademie, energisch gepflegt und – in Auseinandersetzung mit den nun dominierenden religiösen und anderen Konzepten – fortentwickelt und hierbei lokal wie auf Reichsebene bemerkenswerte Wirkung erzielt. Die Reflexion, Neuformulierung und Transformation philosophischer und religiöser Tradition – und so auch paganer Spiritualität und Kultpraxis – im Kontext offensiver gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzung bis hin zur Schließung der Akademie durch Justinian 529 n. Chr. steht im Zentrum des Forschungsvorhaben.

 

Forschungsfeld 3: Gestalteter Raum


Göbekli Tepe
(K. Schmidt, Orient-Abteilung)

Die architektonische Gestaltung der monumentalen steinzeitlichen Heiligtümer des Göbekli Tepe folgt einem einheitlichen Grundgedanken. Es handelt sich um kreisförmig aufgestellte, monolithische T-förmige Pfeiler, die von Mauerstreifen verbunden werden, so daß der Innenraum klar vom Außen abgetrennt wird. Innen an die Mauern sind steinerne Bänke angelehnt. Im Zentrum der Anlagen steht immer ein Paar gleichartiger, aber besonders großer Pfeiler. Arme und Hände, die auf einigen dieser Pfeilern in Flachrelief dargestellt sind, lassen die Monolithe als menschengestaltig erkennen. Die T-Form erklärt sich somit als stilisierter Umriß einer von der Seite gesehenen Person. Die Bauform der Heiligtümer repräsentiert folglich eine im Kreis um ein zentrales Paar gruppierte Versammlung steinerner Wesenheiten. Ob es sich um hypäthrale Anlagen handelt oder um überdeckte Räume, ist noch nicht geklärt. Die Miteinbeziehung des Themenkomplexes „megalithische Steinkeise“ in die zukünftigen Forschungen vermag sicherlich derartige und viele andere Fragen, die sich angesichte dieses neuen Architekturtyps auftun, zu beantworten.


Dahschur
(N. Alexanian, Abteilung Kairo / FU-Berlin)

Die Nekropole von Dahschur umfaßt ein riesiges Wüstengebiet von 4 x 2 km Ausdehnung. Beherrscht wird der Platz von zwei Pyramiden des Alten Reiches, die König Snofru in der 4. Dyn. (um 2500 v. Chr.) errichten ließ, und drei Pyramiden des Mittleren Reiches, die in der 12. Dyn. (um 1880–1770 v. Chr.) erbaut wurden. Aufgrund der spezifischen Konzeption des ägyptischen königlichen Totenkultes als Staatskult, der über lange Zeit eine größere Bedeutung als der Götterkult hatte, muß man die gesamte Nekropole von Dahschur als heiligen Ort verstehen. Der Kult wurde in den zu den Pyramiden gehörenden Pyramiden- und Taltempeln über Jahrhunderte durchgeführt und manifestierte sich in zahlreichen Opfergaben. Räumliche Einheit entsteht durch die enge Bezugnahme der einzelnen Kulte und Bauwerke aufeinander. Die den Kult durchführenden Priester wohnten in eigens zu diesem Zwecke gegründeten Pyramidenstädten am Wüstenrand. Ihre Gräber geben Aufschluß über die soziale Zusammensetzung und zeitliche Verortung dieser Gemeinschaft. Genauer zu erforschen wäre die Frage, ob der Kult an den Pyramiden des Snofru am Ende des Alten Reiches zum Erliegen kam und im Mittleren Reich wiederbelebt wurde oder ob es eine kontinuierliche, fast tausendjährige Belegungs- und Kultaktivität in Dahschur gegeben hat. Von größtem Interesse ist auch die Frage, warum und in welcher Form sich die Könige des Mittleren Reiches an die Architektur und Kulte ihrer Vorgänger anschlossen.


Uruk – Kulttopographie eines babylonischen Heiligtums
(M. van Ess, Orient-Abteilung)

Das Eanna-Heiligtum in Uruk entstand in der uns bekannten Form am Beginn des dritten Jahrtausends v. Chr. und bestand bis in die seleukidische Zeit hinein. Es war der Göttin Inanna/Ischtar geweiht, die – neben dem Himmelsgott Anu – ihren Hauptverehrungsort in Uruk hatte. Das Heiligtum setzte sich zu allen Zeiten aus einem im Zentrum der Anlage errichteten Tempel auf einer Terrasse bzw. einer Zikkurrat sowie einer Anzahl von umgebenden Höfen unterschiedlicher Funktion zusammen. Es handelt sich um einen Typ eines städtischen Hauptheiligtums, wie er in Babylonien mehrfach nachgewiesen ist. Das Heiligtum erfuhr im Laufe der Jahrtausende mehrere Umgestaltungen, die erhebliche bauliche Veränderungen mit sich brachten, mit denen jedoch das Grundkonzept nicht geändert wurde.

Im Rahmen des Forschungsfeldes „Gestalteter Raum“ sollen die verschiedenen Bereiche des Heiligtums auf ihre Funktion hin analysiert und versucht werden, deren Bezüge zu den Kulterfordernissen mehrerer Zeitperioden herauszuarbeiten.

Über Vergleiche zur architektonischen Gestalt und zu archäologischen Befunden weiterer babylonischer Heiligtümer sollen die Charakteristika derartiger Heiligtümer hervorgehoben werden. Wesentlich wird darüber hinaus die Einbeziehung altorientalischer Schriftquellen sein, über die in der Verknüpfung mit den archäologischen Ergebnissen neue Erkenntnisse zur Funktion der einzelnen Tempelbereiche zu erwarten sind. Eine enge Vernetzung mit Spezialisten der altorientalischen Philologie ist daher angestrebt.


Dra’ Abu el-Naga/Theben-West (Luxor)
Vom Grab zum Tempel: Eine königliche Doppelgrabanlage der frühen 18. Dynastie und ihre Wiederbenutzung am Ende des Neuen Reiches
(U. Rummel, Abteilung Kairo)

In K93.11/K93.12 läßt sich die Neugestaltung eines heiligen Platzes nachvollziehen. Angelegt in der 18. Dynastie (um 1500 v. Chr.) als Königsgräber – deren Besitzer in der Folgezeit als Götter verehrt wurden – sind beide Anlagen rund 400 Jahre später von der Familie des Hohenpriesters Ramsesnacht übernommen und umgestaltet worden. Das übergeordnete Ziel des Projekts ist die Untersuchung der Nutzungsgeschichte des Ortes. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Funktion, welche die königlichen Grabanlagen durch die ramessidische Umgestaltung erworben haben: Tempel oder Grab – oder Tempelgrab? Beide Anlagen bilden ein herausragendes Zeugnis des „Wandels des Grabgedankens“ in der Ramessidenzeit, im Zuge dessen die Tempelfunktion des Grabes immer stärker in den Vordergrund tritt und das Grab zum „Subjekt der Gottesverehrung“ ( Assmann) wird. Die neue Semantik schlägt sich in K93.11/12 in bislang einzigartiger Weise in der Architektur nieder, und es ist eine der zentralen Fragen, ob die Tempelelemente im Grabkontext eine neue Bedeutung gewonnen haben oder vielmehr die Tempelfunktion des Ortes unterstreichen.


Sabäische Sakralarchitektur: Gestalt, Ausstattung und Kultpraktiken
(I. Gerlach – Orientabteilung, Außenstelle Sanaa)

Im Rahmen der Clusterforschung untersucht die Außenstelle Sanaa sabäische Heiligtümer intra muros in Bezug auf Kultpraktiken und innerstädtische Kommunikation. Ein Ziel des Projektes ist es, den Bereich des Sakralen, der im Sabäischen politische, gesellschaftliche und religiöse Aspekte vereint, innerhalb der beiden wichtigsten sabäischen Stadtanlagen Marib, der Hauptstadt des Reiches von Saba, und Sirwah zu erforschen. Erstmals für den südarabischen Raum wird dabei analysiert, in welchem Ausmaß die soziale Ordnung der sabäischen Gesellschaft mit ihren religiösen Vorstellungen die Gestaltung des sakralen Raums prägte. Wechselwirkungen zwischen den sich wandelnden Lebensbedingungen und der Religion vom Beginn der sabäischen Zeit am Anfang des 1. Jt. v. Chr. bis zum Untergang des Reiches im 6. nachchristlichen Jahrhundert werden dabei berücksichtigt. Von besonderer Bedeutung ist der Übergang vom Polytheismus zum Monotheismus im 4. Jh. n. Chr. und hier speziell die Auswirkungen auf die Sakralarchitektur sowie den Kult als Spiegel der sich ändernden sabäischen Gesellschaft.

Darüber hinaus erfolgt eine systematische Untersuchung der Kultpraktiken, Rituale und Votive anhand archäologischer Funde und Befunde und zwar in Abhängigkeit zur architektonischen Gestalt der Heiligtümer. Das epigraphische Quellenmaterial, das - sofern vorhanden - ergänzend zum archäologischen Kontext Hinweise auf den Kult geben kann, wird dabei gezielt analysiert. Eine systematische Materialsichtung behandelt darüber hinaus das bisher vernachlässigte Thema der religiösen Ikonographie der sabäischen Kultur.


Der archaische Apollontempel (‚Tempel II’) in Didyma

(Uta Dirschedl, Zentrale)

Der archaische Apollontempel (‚Tempel II’) in Didyma gilt schon seit seiner Auffindung zu Beginn des 20. Jhs. – insbesondere auch wegen der qualitätvollen marmornen Bauskulptur (heute im Pergamonmuseum in Berlin sowie im Archäologischen Museum in Istanbul) – neben den beiden berühmten Dipteroi im Heraion in Samos sowie dem älteren Artemision in Ephesos als einer der bemerkenswertesten archaischen ionischen Tempel in Kleinasien. Der bislang unzureichend erforschte hypäthrale Marmor-Kalkstein-Bau des 6. Jhs., der einer die Heilige Quelle als natürliches Kultmal architektonisch einfassenden älteren Hofanlage (‚Sekos I’) nachfolgt, prägt in funktionaler Anpassung an den Orakelkult konzeptionelle, typologische und stilistische Besonderheiten aus, die wiederum im hellenistischen Nachfolger, dessen eindrucksvolle Tempelruine heute noch vor Ort zu sehen ist, weiterwirken.

Ziel des 2003 begonnenen Vorhabens, bei dem auch Dr. Volker Kästner (Kapitelle) von der Antikensammlung der Staatlichen Museen Berlin sowie Dr.-Ing. Aenne Ohnesorg (Marmordachziegel) vom Lehrstuhl für Baugeschichte der TU München mitwirken, ist es, diesen Tempel, Stätte eines über die Grenzen Ioniens hinaus bedeutenden Orakelkults, seiner Signifikanz für die ionische Baukunst entsprechend auf der Grundlage einer möglichst vollständigen Materialaufnahme angemessen wissenschaftlich zu publizieren – ein lange überfälliges Desiderat. Da Bauglieder und Bauskulptur des Tempels im Vergleich zu den anderen ionischen Dipteroi, mit denen das Didymaion in Wettstreit trat, in seltener Vollständigkeit und ungewöhnlicher Formen- und Material-Vielfalt erhalten sind, sind viel versprechende Ergebnisse für die Kenntnis der archaischen ionischen Baukunst zu erwarten.


Die Statuenbasen im Zeusheiligtum von Olympia
(C. Leypold, Abteilung Athen – Universität Würzburg)

Die zahllosen Bildnisse von Göttern, Heroen und Ehrenmännern, die im Zeusheiligtum von Olympia zwischen dem späten 6. Jh. v. Chr. und dem späten 3. Jh. n. Chr. als statuarische Weihgeschenke in den Vorhallen der Tempel und unter freiem Himmel aufgestellt wurden, prägten entscheidend die Gestalt des Heiligtums. Von mehreren hundert Statuen wurden noch die Fundamente ihrer Basen freigelegt oder die steinernen, in der Regel mit Inschrift versehenen Sockel gefunden. Diese tragen vielfach Spuren von Wiederverwendungen oder Umsetzungen, die darüber Auskunft geben, daß die Standbilder von der Heiligtumsverwaltung immer wieder abgeräumt oder umgesetzt werden mußten, um in dem weitläufigen Areal Platz für neue Weihgeschenke oder auch für Gebäude und Veränderungen der Wegführung zu schaffen. Das Projekt hat zum Ziel, die Gestaltung des sakralen Bezirks durch die Statuenaufstellung zeitlich differenziert zu untersuchen und ihre Bedeutung für den antiken Heiligtumsbesucher zu erfassen.


Kalapodi. Neubewertung der Typologie der dorischen Architektur
(N. Hellner, Abteilung Athen)

Die dorische Architektur gilt im Allgemeinen als gut bekannt. In Kalapodi bietet sich die einzigartige Möglichkeit eines exemplarischen Studiums vom mykenischen Ursprung und bislang mindestens acht übereinander Bauten geometrischer bis hadrianischer Zeit. Durch den Neufund eines archaischen Kapitells und Untersuchungen an bekannten früharchaischen Kapitellen aus Kalapodi wird jedoch die chronologische Entwicklungsreihe neu zu ordnen sein. Durch die letzten Grabungskampagnen und die zukünftig zu erwartenden Ergebnisse kann exemplarisch die Genese des griechischen Tempels vom mykenischen Megaron über den geometrischen Lehmziegelbau mit Holzstützen und den Steinbau mit Holzsäulen zum kompletten Steinbau überprüft werde.

Dabei wird der Adaption des Tempeltypus an die Erfordernisse des Kultes (Wegführung mit beidseitigen Rampen, Weihungen von Streitwagenrädern, bauliche Manifestation eines Orakels) mit ihren speziellen Lösungen eine besondere Aufmerksamkeit gelten.


Zur räumlichen Gestaltung punischer Kultstätten
(S. Helas, Abteilung Rom)

Die unterschiedliche architektonische Fassung der bislang bekannten phönizisch-punischen Heiligtümer lässt kein gleichförmiges Bild entstehen und entzieht sich weitgehend einer Grundrisstypologie. Um punische Sakralanlagen zu entschlüsseln, müssen wir uns einerseits von der Vorstellung normierter Architekturformen lösen und andererseits unseren Blick auf die Kultvorgänge lenkten. Ein auf den Kult basierender Zugang kann neue Perspektiven auf diese Heiligtümer eröffnen, deren bauliche Unterschiedlichkeit das auffallendstes Merkmal zu sein scheint ("irregular plan"). Einige Elemente (Opferpodien, Votivbänke und Brandaltäre) treten wiederholt in verschiedenen punischen Heiligtümern auf und sind mit den religiösen Praktiken des punisch-phönizischen Kulturkreises in Verbindung zu bringen. Es lassen sich so verbindende Opferrituale erkennen, die wiederum bauliche Lösungen erfordern. Diese kultischen Grundelemente konnten offenbar architektonisch recht flexibele kombiniert werden. Im Rahmen dieses Projektes soll der Versuch unternommen werden, die räumliche Gestaltung punischer Kultstätten zu beschreiben, zu ordnen und insbesondere die wechselseitige Beeinflussung von ritueller Handlung und räumlicher Gestaltung zu analysieren.


Heiligtümer in Latium (Cori, Terracina)
(H. v. Hesberg, Abteilung Rom mit E. Altenhöfer – S. Franz – V. Hinz, München)

Die Städte in Latium nehmen mit der wachsenden Macht Roms und den damit einhergehenden wachsenden Verbindungen zum griechischen Osten im 3. und 2. Jh. v. Chr. einen beispiellosen Aufschwung. Diese Veränderungen kulminieren im Ausbau bestimmter zentraler Heiligtümer. Die berühmtesten Beispiele bilden dabei die Heiligtümer der Fortuna Primigenia in Praeneste oder das des Hercules Victor in Tivoli, denen sich in eigentlich allen anderen Städten entsprechende Komplexe zur Seite stellen lassen.

Die Hauptfragestellung besteht aus einer Untersuchung, wieweit sich bestimmte religiöse Muster halten und wie stark sie transformiert bzw. auch instrumentalisiert werden, um sie den veränderten Erwartungen anzupassen. Auf der einen Seite wirken die neuen Heiligtümer wie eine Transformation sakraler Traditionen, die in ihrer Monumentalität so etwas wie eine Säkularisierung erkennen lassen. Andererseits fällt auf, wie sehr bestimmte Kultmale, Naturdenkmäler oder auch nur Orte der Verehrung und traditionelle Bau- und Kultformen gepflegt werden. Dieser merkwürdige Widerspruch zwischen der Steigerung des äußeren Aufwands und der neuen Gewichtung von Kultbild und Kulthandlungen vor dieser Szenerie stehen im Zentrum der Überlegungen.

Im Zentrum der Betrachtung stehen mit dem Dioskurenheiligtum in Cori und dem Jupiterheiligtum in Terracina zwei sehr unterschiedlich konzipierte Anlagen, die etwa zur gleichen Zeit (Wende vom 2. zum 1. Jh. v.Chr.) ihre grundlegend neue Form erhielten, die aber in einer konstrastierenden Gegenüberstellung bestimmte Aspekte dieser Heiligtümer deutlich machen können. Das Heiligtum in Cori behält den Ort des früheren Tempels mitsamt den ursprünglichen Terrassenmauern bei, verändert aber durch eine Serie zusätzlicher Terrassierungen und Treppenanlagen den Charakter der Anlage. Vor allem der Tempel wird in völlig neuen Dimensionen errichtet, die allein schon in der Art der Aufstellung der Kultbildgruppe am besten den veränderten Anspruch zeigen.

Gleiches gilt für Terracina. Während aber Cori in seinem Zuschnitt der Terrassen und der Wegführung an vorgegebene Situationen innerhalb der Stadt zu folgen scheint, weswegen auch viele Unregelmäßigkeiten im Plan zu beobachten sind, der Tempel aber mit seiner Fassade in zentraler Position erscheint und seine Fassade beherrschend herausstellt, ist es in Terracina eher umgekehrt. Dort gibt es eine aus dem Gelände und den Kultgepflogenheiten bedingte unregelmäßige Disposition von Tempel, Hallen und weiteren Anlagen, der Unterbau ist aber weitgehend regelmäßig angelegt.

Die Anforderung, eine möglichst repräsentative neue Form zu finden, wurde also sehr unterschiedlich eingelöst. Das mag zum einen damit zusammen hängen, dass das eine Mal das Heiligtum in der Stadt liegt, das andere Mal außerhalb, es mag aber auch der Ort des Orakels in Terracina eine solche Lösung bewirkt haben.

Das Neuartige des Ansatzes liegt also darin, Heiligtümer in einer Art religiöser Gesamthaushalt einer Stadt zu sehen, der je nach den Erfordernissen der jeweiligen Städte unterschiedlich neu bestimmt werden konnte. Dabei sind die verschiedenen Ebenen in ihren Komponenten zu bestimmen, etwa zum einen Bindung an die Tradition, ferner die monumentale Ausgestaltung und die Einbindung in das Ritualgeschehen der Stadt.


Das Zeus-Olbios Heiligtum im Rauhen Kilikien
(D. Wannagat, Universität Rostock)

Die Priesterdynastie des olbischen Tempelstaates herrschte über ein ca. 1000 km 2 umfassendes Territorium im Rauhen Kilikien, das von den Flüssen Kalykadnos und Lamos begrenzt wurde. Das Zentrum ihrer Macht war das Zeus-Olbios-Heiligtum, das in hellenistischer Zeit (3.–1. Jahrhundert v. Chr.) monumental ausgebaut wurde. Die sakrale Topographie des hellenistischen Tempelstaates soll unter zwei Aspekten analysiert werden. Zum einen gilt es, alle Kultstätten innerhalb des Territoriums in ihrer spezifischen Qualität zu erfassen und nach ihrer Hierarchie zu fragen. Das Spektrum reicht von Kultplätzen in natürlichen Höhlen bis zu dem gewaltigen korinthischen Tempel des Zeus-Olbios als regionalem Zentralheiligtum. Zum anderen soll die Nutzung des markanten Landschaftsreliefs für die Großbauten im sakralen Zentrum des Tempelstaates erschlossen werden. Ihr Bezug zum territorialen Wegenetz und zur nahe gelegenen Polis Olba stehen dabei im Mittelpunkt des Forschungsinteresses. An diesem Beispiel lässt sich das komplexe Gefüge einer Heiligtumslandschaft unter den speziellen Bedingungen eines kleinasiatischen Tempelstaates erfassen.


Gadara/Umm Qais, Heiligtum am östlichen Stadteingang

(C. Bührig, Orient-Abteilung)

Am östlichen Stadteingang von Gadara entstand ab der 1. Hälfte des 2. bis Anfang des 1. Jhs. v. Chr. ein großflächiger, künstlich eingeebneter Tempelbezirk. Er nahm das vermutlich Zeus Olympios geweihte Hauptheiligtum der Stadt auf.

Während das Areal am östlichen Stadteingang als Kultplatz seit Anfang des 1. Jhs. v. Chr. eine Nutzungskontinuität aufzeigt, unterliegt das Areal selbst von hellenistischer bis byzantinischer Zeit städtebaulich-kontextuell einem fortwährenden Wandlungsprozeß. Es ist zu vermuten, daß dieser Wandel mit der kultischen Bedeutung des Heiligtums interagierte, daß mithin zwischen den neu entstehenden Bauten und dem Heiligtum ein formaler und ein funktionaler Bezug bestand. Die Aufdeckung derartiger Bezüge vermag daher auch neue Einblicke in den Kult und seine Einbindung in das sich verändernde städtische Raumgefüge zu geben.


Didyma: Kultabhängige Kontinuität sakraler Räume und Architektur
(A. Furtwängler, Universität Halle)

Das ungewöhnliche architektonische Konzept, das den großen Apollon-Tempel in Didyma kennzeichnet, ist auch in Grundzügen für die Vorgängerbauten postuliert worden. Ferner scheinen weitere hypäthrale Bauten Kleinasiens bei Tieferlegung des Adytonbereichs ähnlichen Kultvorstellungen entsprungen zu sein. Die neuen Untersuchungen an den sakralen, didymäischen Vorgängerbauten haben zahlreiche neue Aspekte sakraler Kontinuität und zeitabhängiger Architekturvorstellungen erbracht, die nur unter Berücksichtigung einer großen Anzahl von „Bausteinen“ sinnfällig zu einem Ganzen gefügt werden können. Das hierbei aufgedeckte breite Fundspektrum zu erarbeiten gehört ebenso zu den notwendigen Aufgaben wie die räumliche Ausdehnung des Gesamtheiligtums im Rahmen der architektonischen Evolution zu analysieren. Der Wandel des Heiligtums in Form und Raum in spätgeometrisch - archaischer Zeit, der Stillstand im 5. Jh. und der Versuch seit dem 4. Jh., ein neues ausgreifendes, um nicht zu sagen „bombastisches“ Konzept zu realisieren, entspringt vordergründig politischen Entwicklungen, wird aber in Rahmen rein kultkontinuitärer Positionen neu untersucht.

 

Forschungsfeld 4: Votiv und Ritual

 

Göbekli Tepe
(K. Schmidt, Orient-Abteilung)

Die Heiligtümer am Göbekli Tepe waren ohne Zweifel Orte für rituelle Handlungen. Welche Art und Gestalt diese besaßen, ist noch völlig ungeklärt. Überhaupt können verschiedene bei antiken Heiligtümern als gegeben anzusehende Grundlagen, daß es z.B. Götter gab, denen Opfer und Votivgaben dargebracht wurden, am Göbekli Tepe nicht ungeprüft übernommen werden. Ob die innen in den Kreisanlagen angefügten steinernen Bänke als Altäre fungierten, ob die T-Pfeiler, die als menschengestaltige steinerne Wesenheiten zu verstehen sind, Götter darstellen oder Menschen, gilt es noch zu ergründen. Erkennbar ist, daß ein fest definiertes Symbolsystem, mit Einkerbungen notiert auf steinernen Täfelchen, aber auch monumental ausgeführt auf den Reliefpfeilern des Göbekli Tepe, offenbar eine wirkungsvolle Verankerung des kulturellen Gedächtnisses dieser Gesellschaft ermöglichte.


Elephantine
(P. Kopp / D. Raue, Abteilung Kairo)

Kaum ein Land oder eine Kultur ist in seiner Existenz derartig von einem einzelnen Naturereignis abhängig gewesen wie Ägypten von der Nilflut. Der Zeitraum vom Einsetzen der ersten Pegelerhöhung bis zur Sicherstellung der landwirtschaftlichen Grundlage des kommenden Jahres wurde landesverbindlich an der Südgrenze beobachtet – und die Beobachtungsstelle rituell ausgestaltet. Der heilige Platz hierfür ist der Tempel der Göttin Satet an einem tiefreichenden Strudelloch auf der Nilinsel Elephantine gegenüber der modernen Großstadt Assuan.

Der Satettempel von Elephantine ist das einzige Heiligtum Ägyptens, das von seinen Anfängen im 4. Jt. v. Chr. bis in die römische Kaiserzeit durch eine moderne Ausgrabung vollständig dokumentiert und z. T. auch restauriert werden kann. Die Grabung konnte das 4. und 3. Jt. v. Chr. betreffend mehr als 20 Phasen der Entwicklung in einer natürlich gebildeten Felsnische feststellen. Im Anschluss hieran nimmt das zentralistische ägyptische Königtum mehr und mehr Besitz von der Kultstelle in Gestalt von Festtempeln mit steinernen Bauteilen sowie schließlich mit großen steinernen Festtempeln, die, auf höherem Niveau errichtet, den Bezug zum ursprünglichen Strudelloch verlieren. An seine Stelle treten nun gebaute Ritualräume und -installationen.

Parallel zu den architektonischen Befunden innerhalb des Temenos, den zahlreichen epigraphischen Zeugnissen und den Felsinschriften der Umgebung wird die Befundsituation in idealer Weise durch das archäologische Fundgut aus den verschiedenen Nutzungshorizonten des Tempels abgerundet: Zahlreiche Votivgaben und Ritualutensilien lassen sich verschiedenen Tempelstufen zuordnen. Hier steht vor allem die Bearbeitung des Fundgutes des späten 3. und 2. Jt. v. Chr. sowie eine Auswertung der Keramikfunde aus. Damit wird die Serie der Ausstattungsgegenstände und Votivgaben von den Heiligtumsanfängen bis hin zum staatlichen Festtempel des Neuen Reiches geschlossen und einer übergeordneten Synthesebetrachtung zugänglich.


Abydos
(U. Effland, Abteilung Kairo)

Im mittelägyptischen Abydos befindet sich die Nekropole der frühesten Könige Ägyptens. Das Grab des Königs Djer (1. Dynastie, ca. 2950 v. Chr.) wurde spätestens ab dem Mittleren Reich (um 2000 v. Chr.) als das Grab des mythischen Königs und Gottes Osiris identifiziert. Der daraus erwachsene lokale Osiriskult erfährt während der 19. und 20. Dynastie einen weiteren Höhepunkt und wird während des 1. vorchristlichen Jahrtausends immer umfangreicher. Die kultischen Aktivitäten reichen bis in koptische Zeit und enden erst in der zweiten Hälfte des 5. nachchristlichen Jahrhunderts. Die in dieser Zeitspanne niedergelegten Votivgaben und die verbliebenen Ritualrelikte sind in bezug auf die Quantität (alleine ca. 8 Millionen Votivschälchen) und auf die Qualität (Totenstatuetten, Architekturfragmente, historisch und religionshistorisch relevante Texte) außergewöhnlich. Die Kombination aus archäologischen und textlichen Quellen unter Einbeziehung der topographischen Gegebenheiten ermöglichen erstmals eine Rekonstruktion des aufwendigen Kultgeschehens.


Dahschur
(N. Alexanian, Abteilung Kairo / FU-Berlin)

Vergleiche Forschungsfeld 3.


Die Grobkeramik von Milet IV
(I. Kaiser, Abteilung Athen)

Die Grobkeramik der Phase Milet IV (entspricht MM III bis SM I A/SM II), die im bronzezeitlichen milesischen Heiligtum wenig südlich des späteren Tempels der Athena gefunden wurde, weist zweierlei Besonderheiten auf: Zum einen gehören ihre Formen größtenteils dem kretisch-minoischen Formenspektrum an, zum zweiten ist die Keramik nahezu ausschließlich aus dem lokalen glimmerhaltigen milesischen Ton gefertigt. Unter den Formen, die eindeutig auf rituelles Geschehen weisen, sind konische Rhyta, wie sie vielfach aus kretischen Heiligtümern belegt sind. Des weiteren kommen sog. fireboxes vor, die möglicherweise zur Herstellung bestimmter, für den Kult relevanter Essenzen dienten und im ägäischen Raum zahlreich zutage gekommen sind. Ebenfalls aus kretischen Heiligtümern sind die Unmengen konischer Näpfe und dreibeiniger Kochtöpfe bekannt, die es für Milet sehr wahrscheinlich machen, daß die Teilnehmer am Ritual Kreter waren. Indizien für Votive fanden sich indessen unter der Grobkeramik dieser Phase nicht.


Sabäische Sakralarchitektur: Gestalt, Ausstattung und Kultpraktiken
(I. Gerlach – Orientabteilung, Außenstelle Sanaa)

Vergleiche Forschungsfeld 3.


Die dekorierte geometrische Keramik im Heiligtum von Kalapodi
(I. Kaiser, Abteilung Athen)

Die dekorierte geometrische Keramik im Heiligtum von Kalapodi bietet die Möglichkeit, das Ritualverhalten vom 10. bis zum 7. Jh. v. Chr. zu untersuchen. Die Keramik aus den geometrischen Kontexten besteht aus klein zerscherbtem Material, das sich hauptsächlich zu offenen Gefäßformen wie Skyphoi, Tassen und dergleichen rekonstruieren läßt. Ob die größeren Formen wie Dinoi und Kratere als Votive gedient haben oder ebenfalls im rituellen Zusammenhang verwendet wurden, muß die weitere Fundanalyse erbringen, die noch nicht abgeschlossen ist. Die Zusammensetzung der Kontexte besteht gleichermaßen aus lokaler Produktion wie aus Importen, bei denen Einflüsse bis nach Sizilien (Thapsosware) nachgewiesen werden können. Das Verhältnis von Importen zu lokaler Ware bedarf ebenfalls noch der Untersuchung. Die Frage nach den Benutzern oder Stiftern der Importe ist gleichfalls von Interesse, da Kalapodi als regionales Heiligtum diente.


Archaischer Kultbezirk auf dem Taxiarchis in Didyma
(H. Bumke, Universität Bonn)

Im Jahre 2000 wurde ca. 200 m nordwestlich des Apollontempels in Didyma ein bislang unbekannter archaischer Kultplatz lokalisiert. Er befindet sich an exponierter Stelle auf einer Anhöhe (sog. Taxiarchis-Hügel) oberhalb der Heiligen Straße, die Milet mit Didyma verband. Im Verlauf der sich bis 2003 anschließenden Grabungen wurde auf geringer Fläche eine Fülle von äußerst qualitätsvollem Votivmaterial archaischer Zeit zutage gefördert, wie wir es aus Heiligtümern von überregionaler Bedeutung kennen. Offensichtlich handelt es sich hierbei um ‘Heiligtumsschutt’, der im wesentlichen drei stratifizierten Horizonten angehört, die eine Zeitspanne vom 8. bis zum Ende des 6. Jhs. v. Chr. umfassen. Das meiste Fundmaterial stammt aus einer kompakten Brandschicht, die wahrscheinlich aus der ‘Perserzerstörung’ von Didyma resultiert. In diesem Zusammenhang gilt es zu überprüfen, wie sich das Votivmaterial aus einer solchen Zerstörungsschicht – seine Verteilung und Zusammensetzung – zu dem aus intentionellen Deponierungen verhält.

Bemerkenswerterweise läßt das Spektrum der Weihegaben ein besonderes Profil erkennen, das möglicherweise für eine bestimmte Klientel und die Funktion eines solchen ‘kleinen Kultbezirks’ im Umfeld des milesischen ‘Hauptheiligtums’ signifikant ist. So wird die Auswertung des Fundmaterials von der übergreifenden Frage geleitet, ob sich für die verschiedenen milesischen Heiligtümer durch eine vergleichende Untersuchung ihrer Lage und Ausstattung eine Funktionsdifferenzierung ermitteln läßt und inwieweit diese mit spezifischen Kulthandlungen verbunden werden kann.


Toten- und Götterkult in Gabii und Latium 650–500 v. Chr.
( G. Zuchtriegel, Abteilung Rom)

Während der Urbanisierung Latiums im 7. und 6. Jh. v. Chr. kam mit den städtischen Heiligtümern eine neue Form heiligen Handelns auf. Sie wird in den Zwölf-Tafel-Gesetzen als sacra publica gegenüber den sacra privata (Toten- und Hauskulten) abgegrenzt. Einer der ältesten dieser latinischen Kultbezirke ist das Ostheiligtum von Gabii. Aufgrund der guten Erhaltungsbedingungen können hier die sacra publica in ihrer Entstehungsphase gut untersucht werden.

Die Funde aus dem Ostheiligtum stammen größtenteils aus einer großen Votivgrube, die vor dem um 570 v. Chr. erbauten Tempel in den Tuff gegraben wurde. Seit seiner Ausgrabung 1976–77 wurden nur wenige Funde des Komplexes publiziert; eine Untersuchung des Gesamtspektrums steht noch aus. Sie soll klären, wie Rituale und heilige Orte im 7. und 6. Jh. v. Chr. aussahen: Wie setzte sich das Ensemble der Weihgaben zusammen und worin unterschied es sich von dem der Nekropolen, die noch im 7. Jh. als Hauptschauplätze kultischer Niederlegungen fungierten? Welche Rolle spielt Bankett- und Symposionskeramik und welche die speziell für kultische Zwecke gefertigte Keramik, wie beispielsweise Miniatur- und Libationsgefäße? Neben dem Beginn des Kultes und dessen Beziehungen zu etruskischen und griechischen Vorbildern steht seine Erscheinungs- und Ausdrucksform in archaischer Zeit im Mittelpunkt.


Entwicklung und Funktion eines suburbanen Kultes am Beispiel des Heiligtums von Kako Plaï auf dem Anavlochos (Kreta)
(O. Pilz – M. Krumme, Abteilung Athen/Zentrale)

Die Genese der suburbanen Kultplätze unterliegt nicht nur den allgemeinen Veränderungen in der Kult- und Weihpraxis, sondern vollzieht sich darüber hinaus in enger Wechselwirkung mit der Entwicklung der Siedlung oder polis, zu der das jeweilige Heiligtum gehörte. Am Beispiel einer geometrisch-archaischen Siedlung auf dem Anavlochos und des zugehörigen suburbanen Heiligtums von Kako Plaï soll untersucht werden, welche konkrete Funktion dieser Kult erfüllt hat und welche Rückschlüsse sich möglicherweise aus dem Votivmaterial auf die sozialen Strukturen innerhalb der Siedlung ziehen lassen. Durch eine ikonographische und quantitative Analyse der figürlichen Terrakotten, die das Gros der erhaltenen Weihgaben bilden, sollen der Charakter des Kultes sowie die Intensität der Nutzung des Heiligtums genauer bestimmt werden. Zusätzliche Hinweise liefert die Keramik, die im Votivmaterial allerdings nur in verhältnismäßig geringem Umfang vertreten ist.


Milet – Das Heiligtum der Aphrodite auf dem Zeytin Tepe
(V. von Graeve - I. Panteleon, Ruhr-Universität Bochum)

Das 1989 zufällig aufgefundene und seitdem kontinuierlich erforschte Heiligtum der Aphrodite von Oikous ist ein bedeutendes, sicher bezeugtes Heiligtum von internationaler Bedeutung. Die bisherigen Grabungsergebnisse zeigen, dass das Heiligtum seinen Höhepunkt in der archaischen Zeit hatte, daneben treten aber auch Belege für eine Kontinuität des Aphroditekultes an diesem Ort bis in die spätere römische Kaiserzeit. Die Grabung am Zeytin Tepe ist programmatisch eingebunden in den größeren Zusammenhang der Erforschung des archaischen Milets. Im Rahmen des Forschungsclusters soll das Schicksal der im Heiligtum befindlichen Votivgaben im Zuge einer weitreichenden Umgestaltung des Areals im ausgehenden 6. Jh. v. Chr., sowie der Wandel des Kultes nach der Zäsur durch die persische Zerstörung Milets 494 v. Chr. untersucht werden.


Gürtel, Diademe und Schmuckbleche: Geometrische Votivgaben in Olympia
(Susanne Bocher, Abteilung Athen)

Aus dem großen Spektrum an frühen Weihgaben in Olympia sollen hier die Gürtel, Diademe und Schmuckbleche untersucht werden. Auffällig ist hierbei, daß der Großteil der Objekte intentionell unbrauchbar gemacht wurde und überwiegend aus der sogenannten ‚schwarzen Schicht’ stammt, die mit Kult- bzw. Opferresten einer Altarstätte in Verbindung zu bringen ist.

Einen Schwerpunkt stellt außerdem die regionale Einordnung der Objekte dar. Anhand der Herkunft der Weihgaben kann die lokale und überregionale Bedeutung des Heiligtums von Olympia in seiner Frühzeit untersucht werden. Bemerkenswert ist hierbei, daß neben lokal hergestellten Weihgaben, die ähnlich auch in benachbarten Heiligtümern auf der Peloponnes gefunden wurden, viele Votive aus Regionen des nördlichen und östlichen Balkans stammen.


Artemisheiligtum von Olympia
(J. Heiden, Abteilung Athen)

Im Südosten Olympias wurde ein spätarchaischer Altar und sein frühkaiserzeitlicher Nachfolgebau zwischen 1962 und 1964 von Emil Kunze ausgegraben. Es handelt sich um einen der wenigen geschlossenen Befunde im Zeusheiligtum. Eine Inschrift auf dem Altar belegt neben einer Beschreibung von Pausanias, daß es sich um das Artemisheiligtum handelt. Der Altar war von einer Opferschicht umgeben, die nicht nur zahlreiche tönerne und bronzene Weihgaben enthält, die zum Teil noch in situ auf dem Altar lagen. In der Opferschicht wurden außerdem viele Knochen der Opfertiere gefunden, die während der Artemisfeste geschlachtet wurden. Eine Analyse der bei einer Nachgrabung 2002 gefundenen Knochen ergab hochinteressante Einzelheiten über das Opferritual am Altar.


Olympia - Diachrone Analyse des Votivspektrums
(H. Frielinghaus, Universität Regensburg)

Dank günstiger Lagerungsbedingungen hat sich in Olympia eine große Zahl von Weihgeschenken erhalten, die innerhalb des weiten Zeitrahmens von der protogeometrischen Epoche bis zur römischen Kaiserzeit entstand. Auch wenn die archäologischen Befunde nur von wenigen Schriftquellen ergänzt werden, bietet sich hier eine hervorragende Möglichkeit, die Entwicklung der Kultstätte wie auch Veränderungen des Weihverhaltens zu untersuchen. Im Rahmen des Projektes soll die Bandbreite der olympischen Votive wie auch die Quantität der einzelnen Weihgeschenkgattungen erfasst und in ihrer Entwicklung über die Jahrhunderte verfolgt werden. Soweit möglich wird auch die Herkunft der Votive in die Untersuchung einbezogen; einen weiteren Punkt der Analyse bietet die Auswertung der spärlichen Hinweise auf Stifter und Anlaß der Weihungen.


Die rotfigurige Keramik von Olympia
(M. Bentz, Universität Bonn)

Thema ist die Funktion von bemalter „Luxus“-Keramik im Heiligtum. Zunächst wird die bislang unbearbeitete attische und elische rotfigurige Keramik erfaßt und ausgewertet. Unter Berücksichtigung der Chronologie, der Formen, der Bilder auf den Gefäßen und der Fundkontexte sowie unter Einbeziehung aller anderen bemalten Gattungen sollen die möglichen Verwendungsarten geklärt werden: 1. als Weihgeschenk, 2. Verwendung im Kult, 3. als Geschirr bei kultischen Mahlzeiten, 4. profane Verwendung durch Besucher außerhalb religiöser Rituale. Es deutet sich an, daß – anders als in anderen Heiligtümern – vor allem die beiden letztgenannten Möglichkeiten vorherrschen.


Intentionelle Niederlegungen in Großgriechenland und Sizilien
(S. Helas, Abteilung Rom)

Anliegen dieses Projekts ist es, unter dem Aspekt der intentionellen Niederlegungen einen tieferen Einblick in die religiösen Vorstellungen der archaischen Zeit zu gewinnen. Besondere Alltagsgegenstände sowie Schmuck und Waffen konnten durch Zerstören, Vergraben oder Verbergen der antiken Lebenswelt dauerhaft entzogen werden. Nach einer Zusammenstellung aussagekräftiger Befunde und absichtlich unbrauchbar gemachter Objekte gilt es, mit Hilfe dieser archäologischen Quellen so weit wie möglich rituelle Handlungsabläufe zu rekonstruieren. Es sollen sowohl intentionelle Niederlegungen in Heiligtümern als auch solche in Wohngebieten in den Blick genommen und verglichen werden. Anschließend ist zu fragen, welche Absichten diesen Verhaltensweisen zu Grunde lagen.


Votivpraxis im hellenistischen und kuschanzeitlichen Baktrien
(G. Lindström, Eurasienabteilung)

Seit den 1960er Jahren wurden im antiken Baktrien (Zentralasien) mehrere Tempel aus hellenistischer Zeit und der anschließenden Kuschanzeit ausgegraben. Ob dort griechische, iranisch-baktrische oder synkretistische Gottheiten verehrt wurden und nach welchen Mustern der Kult in diesem Randgebiet der hellenistischen Welt ausgeübt wurde, konnte bisher nicht geklärt werden. Eine systematische und vergleichende Untersuchung der in diesen Heiligtümern gefundenen Votive ist deshalb von großem religionsgeschichtlichem Interesse. Orientierten sich die Weihsitten des 3. und 2. Jhs. v. Chr. an griechischen oder iranischen Traditionen? Und spiegelt sich der für andere Aspekte der Kultur nachgewiesene griechische Einfluss auch in der Votivpraxis wider? Außerdem wird die Entwicklung der Weihegebräuche bis zum Ende des 3. Jhs. n. Chr. untersucht. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie sich die Invasion Baktriens durch nomadische Stämme um 130 v. Chr. auf die religiösen Vorstellungen ausgewirkt hat. Das Ziel ist es, am Beispiel der Votivpraxis die Ausprägung der griechisch-orientalischen Mischkultur in Baktrien zu beleuchten und ihre Transformation unter nomadischem Einfluss zu verfolgen.


Der Kultplatz von Yalakbaşı
(B. Stark, Universität Wien – M. Wörrle, AEK)

Das Bergland des Bonda tepesi trennt die Küstenebenen von Myra und Limyra im südöstlichen Lykien. Das heute vereinsamte und schwer zugängliche Gebiet erwiesen Surveys von A. Konecny und Th. Marksteiner als in der Antike mit Einzelgehöften und stattlichen Dörfern dicht besiedelten Kulturraum. Am antiken Aufweg liegt das Trümmerfeld von Yalakbaşı, in dem die Inschriften das Heiligtum eines bislang unbekannten Gottes erkennen ließen. Sein epichorischer Name, weist in die luwische Frühgeschichte des Landes, während die bislang zugänglichen Reste des Kultplatzes nicht über die späthellenistische Zeit zurückzureichen scheinen. Er besteht aus einem umfangreichen, wohl in byzantinischer Zeit zerstörten Ensemble von Votivstelen, -pfeilern und -altären, viele davon ungewöhnlich monumental und auf aufwendigen Sockeln präsentiert. Ein derartiges Temenos unter freiem Himmel und in freier Landschaft ist in Lykien bisher einzigartig und dürfte mit seiner vollständigen Erhaltung von erheblichem religionsgeschichtlichen Interesse sein.


Die Romanisierung einheimischer Heiligtümer im Westen der Iberischen Halbinsel
(T. G. Schattner, Abteilung Madrid)

Vergleiche Forschungsfeld 1.

 

ARBEITSPROGRAMM UND VERANSTALTUNGEN


2006

29.3.–18.6.2006
Ausstellung im Deutschen Hirtenmuseum "Der heilige Mammas- Schutzpatron der Hirten und Herden" (Kooperation Jutta Stroszeck, Deutsches Hirtenmuseum, Volker Scheunert, M.A.)


2007

Sommer 2006 bis Sommer 2007
Inhaltliche Präzisierung des Forschungsprogramms innerhalb der aktiv teilnehmenden Unternehmungen. Ausrichtung laufender Feldforschungen auf die Fragestellungen des Clusters.

26.–27. März 2007
Konstituierendes Kolloquium des Forschungsclusters
Ort: Deutsches Archäologisches Institut Athen
(Ansprechpartner: Margarete van Ess, Wolf-Dietrich Niemeier, Dietrich Raue, Reinhard Senff)

8. Juni 2007
Arbeitstreffen des Forschungsfeldes 2 „Ende und Neubeginn“
Ort: Institut für Klassische Altertumswissenschaften (Robertinum) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
(Ansprechpartner: Stefan Lehmann)

22. Juni 2007
Arbeitstreffen des Forschungsfelds 4 „Votiv und Ritual“
Ort: Deutschen Archäologischen Institut Berlin, Wiegandhaus – Gartensaal
(Ansprechpartner: Gunvor Lindström, Dietrich Raue, Thomas Schattner)

 

2008

12. Januar 2008
Arbeitstreffen des Forschungsfelds 3 „Gestalteter Raum“
Ort: Deutsches Archäologisches Institut Berlin – Orientabteilung
(Ansprechpartner: Nils Hellner)

29. September – 2. Oktober 2008
Beteiligung Forschungsfeld 4-4 an der Konferenz „Ritual Dynamics and the Science of Ritual“ in Heidelberg

Zweite Hälfte November 2008
Tagung des Clusters 4.2 „Spolisierung und Spolienverwendung in Kultorten“

Die Tagung stellt „Spolisierung und Spolienverwendung“ als archäologisch und historisch zu untersuchendes antikes Phänomen in den Mittelpunkt. Neuere Forschungen zu Umnutzung, Weiterverwendung und Zerstörung traditioneller Bauten und Weihgeschenke haben auf die große Bedeutung von Spolien und Spolisierung für das bessere Verständnis von Ende und Nachleben in der Antike aufmerksam gemacht. Zwischen der planvollen Umnutzung von Bauten und dem bloßen Recycling antiker Baumaterialien gibt es eine Fülle von Zwischenformen, in denen Werke der antiken Architektur als Ganzes oder in Teilen überdauerten oder vernichtet wurden. Bedeutete solch ein Umgang mit traditionellen Monumenten prima facie zwar Zerstörung, zumindest der durch sie gestifteten Funktionen und der gestalteten öffentlichen Räume, so bot die Weiterverwendung und Umnutzung solcher identitätsrelevanter Bauten doch auch Bewahrungschancen und neue Gestaltungsmöglichkeiten, wurden die betroffenen Gebäude der zerstörerischen Verwertung doch entzogen. So überdauerten etwa Tempel als Verwaltungsbauten und später auch Kirchen oder Heiligtümer als Domänen. Dieses vor allem für die Spätantike geläufige, historisch bedeutsame und folgenreiche archäologische Überlieferungsproblem wurde noch nicht übergreifend behandelt. Daher sollen in der ‚kleinen Tagung’ mit etwa 10-12 Referenten typische Verläufe der Überführung und Verwertung des traditionellen antiken Erbes für die Zeit zwischen dem 4. Jh. v. Chr und 7. Jh. n. Chr. exemplarisch behandelt und diskutiert werden.

Ort: Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik, Amalienstraße 73b, 80799 München

Ansprechpartner und Anmeldung: PD Dr. Stefan Lehmann, PD Dr. Rudolf Haensch


2009

Mitte Januar 2009
Kolloquium aller Forschungsfelder des Themenclusters in Kairo.

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Aktualisiert: 22.02.2008

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