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Italische Kulturen vom 7. bis 3. Jh. v.Chr.
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Italische Kulturen vom 7. bis 3. Jh. v.Chr. in Süditalien und Sizilien. Erforschung und Darstellung der italischen und sizilischen Kulturen unter besonderer Berücksichtigung ihrer Beziehungen zu den Städten der Magna Graecia
Das Schwerpunktprogramm (Ende 2005 bis Ende 2008) sieht die Erforschung und Darstellung der italischen und sizilischen Kulturen unter besonderer Berücksichtigung ihrer Beziehungen zu den Städten der Magna Graecia vor. Es soll ein Entwicklungsmodell erarbeitet werden, in das aktuelle Fragestellungen zur kulturellen Identität und zur Perzeption des Fremden, zur Mentalitätsgeschichte und zur gesamten Breite der Lebenswelten einfließen.
Lage
Das Forschungsgebiet umfaßt die antike Magna Graecia einschließlich Sizilien. Während die Küsten mit den nördlichsten Positionen Kyme und Neapel das Siedlungsgebiet der griechischen Kolonisation sind, umfaßt das Binnenland die von italischen Völkern bewohnten Territorien. Anhand der antiken Schriftquellen werden sie in Sizilien den Elymern, Sikulern und Sikanern zugewiesen, in der heutigen Region Apulien den auch als Apuliern zusammengefaßten Völkern der Messapier, Iapyger, Peuketier und Daunier, in der Basilicata den Lukanern, in Kalabrien den Lukanern und Brettiern und in Kampanien samnitischen Völkern.
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Geschichte
Beginnend 735 v.Chr., vollzog sich die griechische Kolonisation von Ort zu Ort, von Landschaft zu Landschaft ganz unprogrammatisch mit jeweils anderer Dynamik und mit anfangs auch recht wechselhaftem Erfolg. Somit spiegeln die Vorgänge sowohl das Kräfte- als auch das Interessenverhältnis zwischen Ansässigen und Einwanderern.
Ab dem späten 5. Jh. v.Chr. wird ein Niedergang der Griechenstädte mit gleichzeitigem Vordringen der Italiker verzeichnet, die nun erstmals in den Quellen als Ethnien definiert werden. Mit der Schlacht am Elleporos 388 v.Chr., in der Dionysios I. den Italiotenbund besiegt, setzt eine lange Phase der Kämpfe mit wechselnden Positionen und Alleanzen ein, in denen italische Söldner und Führer eine wesentliche Rolle spielen. Gleichzeitig erscheinen mit Alexander dem Molosser (334-330 v.Chr.), Pyrrhos (280-275 v.Chr) und zuletzt Hannibal (216-211 v.Chr.) auch auswärtige Mächte auf dem Schauplatz. Die damit verbundenen ethnischen, kulturellen, wirtschaftlichen und machtpolitischen Umwälzungen münden in die endgültige Vereinnahmung Süditaliens durch eine mittelitalische Macht, Rom.
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Ziele
Ziel ist es, ein kulturgeschichtliches Entwicklungsmodell zu erarbeiten. An zentraler Stelle stehen die Siedlungsformen, anhand derer die Frage nach Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozessen zu stellen ist. Im Unterschied zu den Kolonien, die durch ihre Gründung per definitionem zu Zentralorten werden, führen bei den Italikern räumlich und zeitlich sehr unterschiedliche Prozesse von den gedrängt bebauten Höhensiedlungen oder ausgedehnten Streusiedlungen hin zu einem hellenisierten Siedlungsbild erst im 4. Jh. v.Chr. Innerhalb der Siedlungen sind die jeweiligen politischen, sozialen und die wirtschaftlichen Einbettungen zu untersuchen. Analysen der Wohnformen und öffentlichen Räume werden dazu gehören, ebenso wie solche der landwirtschaftlichen und handwerklichen Produktionsbereiche.
Die Siedlungsformen sind zu ergänzen um die räumliche Anordnung der zugehörigen Nekropolen. Die oft reichen Grabausstattungen können über Bestattungswesen und soziale Gefüge bis hin zu Fragen des Identitätsbewußtseins konsistente Vorstellungen vermitteln.
Ein weiterer Bereich, in dem sich in hohem Maß die Vorstellungen von Eigenem und Fremdem manifestieren, sind die Topographie der Heiligtümer und die Kultausübung. Es wird nach den räumlichen Situationen zu fragen sein und nach der Entwicklung von offenem Naturschauplatz zum architektonisch gestalteten Heiligtum.
Im Ergebnis der Einzeluntersuchungen werden kulturübergreifende Fragestellungen nach Kulturgenese, Identitätsbildung und Mentalitätsgeschichte zur Sprache kommen, mit denen die traditionelle Trennung der Forschung zu den Griechenstädten einerseits und den italischen Kulturen andererseits überwunden werden kann.
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Forschungsgeschichte
Die Forschung zu Italikern im Süden hat in den vergangenen zwei Dezennien stark zugenommen und wird überwiegend von den regionalen Soprintendenzen und Universitäten betrieben. Als Ergebnis erbrachte sie eine Reihe von Überblickswerken, Ausstellungskatalogen und Kongressakten zu einzelnen Völkerschaften. Detaillierte Ergebnisse der stark angewachsenen Feldforschung finden sich verstreut in Zeitschriften und beispielsweise den Bänden der Convegni sulla Magna Graecia in Tarent. Dieses immens angewachsene Potential an Information durch die Feldforschung gilt es, in thematisch oder regional übergreifenden Untersuchungen zu nutzen.
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Bisherige Arbeiten
Ausstellung "Nuove e vecchie scoperte di età arcaica e classica da Teano e Presenzano", Museo archeologico nazionale di Napoli - Istituto archeologico germanico Roma, April - Mai 2006.
Giornata di studio "Teanum Sidicinum" in Rom, Mai 2006 (Publikation in Vorbereitung)
Internationaler Kongress "Crisi e trasformazioni nelle società dell'Italia meridionale
dal IV al III secolo a. C." in Rom, Juni 2006 (Publikation in Vorbereitung)
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Aktuelle Arbeiten
Andreas Thomsen, Forschungsprojekt "Siedlungsgenese und Zentralisierungsprozesse in Sizilien und Unteritalien"
Marina Sclafani, Forschungsprojekt "Déi ed eroi greci nella Sicilia indigena tra l'età arcaica e la conquista romana"
Kerstin Hofmann, Forschungsprojekt "Das Totenbrauchtum italischer Kulturen Süditaliens und Siziliens unter den Einflüssen griechischer Kolonien. Eine thanatoarchäologische Untersuchung zur Konstituierung von Identitäten anhand exemplarisch ausgewählter Nekropolen"
Nadin Burkhardt, Dissertationsvorhaben "Tradition und Innovation. Kulturaustausch am Beispiel der Bestattungen der unteritalischen Siedlungen und der griechischen Kolonien vom 8. bis 6. Jh. v.Chr."
Martin Köder, Dissertationsvorhaben "Griechen und Italiker in Kampanien. Siedlungsarchäologische Untersuchungen. 8. - 5. Jh. v.Chr."
Ellen Thiermann, Dissertationsvorhaben "Die archaische Nekropole von Capua. Untersuchungen zu kulturellen Identitäten in Kampanien vom 6. bis 5. Jahrhundert v. Chr. anhand der Nekropole von Capua in ihrem regionalen Kontext"
Christiane Nowak, Dissertationsvorhaben "Italiker in griechischen Koloniestädten Unteritaliens? Untersuchungen zu Ursachen von Wandlungsprozessen im Bestattungsbrauch griechischer Kolonien im 5. und 4. Jh. v.Chr."
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Methoden
Das übergreifende Thema des Forschungsprojektes wird von den Teilnehmern am Projekt in individuellen Arbeiten (Dissertationen, Habilitationsvorhaben, kürzeren Untersuchungen) mit unterschiedlichen Zugriffen und Fokussierungen behandelt und von Symposien, Kolloquien und Vortragsreihen begleitet.
Entsprechend unterschiedlich sind die wissenschaftlichen Methoden. Insgesamt werden nicht so sehr Materialvorlagen als vielmehr phänomenologische Studien angestrebt, die durch Feldforschungen ergänzt und vertieft werden können. Es kommen Methoden der Siedlungsarchäologie und der Historischen Landeskunde zur Anwendung; Baureste und Topographie werden geodätisch aufgemessen und als vektorisierte Pläne vorgelegt. Für die Forschung zu Heiligtümern werden Methoden der Religionsforschung, für die Untersuchung von Nekropolen Modelle der Thanatologie herangezogen.
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Kooperationen
Università degli Studi del Molise, Campobasso (Prof. Dr. Alessandro Naso)
Scuola di Specializzazione in Archeologia, Matera (Prof. Dr. Massimo Osanna)
Wissenschaftlicher Beirat:
Dr. Gert-Jan Burgers, Koninklijk Nederlands Instituut, Rome
Dr. Michel Humm, Université Marc-Bloch, Strasbourg
Prof. Dr. Massimo Osanna, Università degli Studi della Basilicata, Potenza
Prof. John Scheidt, Collège de France, Paris
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Ansprechpartner
Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Dieter Mertens
Telefon: 0039-06-48881461
Telefax: 0039-06-4884973
Email: mertens@rom.dainst.org
PD Dr. Richard Neudecker
Klassische Archäologie
Telefon: + 39-06-48881457
Telefax: + 39-06-4884973
Email: neudecker@rom.dainst.org
weitere E-Mail Adresse: henkelprojekt@rom.dainst.org
Prof. Dr. Henner von Hesberg
Klassische Archäologie
Telefon: 0039-06-48881461
Telefax: 0039-06-4884973
Email: hesberg@rom.dainst.org
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Förderung
Gerda Henkel Stiftung
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Literatur
Jährliche Atti dei Convegni di studi sulla Magna Grecia, insbesondere:
- Greci e Italici in Magna Grecia. I Convegno Taranto 1961 (1962)
- Le genti non greche della Magna Grecia. XI Convegno Taranto 1971 (1972)
- I Messapi. XXX Convegno Taranto 1990 (1991)
- Confini e frontiera nella grecità d'Occidente. XXXVII Convegno Taranto 1997 (1999)
- Alessandro il Molosso e i condottieri in Magna Grecia. XLIII Convegno Taranto 2003 (2004)
- Tramonto della Magna Grecia. XLIV Convegno Taranto 2004 (2005)
- La Puglia dal paleolitico al tardoromano. Cultura e civiltà in Puglia (1979)
- A. Pontrandolfo Greco, I Lucani. Entografia e archeologia di una regione antica (1982)
- Mazzei M. (Hrsg.), La Daunia antica. Dalla preistoria all'alto medioevo (1984)
- P.G. Guzzo, I Brettii. Storia e archeologia della Calabria preromana (1989)
- C. Ampolo, D. Briquel, O. Cassola Guida, Italia omnium terrarum parens. La civiltà degli Enotri, Choni, Ausoni, Sanniti, Lucani, Brettii, Sicanio, Siculi, Elimi (1989)
- Italici in Magna Grecia. Lingua, insediamenti e strutture (1990)
- Archeologia dei Messapi. Catalogo della mostra Lecce 1990-1991 (1990)
- Greco E., Archeologia della Magna Grecia (1992)
- De Juliis E., Magna Grecia. L'Italia meridionale dalle origini leggendarie alla conquista romana (1996)
- Greci Enotri e Lucani nella Basilicata meridionale. Mostra Policoro 1996 (1996)
- H. W. Horsnaes, The cultural development in north-western Lucania, c. 600 - 273 BC (2002)
- R. M. Albanese Procelli, Sicani Siculi Elimi. Forme di identità, modi di contatto e processi di trasformazione (2003)
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