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Rumänien: Pietrele (Măgura Gorgana)
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Ein chalkolithischer Siedlungshügel in Muntenien
Ausgrabungen einer kupferzeitlichen Siedlung an der Unteren Donau
Lage
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Abb. 1 Der Tell Măgura Gorgana
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Abb. 2 Pietrele an der Unteren Donau
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Măgura Gorgana ist der Name eines bei dem heutigen Dorf Pietrele gelegenen Siedlungshügels in Südrumänien (Abb. 1). Der ca. sieben Meter hohe Tell wurde auf einem Sporn auf der untersten Terrasse des Donautals errichtet und liegt etwa vier Meter oberhalb des Niveaus der Aue. Das Gebiet zwischen dem Hügel und der Donau in 8 km Entfernung ist eine seit den 1960er Jahren trockengelegte Nutzfläche. Ursprünglich handelte es sich um eine durch Seen und kleinere Wasserläufe gegliederte Auenlandschaft.
Auf der östlichen Balkanhalbinsel entstand im 5. vorchristlichen Jahrtausend erstmals eine bergmännische Gewinnung von Kupfer und eine ausgedehnte Produktion von Kupferschmuck und -geräten. Pietrele war Teil eines überregionalen Austauschnetzes, das sich anhand gleichartiger Artefakte zwischen der Nordägäis und der Walachei, dem Schwarzen Meer und Oltenien etablieren konnte. Die Entfernung bis zur Schwarzmeerküste beträgt ca. 150 km und ebenso weit ist es bis nach Varna (Abb. 2), in dessen etwa dem gleichen Zeitabschnitt zuzurechnendes Gräberfeld eine sehr dynamische Entwicklung mit der Herausbildung sozialer Ungleichheit reflektiert wird.
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Ziele
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Abb. 3 Topographie und Geomagnetik
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Abb. 4 14C-Daten aus Flächen B und F
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Die Siedlungshügel an der Unteren Donau bieten die Chance, die Entwicklung der wirtschaftlichen Strategien der Bewohner um die Mitte des 5. Jahrtausends über einen längeren Zeitraum (vielleicht 300-500 Jahre) zu erfassen. Wir erwarten von dieser Untersuchung einen Beitrag zur Beantwortung der Frage, welchen Entwicklungen die soziale Differenzierung in Varna zu verdanken ist.
Bis auf kleinflächige Untersuchungen in den 40er Jahren des 20. Jhs. ist die Siedlungsgeschichte des Hügels von Pietrele unerforscht geblieben. Ziel unserer Grabungen ist es, durch die Einbindung der Naturwissenschaften die Kenntnisse der Kulturverhältnisse im 5. Jt. v. Chr. an der Unteren Donau auf eine solide Grundlage zu stellen. In Verbindung mit geomagnetischen Prospektionen (Abb. 3), der Archäobotanik, Archäozoologie, Anthropologie und der Archäometallurgie wird erstmals ein umfassendes Bild der Wirtschaftsaktivitäten in einer Siedlung dieser Zeitperiode an der Unteren Donau gezeichnet werden können.
Die Erarbeitung einer verlässlichen Chronologie wird sowohl auf der stratigraphischen Auswertung des Fundmaterials als auch auf einem dichten Netz von Radiokarbondaten beruhen (Abb. 4).
Die verkehrsgeographisch günstige Lage der Măgura Gorgana lässt vermuten, dass die Grabung wichtige Aufschlüsse zu den überregionalen Beziehungen sowohl in den Schwarzmeerraum als auch nach Mitteleuropa ergeben wird. Untersuchungen zur Landschaftsentwicklung im Raum Pietrele sollen die naturräumlichen Rahmenbedingungen zur Zeit der Besiedlung des Tells erhellen und durch die Rekonstruktion der Auenentwicklung und des Gewässernetzes Hinweise auf die Anbindung der Siedlung an die heute ca. 8 km entfernte Donau liefern.
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Bisherige Arbeiten
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Abb. 5 Fläche B mit unverbrannten Gebäuderesten |
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Abb. 6 Unverbrannte Webgewichte in Fundlage |
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Abb. 7 Teil des Obergeschoßes mit umgestürztem Gefäß |
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Im Norden und Süden des Tellplateaus wurden zwei Grabungsflächen geöffnet, in denen mehrere ortskonstant errichtete Häuser identifiziert werden konnten. Unter den zusammengestürzten Lehmwänden der verbrannten Bauten lagen über 660 vollständige oder rekonstruierbare Gefäße in situ. Die Bauten werden von 1-2 m breiten, grau-grünlich verfärbten Streifen begrenzt, die als Außenbereiche bzw. Gassen gedeutet werden können. Hier fanden sich Speiseabfälle (Tierknochen und Muschelschalen) sowie eine Vielzahl von kleinen Keramikscherben, aber auch unbrauchbar gewordenes Arbeitsgerät wie Steinbeile, Knochenspitzen und kupferne Ahlen.
Erstmals gelang in einer Siedlung der südrumänischen Kupferzeit der Nachweis unverbrannter Lehmbauten. Die Gebäude waren aus ca. 40-60 cm breiten Stampflehmwänden errichtet, die naturgemäß nur schlecht erhalten sind (Abb. 5). Da die unverbrannten Häuser vor ihrer Zerstörung ausgeräumt wurden, finden sich auch deutlich weniger Gefäße oder Geräte in ihnen.
Um ganz außergewöhnliche und bislang einmalige Funde handelt es sich bei zwei Webstühlen, von denen sich nur die unverbrannten Webgewichte aus Lehm erhalten haben (Abb. 6). Bislang kannte man nur Konzentrationen sekundär gebrannter Webgewichte, von denen nicht sicher eine andere Verwendung ausgeschlossen werden kann.
2006 und 2007 konnte in Fläche F ein verbranntes zweigeschossiges Haus dokumentiert werden (Abb. 7). Der Holz-Lehmboden des Obergeschosses, das wahrscheinlich als Wohn- und Schlafraum diente, war mitsamt dem Ofen auf das Erdgeschoss gestürzt. In diesem Haus fanden sich nach den ersten anthropologischen Untersuchungen durch PD Dr. J. Wahl Reste von mindestens neun Individuen, die im Schadensfeuer zu Tode kamen. Durch den Einsturz des Hauses wurde das Inventar des Erdgeschosses versiegelt. Dadurch lassen sich Angaben über das Spektrum und die Zahl der in den Haushalten verwendeten Geräte machen. So fanden sich 26 Silex- und Felsgesteinbeile (Abb. 15). Zweigeschossige Häuser wurden schon mehrfach in neolithischen Siedlungen Südosteuropas postuliert.
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Methoden
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Abb. 8 Siedlungsplan |
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Abb. 9 Magnetogramm mit Kreisgrabenanlage |
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Die Siedlungsstruktur des Tells konnte 2004 und 2005 durch eine geomagnetische Untersuchung rekonstruiert werden (Abb. 8). Es handelt sich um vier Reihen Nord-Süd ausgerichteter Häuser, deren südlichste leicht der gebogenen Hügelkante angepasst ist (Abb. 3). Insgesamt dürften etwa 28 Häuser in dichter Bebauung auf dem Tell gelegen haben. Um den Tell verlief ein etwa fünf Meter breiter Graben. Die Messungen haben gezeigt, dass auch das Umfeld des Hügels intensiv genutzt wurde: Am Fuße des Tells im Norden und Südwesten standen ebenfalls zahlreiche Häuser. Die Siedlung war also, zumindest während einer gewissen Zeit, viel größer als bislang gedacht. Man muss mit etwa 120 Häusern rechnen. In geringer Entfernung liegt im Südwesten des Hügels das Gräberfeld.
2006 wurde bei der Auswertung von Corona-Satellitenbildern von 1967 auf der obersten Donauterrasse etwa 600 m vom Tell entfernt eine Kreisgrabenanlage von ca. 130 x 170 m Durchmesser entdeckt. 2007 wurde durch C. Hübner (Firma GGH) eine geomagnetische Untersuchung der Anlage vorgenommen (Abb. 9). Im Westen des äußeren Rings ist eine Struktur zu erkennen, die eine Torsituation andeuten kann. Im inneren Ring ist mit Brandschutt oder Brandeinwirkung zu rechnen. Die Datierung der Anlage ist bislang unklar. Die eigenartige Form der Grabenanlage, welche im Norden den Hang der Rinne und im Süden die Terrassenböschung einbezog, legt möglicherweise ein neolithisches bis kupferzeitliches Alter nahe und würde in den Rahmen zeitgleicher Anlagen in Europa passen. Da die Besiedlung auf Măgura Gorgana bereits im Spätneolithikum einsetzt, ist ein Zusammenhang mit dem mitteldanubischen Kreisgrabenphänomen durchaus denkbar.
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Ergebnisse
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Abb. 10 Graphitbemalte Schale |
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Abb. 11 Gefäß mit umlaufender Rippenzier |
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Abb. 12 Tierfigur (Hund) |
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Abb. 13 Steinfigur |
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Abb. 14 Knochengeräte |
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Abb. 15 Felsgestein- und Silexbeile
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Abb. 16 Mahl- und Klopfsteine |
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Abb. 17 Kupfernadeln |
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Die mittlerweile 20 14C-Daten zeigen, dass die bisher ausgegrabenen Häuser in die Zeit zwischen ca. 4400 und 4250 v. Chr. gehören (Abb. 4). Nach dem letzten Brand im 43. Jh. v. Chr wurden die Häuser nicht mehr aufgebaut. Zusätzlich zu den über 660 Gefäßen oder rekonstruierbaren Gefäßen sind in nur vier Kampagnen bereits über sechs Tonnen bzw. 250.000 Scherben ausgegraben worden. Das Formen- und Verzierungsspektrum zeigt eine große Vielfalt an Töpfen, Schalen, Bechern und Vorratsgefäßen, die entweder Barbotineauftrag aufweisen oder gut poliert sind. Mit Graphit wurden vornehmlich polierte Schalen und Becher bemalt (Abb. 10-11).
Die Tierknochen zeigen einen sehr hohen Wildtieranteil. Wildschweinknochen und Fischwirbel belegen die umfängliche wirtschaftliche Nutzung der Aue, während Knochen von Rotwild, Wildpferd und Ur die Bedeutung der Hochterrasse für die Nahrungsbeschaffung bestätigen. Hingegen zeigte das Tierknochenmaterial in der Grabung 2007 mit dem Erreichen älterer Schichten nun das Vorherrschen von Haustieren an. Die Grabung hat also einen Punkt erreicht, an dem sich tiefgreifende Veränderungen der wirtschaftlichen Strategien der Dorfbewohner manifestieren. Die guten Erhaltungsbedingungen verkohlter Reste führten zur Bergung eines ca. 10 kg schweren Getreidevorrats bestehend aus Nacktgerste und Spelzweizen. Aber auch Früchte (Himbeere, Holunder u. a.) wurden gesammelt.
Den großen Bedarf an Geräten dokumentieren über 6.000 Flintklingen, darunter auch solche mit einer Länge von ca. 30 cm, die in Siedlungen eine große Seltenheit darstellen. Die Menge der Kleinfunde ist erheblich. Hierzu gehören 370 menschen- bzw. tiergestaltige Statuetten. Neben dem für die Gumelniţakultur gängigen Typenspektrum, sind auch außergewöhnliche und singuläre Stücke hervorzuheben. Hierzu gehören z. B. die Tonfigur einer Schildkröte, eines Wildpferds und eines Hundes (Abb. 12). Zwei komplett erhaltene Knochenfigurinen fanden sich relativ nah beieinander in der N-S-Gasse in Fläche B. Sie tragen Ketten mit Steinperlen, was erstmals für Knochenstatuetten nachgewiesen wurde. Zu den Raritäten gehört eine Tonstatuette mit einem Mädchen auf dem Arm. Die 2007 gefundene komplette Steinstatuette (Abb. 13) unterstreicht in besonderer Weise die Bedeutung des Fundplatzes. Sie ist die zweite Steinfigur aus Pietrele und die dritte aus Rumänien! Zu den Modellen gehören auch 42 tönerne Hausmodelle sowie Tische u. a. m. Mit über 1.000 Stücken sind die Knochen- und Geweihartefakte besonders zahlreich (Abb. 14). Dazu kommen 170 Silex- und Felsgesteinbeile (Abb. 15).
Nach der Auffindung zweier Webstühle (s. o.) wurden die gebrannten Webgewichte einer genaueren Betrachtung unterzogen. Bei einer Reihe von Gewichten konnten Abdrücke der Aufhängeschnüre nachgewiesen werden. Damit ist klar, dass auch diese Gewichte sekundär im Schadensfeuer gebrannt wurden. Die Webgewichte waren also aus ungebranntem Lehm geformt. Ziel war es, schwere Gewichte zu haben, denn bei der Herstellung von Leinenstoffen brauchen die Fäden große Spannung. Mit der Einführung des Wollschafs im 4. Jt. v. Chr. und der Herstellung von Wollstoffen kommen dann leichtere Webgewichte auf.
1.288 Mahl-, Schleif- und Wetzsteine zeigen vielfältige Einsatzmöglichkeiten der Steine (Abb. 16). Mahlsteine dienten keineswegs allein der Verarbeitung von Getreide. Viele andere organische Materialien, wie Wurzeln, Nüsse, Fleisch und anorganische Materialien wie Ocker oder Graphit wurden ebenfalls gemahlen; manche Schleifsteine dienten der Bearbeitung von hölzernen Oberflächen. Reib- und Klopfsteine verweisen ebenfalls auf die Bedeutung von Steinen als Werkzeuge. Unbrauchbar gewordene Mahlsteine konnten als Abstellplatten im Haushalt weiterverwendet werden oder schließlich auch zur Befestigung des Eingangsbereichs des Hauses. Die große Zahl von 188 Kupferobjekten (Abb. 17), der Fund einer kleinen Goldscheibe und Schmuck aus Spondylus bestätigen ebenso wie die überdurchschnittliche Qualität der Funde die Annahme, dass Pietrele in den Fernverkehr und Gütertausch eingebunden war.
Die bisherigen Ausgrabungen haben Ergebnisse erbracht, die das Bild der kupferzeitlichen Siedlungen der Gumelniţa-Kultur in wesentlichen Zügen verändern. Terrassenförmige Anlage des Tells Bislang sprechen alle Daten dafür, dass die südlichen Häuserzeilen auf einer bis zu drei Meter tieferen Terrasse standen als die Häuser der nördlichen Wohnzeile. Dieser Befund ist für die Frage der Tellarchitektur von großer Bedeutung. Hausarchitektur Durch die Grabung konnten erstmals unverbrannte Häuser in der Gumelniţa-Kultur dokumentiert werden und Aufschluss über die Bauweise gewonnen werden. Dabei konnte gezeigt werden, dass die Gebäude aus massiven Lehmwänden errichtet wurden. Erstmalig sind Häuser der Gumelniţa-Kultur komplett ausgegraben worden. Daraus ergibt sich u. a. die Möglichkeit, Funktionsbereiche zu identifizieren und die wirtschaftlichen Strategien der Haushalte zu differenzieren. Der Nachweis eines zweigeschossigen Hauses darf als besonderer Glücksfall gelten. Der Wohnbereich war oben, während das Untergeschoss als Speicher- und Arbeitsraum diente. Siedlungsgröße Die geomagnetischen Messungen im Umfeld der Siedlung haben eine dichte Bebauung am Fuß des Tells nachgewiesen. Dieser Befund ist für die Interpretation des Tells von erheblicher Bedeutung. Denn die Siedlung war mindestens während einer Phase deutlich größer. Damit stellt sich die Frage nach den möglichen sozialen und ökonomischen Unterschieden zwischen Tell- und Flachsiedlung. Spezialisierung Auf dem Tell lassen sich Indikatoren für spezialisierte Haushalte erkennen. Drei Hausgenerationen in Fläche F sind durch Jagd und Fischfang gekennzeichnet. Nahezu das gesamte Arsenal an Jagdwaffen in Pietrele stammt aus diesen Häusern. Drei Hausgenerationen in Fläche B sind hingegen durch das Vorherrschen von Installationen zur Textilherstellung geprägt. Zentraler Ort ? Die Größe der Siedlung, die Hinweise zur arbeitsteiligen Produktion und die Qualität der Funde (Figurinen, Metall) können als Hinweise für ein hierarchisiertes Siedlungssystem mit zentralen Orten gewertet werden. Kreisgrabenanlage Die nur 600 m Luftlinie vom Tell gelegene Kreisgrabenanlage stellt ein für die spätneolithischen bzw. kupferzeitlichen Tells nördlich und südlich der Donau völlig neues, bislang unbekanntes Funktionselement dar. Gräberfeld Durch die geomagnetischen Messungen konnte ein Gräberfeld im Westen der Siedlung wahrscheinlich gemacht werden. Eine Bohrung erbrachte in ca. 35-40 cm Tiefe eine fragmentierte Silexklinge, die eine "tellzeitliche" Datierung des Friedhofs nahelegt. Es ist zu vermuten, dass die am Hang gelegenen Gräber durch Bodenerosion stark geschädigt sind. Chronologie Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass für die Kupferzeitchronologie an der Unteren Donau Pietrele künftig der Ankerplatz sein wird. Für die Keramiksequenzen stehen gleichsam "geschlossene" Befunde in den Häusern zur Verfügung. Ein besonderer Glücksfall ist die hohe Zahl der vollständigen Gefäße. Die 14C-Daten haben bereits jetzt neue Anhaltspunkte für das Ende des KGK VI-Komplexes erbracht. Zu klären wird sein, ob sich in der Siedlungssequenz die neuen hohen Datierungsansätze für Varna bestätigen lassen. Landschaftrekonstruktion Durch Bohrungen bis 17 m Tiefe sowie geoelektrische Messungen konnte der Aufbau der bis an den Tellfuß reichenden Überschwemmungsebene der Donau erfasst werden. Die Basis der feinkörnigen Hochflutsedimente, die bis zur Trockenlegung der Aue (ab ca. 1950) durch ein anastomosierendes Flusssystem abgelagert wurden, liegt etwa 10 m unter der heutigen Oberfläche. Sandige und schluffige Einschaltungen deuten auf die Verlagerung von Rinnen hin. Der Beginn der Sedimentation der Hochflutsedimente kann auf der Basis von 14C-Datierungen auf etwa 4.000 v. Chr. festgelegt werden. Das Liegende der Hochflutsedimente bilden Sande und Kiese unbestimmten Alters. Durch die Kombination von Bohrungen und Geoelektrischen Messungen lassen sich räumliche Zusammenhänge der identifizierten faziellen Einheiten erkennen. Es konnten Gerinnebettstrukturen identifiziert werden, die auf einen zeitlich noch nicht einzuordnenden Donauarm in unmittelbarer Nähe des Tells hindeuten. An derartigen Schlüsselstellen, zu denen auch der Übergang von der Terrasse im Bereich des Tells zur angrenzenden Hochflutebene zu rechnen ist, müssen weitere parallel angeordnete Geoelektrikprofile gemessen und Kontrollbohrungen durchgeführt werden.
Fazit und Perspektive Es dürfte erkennbar sein, dass die bisherigen Arbeiten in Pietrele bereits wesentliche Ergebnisse zur Architektur, Siedlungsstruktur und Wirtschaftstätigkeit in der Kupferzeit erbracht haben und die Chronologie auf eine solide Basis stellen werden. Zugleich wird mit den Ergebnissen der Prospektion erahnbar, dass das bisherige Bild kupferzeitlicher Tellsiedlungen grundlegend zu revidieren ist. Das enorme archäologische Potential des Platzes zeichnet sich in Verbindung zu den außergewöhnlich reichhaltigen und qualitätvollen Funden mit dem Gräberfeld, der Außensiedlung und der Kreisgrabenanlage deutlich ab.
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Kooperationen
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Team der Grabungskampagne 2007 |
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Kooperationspartner sind neben der Eurasien-Abteilung des DAI (Prof. Dr. Svend Hansen/Dr. Agathe Reingruber) das Archäologische Institut "Vasile Pârvan" (Prof. Dr. Alexandru Vulpe/Drd. Meda Toderaş) und das Institut für Physische Geographie der Universität Frankfurt a.M. (Prof. Dr. Jürgen Wunderlich). Teil des Teams sind Nico Becker (Tonlöffel), Prof. Dr. Norbert Benecke (Archäozoologie), Dr. Irma Berdzenishvili (Zeichnungen), Prof. Dr. Ivan Gatsov und Petranka Nedelcheva (Flintgeräte), Cristina Georgescu (Restaurierung), Dr. Jochen Görsdorf (Archäometrie), PD Dr. Andreas Hauptmann und Dr. Michael Prange (Archäometallurgie), Jorrit Kelder, M.A. (Miniaturmöbel), Florian Klimscha, M.A. (Beile), Ute Koprivc, M.A. (Handmühlen), Michael Müller (Statuetten), Andrei Mocanu (Tierfiguren), Dr. Reinder Neef (Archäobotanik), Prof. Dr. T. Douglas Price (Isotopenanalysen), Christoph Schröder (Miniaturgefäße), Dr. Baoquan Song (Geophysik), Dr. Daniel Spânu (Hausmodelle), Tilmann Vachta, M.A. (Webgewichte), PD Dr. Joachim Wahl (Anthropologie), Heide Wrobel (Schmuck) sowie Petar Zidarov (Knochen- und Geweihartefakte).
Seit Sommer 2004 wird die Grabung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert. 2006 wurde die Grabung auch mit finanzieller Unterstützung des Kultur- und Kultusministeriums in Bukarest durchgeführt.
Links zu anderen Seiten:
http://www.instarhparvan.ro/PAGINI%20SECUNDARE/activitati/santiere/preistorie/pietrele/pietrele.htm
www.pietrele.com
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Ansprechpartner
Prof. Dr. Svend Hansen
Ur- und Frühgeschichte
Telefon: 03018-7711-310
Telefax: 03018-7711-313
Email: eurasien@dainst.de
Dr. phil. Agathe Reingruber
Ur- und Frühgeschichte
Telefon: 03018-7711-316
Telefax: 03018-7711-313
Email: are@eurasien.dainst.de
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Literatur
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D. Berciu, Săpăturile de la Pietrele, Raionul Giurgiu. 1943 şi 1948. Materiale şi Cercetări Arheologice 2, 1956, 503-544.
S. Hansen/A. Dragoman/A. Reingruber, Pietrele: Ein kupferzeitlicher Tell in Muntenien/ Rumänien. Das Altertum 48, 2003, 161-189.
S. Hansen/A. Dragoman/N. Benecke/J. Görsdorf/F. Klimscha/S. Oanţă-Marghitu/ A. Reingruber, Bericht über die Ausgrabungen in der kupferzeitlichen Tellsiedlung Măgura Gorgana bei Pietrele in Muntenien/Rumänien im Jahre 2002. Eurasia Antiqua 10, 2004, 1-53.
S. Hansen/A. Dragoman/A. Reingruber/I. Gatsov/J. Görsdorf/P. Nedelcheva/S. Oanţă-Marghitu/B. Song, Der kupferzeitliche Siedlungshügel Pietrele an der Unteren Donau. Bericht über die Ausgrabungen im Sommer 2004. Eurasia Antiqua 11, 2005, 341-393.
S. Hansen/A. Dragoman/A. Reingruber/N. Benecke/I. Gatsov/T. Hoppe/F. Klimscha/ P. Nedelcheva/B. Song/J. Wahl/J. Wunderlich, Pietrele - Eine kupferzeitliche Siedlung an der Unteren Donau. Bericht über die Ausgrabung im Sommer 2005. Eurasia Antiqua 12, 2006, 1-62.
S. Hansen/M. Toderaş/A. Reingruber/I. Gatsov/C. Georgescu/J. Görsdorf/T. Hoppe/ P. Nedelcheva/M. Prange/J. Wahl/J. Wunderlich/P. Zidarov, Pietrele, Măgura Gorgana. Ergebnisse der Ausgrabungen im Sommer 2006. Eurasia Antiqua 13, 2007, 43-112.
S. Hansen, Eine tönerne Rassel in Schildkrötengestalt aus Măgura Gorgana bei Pietrele, jud. Giurgiu. Cultură şi Civilizaţie la Dunărea de Jos 22, 2005 (Festschrift für S. Marinescu-Bîlcu) 337-349.
S. Hansen, Kleine Körper, große Ideen - Statuetten aus der kupferzeitlichen Tellsiedlung Măgura Gorgana bei Pietrele an der Unteren Donau. In: N. Tasić/C. Grozdanov (Hrsg.), Homage to Milutin Garasanin (Belgrade 2006) 433-447.
S. Hansen/M. Toderaş, Pietrele. O aşezare din epoca cuprului la Dunărea de Jos (Bukarest 2007).
S. Hansen/M. Toderaş, Pietrele. Eine kupferzeitliche Siedlung an der Unteren Donau. In Festschrift ArchaeNova (im Druck).
S. Hansen/A. Reingruber/M. Toderaş, Pietrele, Măgura Gorgana: Monumentalität im Raum. Akten der AG Neolithikum der Deutschen Altertumsverbände, Schleswig 2007 (im Druck).
F. Klimscha, Die Verbreitung und Datierung kupferzeitlicher Silexbeile in Südosteuropa. Fernbeziehungen neolithischer Gesellschaften im 5. und 4. Jahrtausend v. Chr. Germania 85, 2007, 275-305.
A. Reingruber, Deckel mit besonderen Griffen aus Pietrele, Rumänien. In: F. Falkenstein/S. Schade-Lindig/A. Zeeb-Lanz (Hrsg.), Kumpf, Kalotte, Pfeilschaftglätter. Zwei Leben für die Archäologie. Gedenkschrift für Annemarie Häußer und Helmut Spatz. Studia honoraria 27 (Rahden/Westf 2008) 201-209.
A. Reingruber, Mobilität an der Unteren Donau in der Kupferzeit: Pietrele im Netz des Warenverkehrs. Das Altertum 52, 2007, 81-100.
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